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Herzinfarkt rechtzeitig erkennen: Auf diese Anzeichen sollten Sie achten

Je schneller ein Herzinfarkt behandelt wird, desto größer sind die Überlebenschancen.

Mann fasst sich mit Schmerzen an die Brust
fizkes - stock.adobe.com

Bei einem Herzinfarkt ist jede Sekunde Gold wert – je schneller er erkannt und behandelt wird, desto höher sind die Chancen, keine schwerwiegenden Folgen davonzutragen oder nicht daran zu sterben. Doch viele Menschen zögern, den Notruf 112 zu wählen, und verlieren damit lebensrettende Zeit. Dabei gibt es deutliche Anzeichen für einen Herzinfarkt. Informieren Sie sich hier, wie Sie ihn schnell erkennen und was dann zu tun ist.

Lebensgefahr aus heiterem Himmel – so plötzlich geschieht ein Herzinfarkt

Bei einem Herzinfarkt gerät unser Herz urplötzlich und völlig unerwartet in Not. Eine Region wird nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Das passiert dann, wenn sich ein Herzkranzgefäß verschließt. Denn die Blutgefäße sind für die Blut- und Sauerstoffzufuhr zuständig. Bei einem Verschluss können sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen – was fatale Folgen haben kann: Teile des Herzmuskels können absterben, wodurch die Pumpkraft des Herzens ein Leben lang herabgesetzt wird. Im schlimmsten Fall kommt es zu Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern), die unbehandelt tödlich sind. 

Beste Hilfe: sofort reagieren!

Schwerwiegende Folgen eines Herzinfarkts lassen sich am besten durch sofortige Hilfe verhindern. Wird ein Herzinfarkt schnell behandelt, kann sich das Herz sogar in der Regel vollständig erholen. Je länger der Herzinfarkt hingegen andauert, desto mehr Herzmuskelgewebe wird unwiederbringlich zerstört. 

Damit das Herz also eine Chance hat, ist es wichtig, die ersten Anzeichen eines Herzinfarkts zu kennen:
  • Starke Schmerzen und Druckgefühl im Brustkorb: Anzeichen für einen Herzinfarkt können Schmerzen sein, die überwiegend im Brustkorb oder häufig auch ausschließlich hinter dem Brustbein auftreten. Sie können in andere Körperteile wie Arme, Oberbauch, Rücken, Hals, Kiefer oder Schulterblätter ausstrahlen. Brustschmerzen oder Atemnot bei kleinsten Belastungen oder in Ruhe sind besonders alarmierend. Dahinter könnte die sogenannte instabile Angina pectoris (Brustenge) stecken, aus der sich jederzeit ein Herzinfarkt entwickeln kann. Generell gilt: Halten die Schmerzen länger als fünf Minuten an, sollten Sie sofort handeln.
  • Massives Engegefühl: Viele Menschen spüren als Anzeichen für einen Herzinfarkt einen heftigen Druck oder ein sehr starkes Einschnürungsgefühl im Brustkorb – so, als würde ihnen „ein Elefant auf der Brust stehen“. 
  • Heftiges Brennen: Im Brustkorb kann ein starkes Brennen auftreten. 
  • Angstschweiß mit kalter, fahler Haut: Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, spüren häufig starke Angst, die durch blasse Gesichtshaut und kalten Schweiß auch sichtbar wird. sichtbar wird.
  • Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch: Die Anzeichen für einen Herzinfarkt können zudem recht unspezifisch sein – vor allem bei Frauen. Um auf Nummer sicher zu gehen und auch diese Symptome nicht zu übersehen, gilt die Empfehlung, immer dann einen Rettungswagen mit Notarzt zu rufen, wenn die Beschwerden in einem noch nie zuvor erlebten Ausmaß auftreten.

Vorboten des Herzinfarkts nicht ignorieren!

Auch wenn bei vielen Patienten der Herzinfarkt plötzlich und ohne Vorboten kommt, so treten nach neueren Daten in ca. 50 % der Herzinfarktpatienten Symptome auch 24-48 Std. vor dem eigentlichen Herzinfarkt auf. Die Patienten berichten über kurze Phasen von Brustkorbenge oder Brennen hinter dem Brustbein. Dies kann in Ruhe oder bei leichter Belastung auftreten, gelegentlich tritt auch nächtliches Erwachen mit diesen Beschwerden auf. 

Bei vielen Patienten ist eine koronare Herzerkrankung bekannt. Die meisten dieser Patienten haben nach einer Behandlung mit Medikamenten oder Stents oder seltener auch mit einer Bypassoperation über eine lange Zeit keine oder nur geringere Beschwerden bei größerer Anstrengung. Dies wird ein chronisches koronares Syndrom genannt. Treten allerdings in dieser Gruppe Beschwerden auf oder die vorbestehenden chronischen Beschwerden nehmen zu, dann besteht Gefahr und es muss schnell gehandelt werden. Es hat sich ein Akutes Koronarsyndrom (ACS) entwickelt, ein Herzinfarkt kann auftreten.  In dieser Situation muss sehr  schnell ärztliche Hilfe erfolgen, sollten die Beschwerden auch in Ruhe bestehen, muss die 112 gerufen werden, es droht Lebensgefahr.

