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Neues aus der Herzmedizin

Hier lesen Sie eine Auswahl an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Studien, von Kongressen und Expertentagungen zum Thema Herzerkrankungen.

Aktualisiert: 18.11.2021

Rubrik "kurz und fündig" mit kurzen Berichten aus der Wissenschaft
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Aktuelle Nachrichten November

Medikamente unter der Lupe
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Bluthochdruck: ACE-Hemmer und Sartane im Vergleich

Bei der Therapie von Patienten mit Bluthochdruck gehören sie zu den Medikamenten der ersten Wahl: ACE-Hemmer. Sie wirken auf das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System – ein hormonelles System, das zentrale Bedeutung in der Blutdruckregulation hat. Ein ähnliches Wirkprinzip weisen auch Substanzen aus der Gruppe der sogenannten Sartane (Angiotensinrezeptor-Blocker) auf, die allerdings seltener verordnet werden. In einer Beobachtungsstudie haben nun US-Wissenschaftler Wirksamkeit und Sicherheitsprofil einer Monotherapie mit einem Vertreter der beiden Substanzgruppen bei Patienten mit Bluthochdruck verglichen. Dazu wurden die Daten von rund drei Millionen Menschen ohne vorherige Herzerkrankung oder Schlaganfälle ausgewertet, bei denen erstmals eine medikamentöse Bluthochdrucktherapie begonnen worden war.

In beiden Gruppen – Monotherapie mit ACE-Hemmer oder Sartan – war das Risiko für das Auftreten eines Herzinfarkts, eines Schlaganfalls oder einer Herzinsuffizienz ähnlich, wie die Wissenschaftler ermittelten. Die Wirksamkeit der beiden Substanzgruppen beurteilten sie danach als gleichwertig gut. Auffällig war hingegen, dass Husten und Angioödeme (Wassereinlagerungen in der Haut, die plötzlich und meist im Gesicht auftreten) deutlich häufiger unter einer Behandlung mit einem ACE-Hemmer auftraten – und zwar bis zu 30 Prozent häufiger. Diese beiden Symptome sind auch bereits als mögliche, dennoch relativ seltene, Nebenwirkungen der ACE-Hemmer bekannt. Noch keine Erklärung haben die Wissenschaftler für das Ergebnis, dass auch eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) sowie Blutungen im Magen-Darm-Trakt bei einer ACE-Hemmer-Therapie häufiger als bei Sartan-Behandlung auftraten. Mehr Infos zu Blutdruckmedikamenten

Frau bekommt die Corona-Impfung
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Tod durch Covid trotz Impfung?

Viele Patienten sind besorgt, dass sie sich trotz Covid-Impfung mit dem SARS-CoV-2- Virus anstecken und sterben könnten. Prominentes Beispiel ist der frühere US-Außenminister Colin Powell. Schottische Forscher haben nun näher untersucht, bei welchen Patienten es zu einem schweren Covid-19-Verlauf trotz Zweifachimpfung gekommen ist. Sie ermittelten, dass in Schottland insgesamt 0,007 Prozent der vollständig Geimpften (236 Menschen) bis Ende August nach einer Covid-19-Infektion gestorben sind. Das mittlere Alter der Gestorbenen betrug knapp 80 Jahre, rund 62 Prozent waren Männer. 47 Patienten waren mit dem Impfstoff von Biontech und 188 mit der AstraZeneca-Vakzine geimpft worden.

Die Forscher fanden zudem heraus, dass 230 Patienten (97 Prozent) mindestens eine weitere Todesursache aufwiesen, im Durchschnitt waren drei weitere tödliche Erkrankungen auf den Totenscheinen vermerkt. Am häufigsten handelte es sich bei den Todesursachen um chronisches Herzversagen, Vorhofflimmern, chronische Nierenerkrankungen, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung und Diabetes mellitus. Sie ermittelten daraus, dass mit der Zahl der chronischen Erkrankungen das Risiko steigt, sich trotz einer Covid-19-Impfung zu infizieren und zu sterben. Demnach haben Männer und Frauen mit mehr als fünf Begleiterkrankungen ein zehnmal höheres Risiko nach einer Covid-19-Infektion zu sterben im Vergleich zu Menschen ohne Vorerkrankungen. Männern sind generell deutlich stärker gefährdet, ebenso Patienten über 75 Jahre. Colin Powell starb übrigens mit 84 Jahren, er litt zudem unter einer Krebserkrankung (multiples Myelom).

