Artikel

Vorhofflimmern: Diagnose oft nur mit Langzeit-EKG

Anfallsartiges Vorhofflimmern wird manchmal erst durch Zufall entdeckt.

Aktualisiert: 01.06.2021

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern – viele davon, ohne es zu wissen. Herzstolpern und ein schneller Herzschlag sind erste Hinweise auf die Herzrhythmusstörung. Eine sichere Diagnose von Vorhofflimmern ist nur per Elektrokardiogramm (EKG) möglich.  

Paroxysmales Vorhofflimmern

Bei vielen Betroffenen tritt Vorhofflimmern zunächst anfallsweise auf (paroxysmales Vorhofflimmern): Beschwerden wie Herzstolpern, Herzrasen, Unruhe oder ein Schwächegefühl treten plötzlich auf und halten für einige Stunden bis Tage an. Die Beschwerden können sehr unangenehm sein, verschwinden aber nach einiger Zeit von selbst. Dennoch sollten Sie mit solchen Symptomen zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt gehen, um abzuklären, ob dahinter ein paroxysmales Vorhofflimmern steckt. Denn aus anfallsartigem Vorhofflimmern entwickelt sich häufig mit der Zeit ein dauerhaftes Vorhofflimmern, das dann persistierendes Vorhofflimmern oder auch nach langer Dauer permanentes Vorhofflimmern genannt wird. 

Persistierendes Vorhofflimmern

Persistierendes, also dauerhaftes Vorhofflimmern, endet nicht von selbst. Es muss medikamentös oder per Elektroschock (Kardioversion) beendet werden. Die Diagnose ist einfacher als bei paroxysmalem Vorhofflimmern, denn der unregelmäßige Herzschlag zeigt sich schon im EKG. In einigen Fällen lässt sich das Vorhofflimmern nur schwer oder gar nicht mehr beenden, es ist chronisch geworden. Diese Form des Vorhofflimmerns heißt dann: permanentes Vorhofflimmern.

Ärztin schaut sich EKG an
© Evgeniy Kalinovskiy - adobe.stock.com

Diagnose per EKG

Besteht der Verdacht auf Vorhofflimmern, fragt der Arzt oder die Ärztin zur Diagnose zunächst nach Vorerkrankungen und Beschwerden und fühlt den Puls. Eine sichere Diagnose ist jedoch nur mittels EKG möglich. Im Ruhe-EKG zeigt sich Vorhofflimmern durch typische Abweichungen vom normalen Sinusrhythmus. Beim paroxysmalen Vorhofflimmern kann es sein, dass das EKG zur Zeit der Messung einen normalen Rhythmus anzeigt. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, ein 24-Stunden- oder länger dauerndes Langzeit-EKG anzufertigen.

Abbildung von einem Ereignissrekorder
© herzmedizin.berlin EKG-Rekorder: Ein kleines EKG_Aufzeichnungsgerät, das über einen kleinen Hautschitt unter die Haut geschoben wird und von dort über 3 Jahre das EKG aufzeichnet.

Langzeit-EKG zur Diagnose 

Für ein 24-Stunden-EKG erhält der Patient oder die Patientin ein tragbares Gerät, das die Herzströme über 24 Stunden lang oder länger aufzeichnet. Tritt in diesem Zeitraum Vorhofflimmern auf, dokumentiert das Gerät die Abweichung und die Ärztin oder der Arzt kann die Diagnose Vorhofflimmern stellen. Manchmal genügt auch ein Langzeit-EKG nicht, um das Vorhofflimmern zu dokumentieren. In diesen Fällen kann ein Ereignisrekorder helfen, das Vorhofflimmern zu entdecken. Dieser Rekorder überwacht das Herz kontinuierlich über 3 Jahre.Sind die Symptome auf Vorhofflimmern zurückzuführen, wird dies von dem Gerät dokumentiert. 

Diagnose Vorhofflimmern – und jetzt? 

Steht die Diagnose Vorhofflimmern fest, gilt es, die Ursachen sowie die passende Behandlung zu finden. Mögliche Ursachen wie Bluthochdruck oder Schilddrüsenüberfunktion sollten in jedem Fall behandelt werden. Ob eine medikamentöse Behandlung des Vorhofflimmerns in Frage kommt oder eventuell eine Katheterablation, sollten Sie in einem ausführlichen Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt klären. 

Experte

Prof. Dr. med. Andreas Götte
Portrait von Prof. Andreas Götte

3 Kommentare

Sie sind bereits Mitglied? Loggen Sie sich ein, um für alle sichtbar als verifiziertes Mitglied zu kommentieren.

Folgende Angaben werden zusammen mit Ihrem Kommentar veröffentlicht. Alle Felder sind dabei optional und editierbar. Für mehr Details lesen Sie bitte die Datenschutzhinweise

Überprüfen Sie bitte das Recaptcha.
Axel Sorge Bielefeld

Sehr geehrter Herr Dr. Gotte,

mein Kardiologe möchte mir eine Ablation "nahelegen", da ich jetzt in in diesem Jahr schon das 5. Mal VHF hatte und letztens sogar über 4 Tage lang -
das eingenommene Flecainid Puren half nicht mehr.
Habe aber gelesen, das ein neues Medikament zur schnellen Unterbindung des VHF erprobt wird (Uniklinik Heidelberg - Prof. Constanze Schmidt), welches die "TASK-1-Kaliumkanäle" beeinflußt.
Können Sie mir mitteilen, wie der Stand der Dinge diesbezüglich ist?
Außerdem interessiert mich: welche Diagnostikart ist hilfreich dafür, so genau der mögliche Herd in der Vorhofkammer dieser ExtraSystolen "erzeugt" werden?

Herzlichen Dank im voraus
Axel Sorge, Bielefeld

Ullrich Zanelli Edermünde

Guten Abend Herr Prof. Dr. Götte,

kürzlich wurde während einer Routineuntersuchung bei mir Vorhofflimmern diagnostiziert. Da ich schon seit einigen Jahren unter unbehandelten Herzrhythmusstörungen (Aussetzer / Extrasystolen) leide, habe ich diesem neuen Geschehen weiter keine Bedeutung beigemessen; obwohl ich zunehmend bei Belastung Atemnot verspüre und habe das mir mit meinem Alter (75 Jahre) erklärt - ich betreibe hobbymäßigen Rennradsport. Bei meinem gestrigen Besuch im Herzzentrum Kassel hat man mir die Durchführung einer Elektroschocktherapie unter Narkose mit Schluckecho empfohlen mit dem gleichzeitigen Hinweis, dass aufgrund der Dauer des Vorhofflimmerns , keine dauerhafte Korrektur des Herzschlages erfolgen wird.
Meine Frage lautet daher: Ist es überhaupt sinnvoll eine derart belastende Behandlung durchzuführen deren Wirkung nur von kurzer Dauer ist? Ich nehme zur Zeit täglich den Blutverdünner (20 mg Xarelto) zwecks Schlaganfallprofilaxe? Vielen Dank für Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen

Ullrich Zanelli

Deutsche Herzstiftung

Sehr geehrter Herr Zanelli,

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Nutzen Sie für Ihre Frage das >Formular oder schreiben an: sprechstunde@herzstiftung.de. An dieser Stelle können unsere Herzexperten keine Fragen beantworten. 

Alles Gute und herzliche Grüße! 
Ihre Deutsche Herzstiftung