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Cholesterinspiegel senken

Das können Sie tun, wenn Ihr Cholesterin zu hoch ist: Drei Tipps bei zu hohen Cholesterinwerten

Aktualisiert: 10.06.2021

Ehepaar packt in Küche die Einkäufe aus
Halfpoint - stock.adobe.com

Hat Ihr Arzt bei Ihnen zu hohe Cholesterinwerte festgestellt, können Sie nicht nur mit Medikamenten Ihren Cholesterinspiegel senken. Mit einem gesunden Lebensstil erreichen Sie ebenfalls etwas. Drei Tipps, wie Sie Ihr Cholesterin senken.

Ist mein Cholesterin zu hoch? 

Wie es um Ihre Cholesterinwerte bestellt ist, kann Ihr Hausarzt mit Hilfe eines Bluttests herausfinden. Hierfür nimmt er etwas Blut ab und schickt die Blutprobe anschließend in ein Labor zur Auswertung. Entsprechend den neuen Therapieempfehlungen1 werden folgende LDL-Werte angestrebt:

  • Für gesunde Menschen, mit niedrigem Risiko, ohne Risikofaktoren gilt ein LDL-Cholesterinwert unter 115 mg/dl (<3,0 mmol/l) als Zielwert.
  • Bei gesunden Menschen mit mäßig erhöhtem Risiko, beispielsweise Übergewicht oder leicht erhöhtem Blutdruck, sollte der LDL-Cholesterinwert unter 100 mg/dl (<2,6 mmol/l) liegen.
  • Für Patienten, mit hohem Risiko, sollte ein LDL-Cholesterin von unter 70 mg/dl (<1,8 mmol/l) angestrebt werden.
  • Bei Patienten mit sehr hohem Risiko, liegt der LDL-C-Zielwert unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l). Das betrifft die meisten Patienten mit Herzerkrankungen. Für Patienten mit sehr hohem Risiko, die innerhalb von 2 Jahren unter einer Statintherapie ein zweites Ereignis erleiden, sollte ein LDL-Zielwert unter 1,0 mmol/L (unter 40 mg/dL) in Erwägung gezogen werden.

LDL-Cholesterinspiegel senken mit Statinen 

Sind Ihre LDL-Cholesterinwerte zu hoch, wird Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen besprechen, wie Sie Ihre Blutfettwerte normalisieren können. Ein gesunder Lebensstil und die Einnahme von Cholesterinsenkern bilden den Schwerpunkt der Behandlung. Statine gehören bei einem zu hohen LDL-Cholesterinspiegel zu den wichtigsten Cholesterinsenkern. Statine hemmen die körpereigene Bildung von Cholesterin. Leber und Zellen nehmen in Folge mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut auf. So lässt sich der Cholesterinspiegel senken. Was Sie bei der Einnahme von Statinen beachten müssen, erklärt Ihnen Ihr Arzt. "Mit Statinen kann zum Beispiel nach einem Herzinfarkt die Gefahr für einen erneuten Herzinfarkt um mehr als 30 Prozent gesenkt werden", erklärt Herzspezialist Prof. Dr. med. Helmut Gohlke vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung e.V. und federführender Autor des Sonderdrucks "Wie gefährlich ist LDL-Cholesterin?". "Außerdem kann die Gefahr, an einer Herzerkrankung zu sterben, je nach Cholesterinwert um mehr als 40 Prozent verringert werden – ebenso ist eine bedeutsame Reduktion des Schlaganfallrisikos mit Statinen möglich."

LDL-Cholesterin senken mit der richtigen Ernährung

Eine gesunde Ernährung ist eine wichtige Ergänzung zu der Einnahme von cholesterinsenkenden Medikamenten. Herzexperten empfehlen vor allem die Mittelmeerküche. Sie ist reich an frischem Gemüse, Obst, Salaten, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Fisch, Nüssen, Kräutern und gesunden pflanzlichen Ölen wie Olivenöl. Tierische Produkte, die das LDL-Cholesterin erhöhen, sind nur in geringem Maße Bestandteil der mediterranen Gerichte. Das große Plus: Die Mittelmeerküche wirkt sich nicht nur positiv auf die LDL-Cholesterinwerte aus. Sie unterstützt die Herz-Gesundheit im Allgemeinen und senkt das Risiko für Krebs, Alzheimer und Parkinson.

Mit Bewegung und Rauchstopp hohe Cholesterinwerte regulieren 

Den Cholesterinspiegel senken können Sie neben einer angepassten Ernährung mit weiteren Lebensstiländerungen. Dazu gehören Rauchverzicht, wenig Alkohol, Gewichtsreduktion sowie regelmäßige Bewegung. All dies wirkt sich günstig auf den Fettstoffwechsel, den Kohlehydratstoffwechsel und auf das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Herzexperten raten, vier- bis fünfmal pro Woche für eine halbe Stunde sportlich aktiv zu sein. „Empfehlenswert sind Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Fahrradfahren, Skilanglauf und Schwimmen, aber auch Tanzen, Fußball und Tennis. Wenn Sie bisher nicht sehr aktiv waren, beginnen Sie mit zügigen Spaziergängen. Bei schlechter Witterung oder fehlender Sportmöglichkeit kann man auch den Heimtrainer oder das Laufband nutzen“, sagt Herzexperte Prof. Gohlke.

