Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung

Herzmedikamente wie ACE-Hemmer und Sartane auf keinen Fall wegen des Coronavirus absetzen!

Spekulationen kursieren, wonach Blutdrucksenker ACE-Hemmer und Sartane Coronavirus-Infektionen begünstigen: Daraus den Schluss zu ziehen, die Herzmedikamente ohne ärztliche Rücksprache abzusetzen, ist nach aktuellem medizinischen Kenntnisstand unbegründet.

(Frankfurt am Main, 19. März 2020) Spekulationen kursieren derzeit in Medienberichten, Herzmedikamente wie ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Sartane) könnten aufgrund bestimmter Eigenschaften eine Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) begünstigen. Dies hat zu einer Verunsicherung vieler Patientinnen und Patienten insbesondere mit Bluthochdruck und Herzinsuffizienz geführt.

Nach Angaben kardiologischer Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK), besteht für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und insbesondere mit Herzinsuffizienz, Diabetes oder der Kombination von beidem „wohl eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und eine erhöhte Sterblichkeit nach Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2“. „Umso mehr ist gerade für diese Patientengruppe die konsequente Einnahme ihrer Herzmedikamente wichtig, um ihr Herz im Falle einer Infektion mit COVID-19 oder einer anderen viralen oder bakteriellen Infektion nicht zusätzlich zu gefährden“, betont der Kardiologe und Pharmakologe Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Hintergrund der genannten Spekulationen ist unter anderem der Punkt, dass das Angiotensin-Konversionsenzym ACE2 ein Virusrezeptor für das SARS-Coronavirus in der Lunge ist. „Ob aber ACE2 auch wirklich der Rezeptor für die neue Coronavirus-Variante SARS-CoV-2/COVID-19 ist, ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand noch nicht klar“, sagt Prof. Dr. med. Thomas Eschenhagen, Direktor des Instituts für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Vermehrt hat es Berichte in den Medien darüber gegeben, dass Daten auf Basis von experimentellen zellbiologischen und tierexperimentellen Untersuchungen darauf hindeuten, dass ACE-Hemmer und Sartane die Aktivität von ACE2 im Herzen erhöhen und dadurch potenziell eine COVID-19-Infektion begünstigen könnten. „Diese Information führt bei Herz-Kreislauf-Patienten, die diese Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz einnehmen müssen, zu großer Verunsicherung“, gibt Prof. Eschenhagen, der auch Vorstandssprecher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung ist, zu bedenken. „Für die – auch in einem renommierten Fachjournal – formulierte Hypothese, Patienten könnten aufgrund der Einnahme von ACE-Hemmern und Sartanen eine schlechtere Prognose bei einer SARS-CoV-2-Infektion haben, fehlt es aber bislang an klinischer Evidenz.“ So sieht es auch die Fachgesellschaft für Kardiologie DGK: „Es gibt zurzeit keine eindeutigen Hinweise dafür, dass die Gabe von ACE-Hemmstoffen oder Sartanen mit einer erhöhten Sterblichkeit oder Anfälligkeit für Lungenkomplikationen nach SARS-CoV-2 assoziiert ist.“

Hingegen verfügen ACE-Hemmer und Sartane über eine durch Studien vielfach belegte Wirkung bei Bluthochdruck und Herzinsuffizienz. „Diese Herzmedikamente dienen bei diesen Erkrankungen zur Senkung der Sterblichkeit und der Wahrscheinlichkeit für Krankenhauseinweisungen“, unterstreicht der Kardiologe Prof. Meinertz. Die Deutsche Herzstiftung warnt Patienten deshalb ausdrücklich davor, ohne Rücksprache mit dem Arzt Herzmedikamente wie ACE-Hemmer und Sartane abzusetzen oder die Dosierung zu ändern. „Die lebensbedrohlichen Risiken durch Herzinfarkte und Schlaganfälle im Falle eines plötzlichen Absetzens dieser Herzmedikamente überwiegen deutlich gegenüber den nur auf Basis von Hypothesen vermuteten Vorteilen einer Vermeidung von ACE2 und seiner Wirkung bei einer SARS-CoV-2-Infektion“, betont Meinertz.

Weitere Infos der Herzstiftung zum Coronavirus unter: www.herzstiftung.de/pressemeldungen_artikel.php?articles_ID=956

Quellen:
www.thelancet.com/action/showPdf?pii=S2213-2600%2820%2930116-8
https://dgk.org/daten/sars-cov-2-pm.pdf
www.aerzteblatt.de/nachrichten/111070/COVID-19-Zweifel-am-erhoehten-Risiko-fuer-einen-komplizierten-Verlauf-durch-Antihypertensiva"

Kontakt zur Pressestelle: Michael Wichert/Pierre König, Tel. 069 955128114/-140, E-Mail: presse@herzstiftung.de


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