Die Forscher unterstreichen mit ihren Daten, dass sich gerade ältere geimpfte Menschen mit Vorerkrankungen auch weiterhin gut vor einer möglichen Covid-Infektion schützen sollten. Lesen Sie mehr über die Covid-Impfung.   

animiertes Herz mit Coronaviren

Welche Erkrankungen erhöhen das Covid-19-Risiko?

Schon seit Beginn der Corona-Pandemie ist bekannt, dass Patienten mit bestimmten Erkrankungen bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 ein erhöhtes Risiko für einen schweren und eventuell sogar tödlichen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben.

In einer kürzlich publizierten Zusammenstellung zahlreicher Übersichtsstudien stellten sich die folgenden Zusammenhänge heraus: Eine Nierenerkrankung erhöht das Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion und vorzeitigen Tod um das 3-fache, ein Diabetes mellitus um das 2-fache, Bluthochdruck um das 2,5-fache und ein vorangegangener Schlaganfall um das 2,75-fache. Andere Herzerkrankungen erhöhen das Risiko um das 2,65-fache. 

Bei den Patienten, die wegen einer Covid-19-Infektion in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, fanden sich zudem folgende Herz-Kreislauf-Komplikationen:

  • akute Herzinsuffizienz (bei 2 % der Patienten),
  • Herzinfarkt (4 %),
  • tiefe Venenthrombose (7 %),
  • Schädigung des Herzmuskels (10 %),
  • Herzrhythmusstörungen (18 %),
  • Embolien in den Lungenarterien (19 %)
  • und Komplikationen mit Blutgerinnseln anderer Art (25 %).

Die Zahlen stützen sich auf die Beobachtungen an mehreren zehntausend Patienten und geben daher das Spektrum an Herz-Kreislauf-Komplikationen bei einer Covid-19-Infektion zuverlässig wieder. Zugleich verdeutlichen die Ergebnisse, wie wichtig es ist, Herz-Kreislauf-Risiken vorzubeugen, bzw. bei vorhandenen Risiken therapeutisch einzugreifen. Mehr zum Thema Covid-19

Man wird geimpft
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Schützt die Grippeimpfung vor Herzinfarkt?

Eine Grippeerkrankung geht Studiendaten zufolge mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko einher. Kleinere Untersuchungen hatten in diesem Zusammenhang bereits gezeigt, dass umgekehrt eine Grippeimpfung offenbar einen Schutzeffekt bietet. Dem sind Forscher nun in einer großen Studie nachgegangen. Dabei wurde ermittelt, das eine unmittelbar im Krankenhaus vorgenommene Grippeimpfung Patienten nach einem Herzinfarkt vor weiteren tödlichen Herzattacken wohl tatsächlich schützt. Schwedische Forscher haben darüber vor kurzem in der Fachzeitschrift „Circulation“ berichtet. An ihrer Studie haben mehr als 2500 Frauen und Männer mit akuten Herzinfarkt teilgenommen.

Die eine Hälfte der Herzinfarkt-Patienten wurde dazu recht bald (innerhalb von 72 Stunden) nach der Krankenhauseinweisung gegen Influenza (Grippe) geimpft, die andere erhielt ein Placebo. Während der folgenden zwölf Monate wurde untersucht, wie häufig Todesfälle, Herzinfarkte und Thrombosen in Stents unter den geimpften Patienten auftraten verglichen mit den Patienten, die stattdessen ein Placebo verimpft bekamen. Insgesamt konnte der Auswertung zufolge in der Gruppe mit Grippeimpfung das Risiko für diese kardiovaskulären Ereignisse um fast 30 Prozent verringert werden, wie die Wissenschaftler berichten. Dabei war vor allem der Schutz vor einem kardiovaskulär bedingten Tod in den 12 Monaten nach einer Grippeimpfung deutlich.

Auf welche Weise die Grippeimpfung die herzkranken Studienteilnehmer vor weiteren schweren Ereignissen bewahrt hat, ist allerdings noch nicht geklärt. Die Forscher vermuten beispielsweise, dass die Impfung das Immunsystem zu anti-entzündlichen Reaktionen anregt. Schwelende Entzündungen begünstigen die Arteriosklerose, also die Verkalkung von Herzkranzgefäßen. Verschließt ein Herzkranzgefäß, kommt es zum Infarkt.  Auch eine positive Wirkung auf die Gerinnung könnte nach Auffassung der Forscher eine Rolle spielen.

