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Wenn das Herz aus dem Takt kommt: Alles über implantierbare Defibrillatoren

Lesen Sie hier, wie es sich mit einem Defibrillator im Körper lebt und was es zu beachten.

Arzt hält Defibrillator in der Hand
Birgit Reitz-Hofmann - stock.adobe.com

Sie sind nur wenige Zentimeter groß, können aber Leben retten: Implantierbare Defibrillatoren erkennen Herzrhythmusstörungen und reagieren im Ernstfall mit Elektroschocks.

So funktionieren implantierbare Defibrillatoren

Menschen mit Herzschwäche leben mit dem großen Risiko, dass lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen entstehen können. Besonders gefährlich sind schnelle Rhythmusstörungen aus der Herzkammer, aus denen Kammerflimmern entstehen kann. Dies führt innerhalb weniger Minuten zum Tod. Das einzig wirksame Verfahren, um dieses Risiko zu verringern, ist die Implantation eines Defibrillators oder kurz ICD (Implantierbarer Cardioverter Defibrillator). Wie ein Herzschrittmacher wird er unterhalb des Schlüsselbeins entweder subkutan oder submuskulär eingesetzt. Er hat Elektroden, die zum Herzen führen und dort automatisch eine lebensgefährliche Herzrhythmusstörung, aber auch Herzrasen oder zu langsame Herzschlagfolgen erkennen. Im Bedarfsfall gibt der ICD über die Elektroden selbstständig einen Elektroschock ab. Die dafür nötige Programmierung lässt sich individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abstimmen. Der ICD zeichnet wie ein Langzeit-EKG kontinuierlich auch alle Herzrhythmusstörungen seines Trägers oder seiner Trägerin auf und speichert sie. Neuere Geräte können sich selbst überwachen und geben bei Störungen Warnsignale ab. Auch eine telemetrische Überwachung (aus der Ferne oder über das Internet) ist möglich: Dabei werden Informationen aus dem Defibrillator über das Telefonnetz oder Internet an den Arzt oder die Ärztin weitergeleitet.

Nach heutigen Erkenntnissen sollte der Defibrillator bei folgenden Personen eingesetzt werden: 

  • Patientinnen und Patienten, die eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung überlebt haben und bei denen die Ursache der Rhythmusstörung nicht beseitigt werden kann.
  • Patientinnen und Patienten, bei denen eine anhaltende Rhythmusstörung in den Herzkammern zu Blutdruckabfall, Minderdurchblutung des Gehirns mit Benommenheit (Präsynkope) oder Bewusstlosigkeit (Synkope) geführt hat. Liegt der Rhythmusstörung eine vermeidbare Ursache zugrunde – zum Beispiel ein Kaliummangel – ist kein Defibrillator nötig. 
  • Patientinnen und Patienten mit koronarer Herzkrankheit und deutlich eingeschränkter Leistungsfähigkeit der linken Herzkammer (meist nach mehrfachen Herzinfarkten). Der Defibrillator sollte allerdings erst im chronischen Stadium – frühestens 40 Tage nach dem Herzinfarkt – eingesetzt werden. 
  • Patientinnen und Patienten, deren Leistungsfähigkeit nicht durch eine koronare Herzkrankheit, sondern durch andere Herzerkrankungen eingeschränkt ist, können heute ebenfalls einen Defibrillator erhalten, wenn die Auswurffraktion der linken Herzkammer unter 30 bis 35 % liegt. Bei diesen Patientinnen und Patienten kann durch Behandlung der Grunderkrankung oft eine Verbesserung der Herzleistung erreicht werden.   

Was bedeutet Ejektionsfraktion (EF) in der Kardiologie?

Die Auswurffraktion oder auch Ejektionsfraktion (EF) ist die Menge Blut, die die linke Herzkammer im Verhältnis zur Gesamtmenge Blut, die sich in der Herzkammer befindet, in den Körper pumpt. In der linken Herzkammer befinden sich im entspannten Zustand etwa 140 Milliliter Blut. Das Herz pumpt beim Herzschlag 80 Milliliter Blut in die Hauptschlagader. Die Auswurffraktion beträgt also 57 %. Bei Gesunden beläuft sich die Auswurffraktion auf über 50 bis 60 %, bei jungen Menschen auf 65-70 %. Bei Menschen mit schwerer Herzschwäche sinkt die Auswurffraktion auf unter 25 %. Ein zu schwaches Herz kann dann den Körper nicht ausreichend mit Blut versorgen.

