Artikel

Neues aus der Herzmedizin

Hier lesen Sie eine Auswahl an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Studien, von Kongressen und Expertentagungen zum Thema Herzerkrankungen.

Aktualisiert: 01.08.2022

Rubrik "kurz und fündig" mit kurzen Berichten aus der Wissenschaft
stock.adobe.com

Aktuelle Nachrichten August

Frau mit Mundschutz bekommt eine Imfpung
© dusanpetkovic1 - adobe.stock.com

Wie sicher ist eine Impfung gegen Covid-19 für Herz-Patienten?

In einer kürzlich publizierten Studie aus Hongkong wurde geprüft, ob nach Impfung mit einem der beiden Covid-19-Impfstoffe – dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer und dem in Hongkong eingesetzten Totimpfstoff CoronaVac von Sinovac Biotech – bei Herzkranken (Diagnose wurde vor Februar 2021 gestellt) auffällige Nebenwirkungen am Herzen auftreten. Betrachtet wurde in der Untersuchung die Häufigkeit von sogenannten MACE-Ereignissen (englisch für Major Adverse Cardiac Events; das heißt: Herzinfarkt, Schlaganfall, Notwendigkeit einer Bypassoperation und Herztod), die zwischen Ende Februar 2021 und Ende Januar 2022 neu festgestellt worden waren. Insgesamt rund 230.000 herzkranke Menschen, von denen 1764 gegen Covid geimpft worden waren, wurden begutachtet. Das MACE-Risiko wurde für die Tage 0-13 und 14-27 Tage nach zwei Dosen des  jeweiligen Covid-Impfstoffs bewertet.

Die entscheidende Erkenntnis: Die Häufigkeit der MACE-Ereignisse vor und nach Impfung unterschied sich nicht – weder zwischen den beiden Impfstoffen, noch in der ersten oder zweiten Beobachtungsphase oder zwischen der ersten und zweiten Impfung. Die Ergebnisse waren zudem bei Frauen und Männern, bei Personen unter und über 65 Jahren und bei Patienten mit verschiedenen kardiovaskulären Grunderkrankungen gleich.

Diese Daten liefern somit einen wichtigen, weiteren Hinweis, dass Menschen mit einer Herzkrankheit kein erhöhtes Risiko für ihr Herz bei einer Covid-19-Impfung zu befürchten haben. Ob dies auch für die dritte und vierte Impfung gilt, lässt sich anhand dieser Studie nicht sagen. (1)

Frau schaut im Supermarkt nach Vitaminen
© terovesalainen - stock.adobe.com

Helfen zusätzlich eingenommene Vitamine und Mineralstoffe gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sind die beiden 2 häufigsten Todesursachen in den USA wie auch in Deutschland. Häufig wird eine Vitamin- und Mineralstoffergänzung als vorbeugende Strategie für beide Krankheiten vorgeschlagen, da gemeinsame Krankheitswege mit oxidativem Stress, Entzündungen und Methioninstoffwechsel auftreten. Etwa jeder dritte Erwachsene nimmt hierzulande auch regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel ein (Bundesinstitut für Risikobewertung 2021)

Ob damit aber tatsächlich der erhoffte Nutzen erzielt wird, haben daher US-Forscher des unabhängige Expertengremiums „United States Preventive Services Task Force“ (USPSTF) genauer unter die Lupe genommen. Für ihre wissenschaftliche Arbeiten, betrachten sie 84 Studien mit insgesamt rund 740.000 Menschen, die bislang keine bekannte Herzerkrankung oder Krebs hatten. Diese waren nach dem Zufallsprinzip mit Vitaminpräparaten und/oder Mineralien behandelt worden beziehungsweise nur mit einer Scheinmedikation. Über mehrere Jahre wurden dann Sterblichkeit, kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Herztod), das Auftreten von Krebserkrankungen und schwerwiegenden Nebenwirkungen erfasst.

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Einnahme von Multivitaminpräparaten ging mit einer etwas geringeren Häufigkeit von Krebs einher. Das statistische Risiko wurde um 0,2 bis 1,2 Prozent verringert. Am deutlichsten war dieser Effekt für Lungenkrebs. Diesem auf den ersten Blick erfreulichen Ergebnis steht allerdings ein unerfreulicher Befund gegenüber: Die Einnahme von Beta-Carotin (mit oder ohne Vitamin-A-Zusatz) war mit einer deutlichen Erhöhung des Risikos für Lungenkrebs verbunden, die Zunahme des absoluten Risikos betrug bis zu 0,6 Prozent. Und auch das kardiovaskuläre Risiko war unter Beta-Carotin deutlich erhöht.

Vitamin D und Vitamin E hatten dagegen weder einen Einfluss auf die Sterblichkeit noch auf die Häufigkeit von Krebs oder Herzerkrankungen. Andere Nahrungsergänzungsstoffe zeigten in den verschiedenen Studien entweder uneinheitliche oder ungünstige Auswirkungen. So fanden die Forscher begrenzte Belege, die darauf deuten, dass einige Nahrungsergänzungsmittel mit einem höheren Risiko für schwerwiegende Schäden verbunden sein könnten. Das galt für Hüftfrakturen durch Vitamin A, hämorrhagische Schlaganfälle durch Vitamin E und  Nierensteine durch Vitamin C und Kalzium.

Fazit der Studienautoren: Die zusätzliche Medikation mit Multivitaminpräparaten oder Mineralien hat bei gesunden Menschen keinen oder allenfalls einen minimalen Effekt bei der Verhütung von Herzerkrankungen oder Krebs. Beta-Carotin steigere sogar das Risiko für Lungenkrebs und Herzerkrankungen kritisch. Allerdings betonen die Experten auch, dass bei Vorliegen einer akuten oder chronischen Erkrankung unter Umständen eine zusätzliche Vitamin-, Mineralstoff- oder Multivitamin-Gabe im Rahmen der ärztlichen Therapie sinnvoll sein könne. (2)

Warum Boden- und Wasserverschmutzung auf die Herzgesundheit gefährden

Schätzungsweise über 60 Prozent der durch Umweltverschmutzung bedingten Krankheiten und Todesfälle sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Neben den bekannten Faktoren für eine Luftverschmutzung kann der Boden durch Schwermetalle, organische Chemikalien wie Pestizide und Mikro-/Nanoplastikpartikel verschmutzt sein. Dies führt zu einer Verunreinigung der Nahrungsmittelpflanzen direkt und gelangt durch Regen ebenso ins Wasser. Durch Aufnahme über die Nahrung entstehe eine große und wachsende Gefahr für die menschliche Gesundheit, schreibt eine Forschergruppe um den Mainzer Kardiologen und Umweltexperten Prof. Thomas Münzel von der Universitätsklinik Mainz. Sie haben in ihrer Arbeit wichtige Argumente zusammengetragen, warum diese Zusammenhänge künftig mehr Beachtung auch in der Herzmedizin finden sollten.