Krampfadern an den Beinen
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Wie hängen Herz und Veneninsuffizienz zusammen?

Die Beschwerden und Symptome der chronisch-venösen Insuffizienz reichen von sichtbaren Erweiterungen der Beinvenen bis zu den sogenannten offenen Beinen. Ursache ist ein erhöhter Druck in den Beinvenen, der häufig zur Verlangsamung und Umkehr des Blutflusses in den Venen und Einlagerung von Flüssigkeit im Bereich der Füße, Knöchel und Unterschenkel führt. Eine Herzschwäche mit Blutstau vor dem rechten Herzen kann der Grund für die chronisch-venöse Insuffizienz sein. Faktoren, die die Krankheit befördern, sind Übergewicht, Bluthochdruck, hohes Lebensalter, Rauchen, familiäre Veranlagung und vorangegangene Beinvenenthrombosen – also zu einem großen Teil ähnliche Faktoren wie für eine Herzerkrankung. Frauen sind insgesamt öfter betroffen als Männer.

Eine kürzlich publizierte Studie mit über 12.000 Menschen verdeutlicht, dass die chronisch-venöse Insuffizienz sehr viel häufiger vorkommt als bisher angenommen (etwa 36,5% der Untersuchten waren betroffen). Den Daten zufolge haben Menschen mit chronisch-venöser Insuffizienz ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das mit dem Schweregrad der chronisch-venösen Insuffizienz zunimmt. Nach einer sechsjährigen Verlaufsbeobachtung stellte sich zudem heraus, dass die chronisch-venöse Insuffizienz sogar unabhängig von allen anderen kardiovaskulären Risikofaktoren ein erhöhtes Risiko anzeigt, vorzeitig zu sterben. Mit zunehmendem Schweregrad der Erkrankung nimmt dieses Sterberisiko deutlich zu.

Für die medizinische Praxis bedeutet das: Nicht nur Herz und Lunge sollten im Fokus einer Untersuchung beim Kardiologen stehen. Es sollte stets auch der Zustand der Beine und Füße beurteilt werden. Wissenschaftler gehen aufgrund dieser und ähnlicher Daten inzwischen davon aus, dass das Krankheitsgeschehen bei venösen wie auch arteriellen Erkrankungen auf ähnlichen schädlichen Prozessen in den Gefäßen beruht. 

1) Hypertension 2021;78:591–603 https://doi.org/10.1161/HYPERTENSIONAHA.120.16667

2) Characteristics and risk of COVID-19-related death in fully vaccinated people in Scotland; https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673621023163

3) Cardiovascular risk factors, cardiovascular disease and COVID-19: an umbrella review of systematic reviews; Oktobe 2021: doi.org/10.1093/ehjqcco/qcab029

4) Chronic venous insufficiency, cardiovascular disease, and mortality; European Heart Journal, 21 October 2021, doi: 10.1093/eurheartj/ehab495

5) Fröbert, O. et al. (2021): Influenza Vaccination after Myocardial Infarction, doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.121.057042

Nachricht-Archiv-Oktober

Zehn Monate nach Einführung der Covid-19-Impfung und nach Beobachtungen in mehreren Ländern wie Israel, den USA und Großbritannien lassen sich inzwischen Ausmaß und Dauer des Impfschutzes konkreter abschätzen. Ergebnisse einer kürzlich in der medizinischen Fachzeitschrift „Lancet“ veröffentlichten Studie (1) zum Beispiel zeigen, dass nach einer kompletten Impfung mit der Biontech-Vakzine innerhalb von sechs Monaten die Effektivität zwar nachlässt, doch nach wie vor ein hoher Schutz vor Klinikeinweisungen aufgrund einer schweren SARS-CoV-2-Infektion besteht. Für die Studie waren die Daten von rund 3,5 Millionen vollständig geimpften Personen von Dezember 2020 bis August 2021 ausgewertet worden. Speziell bei der Delta-Variante, der in Deutschland dominierenden Virusvariante, sank der Infektionsschutz von 93 % auf 53 % bis zum fünften Monat. Dennoch blieb der hohe Schutzeffekt von über 90 % gegen schwere Verläufe durch die Deltavariante wie auch andere Virusvarianten für alle Altersgruppen über sechs Monate hinweg bestehen.