Diese unterschiedlichen Defibrillatoren gibt es

Dieser Defibrillator gilt als Standard-Typ, bei dem lediglich eine Elektrode über eine Vene in die rechte Herzkammer platziert wird. Sie kann Herzrhythmusstörungen erkennen, das Herz stimulieren und elektrische Schocks abgeben. Eine Kammertachykardie erkennt der Einkammer-Defibrillator und behandelt diese mittels Elektrostimulation (Overdrive), die wie Schrittmacherimpulse nicht verspürt werden. Das heißt, er unterbricht das Kammerrasen durch noch schnellere Impulse und bringt dadurch das Herz in den normalen Rhythmus. Wenn das gelingt, lässt sich der Elektroschock vermeiden. Gelingt die Unterbrechung nicht, kommt es zum Elektroschock. Gegen einen zu langsamen Herzrhythmus verfügt der Einkammer-Defibrillator über eine Schrittmacherfunktion.

Beim Zweikammer-Defibrillator wird eine zweite Sonde im rechten Vorhof verankert. Der Zweikammer-Defibrillator ist vor allem für Patientinnen und Patienten entwickelt worden, die einen zu langsamen Herzschlag haben und im Vorhof stimuliert werden müssen. Zusätzlich verbessert die Vorhofelektrode die Diagnostik von Rhythmusstörungen, z. B. von Vorhofflimmern, die zu einer sehr schnellen Herzschlagfolge in der Kammer führen können. Der Einkammer-Defibrillator kann diesen schnellen Herzrhythmus mit Kammertachykardien (Auftreten eines schnellen Herzschlags) verwechseln, sodass es passieren kann, dass ein unnötiger Schock ausgelöst wird. Das soll der Zweikammer-Defibrillator durch eine bessere Unterscheidung der Rhythmusstörungen verhindern. Die Entscheidung für einen Zweikammer-Defibrillator sollte kritisch überlegt werden, da die zusätzliche Elektrode mit einem erhöhten Risiko von Elektrodenbrüchen verbunden ist.

Ein CRT-D ist ein spezieller Defibrillator, welcher eine fortgeschrittene Herzschwäche behandeln kann. Die Abkürzung CRT steht für Cardiale Resynchronisationstherapie und bedeutet, dass mit Hilfe des Geräts die Herzwände so stimuliert werden, dass sie sich wieder synchron bewegen. Die Beschwerden der Herzschwäche werden gelindert und das Risiko für einen plötzlichen Herztod sinkt. Im optimalen Falle steigert der CRT-D spürbar die Belastbarkeit und Lebensqualität. 

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Die Elektroden werden nicht im Herzen, sondern unter der Haut über dem Herzen platziert. Ihr größter Vorteil ist, dass kein Kabel über die großen Gefäße in die rechte Herzkammer eingebracht werden muss. Nachteil ist, dass die Defibrillation nur mit höheren Energien möglich ist. Offensichtlich kommen auch erfolglose Defibrillationen vor. Außerdem verfügen diese Defibrillatoren über keine Schrittmacherfunktion. Die Implantation eines subkutanen Defibrillators erfolgt daher derzeit nur im Ausnahmefall – zum Beispiel, wenn kein Gefäßzugang vorhanden ist oder wenn wiederholte Kabelinfektionen bei konventionell implantierten Defibrillatoren aufgetreten sind.

