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Blutdruck messen: So bekommen Sie verlässliche Werte

Was Sie bei der Blutdruckmessung beachten müssen und worauf es bei der Benutzung von Blutdruckmessgeräten ankommt.

Aktualisiert: 15.12.2021

Blutdruck messen
Microgen - stock.adobe.com

Blutdruck messen erfordert Ruhe. Sonst sind die ermittelten Blutdruckwerte schnell zu hoch. Nicht umsonst liegt die Messgrenze in der Arztpraxis etwas höher – Patientinnen und Patienten sind oft aufgeregt. Blutdruck messen mit dem Blutdruckmessgerät: Darauf müssen Sie achten.

Blutdruck messen: Wie häufig?

Weltweit hat sich die Zahl der erwachsenen Menschen mit Bluthochdruck in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt. Viele Betroffene wissen nichts von diesem Risikofaktor für ihre Gefäße.  In Deutschland schätzen Experten aus, dass das etwa bei jedem fünften Erwachsenen der Fall ist. Daher raten Mediziner, dass jeder Erwachsene seinen Blutdruck kennen sollte. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten, den Blutdruck zu messen: Die Blutdruckmessung beim Arzt, die Selbstmessung zu Hause oder die kontinuierlichen 24-Stunden-Messung. Außerdem gibt es noch eine besondere Bestimmungsart: die Pulswellenanalyse  . Doch wie oft ist eine Messung sinnvoll? Das hängt unter anderem von der Höhe der ermittelten Werte ab. Bei Erwachsenen mit optimalen Werten reicht die nächste Kontrolle (sofern keine Beschwerden neu hinzukommen) alle fünf Jahre, bei Erwachsenen mit normalen Blutdruckwerten wird die Kontrolle nach drei Jahren angeraten. Sind die Werte hochnormal ist eine jährliche Kontrolle sinnvoll. Bei Bluthochdruck ist eine regelmäßige Messung wichtig, etwa in Form einer monatlichen “Messwoche ”.

Blutdruck messen: Welche Werte sind normal? 

Zur Bestimmung der Blutdruckwerte hat sich folgende Einteilung etabliert: Optimal sind nach Angaben der europäischen Fachgesellschaft für Kardiologie Werte unter 120/80 mmHg, normal sind Werte von 120-129/80-84 mmHg und hochnormal sind Werte von 130-139/85-89 mmHg. Von Bluthochdruck sprechen Ärzte immer dann, wenn die Oberarm-Messungen in der Arztpraxis an zwei verschiedenen Tagen Werte von 140/90 mmHg oder höher ergeben. Bei Selbstmessungen zu Hause gilt eine Obergrenze bereits bei einem Wert von 135/85 mmHg, wenn dieser an im Schnitt sieben aufeinanderfolgen Tagen besteht. Dass die Blutdruckwerte in der Praxis höher sein dürfen, hat einen Grund: Meist sind die Patientinnen und Patienten bei Messung etwas aufgeregt. Mediziner sprechen dann von „Weißkittelhochdruck“. Hinzu kommt, dass sie davor vielleicht noch einkaufen waren und Stress hatten: All das erhöht die Blutdruckwerte. Zuhause in der eigenen Wohnung sind die meisten entspannter – und der Blutdruck automatisch etwas niedriger. In der Arztpraxis erfolgt daher idealerweise die Blutdruckmessung unbeaufsichtigt: Dem Patienten wird die Blutdruckmanschette angelegt, er sitzt dann alleine in einem ruhigen Raum. Nach kurzer Wartezeit führt das Gerät automatisch mehrere Messungen durch. Das erste Ergebnis wird nicht berücksichtigt, aus den anderen Messungen wird der Mittelwert errechnet. Diese Werte entsprechen dann am ehesten der “stressfreien” Selbstmessung zu hause.