Experte

Prof. Dr. med. Helmut Gohlke
Prof. Gohlke

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1. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. The Task Force for the management of dyslipidaemias of the European Society of Cardiology (ESC) and European Atherosclerosis Society (EAS). European Heart Journal (2020) 41, 111-188

5 Kommentare

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Gerhard J. Bergisch Gladbach

Deckt sich mit den Verschreibungen meines Kardiologen. Hier sind die Hintergründe verständlich erklärt. Vielen Dank

Klaus K. Wuppertal

Hallo, ich hatte vor 15 Jahren einen schweren Hinterwandinfarkt, ich bin repariert worden, hatte Reha und bin medekamentös eingestellt worden. Seitdem unterziehe ich mich vierteljäjrlich den Kontrollen, 2 x für die Krankenkasse, ein KHK-Überwachungsprogramm, 2 x etwas umfangreicher beim Kardiologen. Blutbilder gehören selbstverständlich dazu. Meine Carotis-Stenosen sind zu 30 % ausgeprägt (Eindickungen der Halsschlagader). Ich mache regelmäßig Wassergymnastik oder neudeutsch "Aqua-Fitness" (kann ich nur empfehlen ) und jede Woche YOGA. Ich bin ein Mann von 70 Jahren. Das alles ist sehr gewöhnungsbedürftig, aber das Leben sollte einem schon was wert sein. Diese Diskussionen um die Medikamente kann ich nicht mehr hören. Entweder stirbt man an zu wenig oder an zu viel, aber wenn man richtig eingestellt ist, und das engmaschig kontrollieren lässt, kann man sehr lange leben. Mein "Herz-Doc" sagt damit kannst du lange leben, mein Hausarzt sagt, ich werde langsam langweilig. Dazu gehört natürlich die ganze Palette an Medikamenten, die ein Herzkranker braucht. Wenn man ein Medikament nicht verträgt, dann wird ein anderes ausprobiert, solange, bis man das hat, was man verträgt, basta! Das mit den Muskelbeschwerden kenn ich auch. Medikamentenwechsel, mehr Bewegung, mehr Training, Diziplin beim Essen, no Alc, no Smoke, ausreichend Schlaf, Freude am Leben, dann lebt man auch lange. Die Alternative ist Kein langes Leben, das kann doch jeder selber entscheiden. Mein Herz-Doc sagt immer: sie machen das nicht für mich. Und ob die Beine nun von den Medikamenten her weh tun, oder von zu wenig Bewegung, das ist letztendlich egal, wir werden älter, und das geht nicht ohne Schmerzen vonstatten. Mein Orthopäde, auch so ein Arzt, den man im Alter öfter Braucht, gibt da so eine Diagnose, wo man drüber nachdenken sollte: Im Alter viel bewegen, Fahrrad fahren und ausreichend trinken. Viel Flüssigkeit schwemmt auch die überflüssigen Medikamente aus dem Körper. Mein Körper und ich, wir sind jetzt beste Freunde, und wenn ich gut drauf bin, dann laufe ich auch die Treppe nach oben, aber ich denke nicht permanent darüber nach, wovon kommt das: von einem selbst: Man hat früher geraucht, getrunken, fett gegessen, wenig geschlafen, zügellos gelebt und alle Signale übersehen und missachtet, die der Körper gesendet hat. Dann sollten wir heute dankbar sein, das wir noch leben, mehr Disziplin und weniger jammern. Zum Cholesterin: Vor dem Infarkt knapp an die 270, nach der Stent-Versorgung (3)anschliessend 2 Jahre eingestellt, erst mit etwas, was die Beine schmerzen liess, dann sofort umgestiegen auf Simvastatin 20mg, dann 40 mg, heute nehme ich Atorvastatin 80mg. Meine Werte: 125 Gesamtcholesterin, 45 HDL-Cholesterin und das liderliche (böse) Cholesterin LDL auf 76. Alle Werte sind heute im Traumbereich, daran kann ich jedenfalls nicht sterben. Bitte bitte da draussen, traut euch ein wenig mehr zu und Eurem Körper auch, der kann was ab. Und verflucht nicht die Medizin und die Pharma-Industrie, und den Fortschritt in der Behandlung. Ohne all das säße ich jetzt nicht hier und könnte meine Rente genießen, wenn auch etwas anders, als mal gedacht.

Rainer Borchardt

Sehr nützliche Information.

Daniela K. Herne

Vielen Dank für diesen sehr patientengerechten Beitrag. Ich war sehr skeptisch, als mir (Patientin mit hohem Risiko) jetzt aktuell Statine verordnet wurden. Schon mein Arzt hat mir die Notwendigkeit sehr deutlich gemacht und mein Unbehagen beseitigt. Ihre Informationen haben mir die Hintergründe sehr anschaulich beschrieben.

Dr. med. Julia K. Düsseldorf

Der Artikel im Sonderband ist hervorragend und auch für Nichtmediziner verständlich. Meiner Meinung nach hätten Sie noch auf die Therapie mit PCSK9-Inhibitoren eingehen sollen. Das habe ich vermisst. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass auch bei den ärztlichen Kollegen, sofern sie nicht Kardiologen sind, große Unwissenheit herrscht. Da ich selbst als Patientin betroffen bin, habe ich mich mit dem Thema intensiv befasst und festgestellt, dass die verschiedenen Leitlinien in Europa und USA zunächst sehr verwirrend sind. Das führt dazu, dass die meisten Patienten mit hohem Risiko weiterhin unbehandelt sind - und das, obwohl es enorme volkswirtschaftliche Folgen hat. Weitere Aufklärung ist erforderlich und „Dokumentationen“, wie die „Cholesterinlüge“ sind wenig hilfreich, um das Vertrauen der Patienten zu stärken. Deswegen: noch einmal herzlichen Dank für Ihre Arbeit und den Artikel.