Die LifeVest ist ein tragbarer Defibrillator, der mit einer Überwachung durch einen Monitor verbunden ist. Der Defibrillator löst über in einer Weste montierten Elektrode den Elektroschock aus, wenn er eine lebensbedrohliche Rhythmusstörung erkennt. Die Patientin oder der Patient wird alarmiert und kann die Schockabgabe durch Knopfdruck verzögern, wenn er bei Bewusstsein ist und keine gefährliche Rhythmusstörung vorliegt. Wird die betreffende Person bewusstlos, gibt das Gerät einen Behandlungsschock ab, um den normalen Rhythmus wiederherzustellen. Die Daten der Rhythmusstörung werden telemedizinisch an das behandelnde Zentrum übermittelt. Die Handhabung ist mittlerweile sehr einfach geworden, sodass das System bei bestimmten Patientinnen und Patienten eingesetzt werden kann. Die Monitoring-Funktion ist dabei ebenso wichtig wie die Defibrillationsfunktion, weil sie eine lückenlose Aufzeichnung aller bedrohlichen Rhythmusstörungen ermöglicht. Die Weste wird heute angewendet, wenn vorübergehend Situationen auftreten, bei denen das Risiko für den plötzlichen Herztod erhöht ist oder eine Therapie mit einem implantierbaren Defibrillator zurzeit nicht möglich ist. Vorübergehende Situationen mit erhöhtem Risiko sind z. B. Herzinfarkte, wenn die Pumpfunktion des Herzens stark eingeschränkt ist, man aber aufgrund der Therapie erwarten kann, dass diese sich wieder bessert. Schließlich kann eine LifeVest verwendet werden, wenn man ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod vermutet, die Diagnostik aber noch nicht abgeschlossen ist. Damit ermöglicht die LifeVest, dass die Entscheidung für oder gegen einen implantierbaren Defibrillator aufgeschoben werden kann.

Ehepaar im Auto
© Halfpoint - stock.adobe.com

Wie lebt es sich mit einem Defibrillator?

Viele Patientinnen und Patienten tun sich am Anfang schwer mit der Vorstellung einer Defibrillator-Implantation. Sie wissen zwar, dass das Gerät ihr Leben retten kann, die Angst vor einem Elektroschock ist dennoch häufig groß und kann die Psyche belasten. Vielen hilft es zu wissen, was im Fall der Fälle auf sie zukommt. Das empfinden Patientinnen und Patienten jedoch sehr unterschiedlich. Manche haben nur ein unangenehmes Gefühl. Die Mehrzahl empfindet jedoch einen mehr oder weniger starken Stoß in der Brust. Manche fühlen sich benommen. Bei 8 - 10 % der Patientinnen und Patienten tritt eine vorübergehende Bewusstlosigkeit auf. Zur Beruhigung: Viele Betroffene warnt ein Vorgefühl, dass eine elektrische Entladung folgt. Sie haben dann die Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten, indem sie sich hinsetzen oder hinlegen. Patientinnen und Patienten, die im Lauf der Zeit immer wieder von Schocks getroffen werden, können jedoch auch extrem sensibel werden und depressive Tendenzen entwickeln. Selbsthilfegruppen können ihnen  helfen, mit ihrer Situation zurechtzukommen. 

Autofahren mit Defibrillator?

Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie dürfen Patientinnen und Patienten, die bereits einen Herzstillstand erlebt haben, nicht Auto fahren. Wer vorbeugend einen Defibrillator erhalten hat, bekommt die Fahrerlaubnis in der Regel drei Monate nach dem Einsetzen des Geräts. Treten trotzdem Ohnmachten oder Bewusstseinstrübungen auf, ist auch mit Defibrillator Autofahren nicht gestattet. 

Sport machen mit Defibrillator?

Implantierbare Defibrillatoren erkennen gefährlich schnelle Herzrhythmusstörungen (Tachykardie) vor allem über die Herzfrequenz. Damit dies zuverlässig funktioniert, werden bei der ICD-Kontrolle sogenannte Erkennungszonen programmiert. Diese legen fest, ab welcher Herzfrequenz (z. B. 180 Schläge pro Minute) das Aggregat von einer gefährlichen Rhythmusstörung ausgeht. Genauso kann bei anstrengender sportlicher Betätigung die Herzfrequenz der Patientin oder des Patienten stark ansteigen. Dabei kann es vorkommen, dass die durch sportliche Belastung angestiegene Herzfrequenz fälschlich eine Tachykardie-Erkennung verursacht, was in seltenen Fällen sogar eine unnötige und unangenehme Schockabgabe zur Folge haben kann. Durch eine Anpassung der Programmierung lässt sich dieses Problem jedoch in der Regel vermeiden. Menschen mit einem implantierten Defibrillator sollten sich daher insbesondere bei starker sportlicher Betätigung mit ihrer Kardiologin oder mit ihrem Kardiologen beraten und überprüfen, ob die Herzfrequenz unter Belastung fälschlich einen Schock auslösen kann. In Einzelfällen kann es sinnvoll sein, beim Training die Herzfrequenz mit einer Pulsuhr zu überwachen.