Beispiele:

Das Schwermetall kommt kann durch Abbau, Verarbeitung und unsachgemäßes Recycling die Umwelt verschmutzen. Berichte deuten darauf hin, dass Blei zu oxidativem Stress, Entzündungen, Funktionsstörungen der Gefäßwand (wie gestörte Gefäßweitenregulation und Gefäßdurchlässigkeit) und Wachstum von Gefäßzellen mit negativen Auswirkungen auf die Herzfrequenzvariabilität beiträgt. Studien ergaben einen Zusammenhang zwischen hohen Bleispiegeln im Blut und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie KHK, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Das Schwermetall fällt bei Verbrennungs- und Produktionsprozessen an. Cadmium führt u.a. zu Gefäßschäden und Gefäßablagerungen durch oxidative Mechanismen, Beeinträchtigung der schützenden antioxidativen Reaktionen und eine Hemmung der Stickoxid (NO)-vermittelten Gefäßerweiterung (Vasodilatation). Eine koreanische Studie ergab z.B., dass Personen mittleren Alters mit einem hohen Cadmiumspiegel im Blut ein erhöhtes Schlaganfall- und Bluthochdruckrisiko haben.

Zu den chemischen Bodenschadstoffen, die bekanntermaßen gesundheitsschädliche Auswirkungen haben, gehören z.B. polychlorierte Biphenyle (PCB; z. B. Dioxine), Benzol und Bisphenol A (BPA). Die Chemikalien können aus industriellen Prozessen stammen (z. B. Materialzusätze oder Verbrennungsprodukte) oder sie können in Pestizidformulierungen auf den Boden aufgebracht werden. Diese Verbindungen begünstigen oxidativen Stress, Entzündungen oder sogenannte epigenetische Dysregulationen, die alle das Risiko für Krebs, Störungen der Gefäßfunktion, Gefäßablagerungen (Arteriosklerose), Zelltod, die Lebererkrankung NASH, Fettleibigkeit und kardiometabolische Komplikationen erhöhen können. Der landwirtschaftliche Pestizideinsatz ist nachweislich mit einem erhöhten Risiko für mehrere chronische Krankheiten wie Diabetes, Krebs und verbunden. Auch für ischämische Herzerkrankungen, Komplikationen wie akuter Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen und Herzversagen sowie schwerem Bluthochdruck während der Schwangerschaft wurden Zusammenhänge mit der Pestizidexposition berichtet. Allerdings sind die Studien sehr uneinheitlich.

Kunststoffabfälle werden im Wasser oder Boden  mechanisch und photochemisch zu kleineren und biologisch aktiven Partikeln abgebaut – dem sogenannten Nano- oder Mikroplastik. Bis zu 50 % des Gewichts der hergestellten Kunststoffe bestehen zudem aus chemischen Zusatzstoffen wie Phthalaten, Bisphenolen, Flammschutzmitteln, Per- und Polyfluoralkylstoffen, PCB und Schwermetallen. Obwohl es bisher keine kontrollierten Humanstudien über den Zusammenhang zwischen Nano- und Mikroplastikpartikeln und kardiovaskulären Erkrankungen gibt – die meisten Studien erfolgten an Meerestieren –, wurde kürzlich gezeigt, dass diese Partikel in den Blutkreislauf gelangen und dementsprechend jedes Organ im Organismus schädigen können, wie die Forscher berichten. Bei Mäusen hat zudem die Aufnahme von Polystyrolkügelchen starkes Übergewicht (Adipositas) und kardiometabolische Erkrankungen gefördert sowie den Tod von Herzmuskelzellen durch oxidative Schädigung ausgelöst.

Die Mechanismen, durch die toxische Bodenschadstoffe oxidativen Stress auslösen, sind unterschiedlich, beruhen aber hauptsächlich auf einer Unterdrückung antioxidativer Enzyme und der Störungen der sogenannten mitochondrialen Atmung (damit werden die Stoffwechselprozesse bezeichnet, die der Energiegewinn der Zellen dienen), wie die Wissenschaftler berichten.

Darüber hinaus fördern Schwermetalle Störungen der inneren (zirkadianen) Uhr, wie in verschiedenen Studien gerade mit Blei und Cadmium nachgewiesen worden sei, so die Experten. Eine Störung des zirkadianen Rhythmus kann die Entstehung einer Reihe von Krankheiten, darunter auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, begünstigen, wie in Studien belegt wurde. Eine Störung des zirkadianen Rhythmus ist zum Beispiel bei Schichtarbeitern, die bekanntermaßen ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, weit verbreitet.

Zum konkreten Mechanismus von Nano- und Mikroplastik gibt es noch wenig Erkenntnisse. (3)

  1. Association between BNT 16 2b or CoronaVac COVID-19 Vaccines and major adverse cardiovascular events among individuals with cardiovascular disease. Ye et al., Cardiovascular Research 2022, 1-10. https://doi.org/10.1093/cvr/cvac068
  2. Vitamin and mineral supplements for the primary prevention of cardiovascular disease and cancer: Updated evidence report and systematic review for the US-preventive services task force. JAMA. 2022;327(23):2334-2347. doi:10.1001/jama.2021.15650
  3. Soil and water pollution and human health: what should cardiologists worry about? Cardiovascular Research, cvac082, https://doi.org/10.1093/cvr/cvac082

Nachricht-Archiv Juli (2022)

US-Wissenschaftler haben in einer Studie 12 gesunde und normalgewichtige Probanden unter Laborbedingungen einem tagelangen Schlafentzug ausgesetzt. Ziel war es, den Einfluss einer unzureichenden Schlafdauer auf den Stoffwechsel und das kardiovaskuläre Risikoprofil zu untersuchen. Die Studienteilnehmer durften sich zunächst vier Tage lang eingewöhnen. Dabei waren neun Stunden Schlaf erlaubt. Anschließend durften sie 14 Tage lang nur noch vier Stunden schlafen. Danach waren in einer dreitägigen Erholungsphase wieder je neun Stunden erlaubt. Essen durften die Probanden in dieser Zeit, was sie wollten. Während der insgesamt 21 Tage wurden Energieaufnahme, Bewegung, Gewicht und andere Körpermesswerte kontrolliert.

Der in der Studie künstlich erzeugte Schlafmangel machte sich tatsächlich körperlich bemerkbar: Die Probanden nahmen täglich deutlich mehr Kalorien mit der Nahrung auf (308 kcal). Auch Protein- und Fettzufuhr stiegen an. Dies führte letztlich zu einer merklichen Zunahme des Bauchfettes (unter der Haut und rund um die Eingeweide), während sich das Körpergewicht nur um im Schnitt ein halbes Kilo erhöhte. Der Energieverbrauch hingegen blieb während des Schlafentzuges unverändert, obwohl mehr Zeit für Bewegung gewesen wäre. Besonders kritisch: Gerade das als kardiometabolischer Risikofaktor geltende Bauchfett rund um Eingeweide (Viszeralfett) nahm sogar noch in der Erholungsphase, also nach dem Schlafentzug, weiter zu, während sich Kalorienzufuhr und Gewicht der Teilnehmer wieder mit ausreichend Schlaf normalisierten. (1)

Forscher der Staatliche Universität in San Diego sind der Frage nachgegangen, ob sitzende Tätigkeit, wie sie zunehmend die westliche Arbeitswelt prägt, ein unabhängiger Risikofaktor für einen Schlaganfall ist. Sie haben dazu bei rund 7600 Probanden ab 45 Jahren mit einem Beschleunigungssensor über sieben Tage hinweg erfasst, wie viel Zeit pro Tag sie sitzend und wieviel Zeit sie mit leichter oder moderater bis intensiver körperlicher Tätigkeit verbrachten. Sieben Jahre lang wurde anschließend beobachtet, wie häufig in dieser Gruppe ein Schlaganfall auftrat und ob sich ein Zusammenhang mit der täglichen Bewegung erkennen ließ.