Ähnliches ergab eine vorab veröffentlichte britische Studie (2), wonach etwa ab der 20. Woche nach der zweiten Impfung der Impfschutz gegen eine Infektion mit der Deltavariante des Coronavirus nachlässt. Das Nachlassen des Impfschutzes war bei Über-65-Jährigen und bei Patienten mit Risikofaktoren, etwa starkem Übergewicht oder hohem Blutdruck, ausgeprägter als bei Jüngeren und bei Menschen ohne Risikofaktoren. Zugleich zeigte sich, dass der Schutz gegen schwere Verläufe mit Krankenhauseinweisung und/oder tödlichem Ausgang vergleichsweise weniger stark und zum Beispiel beim Biontech-Impfstoff weiterhin über 90 % betrug – bei älteren Menschen ohne weitere gesundheitliche Risiken sogar rund 95 %. Auch das Robert Koch-Institut betont nach einer aktuellen Auswertung von 17 Studien (6) erneut, dass durch eine Covid-Impfung ein moderater bis hoher Schutz vor einer Infektion mit der Deltavariante besteht (67 % Schutzwirkung) und ein weiterhin hoher Schutz vor einem schweren Covid-Verlauf und Hospitalisierung (91 % Schutzwirkung).

Dass auch älteren Menschen Bluthochdruck (Hypertonie) schadet, steht außer Frage. Doch wie stark sollte bei Ihnen der Blutdruck gesenkt werden – gerade bei nur mäßig erhöhten Werten? Sollte überhaupt bei nur gering erhöhten Blutdruckwerten eine medikamentöse Therapie neu begonnen werden? Darüber sind sich mitunter auch Fachgesellschaften nicht absolut einig. Bisher wurde davon ausgegangen, dass in fortgeschrittenem Alter ein leicht erhöhter Blutdruck sogar „normal“ ist. In Europa wird daher aktuell für Hypertonie-Patienten über 65 Jahre ein systolischer Zielblutdruckbereich zwischen 130 und 140 mmHg empfohlen.

In einer Datenanalyse aus 51 Studien mit insgesamt über 350.000 Patienten (3) wurde nun gezielt geprüft, ob auch ältere Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck von einer Senkung des Blutdrucks durch Medikamente profitieren. Die Blutdruckwerte lagen zwischen systolisch 120-170 mmHg und 70-110 mmHg diastolisch. Gemessen wurde der Therapienutzen anhand der Häufigkeit von Schlaganfällen, Herzinfarkten, dem Auftreten von Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und vorzeitigem Tod. Das Ergebnis: Jede Senkung des Blutdrucks unabhängig vom Ausgangswert und vom Alter der Patienten verringerte das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Folgen. Relativ betrachtet profitierten zwar Patienten unter 55 Jahren am meisten von der blutdrucksenkenden Therapie. Da aber in höherem Alter Herzinfarkt und Schlaganfall häufiger auftreten, ist die absolute Risikoreduktion bei älteren Patienten über 70 Jahren sogar größer als bei Jüngeren. Daraus lässt sich schließen, dass auch jenseits eines Alters von 70 Jahren der Blutdruck sich nach Möglichkeit im Bereich von 120 zu 70 mmHg bewegen sollte – wenn die Therapie gut vertragen wird.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine große chinesische Studie (4), wonach eine intensivere Blutdrucksenkung auf systolische Werte unter 130 mmHg ältere Patienten (zwischen 60 und 80 Jahren) mit Bluthochdruck besser vor kardiovaskulären Ereignissen schützte als eine standardmäßige Senkung auf Werte zwischen 130 und 150 mmHg.  

Neben dem Klimawandel ist die Luftverschmutzung eines der größten Probleme für die Gesundheit der Menschen. Sie schädigt nicht nur die Lunge, sondern verursacht auch viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun neue Richtlinien für die Qualität der Luft veröffentlicht (5). Diese beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, nach denen die Grenzwerte für die Menge schädlicher Stoffe in der Luft sehr viel niedriger liegen sollten, als bisher angenommen und von der WHO im Jahr 2005 festgelegt. Die neuen Luftqualitätsstufen gelten für sechs Schadstoffe, bei denen der Nachweis für die gesundheitlichen Auswirkungen am besten gesichert ist: Feinstaub (PM), Ozon (O₃), Stickstoffdioxid (NO₂), Schwefeldioxid (SO₂) und Kohlenmonoxid (CO).

