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Herzinfarkt: Folsäure senkt nicht das Risiko

Die Einnahme von Vitaminpillen ist nicht sinnvoll und kann sogar der Gesundheit schaden.

Es gab Zeiten, da nahmen viele Menschen als Schutz vor einem Herzinfarkt Folsäure ein. Heute wissen wir: Das Vitamin senkt das Herzinfarktrisiko nicht und sollte nicht vorbeugend künstlich zugeführt werden.

Warum lässt sich ein Herzinfarkt nicht durch Folsäure verhindern?

Die Empfehlungen von Herzspezialistinnen und -spezialisten zur Einnahme von Folsäure haben sich in den vergangenen Jahren entscheidend geändert. Früher war es gang und gäbe, Folsäure zum Schutz gegen Herzinfarkte einzunehmen. Denn Studien hatten ergeben, dass erhöhte Blutwerte der Aminosäure Homocystein mit einer erhöhten Rate an Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Durchblutungsstörungen in den Armen und Beinen einhergehen können. Es lag also nahe zu glauben, dass man das Risiko für diese Erkrankungen senken kann, wenn man den erhöhten Blutwert von Homocystein senkt. Und tatsächlich: In vielen Fällen kann eine Kombination aus Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 den Homocystein-Wert drastisch senken. Also empfahl man die Einnahme dieser Vitamine. Das ging teilweise so weit, dass die Vitamin-Präparate als eine Art Wundermittel angepriesen wurden – auch dann, wenn der Homocystein-Spiegel gar nicht erhöht war, quasi als reine Vorbeugung.

Was wissen wir heute über die Folsäure?

Heute wissen wir mehr: Zwar lässt sich ein erhöhter Homocystein-Wert wirklich mit einer Kombination aus Folsäure, Vitamin B6 und B12 senken – das hat aber keinen Einfluss auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das liegt daran, dass ein erhöhter Homocystein-Wert kein eigenständiger Risikofaktor für Herzinfarkte ist, sondern nur eine Begleiterscheinung von anderen bestehenden Herzinfarktrisiken. Senkt man den Wert, hat man lediglich die Begleiterscheinung behandelt, nicht aber den tatsächlichen Herzinfarktrisikofaktor beseitigt. 

Künstlich zugeführte Folsäure kann schaden statt nützen

Obwohl großangelegte Studien mittlerweile belegen, dass Folsäure keinen Einfluss auf das Herzinfarktrisiko hat, findet sich auch heute noch vor allem im Internet eine Vielzahl an Empfehlungen und Anpreisungen für Folsäure als Schutz gegen die Erkrankung. Das ist gefährlich, denn es hat in der Vergangenheit immer wieder Hinweise gegeben, dass die künstliche Zufuhr von Vitaminen in Pillenform in bestimmten Fällen die Gefahr für verschiedene Tumore erhöhen kann. Es empfiehlt sich also nicht, eigenständig Vitaminpräparate einzunehmen, ohne einen medizinischen Rat einzuholen.

Welche Vorbeugung gegen Herzinfarkt ist sinnvoll? 

Wenn Sie sich wirkungsvoll vor einem Herzinfarkt schützen möchten, sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und achten Sie vor allem auf einen gesunden Lebensstil. 

Herz-Tipp:

Auch wenn Folsäure als Schutz gegen Herzinfarkte versagt, ist sie doch für andere Verwendungen ausdrücklich angeraten – zum Beispiel in der Schwangerschaft.    

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

4 Kommentare

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Herr O Meiner Gernsbach

Klar helfen Nährstoffe nicht. Wie soll denn die arme Pharmaindustrie und deren Lobby verdienen, wenn alle nur noch Nährstoffe einnehmen würden.

Geri Wien

Körperliche Bewegung ist Alles!!! Auch wenn man etwaige Schmerzen überwinden muss, nachher gehts einen wohler u. besser!!!

Reinhold M.

Kann aus eigener langjähriger Erfahrung mit der Einnahme von Medyn-Forte und Medyn sagen, dass mehr Bewegung pp. mehr zu einem guten Homocysteinwert beiträgt als die Einnahme von Medyn.

Hartmut K. Sachsen

Ich bin selbst im Bereich Pharma und NEG tätig und muss bestätigen, nicht alles, was angepriesen wird sollte unkritisch akzeptiert werden. Ganz im Gegenteil!