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Herzrasen: Ursachen unbedingt abklären lassen

Hinter unerklärlich schnellem Herzschlag können ernsthafte Herzerkrankungen stecken.

Herzrasen: Das steckt hinter Tachykardie

Als normal gilt ein Ruhepuls von etwa 60 bis 90 Schlägen pro Minute. Gesteuert wird der Herzrhythmus vom Sinusknoten, einem speziellen Bündel von Herzzellen, die elektrische Impulse abgeben. Er sorgt dafür, dass sich der Herzmuskel koordiniert und gleichmäßig zusammenzieht. Dass die Herzfrequenz bei körperlicher Anstrengung, Aufregung oder Stress auf deutlich über 100 ansteigt, ist völlig normal. Kleine Vernarbungen oder Schäden am Herzen können aber dazu führen, dass es zu zusätzlichen Impulsen kommt, die das Herz aus dem Takt bringen. Schlägt das Herz ohne körperliche Anstrengung zu schnell, sprechen Ärztinnen und Ärzte von Herzrasen oder Tachykardie. Dabei können Herzfrequenzen von 140 bis 180 oder sogar darüber auftreten. Nicht selten wird das Herzrasen von Symptomen wie Schwindelgefühl, Unruhe oder einem Druck auf der Brust begleitet. 

Ob das Herzrasen harmlos ist oder gefährlich, hängt entscheidend davon ab, ob es in den Vorhöfen entsteht oder in den Herzkammern. Herzrasen, das in den Vorhöfen entsteht, ist nicht akut lebensbedrohlich. Dagegen ist Herzrasen, das in den Herzkammern entsteht, eine sogenannte Kammertachykardie, für den oder die Betroffene lebensbedrohlich. 

Vorhofflimmern als Ursache für Herzrasen

Eine häufige Ursache für Herzrasen ist Vorhofflimmern. Bei dieser Herzrhythmusstörung ziehen sich die Vorhöfe des Herzens nicht mehr koordiniert zusammen, sie “flimmern” nur noch. Vorhofflimmern entsteht häufig durch langjährigen Bluthochdruck oder die koronare Herzkrankheit. Vorhofflimmern ist zwar nicht akut lebensbedrohlich. Allerdings bilden sich bei dieser Herzrhythmusstörung leicht Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall auslösen können. Menschen mit Vorhofflimmern sollten ihr Schlaganfallrisiko überprüfen und sich gegebenenfalls ärztlich behandeln lassen.

Kammertachykardie
herzmedizin.berlin

Original-EKG eines Patienten mit einer Kammertachykardie, die so schnell ist, dass der Patient bewusstlos geworden ist.

Vom Herzrasen zum Kammerflimmern

Einzelne Extraschläge, sogenannte Extrasystolen, verkraftet ein gesundes Herz, selbst wenn die Extraschläge aus den Herzkammern stammen. Liegt eine Herzerkrankung vor, kann es sein, dass viele zusätzliche Impulse den Herzmuskel dazu zwingen, sich schnell zusammenzuziehen, es kommt zur Kammertachykardie. Je schneller das Herz bei einer Kammertachykardie schlägt, umso bedrohlicher ist die Herzrhythmusstörung.

Schlägt es mit einer Frequenz von etwa 240 Schlägen pro Minute, spricht man nicht mehr von Kammertachykardie, sondern von Kammerflimmern. Der Kreislauf kommt zum Erliegen, der oder die Betroffene wird bewusstlos. Unbehandelt führt Kammerflimmern innerhalb weniger Minuten zum Herztod. Sofortige Notfallmaßnahmen wie die Herzdruckmassage können helfen, den Kreislauf bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes aufrechtzuerhalten und damit möglicherweise das Leben der Patientin oder des Patienten zu retten. 

Weitere Ursachen für Herzrasen

Es gibt eine Reihe von weiteren Ursachen, die zu Herzrasen führen können. Dazu zählen beispielsweise: 

  • Schilddrüsenüberfunktion (gutartiges Herzjagen)
  • Hormonveränderungen, zum Beispiel in den Wechseljahren (gutartiges Herzjagen),
  • Koronare Herzkrankheit (anhaltende Kammertachykardie)
  • Medikamente, Drogen oder Vergiftungen (gutartige oder bösartige Herzrhythmusstörungen)
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom)
  • AV-Knoten-Reentry-Tachykardie

Nicht alle der genannten Ursachen sind gefährlich oder behandlungsbedürftig. Sowohl beim WPW-Syndrom als auch bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie ist die Erregungsleitung im Herzen gestört, es kommt meist zum sogenannten gutartigen Herzjagen. Behandlungsbedürftig sind die Störungen, wenn sie Beschwerden verursachen oder Komplikationen zu befürchten sind.

Plötzliches Herzrasen selbst beenden

Das gutartige Herzjagen setzt meist sehr plötzlich ein und endet häufig auch von selbst. Da die Anfälle unberechenbar sind, können sie den Alltag deutlich einschränken. In vielen Fällen lässt sich das Herzrasen durch das Trinken von kaltem Wasser, tiefes Atmen oder in den Bauch pressen beenden. Leiden Sie stark unter dem Herzrasen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Möglichkeiten der Behandlung. In manchen Fällen können Medikamente oder gegebenenfalls eine Katheterablation die Anfälle verhindern.

Diagnose und Therapie von Herzrasen

Um die Ursachen von Herzrasen abzuklären, fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst ausführlich nach den Symptomen. Hierbei kann die Checkliste der Herzstiftung hilfreich sein. Um eine ernste Herzerkrankung auszuschließen, fertigt er in der Regel ein Ruhe- sowie ein Belastungs-EKG und ein Herz-Ultraschall an. In vielen Fällen lässt sich die Ursache für das Herzrasen nur durch eine spezielle Katheteruntersuchung, die sogenannte elektrophysiologische Untersuchung (EPU), klären. Liegt dem Herzrasen eine ernsthafte Herzerkrankung zugrunde, wird die Ärztin oder der Arzt weitere Therapiemöglichkeiten wie die Einnahme von Medikamenten, eine Katheterablation oder den Einsatz eines Defibrillators mit Ihnen besprechen.  Gutartiges Herzjagen lässt sich heute in den meisten Fällen behandeln. Neben den oben genannten Techniken zur Beendigung des Herzrasens stehen Medikamente zur Verfügung. In einigen Fällen kann eine Katheterablation sinnvoll sein. Dazu werden die Herzmuskelzellen in dem Bereich verödet, der das Herzjagen auslöst. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Behandlung bei Ihnen sinnvoll und nötig ist.  

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

Checkliste-Herzrasen

Illustration einer Checkliste
Zur Klärung, was im Einzelfall hinter Herzrasen steckt, empfiehlt die Herzstiftung die Checkliste auszufüllen und mit Ihrem Arzt zu besprechen.

Ihre Frage

Arzt misst Puls
Pissanu - stock.adobe.com
Sprechstundenfrage
In welchen Situationen ein schneller Puls völlig normal ist und wann eine ärztliche Abklärung erfolgen sollten.

Vinzenz Graf von Kageneck

Dr. med.

4 Kommentare

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Gisbert S. Detmold

Heute Nacht hatte ich erstmals Herzrasen ohne jegliche körperliche Belastung, wovon ich aufwachte, nach einem Traum, in dem ich mich sehr aufregte (Folge oder Ursache für Herzrasen?)! Mein Puls war höher als 120 (normal 50-60 - Metoprolol), Schmerzen hatte ich keine aber Übelkeit und Schwindel. Ich habe sehr hohen Blutdruck, weswegen ich Metoprolol succ. 190 mg, Amlodipin 5 mg und Lisinopril 20/12,5 mg einnehme, bin damit seit 14 Jahren gut eingestellt. Außerdem nehme ich noch Metformin 1000 mg, Simvastatin 20 mg und Allopurinol 300 mg ein. Ich empfand das Herzrasen als sehr bedrohlich, sah aber von einem Notruf wegen Corona vorerst ab. Habe mir die Checkliste heruntergeladen und werde sie meinem Hausarzt zusenden, mit der Bitte um Rat. Ich bin 64 Jahre alt, seit 20 Monaten im Vorruhestand, nach einer sehr stressigen Tätigkeit komme ich nun deutlich zur Ruhe, weswegen mich das Herzrasen so sehr beunruhigte!

Mike B. Singen

Ihre Informationen sind sozusagen die erste Hilfe in Not, somit sehr wertvoll und sehr wichtig. Hier kann der Laie auch lebensrettende Empfehlungen erfahren, was zu tun ist und warum - also etwas für Menschen, die z. B. Hemmungen haben und den Besuch beim Arzt bzw. Notaufnahme verzögern. Mein herzlicher Dank dafür!

Prof. Dr. Hans Josef P. Gräfelfing

Sehr gut verständlicher Artikel. Ich habe seit 6 Jahren permanentes Vorhofflimmern und habe mich kontinuierlich in das Gebiet eingearbeitet. Deshalb kann ich die hohe Qualität des Artikels auch aus Sicht eines Laien beurteilen. Vielleicht sollte man die Kathederablation noch ausführlicher beschreiben und ihre Chancen bewerten. Davor bin ich selbst bisher noch zurückgeschickt.

Matthias G. Berlin

Die Checkliste ist optimal und hat mir geholfen, wichtige Punkte zu erkennen, auf die ich vorher nicht reagiert habe.