Von besonderer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit sind die Gesundheitsrisiken, die mit Feinstaub von mindestens 10 bzw. 2,5 Mikrometern (μm) Durchmesser (PM₁₀ bzw. PM₂.₅) verbunden sind, da die Partikel in der Lage sind tief in die Lunge einzudringen, teilweise sogar in den Blutkreislauf gelangen, was Auswirkungen für das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege hat. Das Einhalten der neuen Grenzwerte, die deutlich niedriger liegen als alle derzeit gültigen, könnte jährlich das Leben von Millionen von Menschen retten. So hat die WHO hat in einer schnelle Szenarioanalyse errechnet, dass fast 80% der Todesfälle im Zusammenhang mit PM₂.₅ weltweit vermieden werden, wenn die aktuelle Luftverschmutzung auf die in der aktualisierten Leitlinie vorgeschlagenen Werte (bei PM₂.₅ nur noch 5 statt bisher 10 μm/m3 Luft) reduziert würde. Die Europäische Umweltagentur EFA hat in ihrer jüngsten Luftqualitätsbewertung errechnet, dass im Jahr 2018 zirka 417.000 vorzeitige Todesfälle (u.a. durch Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall) in Europa auf Luftverschmutzung durch Feinstaub zurückzuführen waren.

 

  1. Effectiveness of mRNA BNT162b2COVID-19 vaccine up to 6 month in a large integrated health system in den USA: a retrospective cohort study; Lancet October 4, 2021; 398: 1407–16; doi.org/10.1016/ S0140-6736(21)02183-8
  2. Vaccine effectiveness and duration of protection of Corminaty, Vaxzevria an Spikevax against mild and servere COVID-19 in the UK; medRxiv, doi.org/10.1101/2021.09.15.21263583
  3. Age-stratified and blood-pressure-stratified effects of blood-pressure-lowering pharmacotherapy for the prevention of cardiovascular disease and death: an individual participant-level data meta-analysis; Lancet August 26, 2021, DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)01921-8
  4. Trial of Intensive Blood-Pressure Control in Older Patients with Hypertension, N Engl J Med. September 2021, DOI: 10.1056/NEJMoa2111437
  5. https://www.euro.who.int/en/media-centre/sections/press-releases/2021/new-who-global-air-quality-guidelines-aim-to-save-millions-of-lives-from-air-pollution
  6. Effectiveness of COVID-19 vaccines against SARS-CoV-2 infection with the Delta (B.1.617.2) variant, Eurosurveillance  Volume 26, Issue 41, 14/Oct/2021, doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2021.26.41.2100920

Nachricht-Archiv-September

Experten untersuchen derzeit intensiv, wie lange nach Zweifachimpfung mit einem Covid-19-Impfstoff der Schutz bestehen bleibt und ob eine dritte Impfung zur Auffrischung sinnvoll wäre (“Booster”). Ein Grund sind Hinweise, dass nach 6 bis 12 Monaten die Zahl schützender Antikörper wieder sinkt und dass Patienten, die Medikamente zur Unterdrückung der Immunabwehr nehmen (z.B. nach einer Herztransplantation, bei Rheuma), trotz zweifacher Impfung kaum Antikörper bilden. In einer Beobachtungsstudie aus Israel wurde nun der Impfschutz bei Über-60-Jährigen, die komplett mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff geimpft worden waren, sowohl mit als auch ohne zusätzliche Booster-Impfung verglichen.

An der Studie vom Weizmann Institute of Science in Rehovot in Israel (1) hatten über eine Million Millionen Menschen über 60 Jahre teilgenommen, die vor dem 1. März 2021 komplett geimpft waren. Zwischen dem 30. Juli und dem 30. August wurden bei ihnen die Raten der bestätigten COVID-Fälle sowie der schweren Verläufe insgesamt sowie ab zwölf Tage nach der Booster-Dosis ausgewertet. Zudem wurden die Infektionsraten vier bis sechs Tage sowie ab zwölf Tage nach der Booster-Dosis miteinander verglichen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Booster das Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion 11-fach und das Risiko für einen schweren Verlauf fast 20-fach verringerte. Die Autoren folgern daraus, dass die Booster-Impfung die Zahl schwerer Durchbruchinfekte auf einen Bruchteil reduziert und dass sich der zusätzliche Schutz langsam aufbaut. Keine Antwort liefert die Studie allerdings auf die Frage, wie hoch für komplett Geimpfte das absolute Risiko für einen schweren Verlauf ist – und zwar mit oder ohne Booster. Lesen Sie mehr