Was tun im Notfall? Handeln, nicht grübeln!

Viele Menschen tun sich schwer damit, die Notrufnummer 112 zu wählen. Zögern Sie nicht, wenn Sie die oben genannten Anzeichen bei sich oder einer anderen Person entdecken. Äußern Sie deutlich Ihren Verdacht auf Herzinfarkt. Sie sind unsicher und können sich einfach nicht zum Anruf bei der Rettungsleitstelle durchringen? Dann grübeln Sie nicht, sondern lassen Sie sich in die nächste CPU („Chest Pain Unit“, Brustschmerzambulanz) fahren. Fahren Sie auf keinen Fall selbst! Die CPU ist Anlaufstelle für alle Patientinnen und Patienten mit akuten Brustkorbbeschwerden. Sie benötigen keine Überweisung und müssen sich auch nicht mit Anmeldeformalitäten aufhalten. Die CPU ist rund um die Uhr geöffnet und mit allen modernen Geräten für die Notfallversorgung ausgerüstet. Alternativ können Sie sich natürlich auch an die Ambulanz einer Klinik wenden – im besten Fall verfügt diese über ein Herzkatheterlabor.  

 

Herzinfarkt-Anzeichen

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16 Kommentare

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Anonymer Gast Rot an der Rot

Ich wollte mich nur noch bedanken, es ist schon ein paar Jahre her, aber das Lesezeichen im Browser hatte ich. Ihre Empfehlungen waren sehr hilfreich. Ich bin so sicher ins Krankenhaus gekommen und heute um einen Stent reicher.

Walther H. Kirchberg

Ich hatte die aufgezeigten Symtome.Bin sofort in die Notaufnahme gefahren und am nächsten Tag wurden mir 2 Stents gelegt.Alles iO.Sofort handeln wenn möglich.

Ulrich S. Sangerhausen

Habe das alles so erlebt und erfolgreich und zeitnah gehandelt. Fazit alles super!

Annie C. Duisburg

Mein Vater und mein Mann hatten beide bereits einen Herzinfarkt. Die Anzeichen entsprachen genau der Schilderung oben. Ich wünschte ich hätte diese Seite schon früher gelesen!

Frau Lia Schneider Weilheim

Oh sie arme! Das tut mir leid!😭
Haben es ihr Vater und ihr Mann gut überstanden?

Hartmut L. Werder

einfach und klar

Bernd L. Hamburg

Genau wie beschrieben kam bei mir auch vor. Einschnüten der Brust Druck bis zum Kiefer und in den Arm.

Frau Lia Schneider Weilheim

Sie armer!
Tut mir sehr leid für sie!

Andreas Bochum

Ich muss beruflich viel reisen und habe im Dezember 2018 einen Herzinfakt in Nigeria, Afrika erlitten. Schmerzen in den Schultern, Schmerzen im Kiefer bis in die Brust, übergeben ebenfalls. Im Hospital von Lagos konnte man nicht viel helfen, nur Blutverdünner. Wieder in Deutschland zurück habe dann In Bochum 2 Stenz bekommen und muss täglich Ticagrelor,ASS,Ramipril,Eplerenon und Atorvastatin einnehmen.2 Wochen nach meiner Stent Setzung bin ich wieder auf Reise gegangen. Zur Zeit im Oman.Seit meinem Herzinfakt lese ich regelmässig fast alles von der deutschen Herzstiftung und ich bin froh dass es sie gibt.

Jürgen Ingolstadt

Dank dieser Info konnte ich schnell einen Herzinfarkt bei mir identifizieren und die Rettung alarmieren. Durch die frühe Erkennung konnten große Folgeschäden vermieden werden. Habe zwar einen Stent bekommen, aber das Herz ist weiterhin I.O. Gott sei Dank!

Henri O. Echem

Das hat sehr geholfen.

Frau Lia Schneider Weilheim

Ja mir auch sehr!

Klaus-Peter S. Oberkrämer

Bitte nicht müde werden und weiter so! Danke für jeden Hinweis!

Suse Siegburg

Ja, es ist vor allem sehr gut und wichtig zu wissen, dass ein Herzinfarkt und die Symptome bei Frauen oftmals anders ablaufen als bei Männern, gerade auch Hinterwandinfarkte!!! Dank Herzstiftung.de tragen Sie zur Information sehr gut bei und haben dadurch schon viele Leben gerettet. DANKE :-)

Gerda F. Homburg

super, dass ich mich so gut informieren konnte. Vielen Dank dafür

L. Nürnberg

Klar und verständlich erläutert.