Liegen die in der Praxis und die zuhause ermittelten Werte deutlich auseinander, empfehlen Ärzte eine 24-Stunden-Langzeitblutdruckmessung. Bei der 24-Stunden-Blutdruckmessung sollte der Mittelwert aus Tag und Nacht unter 130/80 mmHg liegen, um einen Bluthochdruck auszuschließen. „Diese Messung hat den Vorteil, dass auch der Blutdruck im Schlaf erfasst wird und somit die Folgen eines Schlafapnoe-Syndroms leichter erkannt werden können. Denn normalerweise fällt der Blutdruck im Schlaf ab (dipping), um dem Körper und den Gefäßen Entspannung zu verschaffen (1). Kommt es dagegen nicht zum nächtlichen Blutdruckabfall, sollte der Arzt nach den Ursachen fahnden“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Herzspezialist und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung e.V. Zudem senkt die 24-Stunden-Blutdruckmessung das Risiko, dass aufgrund erhöhter Praxiswerte eine Medikation zusammengestellt wird, die für den „Heimgebrauch“ zu hoch ist. Doch auch in den eigenen vier Wänden gibt es einige Einflussfaktoren, die zu einer Fehleinschätzung des Blutdrucks führen können.

Blutdruck messen: die richtige Position 

Bevor Sie zuhause Ihren Blutdruck messen, sollten Sie zur Ruhe kommen. Vermeiden sie vorab sportliche oder intensivere körperliche Aktivitäten. Setzen Sie sich 5 Minuten hin – am besten auf einen Stuhl –, legen Sie den Arm auf den Tisch und entspannen Sie. Die körperliche Ruhe hilft Ihnen, möglichst nah an Ihr normales Blutdruck-Niveau zu kommen. Stellen Sie zudem die Beine nebeneinander. Bei übereinander geschlagenen Beinen steigt der Blutdruck durch die Anspannung der Muskulatur. Wichtig ist bei der anschließenden Messung die richtige Position der Blutdruckmanschette: Die Blutdruckmanschette am Oberarm sollte auf Herzhöhe liegt. Liegt der Messpunkt tiefer, so ist der gemessene Wert zu hoch, bei einem höher liegenden Messpunkt ist er zu niedrig. Gleiches gilt für Messgeräte am Handgelenk.

Legen Sie die Manschette nicht über der Kleidung an und engen Sie Ihren Oberarm nicht durch enge Kleidung ein. Sonst sind die Messwerte unzuverlässig. Der aufblasbare Teil der Manschette sollte sich an der Innenseite Ihres Oberarms befinden und der Verschluss außen liegen. Der Schlauch zeigt nach unten in Richtung Hand. Die Manschette sollte zudem nicht zu stramm sitzen. Tipp: Ein Finger sollte noch zwischen Manschette und Arm passen. Reden, Lachen, Musik, lautes Fernsehen sollten Sie während der Messung vermeiden. Diese sollte dreimal hintereinander durchgeführt werden mit je etwa einer halben Minute Pause dazwischen. Wie beim Arzt auch, sollten Sie nur die beiden letzten Messungen berücksichtigen und aus ihnen den Mittelwert bestimmen.

Kein Kaffee vor der Blutdruckmessung 

Trinken Sie vor der Messung weder Kaffee noch Schwarztee. Diese wirken anregend auf das Herz-Kreislauf-System und lassen den Blutdruck steigen. Ihre erfassten Blutdruckwerte sind dann ungenau. Rauchen und Alkohol erhöhen die Werte ebenfalls. Müssen Sie Blutdrucksenker und/ oder andere Medikamente einnehmen, sollten Sie Ihren Blutdruck vor der Tabletteneinnahme messen. Ein guter Zeitpunkt für die Blutdruckmessung ist der Morgen.

Blutdruck besser mehrmals messen 

Messen Sie den Blutdruck an beiden Armen. Schauen Sie dann, an welchem Arm Ihre Werte höher sind. Dort führen Sie alle folgenden Messungen durch. Unterschiede bis zu 20 mmHg sind normal. Herzexperten empfehlen zudem, den Blutdruck drei Mal in Folge mit je etwa einer halben Minute Pause dazwischen zu messen. Erfahrungsgemäß kommt es mit der Zeit zu einem gewissen Blutdruckabfall. Maßgeblich für die Erfassung der Blutdruckwerte ist der Durchschnittswert der letzten beiden Messungen. Bluthochdruck-Patienten sollten jeden Tag ihre Werte erfassen. Alternativ bietet sich auch eine “Messwoche” an. Die Messwoche läuft folgendermaßen ab:

