Artikel

Herzkatheteruntersuchung bei der koronaren Herzkrankheit

Ärzte haben viele Möglichkeiten, die KHK zu diagnostizieren. Moderne bildgebende Verfahren konnten Herzkatheteruntersuchungen aber nicht verdrängen.

Abbildung von einer Herzkatheteruntersuchung
Image Supply -Istock

Durchführung und Dauer einer Herzkatheteruntersuchung 

Um das Herz von außen, seine Kranzgefäße (Koronararterien) und die Herzmuskeldurchblutung zu untersuchen, helfen bildgebende Verfahren wie die Echokardiographie, die Magnetresonanz- und Computertomographie sowie verschiedene nuklearmedizinische Methoden. Man spricht von nicht invasiven, also unblutigen Verfahren. Sie liefern nicht immer alle benötigten exakten Informationen und dienen nur der Diagnostik.

Ein entscheidender Unterschied: Die Herzkatheteruntersuchung der Herzkranzgefäße deckt neben der präzisen Diagnostik auch ihre minimalinvasive Behandlung ab. Vom Handgelenk oder von der Leiste aus schieben Ärztinnen oder Ärzte mittels Führungsdraht einen kleinen Kunststoffschlauch (den Katheter) über die Schlagader bis zum Herzen. Um die richtige Lage zu kontrollieren, durchleuchten sie einzelne Körperregionen mit Röntgenstrahlung. Während der Prozedur erfolgt auch die Gabe von jodhaltigem Kontrastmittel.

Patientinnen und Patienten sind meist bei vollem Bewusstsein. Sie erhalten allenfalls ein beruhigendes Medikament und immer eine örtliche Betäubung an der Einstichstelle des Katheters. Je nach Fragestellung kann der Aufenthalt im Herzkatheterlabor unter 30 Minuten betragen oder einige Stunden dauern. Die reine Untersuchung (Röntgendurchleuchtungszeit) kann deutlich unter einer Minute liegen. Im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung können Ärztinnen und Ärzte ganz genau untersuchen, ob beispielsweise die Herzkranzgefäße an einer oder mehreren Stellen bedeutsam verengt oder auch frei von derartigen Veränderungen sind.

verengte Herzkranzgefäße
herzemdizin.berlin

(links) Herzkranzgefäß mit einer Engstelle (Stenose). (rechts) Nach Beseitigung der Stenose mit einem Ballonkatheter.

Herzkatheter: Von der Diagnose zur Therapie 

Hier kommt die zweite Stärke der Methode zum Tragen. Entdecken Ärztinnen und Ärzte in den Herzkranzgefäßen eine bedeutsame Engstelle (Stenose) oder behandeln sie Patientinnen und Patienten im akuten Herzinfarkt, versuchen sie, Koronararterien wieder durchgängig zu machen. Die Technik heißt perkutane transluminale koronare Angioplastie (PTCA) oder percutaneous coronary intervention (PCI). Was ist darunter zu verstehen? Über den Katheter lassen sich nicht nur Engstellen der Herzkranzgefäße bildlich darstellen, sondern auch öffnen. Dazu schiebt man in vielen Fällen zunächst einen Druckdraht in das verengte Kranzgefäß, der ggf. eine noch präzisere Bestimmung der Engstelle ermöglicht (Druckdrahtmessung; FFR, IFR, RFR). Im Falle einer nachgewiesen bedeutsamen Stenose kann über den Draht ein Ballon bis an die Engstelle vorgebracht und mit hohem Druck entfaltet werden. So wird die Verengung erweitert und ein verbesserter Blutfluss erzeugt. Hier macht man sich die Elastizität der Gefäße zu Nutze: Ablagerungen werden vom Ballon in die Gefäßwand gedrückt. Um in diesem Bereich eine erneute Verengung zu verhindern, setzen Ärztinnen und Ärzte während derselben Untersuchung kleine metallnetzartige Gefäßstützen in das Blutgefäß ein. Diese sogenannten „Stents“ sind heute ganz überwiegend beschichtet und setzen Medikamente frei, damit der behandelte Bereich nicht wieder zuwächst. Gefäßstützen, die vom Körper nach einiger Zeit abgebaut werden, haben bis heute keine überzeugenden Langzeitergebnisse gezeigt. Welche Stents sich eignen und welche gerinnungshemmenden Arzneistoffe (sogenannte Plättchenhemmer) anschließend wie lange erforderlich sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Grundsätzlich erfolgt eine PTCA als geplanter Eingriff bei der chronisch stabilen koronaren Herzkrankheit, aber auch als lebensrettender Notfalleingriff beim akuten Herzinfarkt.

