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Covid-19: Diese Medikamente helfen bei Erkrankung

Impfen bietet den besten Schutz vor Covid-19. Inzwischen können auch einige Medikamente erkrankten Patienten helfen. Eine Übersicht.

Erstellt: 24.11.2021

Handschuhe Medikamente
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Kein Ersatz für die Impfung

Etwa fünf Prozent der Patienten, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren, erkranken so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen. Das Durchschnittsalter der Neuinfizierten liegt mittlerweile bei 31 Jahren. Eine Covid-19-Impfung inklusive Boosterimpfung mit den zugelassenen Vektor-, bzw. mRNA-Impfstoffen bietet nach Auffassung von Wissenschaftlern nach wie vor den allerbesten Schutz vor einer schweren Covid-19-Erkrankung. Dennoch gibt es inzwischen ein paar Lichtblicke, wie man mit Medikamenten bei einer Infektion denjenigen erkrankten Patienten, die ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben, doch noch helfen kann. 

„Dass es inzwischen mehr zugelassene Substanzen gibt, mit denen gerade bei Risikopatienten ein schwerer Verlauf verhindert oder bei bereits schwerkranken Covid-Patienten das Risiko, zu sterben, verringert werden kann, ist sehr hilfreich“, so Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Er betont jedoch zugleich, dass diese Medikamente kein Ersatz für den Impfschutz seien. „Wer schwer an Covid-19 erkrankt, braucht meist ein ganzes Arsenal an Medikamenten. Und dieser Medikamenten-Cocktail geht immer auch mit einem entsprechenden Nebenwirkungspotenzial einher – unabhängig von den gesundheitlichen Risiken, die die Infektion an sich schon birgt“, warnt der Kardiologe. So sei z.B. das Herz bei kritisch kranken Patienten häufig mitbeeinträchtigt. Die Patienten wiesen höhere kardiale Entzündungswerte auf und hätten häufiger Herzrhythmusstörungen. Die Risikokonstellation sei damit bei einer Erkrankung viel größer ist als die Risiken einer Impfung. 

Für die medikamentöse Therapie von Covid-19-Patienten im Krankenhaus gibt es prinzipiell zwei Ansätze: immunmodulatorisch und antiviral. Im Folgenden sind diejenigen Therapeutika aufgeführt, für die es aus kontrollierten Studien gute Belege für ihre Wirksamkeit gibt. 

Kortikosteroide

Die Basis für immunmodulatorische Therapien bei hospitalisierten Patienten bilden aktuell Kortikosteroide. Bei Patienten mit Covid-19 und Sauerstoff-Bedarf inklusive invasiver Beatmung wird daher schon seit längerem mit Kortikosteroiden behandelt. Empfohlen wird hier eine Behandlung mit Dexamethason über zehn Tage. Mehrere kontrollierte Studie belegen damit ein verringertes Risiko an der Infektion zu sterben. Der Effekt ist vor allem bei schwer Erkrankten deutlich.

Antientzündliche Wirkstoffe

In den neuen Behandlungsrichtlinien aus dem Oktober 2021 für Patienten mit Covid-19, die ins Krankenhaus müssen, sind nun neben dem Kortison Dexamethason und monoklonalen Antikörpern (s.u.) auch sogenannte Januskinase (JAK)-Inhibitoren als medikamentöse Therapieoptionen aufgeführt. Denn es gibt inzwischen ausreichend Belege für einen Überlebensvorteil, wenn diese bei hospitalisierten Covid-Patienten ohne Sauerstoffbedarf (Frühphase) eingesetzt werden, wie es in den Leitlinien heißt. Die antientzündliche Wirkung der Substanzen soll die überschießende Immunreaktion abmildern, die bei einem Teil der mit SARS-CoV-2 Infizierten auftritt. Vertreter aus dieser Substanzklasse sind z.B. Baricitinib, Tofacitinib und Ruxolitinib. In einer Studie mit Baricitinib etwa, das ansonsten gegen Rheumatoide Arthritis und bei schwerer Neurodermitis angewendet wird, kam es zu deutlich weniger schweren Beatmungsfällen. Die Todesfallrate betrug 8% verglichen zu 13 % ohne diese Behandlung. In den USA ist Baricitinib (Handelsname Olumiant) bereits per Notfallzulassung gegen COVID-19 freigegeben. 

Die WHO empfiehlt zudem auch den Einsatz von antientzündlichen Substanzen aus der Gruppe der Interleukin-6 (IL-6)-Antagonisten, wie den Wirkstoff Tocilizumab. Die Substanz wird in den aktuellen Leitlinien allerdings nur bei Patienten mit Sauerstoffbedarf und sich schnell verschlechterndem Zustand empfohlen. Zusammen mit einer Kortisontherapie konnte in Untersuchungen damit ebenfalls ein tödlicher Covid-19-Ausgang  häufiger vermieden werden. 

Monoklonale Antikörper

Antikörper beruhen auf dem Prinzip, dass sie ein Virus abfangen, indem sie sich ein eine spezifische Stelle anheften und seine Wirkung neutralisieren. Im Fall von SARS-CoV-2 binden sie an das sogenannte Spikeprotein auf der Virusoberfläche, so dass das Virus nicht mehr in Interaktion mit menschlichen Zellen treten und eindringen kann. In Europa – und damit auch in Deutschland – zugelassen sind bereits die Kombination der beiden Antikörper Casirivimab plus Imdevimab (Handelsname: Ronapreve, Hersteller: Roche) sowie der Antikörper Refdanvinab (Handelsname: Regkirona, Hersteller: Celltrion). Zudem befinden sich weitere Antikörper in Zulassungsverfahren.