  • Eine Woche im Monat ist Messwoche, alle anderen drei Wochen sind frei.
  • In der Messwoche wird jeden Tag sowohl morgens zum Start in den Tag als auch abends, wenn der Tag abgeschlossen ist, der Blutdruck gemessen.
  • Die Messwerte werden notiert, beispielsweise im Blutdruckpass der Deutschen Herzstiftung. Einzelne Werte, die aus der Reihe tanzen, sind in der Regel unbedenklich.
  • Aus den in der Messwoche ermittelten Daten wird der Durchschnittswert errechnet und dem Hausarzt mitgeteilt.
  • Der Durchschnittswert sollte unter 135/85 mmHg liegen.  

Herz-Tipp: 

Führen Sie ein Bluthochdruck-Tagebuch. So haben Sie einen guten Überblick über Ihre Werte. Und Sie können es zu Ihrem Arzt mitnehmen.

Das richtige Blutdruckmessgerät finden 

Blutdruckmessgeräte sind zwar geeicht, doch nicht jedes misst den Blutdruck wirklich genau. Eine Orientierung, welche Blutdruckmessgeräte für die Armmessung und die Messung am Handgelenk geeignet sind, kann Ihnen beispielsweise das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga e.V. geben. Zudem können Sie mit Hilfe von Kontrollmessungen bei Ihrem Hausarzt sicherstellen, dass Ihr Gerät zuverlässige Werte ermittelt. Lassen Sie sich das Blutdruckmessen außerdem von Ihrem Arzt oder in einer entsprechenden Schulung zeigen. Das gibt Ihnen Sicherheit.

Herz-Tipp:

Menschen mit Herzrhythmusstörungen sollten mit Ihrem Arzt über die Anschaffung eines Blutdruckmessgeräts sprechen.

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer
Portrait von Prof. Voigtländer

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Video zur Blutdruckmessung

Ihre Fragen

  1. Erfahren Sie, wie Sie verfälschte Werte aufgrund von Aufregung beim Blutdruckmessung vermeiden können.

    Dieter Klaus

    Prof. Dr. med.

  2. Sind lediglich am Morgen die Werte immer mal wieder erhöht, ist es wichtig, dass Sie nicht sofort die Dosierung der Medikamente ändern.

    Gerd Bönner

    Prof. Dr. med.

  3. Bei den meisten Menschen schwankt der Blutdruck im Laufe des Tages. Erfahren Sie, welcher Verlauf normal ist und wann eine Abklärung erfolgen sollte?

    Wolfgang Mäurer

    Prof. Dr. med.

5 Kommentare

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August S. Apartado

Bin mit dem was ich gelesen habe zufrieden.

Berthold Q. Hünfeld

Gute, hilfreiche Tipps.

Sabine G. Wien

Danke für den wertvollen Tipp! Ich habe seit 3 Jahren einen Arterien-Bypass über dem Knie und nun leider einen langstreckigen Thrombus dazu bekommen. Seither ist mein Blutdruck völlig aus der Kontrolle, was mir zuerst allerdings nicht auffiel. Doch dabei Werte um 180/95 und höher. Nun habe ich neben Blopress 16 mg, noch Ebrantil, 30 mg, bekommen und langsam beruhigt sich das System wieder. Das 2. Mal messen zeigt niedrigere Werte, was mich insgesamt beruhigt, dabei bleibe ich jetzt :-)

Joachim M. Bad Harzburg

Genauso verhält sich die Blutdruckmessung bei mir, da die Erwartungsangst auf Grund einer psychischen Erkrankung vor mehren Jahren noch immer beim Blutdruckmessen auftritt.Die Problembewältigung habe ich durch meinen Psychotherapeuten gelernt und bin jetzt viel ausgeglichener bei der Messung.

Peter A.

Das war sehr hilfreich - ich dachte ich spinne oder das Gerät ist kaputt, erste Messung, Systole 145, nächste Messung 125 und die 3. Messung 119. Jetzt bin ich beruhigter!