Risiken einer Herzkatheteruntersuchung 

Bleibt als Fazit, dass Herzkatheteruntersungen heute zu den Routinemethoden gehören. Trotzdem machen sich Betroffene große Sorgen. Die Herzstiftung gibt Entwarnung, denn längst liegen Qualitätsuntersuchungen für Deutschland vor. Im Jahr 2015 veröffentlichte Daten zeigen, dass die Häufigkeit schwerwiegender Komplikationen einer rein diagnostischen Herzkatheteruntersuchung (ohne Eingriff) – darunter Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod – bei deutlich unter 2 % liegt. Dieser Wert steigt auf über 4 % bei instabilen Patientinnen und Patienten, bei denen ohne Eingriff eine verheerende Prognose vorläge – z. B. im Herzinfarkt oder kardiogenen Schock. Bei nicht lebensbedrohlich erkrankten Menschen sind schwerwiegende Komplikationen und Todesfälle sehr selten. Darüber hinaus belegen mittlerweile umfangreiche Daten, dass der Zugangsweg vom Handgelenk mit einer (im Vergleich zum Zugang von der Leiste) signifikant geringeren Wahrscheinlichkeit für einen relevanten komplizierten Verlauf einhergeht. Leitliniengemäß wird daher insbesondere in der Akutsituation (Herzinfarkt etc.) der Zugangsweg vom Handgelenk gewählt. Die dabei viel seltener auftretenden Blutungskomplikationen werden sich erneut günstig auf obige Zahlen auswirken.

Noch ein Blick auf die Röntgenstrahlung beim Herzkatheter: Im Vergleich mit Patientinnen und Patienten im Herzkatheterlabor kommt Flugpersonal wie Piloten oder Purser auf deutlich höhere Werte, ohne in signifikantem Maß gesundheitliche Folgen davonzutragen. Unverträglichkeitsreaktionen auf das Kontrastmittel können vorkommen. Bekannte Allergien, eingeschränkte Nierenleistung und bestimmte Schilddrüsenerkrankungen erfordern ggf. vorbereitende Maßnahmen und eine entsprechende Nachsorge.

Experte

Prof. Dr. med. Christoph Langer
Prof. Christoph Langer

Unsere Empfehlungen für Sie

  1. Bei manchen Präparaten können Atemnotgefühle eine Nebenwirkung sein. Allerdings sollte man bei den Ursachen auch an weitere Herzkrankheiten denken.

    Axel Schmermund

    Prof. Dr. med.

  2. Alle Fakten zur KHK-Therapie, etwa Medikamente, Stents oder Bypass-Operationen, finden Sie hier.
  3. Wie erkennen Ärztinnen und Ärzte eine koronare Herzkrankheit? Nach welchen Symptomen fragen sie? Und welche Möglichkeiten zur Diagnose gibt es?

Unsere Quellen:

  • Internet: http://www.sqg.de/sqg/upload/CONTENT/Qualitaetsberichte/2012/AQUA-Qualitaetsreport-2012.pdf (Stand: 2012)
  • Internet: http://www.uni-bonn-radiologie.de/front_content.php?idart=430 (Stand: o.D.)

2 Kommentare

Sie sind bereits Mitglied? Loggen Sie sich ein, um für alle sichtbar als verifiziertes Mitglied zu kommentieren.

Folgende Angaben werden zusammen mit Ihrem Kommentar veröffentlicht. Alle Felder sind dabei optional und editierbar. Für mehr Details lesen Sie bitte die Datenschutzhinweise

Überprüfen Sie bitte das Recaptcha.
Werner S. Boffzen

Sehr informativ und auch für Laien gut verständlich und auch beruhigend, danke und weiterhin frohes Schaffen im Dienst der Gesundheit.

Anonymer Gast

Bei mir wurden im Abstand von 6 Wochen 10 Stents gesetzt. Ich bin total zufrieden. Die Bewährungsprobe kommt im Frühjahr, da will ich wieder Bergsteigen. Ich wäre glücklich, wenn ich genügend Luft bekomme.