Die Antikörperzubereitungen werden in der Regel per Infusion oder Injektion verabreicht. Ronapreve kann zum Beispiel bei infizierten Patienten ab 12 Jahren eingesetzt werden, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen und die ein hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben. Laut Leitlinien wird ein Einsatz bis max. 7 Tage nach Symptomenbeginn empfohlen und nur für Patienten, die noch keine Antikörper gegen SAR-CoV-2 ausgebildet haben. In Studien konnte hier mit der Kombination das Risiko von Krankenhauseinweisung oder Tod bei Covid-19-Patienten um 70 % verringert werden verglichen zu einer Nichtbehandlung. Die Zulassung erlaubt auch eine Anwendung zum Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung nach Kontakt mit dem Virus oder bei gefährdeten Patienten, die einen dauernden Schutz benötigen.

Für den Antikörper Remdesivir gibt es keine explizite Empfehlung. Bei Covid-19-Patienten ohne Sauerstoffbedarf und schwererkrankte mit invasiver Beatmung sollte laut Leitlinie die Substanz definitiv nicht eingesetzt werden, da keine ausreichende Wirksamkeit belegt ist.  

Molnupiravir

Die Substanz ist ein sogenanntes Virustatikum und wurde ursprünglich als Mittel zur Grippetherapie entwickelt. Nach dem Einschleusen von Molnupiravir in das virale Erbgut wird die Virusvermehrung effektiv gestört. Im Unterschied zu den meisten anderen Substanzen, die gegen das SARS-CoV-2-Virus getestet werden, kann Molnupiravir als Tablette eingenommen werden. Es wird derzeit als Mittel zur Frühtherapie von Covid-Hochrisikopatienten getestet.

Einer klinischen Studie des Herstellers Merck Sharp & Dohme zufolge halbiert das Medikament bei infizierten Patienten das Risiko einer Krankenhauseinlieferung und eines tödlichen Krankheitsverlaufes. In England ist die Substanz bereits seit dem 11. November 2021 zugelassen. In Europa und damit auch Deutschland erfolgte eine Notfallzulassung dann am 19. November.

Paxlovid

Hierbei handelt es sich um ein noch nicht zugelassenes Präparat des Unternehmens Pfizer, das zwei Substanzen kombiniert: PF-07321332 plus Ritonavir. Erstere blockiert ein für die SARS-CoV-2-Vermehrung wichtiges Protein. Ritonavir, das auch in der Behandlung bei HIV und Hepatitis C eingesetzt wird, verstärkt nochmals den Effekt der ersten Substanz.

Das Präparat kann ebenso wie Molnupiravir als Tablette eingenommen werden. Den Zwischenergebnissen einer Studie mit Hochrisikopatienten zufolge reduzierte eine binnen fünf Tagen nach Covid-Symptombeginn gestartete Paxlovid-Therapie das Risiko für Hospitalisierung um relative 89 Prozent. 

Fluvoxamin

Die eigentlich als Antidepressivum und bei Zwangsstörungen zugelassene Substanz liefert aus Untersuchungen zur Blutvergiftung (Sepsis) den Hinweis auf eine mögliche Wirksamkeit bei Infektionen. In einer ersten brasilianischen Studie wurde dies nun auch bei 9803 symptomatischen COVID-19-Kranken mit mindestens einem Risikofaktor für einen schweren Verlauf untersucht. Das Ergebnis: Die Zahl der Krankenhausaufnahmen sowie die Zahl der Todesfälle wurden deutlich reduziert. Einen positiven Effekt auf die Covid-Symptomatik haben auch US-Mediziner in eine kleinen Untersuchung mit 150 Patienten festgestellt. Weitere Daten aus großen kontrollierten Studien fehlen allerdings, die dies sicher bestätigen. 

Arzneistoffe mit ungesicherter oder fehlender Wirkung

Für eine ganze Reihe von Arneistoffen, die zum Teil auch in Studien bei Covid-19-Patienten untersucht wurden, gibt es bislang keine ausreichenden oder sogar negative Daten zur Wirksamkeit bei gleichzeitig potenziell toxischen Effekten. Daher sollten sie auch nicht zur Behandlung eingesetzt werden. Zu diesen Arzneistoffen gehören u.a.: Rekonvaleszentenplasma, Ivermectin (Entwurmungsmittel), Colchicin (Gichtmittel) oder Anakinra (immunsuppressiver IL-1-Rezeptorantagonist).

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

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  1. Effect of Dexamethasone on Days Alive and Ventilator-Free in Patients With Moderate or Severe Acute Respiratory Distress Syndrome and COVID-19; JAMA. 2020;324(13):1307-1316. doi:10.1001/jama.2020.17021
  2. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001LG.html
  3. https://www.who.int/news
  4. https://www.merck.com/media/news/
  5. https://www.pfizer.com/news/
  6. NEJM 2021, online 25. August, doi: 10.1056/NEJMoa2110475 
  7. Circulation 2021, 20.Juli, doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.056135
  8. Effect of early treatment with fluvoxamine on risk of emergency care and hospitalisation among patients with COVID-19; Lancet; doi.org/10.1016/S2214-109X(21)00448-4
  9. Fluvoxamine vs Placebo and Clinical Deterioration in Outpatients With Symptomatic COVID-19; JAMA. 2020;324(22):2292-2300. doi:10.1001/jama.2020.22760