Insgesamt hatten sich in dieser Zeit 286 Schlaganfälle ereignet, davon gingen 244 (85 %) mit einer Durchblutungsmangel (Ischämie) einher. Es zeigte sich dann bei der weiteren Auswertung – fast erwartbar –, dass sowohl leichte als auch mittlere bis starke körperliche Aktivitäten mit einem geringeren Schlaganfallrisiko verbunden waren. Deutlich wurde auch: Mit jeder einstündigen Bewegungseinheit pro Tag nahm es um 14% ab. Neu und interessant war, dass umgekehrt sowohl die tägliche Sitzzeit insgesamt als auch die Dauer der jeweiligen „Sitzeinheiten“ ungünstig auf das Schlaganfallrisiko wirkten. So ließ sich ein höherer Anteil an sitzender Tätigkeit mit einem 44 % höheren Risiko für einen Schlaganfall in Verbindung bringen. Und es stieg um 14 % pro täglicher Stunde Sitzen.

Die Wissenschaftler folgern aus ihrer Untersuchung, dass sich das Schlaganfallrisiko somit deutlich verringern lässt, wenn a) mehr Zeit mit körperlicher Aktivität – insbesondere mit moderater Intensität – verbracht wird und wenn b) weniger Zeit mit sitzender Tätigkeit – insbesondere  längeren Sitzeinheiten – verbracht wird. (2)

Bislang sind die Studiendaten zu einer Testosteron-Behandlung bei Männern widersprüchlich. In einigen Untersuchungen wurde ein erhöhtes Risiko etwas für Herzinfarkt und Schlaganfall ermittelt, in anderen konnte das nicht bestätigt werden. Schottische Forscher haben daher 17 Studien vor diesem Hintergrund als sogenannte Meta-Analyse zusammen ausgewertet. Insgesamt wurden die Daten von mehr als 3400 Patienten mit Hypogonadismus (Unterfunktion der Hoden) ausgewertet, die im Mittel über 9,5 Monate mit Testosteron behandelt worden waren.

Das beruhigende Ergebnis: Es fanden sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Arrhythmien, Herzinsuffizienz oder einen Herzinfarkt. In der Behandlungsgruppe war die Zahl der Todesfälle sogar etwas geringer (vier versus 12 Fälle). Daraus lässt sich schließen, dass zumindest eine relativ begrenzte Testosteron-Behandlungszeit von etwa zehn Monaten bei Männern mit Hypogonadismus kein Risiko fürs Herz bedeutet. Eine neue Studie prüft derzeit noch, wie sich eine Testosteron-Applikation über die Haut bei Männern auswirkt, die bereits eine Herzerkrankung oder ein erhöhtes Risiko dafür haben. (3)

  1. Effects of Experimental Sleep Restriction on Energy Intake, Energy Expenditure, and Visceral Obesity; J Am Coll Cardiol. 2022;(13); doi: 10.1016/j.jacc.2022.01.038
  2. Association of Accelerometer-Measured Sedentary Time and Physical Activity With Risk of Stroke Among US Adults ; JAMA Netw Open. 2022;5(6):e2215385. doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.15385
  3. Adverse cardiovascular events and mortality in men during testosterone treatment: an individual patient and aggregate data meta-analysis, Lancet Healthy Longev. 2022 Jun;3(6):e381-e393. doi: 10.1016/S2666-7568(22)00096-4.

Nachricht-Archiv Juni (2022)

An der CORDIOPREV-Studie haben rund 1000 Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 20 und 75 Jahren mit einer nachgewiesenen koronaren Herzerkrankung teilgenommen. Sie waren alle im spanischen Krankenhaus der Reina Sofia Universität in Cordoba behandelt worden. Sieben Jahre lang wurden sie dann intensiv von Diätspezialisten betreut. Ihnen wurden dabei unter anderem entsprechende Nahrungspakete, etwa mit Olivenöl, zur Verfügung gestellt, je nachdem, ob sie in der Studiengruppe mit mediterraner oder fettarmer Ernährung waren. Die Wissenschaftler, die die Daten am Studienende auswerteten (u.a. Zahl der kardiovaskulären Ereignisse, Herzinfarkte, Revaskularisationen, Schlaganfälle, Herztod) wussten nicht, welcher Patient in welcher Gruppe war.

Es zeigte sich, dass die kardiovaskuläre Schutzwirkung durch die mediterrane Ernährung merklich größer war als die bei fettarmer Kost. Während der Studienzeit war es bei 87 Personen der Gruppe mit mediterraner Kost zu einer Herz-Gefäß-Komplikation gekommen und bei 111 Personen der zweiten Gruppe. Besonders Männern tat die Mittelmeerküche offensichtlich gut: Bei ihnen war damit das Risiko für ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis um etwa ein Drittel (33 %) geringer im Vergleich zu fettarmer Ernährung. Interessant: In der Gruppe mit Mittelmeer-Kost war der Gesamtfettanteil der zugeführten Nahrung sogar über die Zeit etwas angestiegen – bedingt durch den Verzehr von mehr Olivenöl, Nüssen und Fisch. Allerdings nahm der Kohlenhydratanteil leicht ab. In der Vergleichsgruppe war es umgekehrt: Der Fettanteil nahm – wie gewünscht – ab, aber der Kohlenhydratanteil nahm merklich zu.

Das Studienergebnis bestätigt damit die aktuellen europäischen Empfehlungen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darin wird ebenfalls die mediterrane Ernährungsweise bevorzugt und z.B. empfohlen, gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte zu ersetzen. (1)

Schon früh in der Corona-Pandemie wurde deutlich, dass ältere Menschen und insbesondere Männer ein merklich erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe haben. Ähnliches gilt auch bei Fettleibigkeit und Bluthochdruck. Welchen Effekt jedoch metabolische Vorerkrankungen in Kombination auf den Verlauf einer Infektion mit SARS-CoV-2 und das Risiko zu sterben haben, wurde nun durch Auswertung der Daten von rund 3000, überwiegend deutschen Patienten aus dem europäischen Fallregister LEOSS gezielt untersucht. Daran beteiligt waren mehre deutsche Forschungseinrichtungen.

Dazu wurden verschiedene Altersgruppen (18-55 Jahre; 56-75 Jahre und über 75 Jahre) mit und ohne Erkrankungen (Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes/metabolisches Syndrom) verglichen. Danach hatten Patienten über 75 Jahren – wie zu erwarten – das höchste Covid-19-Sterberisiko. Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, gestörter Zuckerstoffwechsel und starkes Übergewicht verstärkten das Risiko nur noch unwesentlich. Anders bei Patienten im Alter bis 55 Jahren: Hier war das Risiko, infolge einer Covid-Erkrankung zu sterben, siebenfach im Vergleich zu Gleichaltrigen erhöht, wenn die Patienten gleichzeitig Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes hatten. Es entsprach zugleich dem Risiko, das ältere Patienten zwischen 55 und 75 Jahren ohne metabolische Begleiterkrankungen aufwiesen.

Ein ähnliches Bild zeigte sich beim Vergleich von milden zu schweren Krankheitsverläufen. Und: Selbst als die Wissenschaftler die jüngere Altersgruppe nochmals unterteilten in 18-35 Jahre und 36-55 Jahre bestätigte sich im Trend, dass ein Bluthochdruck plus metabolische Erkrankungen selbst in der jüngeren Gruppe das Risiko für schwere Verläufe und Tod erhöht. (2)

Der Nutzen der blutdrucksenkenden Therapie lässt sich bekanntlich danach beurteilen, wie viele Schlaganfälle, Herzinfarkte, Nierenversagen und Todesfälle durch diese Therapie verhindert werden. Mögliche Schäden und Beschwerden infolge ungewohnt niedriger Blutdruckwerte sind dagegen abzuwägen. Zu den ungünstigen Effekten gehören etwa Schwindelgefühl, Schwäche und kurze Anfälle von Bewusstlosigkeit (Synkopen). Dieses Abwägen wird bei Patienten mit zunehmenden Alter umso wichtiger, weil zum Beispiel Stürze durch Schwindeltattacken weitreichende Folgen haben können.

Einige Studien haben nun bereits Hinweise darauf gegeben, dass auch in höherem Alter eine optimalen Blutdruckeinstellung die Lebenserwartung verbessern kann. In einer Analyse der Daten von über 27.000 Patienten im Alter über 60 Jahren (Durchschnittsalter war 70 Jahre) wurde nun nochmals gezielt nach Nutzen und Risiken einer intensivierten Blutdrucksenkung geschaut. Die Daten stammten aus sechs randomisierten großen Blutdruckstudien. Nach den aktuellen Leitlinien der europäischen Kardiologen liegt ein Bluthochdruck bei Werten über 140/90 mmHg vor. Als Zielwert für eine Blutdrucksenkung sollten 130/80 mmHg und niedriger angestrebt werden – das gilt allerdings vor allem für Patienten unter 65 Jahre.

Ein wesentliches Bewertungskriterium für den Erfolg der Therapie war in der Analyse nun vor allem die Beantwortung folgender Frage: Wie lange dauert es, bis ein älterer Patient von einer intensivierten Blutdrucksenkung profitiert? Denn gerade ungünstige Effekte treten ja meist zeitnah mit den niedrigen Werten auf. Als positiver Effekt definiert wurde das Verhindern schwerer kardiovaskulärer Ereignisse.

Wie zu erwarten, traten die günstigen Effekte der intensivierten Blutdrucksenkung nicht unmittelbar nach Therapiebeginn, sondern erst im Laufe von Monaten auf. So war es plausibel, dass Patienten mit einer Lebenserwartung von einem Jahr oder weniger statistisch nicht von einer solchen Therapie profitierten. Ab einer dreijährigen Behandlungsdauer dagegen profitierten die Patienten deutlich von dieser Behandlung. Bemerkenswert, aber nicht unerwartet, war außerdem folgendes Untersuchungsergebnis: Der günstige Effekt der systolischen Blutdrucksenkung unter 140 mmHg war nur wenig ausgeprägt im Vergleich zu systolischen Werten unter 150 oder 160 mmHg. Bei einem Zielblutdruck unter 130 mmHg war der positive Effekt hingegen sehr deutlich. Und selbst bei einem Zielblutdruck unter 120 mmHg fand sich noch ein positiver Effekt. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass auch Patienten über 60 Jahre mit hohem Blutdruck von einer intensivierten Blutdrucksenkung (unter 130 mmHg systolisch) profitieren, wenn ihre Lebenserwartung drei Jahre und mehr beträgt – was bei der Mehrzahl der Menschen der westlichen Welt heute der Fall ist. Neben der Lebenserwartung sind dennoch stets auch die begleitenden Erkrankungen und die subjektive Verträglichkeit der blutdrucksenkenden Therapie zu berücksichtigen.(3)

Viele Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind inzwischen bekannt. Dennoch sind Herzerkrankungen nach wie vor Todesursache Nr. 1. Wissenschaftler sind nun der Frage nachgegangen, inwiefern die Einnahme von Schilddrüsenhormonpräparaten möglicherweise einen weiteren Risikofaktor darstellt. Hintergrund ist, dass Schilddrüsenhormone (z.B. Levothyroxin) mit zu den am häufigsten verordneten Medikamenten gehören. Und es ist bekannt, dass Schilddrüsenhormone per se die Reizleitung am Herzen verändern.

Nach Angaben der US-Wissenschaftler ist es auch so, dass bis zu 50 % der mit Schilddrüsenhormonen behandelten Patienten mit der Zeit Zeichen einer Schilddrüsenüber- oder  ‑unterfunktion entwickeln. Zugleich weiß man, dass Patienten mit einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko haben.

Sie kontrollierten daher bei über 700.000 Patienten, die mit Schilddrüsenhormonen behandelt wurden – meist wegen einer Unterfunktion – die weitere gesundheitliche Entwicklung über zwei bis neun Jahre. Knapp elf Prozent der Patient starben in dieser Zeit aufgrund einer kardiovaskulären Erkrankung wie Herzinfarkt, Herzmuskelschwäche oder Schlaganfall. Wurden Alter, Geschlecht und vorhandene kardiovaskuläre Risikofaktoren berücksichtigt, so zeigte sich, dass das Risiko zu sterben, bei jenen Patienten auffällig erhöht zu sein scheint, die mit ihren Laborwerten der Schilddrüsenfunktion (TSH, fT4) außerhalb des Normbereichs lagen, also entweder zu hohe oder zu niedrige Werte aufwiesen. Als Vergleichsgruppen dienten Patienten, deren Laborwerte für die Schilddrüsenfunktion im erwünschten – sogenannten euthyreoten – Bereich lagen.

Auffällig war dabei, dass das kardiovaskuläre Risiko direkt mit dem Abweichen des TSH-Wertes von der Norm verbunden zu sein scheint (insbesondere bei TSH-Werten <0,1 ml/L und >20 ml U/L). Darüber hinaus scheinen vor allem hochbetagte Patienten (>85. Lebensjahr) bei einer Abweichung der Laborparameter der Schilddrüse ein hohes Herzrisiko zu haben. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass auch eine Therapie mit Schilddrüsenhormonen mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert ist. Dies ist dann der Fall, wenn die Laborparameter nicht in dem Bereich einer normalen Schilddrüsenfunktion (Euthyreose) eingestellt werden. Wichtigster Laborparameter hierzu ist der TSH-Wert. Sie verweisen daher darauf, dass wenn eine Therapie mit Schilddrüsenhormonpräparaten notwendig ist, dieser Wert dann auch besonders sorgfältig in den therapeutischen Bereich eingestellt und kontrolliert werden sollte.

  1. Long-term secondary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet and a low-fat diet (CORDIOPREV): a randomised controlled trial, Lancet, Mai 2022, https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00122-2
  2. Obesity and Impaired Metabolic Health Increase Risk of COVID-19-Related Mortality in Young and Middle-Aged Adults to the Level Observed in Older People: The LEOSS Registry, Front. Med., 11 May 2022 | https://doi.org/10.3389/fmed.2022.875430
  3. Time to Clinical Benefit of Intensive Blood Pressure Lowering in Patients 60 Years and Older jamainternal_chen_2022_oi_220022_1650556223.42716.pdf
  4. Association of Thyroid Hormone Treatment Intensity with Cardiovascular Mortality , JAMA Netw Open. 2022;5(5):e2211863. doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.11863

Nachricht-Archiv Mai (2022)

Im Rahmen des GULLIVE-R-Projekts des DGK-Zentrums für Versorgungsforschung (1) wird aktuell untersucht, wie sich die gesundheitliche Situation (inklusive Behandlung und Therapietreue) von Patientinnen und Patienten ein Jahr nach einem Herzinfarkt darstellt. Dies ist von Bedeutung, weil nach einem ersten Infarkt bekanntlich das Risiko für weitere schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse stark erhöht ist. Allerdings: Mit größer werdendem Abstand zum Infarkt wähnen sich Betroffene – und häufig auch die behandelnden Ärzte – oft (zu) sicher und lassen die Behandlung schleifen.

