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Lässt Kalk im Trinkwasser das Herz verkalken?

Wie kritisch Kalk im Wasser wirklich ist: Das sollten Sie wissen.

Frau hält ein Wasserglas in die Kamera
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Kalk im Trinkwasser – eine Gefahr für das Herz?

Ein verkalkter Wasserkocher, Kalkränder in der Spüle und Kalkablagerungen am Wasserhahn: Wer aus einer Region mit hartem (kalkhaltigem) Wasser kommt, kennt das. Doch kann sich der Kalk im Wasser auch in den Herzkranzgefäßen ablagern und diese verkalken lassen? Herzexperten geben Entwarnung: Gesunde Menschen sowie Herzpatientinnen und -patienten können unbesorgt Trinkwasser trinken – auch wenn es kalkhaltig ist. „Die Frage, ob ein hoher Gehalt an Kalk im Trinkwasser mit der Verkalkung der Herzkranzgefäße in Verbindung steht, lässt sich mit einem klaren Nein beantworten. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Kalk über das Trinkwasser und dem Verkalken der Herzkranzgefäße“, sagt Professor Dr. med. Hans Hauner vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung e.V. 

Verkalktes Herz: Kalk im Wasser nicht schuld

Woher kommt der Kalk in den Gefäßen? Bilden sich Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, ist nicht der Kalk im Trinkwasser die Ursache. Verkalkte Gefäße sind die Folge verschiedener Erkrankungen, die meist durch einen ungesunden Lebensstil entstehen. So begünstigen eine ungesunde Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum unter anderem: 

  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • hohe Cholesterinwerte (Blutfettwerte)

Diese Erkrankungen wiederum fördern Entzündungsreaktionen sowie die Bildung von Ablagerungen (Plaques) in den Gefäßwänden. Kardiologen (Herzmediziner) sprechen von Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Die Plaques bestehen aus Blutfetten, Blutbestandteilen, Bindegewebe und Kalziumablagerungen.

Die Folgen verkalkter Gefäße

Bilden sich vermehrt Plaques in den das Herz umgebenden Herzkranzgefäßen (Koronararterien), hat das Auswirkungen: Die Gefäße werden zunehmend enger und die Gefäßwände starrer und spröder. Es kommt zu Durchblutungsstörungen und in Folge zu einer Mangelversorgung des Herzens mit Sauerstoff und Nährstoffen: Es liegt eine sogenannte koronare Herzkrankheit vor, kurz KHK. Die koronare Herzkrankheit zählt weltweit zu den häufigsten Herzerkrankungen. In Deutschland gibt es rund sechs Millionen Betroffene.

Blutgerinnsel-Risiko durch verkalkte Gefäße

Außerdem erhöhen die Ablagerungen in den Gefäßen das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben). Verstopft ein solches Gerinnsel ein Gefäß im Herzen, kann es zum Herzinfarkt kommen. Wird ein Blutgerinnsel mit dem Blutstrom weitergetragen, kann es sich in anderen Körperbereichen festsetzen und die Blutversorgung stoppen. Passiert das im Gehirn, ist ein Schlaganfall die Folge. „Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Kalkablagerungen in den Gefäßwänden sind nicht die Folge von kalkhaltigem Wasser. Es ist ein ungesunder Lebensstil, der im Laufe der Zeit zu Erkrankungen führen kann, deren Folge Ablagerungen in den Gefäßen sind“, erklärt Professor Dr. med. Hans Hauner. 

Experte

Prof. Dr. med. Hans Hauner
Portrait von Prof. Hans Hauner

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Wasserhahn in der Küche
Bild von Karolina Grabowska auf Pixabay
Inwieweit kann hartes Trinkwasser bzw. zu viel Kalk im Trinkwasser für Verkalkungen der Herzkranzgefäße verantwortlich sein.

Harald Klepzig

Prof. Dr. med.

Unsere Quellen:

  • Internet: https://www.uniklinikum-jena.de/htchirurgie/Herzchirurgie/Koronare Herzkrankheit-page-.html (Stand: o.D).