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Sich schonen bei Herzschwäche? Meist der falsche Weg

Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung die Leistungsfähigkeit verbessert

Ältere Menschen beim Sport
Halfpoint - stock.adobe.com

Bis in die 80er Jahre rieten Ärzte Patienten mit Herzschwäche, sich zu schonen. Doch diese Empfehlung ist überholt. Heute gilt regelmäßige Bewegung sogar als wichtiger Bestandteil der Therapie. Betroffene sollten aber nicht auf eigene Faust loslegen.   

Schonung bei Herzschwäche kann sogar schaden 

Wer an Herzschwäche leidet, empfindet oft schon leichte Belastungen als anstrengend oder bekommt sogar Atemnot. Kein Wunder, dass Betroffene mit Herzschwäche sich gerne schonen. Früher gingen auch Ärzte davon aus, dass Anstrengung das Herz unnötig belastet und die Herzschwäche verschlimmert. In den 70er Jahren wurden sogar Untersuchungen durchgeführt, bei denen Patienten mit Herzschwäche 6-monatige Bettruhe verordnet wurde. Die Ärzte hofften, dadurch das Herz zu entlasten und die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Doch das Ergebnis war enttäuschend: Am Ende des Untersuchungszeitraums waren die Patienten körperlich noch viel weniger belastbar als vor dieser Maßnahme. Die Schonung hatte das Herz weiter geschwächt.  

Erhalt der Muskelmasse stärkt das Herz 

Neuere Studien zeigten, dass regelmäßiges Ausdauertraining die Leistungsfähigkeit von Patienten mit Herzschwäche um 10 bis 25 % steigern kann. Die Patienten mussten seltener ins Krankenhaus, die Zahl der Todesfälle sank. Grund dafür ist unter anderem, dass die Muskelmasse erhalten bleibt oder sogar aufgebaut wird. Dadurch arbeiten die Muskeln bei gleicher Herzleistung effektiver. Die Bewegung bewirkt außerdem, dass der Ruhepuls sinkt und die Regulation der Blutgefäße verbessert wird. Beide Mechanismen entlasten das Herz.    

Was hilft bei Herzschwäche? Bewegung! 

Heute raten Ärzte bei Herzschwäche der NYHA-Stadien  I bis III zu regelmäßiger Bewegung. Insbesondere bei Schweregrad III muss diese zunächst unter ärztlicher Aufsicht stattfinden. Geeignet sind alle Sportarten, bei denen kein großer Kraftaufwand erforderlich ist. Dies sind zum Beispiel: 

  • Spazierengehen
  • Wandern
  • Nordic Walking
  • Radfahren
  • Leichte Gymnastik

Sportarten mit hohem Kraftaufwand wie Hanteltraining, Liegestütze und ähnliches sollten Patienten mit Herzschwäche dagegen vermeiden. Über das Schwimmen gehen die Meinungen der Experten auseinander. Eine kürzlich erschienene Zusammenfassung aller bekannten Studien zu dem Thema fand keinen negativen Effekt des Schwimmens. 

Herz-Tipp:

Kommt es während des Trainings zu Schwindel, Herzrhythmusstörungen oder Atemnot, sollten Sie das Training sofort abbrechen und einen Arzt aufsuchen.  

Wann Patienten mit Herzschwäche sich schonen sollten 

Bei schwerer Herzschwäche (NYHA-Stadium IV) leiden Betroffene bereits in Ruhe unter Luftnot. In diesem Fall müssen Patienten zunächst mit Medikamenten behandelt werden, bis eine Besserung eintritt. Auch bei Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödemen) ist ein Trainingsprogramm zunächst nicht empfehlenswert. Als Faustregel gilt, dass etwa vier Wochen lang eine stabile Situation ohne Atemnot in Ruhe bestehen sollte, bevor das Trainingsprogramm beginnt

Experte

Prof. Dr. med. Udo Sechtem
Prof. Sechtem

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Unsere Empfehlungen für Sie

  1. Um Herzschwäche zu erkennen, muss die Ärztin oder der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen. Lesen Sie hier mehr über die Diagnosestellung.
  2. Bewegung und Medikamente sind die wichtigsten Bausteine der Herzschwäche-Therapie. Informieren Sie sich ausführlich über Behandlungsmöglichkeiten.
  3. Bei der Therapie einer Herzschwäche stehen die Behandlung der Grunderkrankung sowie die Linderung der Beschwerden im Vordergrund.

Unsere Quellen:

  • Literatur: Shah P et al. – Cardiol Rev 2017;25:321-5

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Felix S. Bamberg

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Anonymer Gast Schwerin

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