Die erste Auswertung der Daten von 2500 Patientinnen und Patienten zeigte nun, dass direkt nach dem Infarkt und einer erfolgreichen Revaskularisation der Herzkranzgefäße eine große Zahl von ihnen (80 %) entsprechend den aktuellen ärztlichen Leitlinien behandelt wurde. Sie erhielten wenigstens 4 der 5 „Medikamenten-Bausteine“ (ASS, Thrombozytenaggregationshemmer, Statin, ACE-Hemmer/ARB/ARNI, Beta-Blocker). Und zunächst folgten die meisten auch tatsächlich den empfohlenen Maßnahmen zur Lebensstiländerung mit Ernährungsumstellung, regelmäßiger Bewegung und Blutdruckkontrolle.

Doch schon wenige Monate später änderte sich das positive Bild: Nur die Hälfte der Betroffenen erhielt nach sechs Monaten noch die empfohlenen 4-5 Medikamente. Bei 31 Prozent bestand die Therapie aus drei, bei etwa 15 Prozent nur noch aus zwei Medikamenten. Zudem unterschätzten sie ihr Risiko deutlich, einen weiteren Infarkt zu bekommen. Das galt auch für die behandelnden Ärzte. Um das Risiko für ein erneutes kardiovaskuläres Ereignis zu ermitteln, wurden neun einfach zu messende klinische Werte betrachtet. Danach hatten 34 Prozent der Patienten ein erhöhtes Risiko für ein erneutes kardiovaskuläres Ereignis. Doch nur rund 7 Prozent der Patienten und 11 Prozent der Ärzte sahen das selbst so. Dagegen meinte gut jeder dritte Patient (37 %) und jeder dritte Arzt (32 Prozent), dass ein geringes Risiko vorliege.

Auch bei den Kenntnissen zur Erkrankung gab es offensichtliche Lücken. Knapp 88 Prozent der Patienten fühlten sich zum Beispiel gut über die koronare Herzerkrankung informiert, doch weniger als 16 Prozent kannten den richtigen LDL-Zielwert und weniger als 40 Prozent den korrekten Zielblutdruckwert. Und während über 70 Prozent annahmen, ihr Cholesterinwert liege im richtigen Bereich, kannten ihn aber nur 21 Prozent der Patienten genau.

In einer britischen Untersuchung wurde bei über 365.000 Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall kontrolliert, wie viele von ihnen in den folgenden vier Wochen Herzbeschwerden entwickeln und welche Konsequenzen das für die betroffenen Patienten hat (2). Bei rund elf Prozent trat ein akutes Koronarsyndrom auf, knapp neun Prozent entwickelten Vorhofflimmern/-flattern, gut sechs Prozent eine Herzinsuffizienz und 1,2 % wiesen schwere ventrikuläre Arrhythmien sowie 0,1 % eine Stress-Kardiomyopathie (Takotsubo-Syndrom) auf. Wie zu erwarten, verschlechterte die zusätzliche Herzbelastung die Prognose deutlich.

So war das Risiko jener Patienten mit kardialen Komplikationen in den nächsten fünf Jahren zu sterben, einen Herzinfarkt zu bekommen oder erneut ins Krankenhaus zu müssen, deutlich höher als bei Vergleichspatienten mit Schlaganfall ohne zusätzliche Herzbeschwerden. Vor allem bei Patienten mit schweren ventrikulären Rhythmusstörungen/Tachykardien war das Sterberisiko um mehr als 100 Prozent erhöht. Bei Herzinsuffizienz waren es noch über 80 Prozent und bei Vorhofflimmern 45 Prozent im Vergleich zu Schlaganfallpatienten ohne Herzkomplikationen. Und auch das Risiko eines erneuten Schlaganfalls war bei Patienten mit Herzkomplikationen hoch. Etwa jeder zweite war in den fünf Jahren der Studienkontrolle betroffen.

Die Studie lässt zwar keine klare Aussage zu, ob die Herzbeschwerden erst durch den Schlaganfall ausgelöst wurden oder ob infolgedessen bestehende Herzerkrankungen erst entdeckt wurden. Die Bedeutung von Kontrollen der Herzfunktion in der Nachsorge wird dadurch nicht beeinflusst.

Der plötzliche Herztod ist nicht selten das erste Ereignis einer koronaren Herzkrankheit. „Plötzlicher Tod bei scheinbar völliger Gesundheit“, heißt es dann. Bis heute gibt es praktisch keine Warnzeichen, die einen drohenden plötzlichen Herztod bei Personen anzeigen, die bislang keine Beschwerden oder Symptome einer Herzerkrankung haben.

Da man jedoch weiß, dass ein erhöhter Kalziumscore (CACS) für das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit spricht, war es naheliegend, in einer Studie zu prüfen, ob vielleicht ein erhöhter Kalziumscore auch eine Gefährdung durch einen plötzlichen Herztod anzeigt. Dieser wird mit Hilfe einer speziellen computertomographischen (CT) Untersuchung ermittelt, bei der Kalkablagerungen in den Herzgefäßen sichtbar werden.

Dazu wurde bei über 66.000 bislang asymptomatischen Personen, die sich einer solchen Untersuchung unterzogen, ermittelt, wie häufig es in den nachfolgenden rund zehn Jahren zu einem plötzlichen Herztodes kam (3). Das kardiovaskuläre Risiko wurde zudem mittels traditioneller Risikofaktoren berechnet. Innerhalb der Nachbeobachtungszeit kam es zu 211 Ereignissen eines plötzlichen Herztods. Dies entspricht einer Häufigkeit von 0,3%. Über die traditionellen Risikofaktoren hinaus nahm die Häufigkeit des plötzlichen Herztodes mit dem Ausmaß der Koronargefäßverkalkung und somit der Höhe des Kalziumscores tatsächlich zu. Besonders deutlich war der Zusammenhang zwischen erhöhtem Kalziumscore und dem Risiko für plötzlichen Herztod bei Menschen mit an sich niedrigem und mittlerem Ausgangsrisiko, in den nächsten zehn Jahren eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen.

Etwas Wein in die Aussagekraft dieser Studie kippt eine andere Publikation, bei der sechs Studien mit knapp 18.000 bei Studienstart ebenfalls gesunden Teilnehmern übergreifend ausgewertet wurden (4). Es wurde dabei rückwirkend untersucht, ob der Kalziumscore die Aussagekraft herkömmlicher Herzrisiko-Scores für das Auftreten einer Herz-Kreislauf-Erkrankung in den nächsten Jahren in einem klinisch nützlichen Maß ergänzt. Insgesamt gab es bei den Teilnehmern 1.043 kardiovaskuläre Ereignisse. Es zeigte sich, dass die CACS-Bestimmung die Risikovorhersage zwar verbessern kann, allerdings nur unwesentlich.

Schlußfolgerung: In den aktuellen europäischen Leitlinien zur Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird ab einem Alter von 40 Jahren die Bestimmung des Kalziumscores (CACS) als zusätzliche Option zur Abschätzung des individuellen 10-Jahres-Risikos zwar erwähnt (als sogenannter Risikomodifizierer). Und nach den vorliegenden Daten kann dieser Score auch tatsächlich eine Rolle bei der Verfeinerung der Risikobewertung bei ausgewählten Patienten spielen. Es bleibt jedoch unklar, welche Patienten davon profitieren und wie hoch am Ende der tatsächliche klinische Nutzen für sie ist. Denn zugleich müssen die die Strahlenbelastung durch eine CT-Untersuchung und die Kosten der Untersuchung gegengerechnet werden.

  1. DGK-Kongress 2022, Abstrakt und Vortrag  Prof. Uwe Zeymer, Klinikum Ludwigshafen
  2. Stroke-Heart Syndrome: Incidence and Clinical Outcomes of Cardiac Complications Following Stroke, Stroke, 31.3.2022; https://doi.org/10.1161/STROKEAHA.121.037316
  3. Coronary Artery Calcium for Risk Stratification of Sudden Cardiac Death: The Coronary Artery Calcium Consortium; J Am Coll Cardiol Img. 2022. DOI: 10.1016/j.jcmg.2022.02.011
  4. Evaluation of the Incremental Value of a Coronary Artery Calcium Score Beyond Traditional Cardiovascular Risk Assessment, JAMA Intern Med. Published online April 25, 2022. doi:10.1001/jamainternmed.2022.1262

 

Nachricht-Archiv April (2022)

10.000 Schritte am Tag werden gemeinhin als gesundheitsförderliches Ziel angegeben. Doch ist diese Angabe auch gesichert? US-amerikanische Forscher haben daher insgesamt 15 große internationale Studien mit insgesamt über 47.000 Teilnehmern unter die Lupe genommen (1 a), die die Sterblichkeit bei Erwachsenen über 18 Jahren in Zusammenhang mit ihrem Bewegungsverhalten untersuchten. Um einen Dosis (Schrittzahl)-Wirkungs-Effekt nachweisen zu können, teilten die Wissenschaftler die Schrittmenge in vier gleich große Gruppen auf. Dabei zeigt sich, dass diejenigen aus der Gruppe mit den meisten Schritten eine um 40 bis 53 Prozent geringere Sterblichkeitsrate hatten als diejenigen aus der Gruppe mit den wenigsten Schritten pro Tag. Insgesamt kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass bei Menschen über 60 Jahren 8000-10.000 Schritte pro Tag die Wahrscheinlichkeit für einen verfrühten Tod senken. Bei Menschen über 60 Jahren nimmt wohl mit 6000-8000 Schritten pro Tag das Sterberisiko progressiv ab.  Sie konnten damit eigene frühere Daten bestätigten, wonach mindestens 7.000 Schritte pro Tag die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Todes um 50 bis 70 Prozent verringerten.

Den Vorteil speziell von Krafttraining haben darüber hinaus jüngst japanische Forscher bestätigen können (1 b). Ihre Analyse von ebenfalls gleich mehreren Studien ergab, dass ein 30- bis 60-minütiges Krafttraining pro Woche besonders günstig ist, um sowohl das Gesamtrisiko eines verfrühten Todes als auch das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs allgemein und Diabetes um 10 bis 17 % zu verringern. Es fanden sich keine Hinweise darauf, dass mehr als eine Stunde Krafttraining wöchentlich das Risiko noch weiter reduziert.  Zusätzlich ermittelten die Forscher, dass sich die Wirkungen von aerobem Sport und Muskelaufbautraining addieren. So reduziert nach ihren Daten ein kombiniertes Training im Vergleich zu gar keinem Sport das Gesamtsterberisiko um 40 % und das Risiko für Herzerkrankungen sogar um 46 %.

Wie häufig kommt es bei Patienten mit Vorhofflimmern zu einem Schlaganfall trotz Behandlung mit einem Gerinnungshemmer? Und wie sehr beeinflusst das das Entstehen einer Demenz? Dieser Frage sind Schweizer Wissenschaftler in einer großen Studie (SWISS-AF) mit über 1200 Patienten nachgegangen (2), die wegen Vorhofflimmerns an verschiedenen Kliniken behandelt wurden. Ihr mittleres Alter betrug 71 Jahre. Fast alle wurden effektiv mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt. Vor Beginn und nach Ende der zweijährigen Beobachtungsperiode erhielten alle Patienten eine MRT-Untersuchung des Kopfes. Quantitativ klassifiziert wurden Infarkte im Bereich der Hirnrinde und der weißen Substanz, jeweils unterteilt in große und kleine Infarkte/Schlaganfälle. Außerdem wurden Defekte der weißen Hirnsubstanz und Mikroblutungen beurteilt. Die Hirninfarkte wurden klinisch in symptomatische und in asymptomatische (stumme) unterteilt. Die geistige Leistungsfähigkeit (Kognition) wurde anhand standardisierter Testverfahren gemessen.

Die Auswertung der Daten ergab, dass es bei 2,3 % der Patienten zu symptomatischen Hirninfarkte und bei 5,5, der Untersuchten zu asymptomatischen Hirninfarkte gekommen war. Bei Patienten mit neuen Hirninfarkten nahmen ihre geistigen Fähigkeiten deutlicher ab als bei Patienten ohne neue Hirninfarkte. Dabei gab es keinen Unterschied, ob es sich um einen symptomatischen und asymptomatischen Hirninfarkt gehandelt hatte. Keinen Einfluss auf die Kognition hatten hingegen Veränderungen in der weißen Gehirnsubstanz oder Mikroblutungen.

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen somit die Vermutung, dass nicht nur symptomatische, sondern auch stumm verlaufende Hirninfarkte Ursache einer nachlassenden geistigen Leistungsfähigkeit bei Vorhofflimmerpatienten sein können. Da nahezu 90 % der Patienten mit einem Hirninfarkt unter einer effektiven Antikoagulation standen, scheint bei einigen Patienten mit Vorhofflimmern eine alleinige Therapie mit oralen Antikoagulanzien nicht ausreichend zu sein, um Hirninfarkte zu verhindern. Die zusätzliche Gabe eines Plättchenhemmstoffes könnte unter Umständen Hirninfarkte verhindern, geht aber mit einem höheren Blutungsrisiko einher. Die Studienergebnisse der letzten Jahre zeigen, ist hingegen eine erfolgreiche interventionelle Therapie des Vorhofflimmerns und die Herstellung von Sinusrhythmus in der Lage ist, Hirninfarkte sicher zu verhindern.

Brustschmerzen sind bekanntlich das Haupt-Warnsignal eines Herzinfarkts. Aber auch andere Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Oberbauch- oder Nackenschmerzen oder ein vorübergehender Bewusstseinsverlust (Synkope) können auftreten. In einer Studie (3) untersuchten portugiesische Wissenschaftler, wie sich die unterschiedlichen Symptome auf die Prognose nach einem Herzinfarkt auswirken und ob es bestimmte Personengruppen gibt, bei denen eher atypische Beschwerden eines Herzinfarktes auftreten. Sie untersuchten dazu die Daten von knapp 5000 Patienten aus dem portugiesischen Register für akute Koronarsyndrome, die einen sogenannten Non-ST-Elevation-Myokardinfarkt (NSTEMI) hatten. Bei dieser Art von Herzinfarkt wird eine Arterie, die das Herz mit Blut versorgt, teilweise blockiert.

Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer lag bei 68 Jahren und 71 % waren Männer. Die Patienten wurden je nach ihrem Hauptsymptom bei der Einlieferung in drei Gruppen eingeteilt. Brustschmerzen waren dabei das häufigste Symptom (91 %), gefolgt von Atemnot/Müdigkeit (7 %) und Synkope (2 %). Es zeigte sich, dass Patienten mit Dyspnoe/Müdigkeit mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren älter waren als die Patienten in den beiden anderen Gruppen und es sich bei ihnen auch häufiger um Frauen handelte. Im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen litten Patienten mit Atemnot/Müdigkeit als Hauptsymptom zudem häufiger an Bluthochdruck, Diabetes, chronischen Nierenerkrankungen und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).

Die Forscher verglichen anschließend auch die Überlebensraten zwischen den drei Gruppen nach einem Jahr. Ein Jahr nach dem Herzinfarkt waren noch 76 % der Patienten in der Gruppe mit Dyspnoe/Müdigkeit am Leben, gegenüber 94 % in der Gruppe mit Brustschmerzen und 92 % in der Gruppe mit Synkopen als Hauptsymptom des Infarktes. Dennoch lässt sich daraus kein eindeutiger Beleg für ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko bei den unspezifischen Herzinfarkt-Symptomen Müdigkeit/Kurzatmigkeit ableiten, wie die Forscher berichten. Dennoch raten sie, dass Betroffene auch dann dringend einen Arzt aufsuchen sollten, wenn sie über längere Zeit unter Atemnot leiden und nicht nur bei klassischen Herzinfarktsymptomen wie Schmerzen in der Brust, Druck oder Schweregefühl, das in einen oder beide Arme, den Hals oder den Kiefer ausstrahlt. Dies sei besonders für Frauen und ältere Patienten wichtig, bei denen sich sonst die Herzinfarkt-Diagnose kritisch verzögern könnte.

  1. (a) Lancet, März 2022, Daily steps and all-cause mortality: a meta-analysis of 15 international cohorts, https://doi.org/10.1016/S2468-2667(21)00302-9 und (b) British Journal of Sports Medicine 2022. http://dx.doi.org/10.1136/bjsports-2021-105061
  2. European Heart Journal, ehac020, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehac020
  3. Escardio.org, https://www.escardio.org/The-ESC/Press-Office/Press-releases/Shortness-of-breath-heralds-worse-survival-than-chest-pain-for-heart-attack-patient

 

Nachricht-Archiv März (2022)

Nach Einschätzung von Patienten und Ärzten ist die Unverträglichkeit gegenüber Statinen weit verbreitet. In der weltweit größten Studie wurde nun untersucht, wie häufig tatsächlich im Alltag eine Unverträglichkeit gegenüber Statinen auftritt und welche Patienten davon besonders betroffen sind. In die Metaanalyse von 176 publizierten Studien wurden über vier Millionen Patienten eingeschlossen. Das Vorliegen einer Statinintoleranz wurde nach den Kriterien verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften definiert.

Eine „echte“ Intoleranz gegenüber Statinen fand sich nur bei insgesamt rund neun Prozent der Patienten. Wurden die Kriterien internationaler Fachgesellschaft herangezogen waren es sogar nur zwischen fünf und sieben Prozent.

Eine Unverträglichkeit fand sich häufiger unter folgenden Bedingungen: weibliches Geschlecht (um 48 % erhöhtes Risiko), Schilddrüsenunterfunktion (+38 %), hohe Statindosis (+38 %), höheres Lebensalter (+33 %) oder Übergewicht (+31 %). Auch ein Diabetes mellitus sowie chronische Leber- und Nierenerkrankungen erhöhten das Risiko, ebenso die gleichzeitige Einnahme von Kalziumantagonisten und von Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen.

Je nach Studiendesign schwankte die Häufigkeit einer Statinintoleranz ebenfalls. So betrug sie in den 112 randomisierten Studien, bei denen kein Patient wusste, was er einnahm, nur knapp fünf Prozent. In den 64 klinischen Studien, in denen den Patienten ihr Medikament bekannt war, betrug die Häufigkeit einer Statinintoleranz hingegen 17 Prozent. Die Autoren werten dieses Ergebnis auch als deutlichen Hinweis auf einen sogenannten Nocebo-Effekt, das heißt auf eine vorhandene negative Erwartungshaltung.

Ihre Schlussfolgerung: Die Häufigkeit einer Unverträglichkeit gegenüber Statinen ist deutlich geringer als von Patienten und Ärzten angenommen. Das Auftreten von Symptomen, die den Verdacht auf eine Unverträglichkeit nahelegen, erfordert eine sorgfältige Analyse durch den behandelnden Arzt, um herauszufinden, was der tatsächliche Grund der Beschwerden sein könnte. (1)

Welchen Einfluss hat die psychische Gesundheit auf das Entstehen bzw. den Verlauf kardiovaskulärer Krankheiten? Dieser Frage wird schon länger in der Kardiologie nachgegangen. In einer Metaanalyse mit über 180.000 Patienten wurde dies nun näher untersucht. In allen Studien wurde zwischen Optimisten und Pessimisten unterschieden. Dann untersuchten die US-amerikanischen Forscher, ob in einer der beiden Gruppe mehr kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle auftraten. Tatsächlich stellten sie fest, dass Patienten mit einer optimistischen Lebenseinstellung ein um 19 % geringeres Risiko hatten, vorzeitig zu sterben.  Es bestand zudem ein deutlich verringertes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten. Auch das Risiko für einen Schlaganfall war verringert, wenn auch nicht so eindeutig.

Diese Studie ist nicht die erste, die auf die günstige Wirkung von seelischer Gesundheit auf das kardiovaskuläre Risiko hinweist. Trotzdem mahnen die Autoren der Studie zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse. So konnten bei einigen der analysierten Studien zusätzliche Einflussfaktoren nicht zuverlässig ausgeschlossen werden. Außerdem bleibt nach den Studienergebnissen offen, über welchen konkreten Mechanismus die optimistische Lebenseinstellung das kardiovaskuläre Risiko beeinflusst. Mögliche Erklärung könnte sein, dass Optimisten per se eher herzgesunde Lebensweisen an den Tag legen. Zudem gibt es Hinweise, dass die Stimmung auch körperliche Reaktionen auslöst etwa in Bezug auf Entzündungsprozesse, Hormonausschüttung und Bluthochdruck, was chronische Erkrankungen beeinflussen kann. Erst kürzlich legte auch eine europäische Gruppe von Psychokardiologen ein Positionspapier vor, in dem eine stärkere Berücksichtigung seelischer Probleme bei Patienten mit Herzinsuffizienz gefordert wird. (2)

US-Forscher haben jüngst Informationen von über 150.000 zumeist älteren Patienten ausgewertet, die zwischen März 2020 und Januar 2021 an Covid-19 erkrankt waren. Verglichen wurden die Daten mit Personen, die während der Pandemie ohne Covid-Infektion geblieben waren und mit Patientendaten aus der Zeit vor der Pandemie. Die Auswertung der in „Nature“ publizierten Studie (3) ergab, dass an Covid-Erkrankte nach einem Jahr ein um über 70 Prozent höheres Risiko für eine Herzinsuffizienz hatten als Patienten ohne Covid. Auch für andere kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall oder tiefe Venenthrombosen war das Risiko merklich erhöht.

Ebenso ist das Risiko für psychische Störungen ein Jahr nach einer Covid-19-Infektion um etwa ein Drittel erhöht. Dabei handelte es sich unter anderen um Angstzustände, Depressionen, Schlafstörungen und Gedächtnisstörungen. Am stärksten betroffen sind offenbar Patienten, die einen Krankenhausaufenthalt hinter sich hatten. Die Wissenschaftler nutzten für diese Analyse den gleichen Datenpool wie die Forscher der in „Nature“ publizierten Studie. Festgestellt wurde zudem, dass der Gebrauch von Psychopharmaka um bis zu zwei Drittel zu nahm – selbst bei milden Verläufen. Die Ergebnisse wurden Mitte Februar im „British Medical Journal“ (4) veröffentlich.

Bei einer ebenfalls im britischen Ärzteblatt veröffentlichten Studie (5) wurde wiederum ermittelt, dass rund jeder dritte US-Bürger im Alter über 65 Jahren in den ersten 120 Tagen nach seiner Genesung von Covid-19 offenbar eine andere Erkrankung entwickelt. Dazu gehörten Atmungsstörungen, Abgeschlagenheit und Bluthochruck sowie Herzrhythmusstörungen.

Im Fokus aktueller wissenschaftlicher Publikationen standen darüber hinaus konkrete Risikofaktoren für das Entstehen von Long Covid und mögliche Ursachen. Hierbei fanden zum Beispiel US-Forscher (6) vier Faktoren, die möglicherweise Long-Covid begünstigen: das Auftreten von Autoantikörpern, eine hohe Viruslast (viel virale mRNA) zu Erkrankungsbeginn, die Reaktivierung von (inaktivierten) Epstein-Barr-Virionen und ein bestehender Typ-2-Diabetes.

Eine Auswertung von Praxisdaten des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) kam ebenfalls zu dem Schluss, dass es womöglich bestimmte Vorerkrankungen gibt, die das Entstehen einer Long-Covid-Erkrankung begünstigen (7). Nach ihren Daten sind vor allem Menschen zwischen 45 und 65 Jahren betroffen, darunter vor allem Frauen. Auffällig viele hatten Vordiagnosen wie Rückenschmerzen, Adipositas oder Stressbeschwerden.

Neben Alter, Vorerkrankungen und Anzahl der Beschwerden während der akuten Covid-Erkrankung spielt möglicherweise auch die individuelle Immunglobulinkonstellation eine Rolle. Wissenschaftler der Klinik für Immunologie am Universitätsspital Zürich haben nämlich einen Zusammenhang zwischen niedrigen Spiegeln an den Immunglobulinen – auch Antikörper genannt – IgM und/oder IgG3 und einem erhöhten Long-Covid-Risiko festgestellt. Die Immunglobuline werden vom Immunsystem produziert und neutralisieren dann SARS-CoV-2 oder machen das Virus anfälliger für Attacken des Immunsystems.  Sollten sich die Daten bestätigen, könnten damit möglicherweise frühzeitig Patienten mit hohem Long-Covid-Risiko erkannt werden und es könnte therapeutisch eingegriffen werden, hieß es auf einer Pressekonferenz des Science Media Centers (8).

Die  UK Health Security Agency (UKHSA), eine Behörde des britischen Gesundheitsministeriums, hat im Februar über die Auswertung von 15 Studien aus verschiedenen Ländern berichtet, die sich alle mit Covid-19-Impfungen und Long-Covid-Risiken beschäftigten (9). Als wesentliche Erkenntnis schreiben die Autoren, dass die Studienergebnisse nahelegen, dass geimpfte Personen (1 oder 2 Dosen) nach der Infektion weniger wahrscheinlich Symptome von Long-Covid entwickeln. Diese gelte sowohl für kurzfristige Symptome (4 Wochen nach Infektion) als auch mittelfristige (12 bis 20 Wochen nach Infektion) und langfristige (6 Monate nach Infektion). In zwei Studien, in denen einzelne Long-Covid-Symptome erfasst wurden, traten bei vollständig Geimpften im Vergleich zu Ungeimpften mittel- oder langfristig Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwäche in Armen und Beinen, Haarausfall, Schwindel, Kurzatmigkeit, Geruchsstörungen und Muskelschmerz seltener auf.

In den Studien, die die Wirkung einer Impfung bei Menschen mit bereits vorhandener Long-Covid-Symptomatik untersuchten, gab es wiederum Hinweise auf eine Verbesserung der Symptome nach der Impfung – entweder sofort oder langfristig. Allerdings weisen die Autoren auch darauf hin, dass es in allen Studien auch einige Patienten gab, die über eine Verschlimmerung der Symptome nach der Impfung berichteten.

  1.  Prevalence of statin intolerance: a meta-analysis, Eur Heart J 2022; ehac015, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehac015
  2. Association of Optimism With Cardiovascular Events and All-Cause Mortality: Systematic Review and Meta-Analysis – ScienceDirect; https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2021.12.023
  3. Long-term cardiovascular outcomes of COVID-19; Nature Medicine, Feb 2022; https://doi.org/10.5281/zenodo.5799457
  4. Risks of mental health outcomes in people with covid-19: cohort study, BMJ, Feb 2022;  https://doi.org/10.1136/bmj-2021-068993
  5. Risk of persistent and new clinical sequelae among adults aged 65 years and older during the post-acute phase of SARS-CoV-2 infection: retrospective cohort study, BMJ, Feb 2022; https://doi.org/10.1136/bmj-2021-068414 
  6. Multiple Early Factors Anticipate Post-Acute COVID-19 Sequelae: Cell, Jan 2022; https://doi.org/10.1016/j.cell.2022.01.014
  7. https://www.zi.de/presse/presseinformationen/8-februar-2022
  8. https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/press-briefing/details/news/long-covid-begriff-befund-behandlung/opac-retrieve-file.pl (koha-ptfs.co.uk)

 

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

Ihre Mitgliedschaft

Gruppe von Menschen
  • Sie erhalten unsere Zeitschrift im Abo nach Hause
  • Sie werden zu informativen Veranstaltungen eingeladen
  • Sie können unsere Ratgeber direkt online lesen
  • Sie unterstützen aktiv die patientennahe Herzforschung

Werden Sie Teil einer großen Gemeinschaft

Mit Ihrem Mitgliedsbeitrag - von nur 36 Euro im Jahr - unterstützen Sie unsere umfassende Aufklärungsarbeit rund um Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die patientennahe Herzforschung.

Aktuelle Mitteilungen

  1. Medizinisches Know-how hilft, eine Brücke zwischen Arzt und Patient zu bilden. In Podcast-Gesprächen vermitteln wir Wissen locker und lehrreich.
  2. Fragen und Antworten zu Risiken durch Covid-19-Erkrankung und Impfung
  3. Hier lesen Sie eine Auswahl an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Studien, von Kongressen und Expertentagungen zum Thema Herzerkrankungen.