Das sollten Sie mit einem implantierten Defibrillator beachten

Wer eine Defibrillator-Implantation hinter sich hat, muss seinen Alltag auch über das Autofahren und Sport machen hinaus etwas umstellen. Folgende Empfehlungen sollten Sie unbedingt beachten: 

  • Starke Magnetfelder, z. B. Transformatoren oder große Industriemaschinen (Generatoren und Elektromotoren), meiden.
  • Intakte Haushaltsgeräte sind in der Regel unproblematisch. 
  • Mobiltelefone können genutzt werden. Man sollte sie am besten auf der dem Defibrillator gegenüberliegenden Seite tragen und auf dem gegenüberliegenden Ohr telefonieren. 
  • Diebstahlsicherungsanlagen in Kaufhäusern und Personenschleusen in Flughäfen können Alarm schlagen. Daher sollten Patientinnen und Patienten ihren Defibirllatorausweis dem Personal im Flughafen frühzeitig zeigen. Beim zügigen Durchgehen entstehen in der Regel keine Probleme.
  • Das Untersuchungsverfahren Magnetresonanztomographie (MRT) kann nur angewandt werden, wenn das Gerät hierfür geeignet (MRT tauglich) ist und vor der Untersuchung entsprechend programmiert wird. Ein Hochfrequenzeinsatz im Rahmen eines elektrischen Skalpells oder bei Ablationen (Eingriff, bei dem überzählige oder krankhafte Leitungsbahnen und Erregungsherde im Herzen verödet werden) in der Rhythmustherapie sind ebenfalls möglich, wenn die Defibrillatorfunktion vorher ausgeschaltet wurde. Hier sollten in Absprache mit dem betreuenden Zentrum vor dem geplanten Einsatz Vorsichtsmaßnahmen und eine zusätzliche Nachsorge erfolgen.
  • Für sexuelle Aktivitäten bringen implantierte Defibrillatoren keine Probleme. Die elektrische Spannung geht bei Berührung nicht auf eine andere Person über.
  • Bewegung ist erwünscht! Wenn die Belastbarkeit eingeschränkt ist, ist das nicht auf den Defibrillator zurückzuführen, sondern auf die Grundkrankheit – die Herzschwäche. 

Experte

Prof. Dr. med. Dietmar Bänsch
Portrait von Prof. Dietmar Bänsch

Unser Sonderdruck

Titelbild_Sonderdruck_Defibrillator
Der Sonderdruck der Herzstiftung informiert über das Leben mit einem Defibrillator und kann bei der Herzstiftung kostenfrei angefordert werden.

Ihre Fragen

  1. Lohnt sich die private Anschaffung eines Defibrillators zum Schutz vor dem plötzlichen Herztod?

    Hans-Jürgen Becker

    Prof. Dr. med.

  2. Wenn bei einem implantierten Defibrillator eine Schockabgabe erfolgt, bekommen Betroffene von ärztlicher Seite oft ein Fahrverbot auferlegt.

    Bernd Nowak

    Prof. Dr. med.

  3. Hier finden Sie einen Überblick über alle Sprechstunden-Fragen zu Rhythmusstörungen, Schrittmacher-Systemen und dem Defibrillator.

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3 Kommentare

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Überprüfen Sie bitte das Recaptcha.
Hans-Hermann S. Brake

Ich fühle mich nach der Implantation wesentlich besser, das Herzpochen spüre ich jetzt nicht mehr und dadurch auch nicht mehr die vorkommenden Extra-Systolen (Stolpern).

Deutsche Herzstiftung

So ein Herzschrittmacher ist ein Segen und gibt Sicherheit Aber es ist natürlich auch eine neue Situation. Sich an diese neue Situation zu gewöhnen hilft diese Seite.

Ute B. Beckum

Habe nun seit 10 Tagen einen Herzschrittmacher und fühle mich recht gut, aber sehr unsicher, was vielleicht noch kommt. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit mein Herz in den richtigen Rhythmus zu bringen und hoffe auf weiterhin gute Heilung.