Meldungen, dass Impfungen gegen das Corona-Virus Herzmuskelentzündungen verursachen können, beunruhigen viele Menschen. Ein Expertenbericht (2) beschreibt das Risiko nun genau. Analysiert wurden dafür 177 Millionen Impfungen mit den RNA-basierten Impfstoffen in den USA (nur nach Impfungen mit diesen Impfstoffen sind Entzündungen aufgetreten):

  • Durchschnittlich kam es bei einer Million Impfungen zu 12,6 Fällen von Herzmuskelentzündungen. 
  • Die Erkrankung trat überwiegend bei männlichen Patienten im Alter zwischen 12 und 39 Jahren auf, meist ein bis zwei Tage nach der zweiten Impfung. 
  • Die häufigsten Symptome waren Brustschmerzen, Fieber, Krankheitsgefühl.
  • In den meisten Fällen verschwand die Entzündung ohne Klinikaufenthalt innerhalb von zwei Wochen. Bleibende Schäden konnten bisher nicht festgestellt werden.
  • Bei Patienten mit bestehenden Herzkrankheiten konnte kein vermehrtes Auftreten festgestellt werden. 

Insgesamt ist eine Entzündung des Herzmuskels nach RNA-basierter COVID-19 Impfung eine sehr seltene Komplikation. Das gesundheitliche Risiko durch eine COVID-19 Infektion eine Herzmuskelentzündung zu erleiden, ist bei weitem größer. Lesen Sie mehr

Auf dem diesjährigen Kongress der europäischen Kardiologen (ESC) wurden unter anderem auch Daten zum Vorhofflimmern präsentiert, die die Behandlung künftig verändern könnten. So hat eine zusätzliche Analyse der Studie EAST-AFNET-4 ergeben (3), dass auch Patienten mit Vorhofflimmern, die keine Symptome haben, von einer frühen Rhythmustherapie profitieren. Eine rhythmuserhaltende Therapie wird bislang nur für symptomatische Patienten als empfehlenswert erachtet. Eine erste Auswertung von EAST-AFNET-4 hatte ergeben, dass symptomatischen Patienten, bei denen erstmals in den letzten 12 Monaten Vorhofflimmern aufgetreten ist, eine frühe Behandlung vorwiegend mit Medikamenten (und/oder Ablation in rund 20% der Fälle) nutzt.

Außerdem: Dass körperliche Aktivität vor Vorhofflimmern schützt, haben schon einige Studien bewiesen. Nach Daten der ACTIVE-AF-Studie (4) kann offenbar ein spezielles Sportprogramm (ähnlich wie bei Herzinsuffizienz) auch Patienten mit paroxysmalem oder persistierendem Vorhofflimmern sogar so gut helfen, dass einige ihre Arrhythmie allein durch körperliche Aktivität kontrollieren können, ohne dass eine Ablation oder Medikamente nötig werden. Lesen Sie mehr zum Thema 

1. Protection of BNT162b2 Vaccine Booster against Covid-19 in Israel, Oktober 7, 2021, N Engl J Med 2021; 385:1393-1400, DOI: 10.1056/NEJMoa2114255

2. Myocarditis With COVID-19 mRNA Vaccines, 20 Jul 2021, Circulation, 2021;144:471–484, doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.056135

3. Systematic, early rhythm control strategy for atrial fibrillation in patients with or without symptoms: the EAST-AFNET 4 trial. European Heart Journal, 27 August 2021. doi:10.1093/eurheartj/ehab593

4. Exercise maintains normal heart rhythm in patients with atrial fibrillation, Pressemitteilung der ESC, veröffentlicht am 23.08.2021

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
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Aktuelle Mitteilungen

  1. Medizinisches Know-how hilft, eine Brücke zwischen Arzt und Patient zu bilden. In Podcast-Gesprächen wollen wir Wissen künftig spannend vermitteln.
  2. Herzmediziner besorgt über hohe Zahl Ungeimpfter gegen Covid-19. Auch Grippe- und Pneumokokken-Impfung angeraten.
  3. Prof. Dr. Thomas Voigtländer (Frankfurt am Main) zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt