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Herzklappenoperation: Die Verfahren im Überblick

Herzklappen können im Laufe eines Lebens krank werden. Was dann zu tun ist und welche Eingriffe auf Sie zukommen könnten, lesen Sie hier.

Mann im Op
javier matheu - unsplash

Die Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Das menschliche Herz verfügt über vier unterschiedliche Herzklappen. Leiden Menschen an einer schweren Herzklappenerkrankung, ist häufig ein operativer Eingriff unumgänglich – ansonsten besteht die Gefahr, dass sich eine lebensbedrohliche Herzinsuffizienz (Herzschwäche) entwickelt. Viele Menschen fürchten sich jedoch vor einem solchen Eingriff am Herzen. Die Vorstellung einer Brustkorberöffnung lässt sie zögern, ihre Erkrankung behandeln zu lassen. Dabei ist es heutzutage häufig auch möglich, minimalinvasive Eingriffe mithilfe eines Katheters und damit ohne Eröffnung des Brustkorbes durchzuführen. Welcher Eingriff infrage kommt, hängt von der Erkrankung der jeweiligen Herzklappe ab. Hier finden Sie einen Überblick über die häufigsten Erkrankungen an den Herzklappen und ihre Behandlungsmöglichkeiten.

Operative Behandlungsmöglichkeiten bei der Aortenklappenstenose 

Die Aortenklappenstenose ist der häufigste erworbene Klappenfehler. Dabei ist die Ausflussöffnung der Klappe verengt. Das Blut kann nicht mehr so gut hindurchfließen, wodurch vor der verengten Aortenklappe ein Blutstau entsteht, der bis in die Lunge zurückreichen kann. Die Folge sind Leistungsminderung und Luftnot. Ob eine Therapie notwendig ist, hängt davon ab, wie weit sich die Klappe noch öffnen kann. Liegt eine hochgradige Einengung der Aortenklappe vor und sind Betroffene in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, wird eine Behandlung unumgänglich.

Behandlungsmöglichkeiten Aortenklappenstenose

Das klassische operative Verfahren gilt auch heute noch als Therapie der ersten Wahl und erzielt sehr gute Langzeitergebnisse bei niedrigem OP-Risiko. Unter Vollnarkose wird das Brustbein ganz oder teilweise durchtrennt. Die Patientin oder der Patient wird an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und das Herz wird stillgelegt. Die defekte Klappe wird dann am offenen Herzen entfernt und in der Regel durch eine Klappenprothese ersetzt.

Eine Sonderform dieses Eingriffs ist die sogenannte Ross-Operation. Hierbei ersetzt die Pulmonalklappe die defekte Aortenklappe. An die Stelle der Pulmonalklappe tritt eine biologische Klappenprothese. Die Ross-Operation wird vor allem bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt.

Bei diesem minimal-invasiven Verfahren muss der Brustkorb nicht eröffnet werden. Um dennoch zum Herzen und zur defekten Aortenklappe zu gelangen, führt der Arzt einen Katheter – eine Art Schlauch – mitsamt der neuen künstlichen Herzklappe über die Leiste oder durch einen kleinen Zugang zwischen den Rippen in das Herz ein. Die kranke Klappe verbleibt im Körper. Sie wird von der neuen Klappe in die Wand der Körperschlagader gedrückt. Ursprünglich wurde die sogenannte TAVI nur bei älteren Menschen mit einem hohen Operationsrisiko angewendet. Mittlerweile hat man mit der TAVI aber so gute Erfahrungen gemacht, dass das Verfahren auch regulär bei älteren Patientinnen und Patienten über 75 Jahren mit mittlerem Risiko angewandt wird. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland von insgesamt über 24.000 Aortenklappenoperationen mehr als 60 Prozent als Kathetereingriff durchgeführt.

Ist die Patientin oder der Patient in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand oder besteht eine deutlich reduzierte Lebenserwartung, kann ausnahmsweise eine Ballonvalvuloplastie erfolgen. Dabei wird die Aortenklappe zunächst mit einem Ballon aufgedehnt, damit sich der Blutfluss verbessern und der Herzmuskel erholen kann. Danach erst wird entschieden, welche Therapie für den Patienten am besten ist – ob also beispielsweise eine herkömmliche Herzoperation oder eine TAVI erfolgen soll.

Operative Behandlungsmöglichkeiten bei der Mitralklappeninsuffizienz

Bei der Mitralklappeninsuffizienz besteht eine verminderte Schlussfähigkeit der Segelklappe zwischen linker Herzkammer und linkem Vorhof. Dieser unzureichende Schluss der Klappe führt zum Rückstrom von Blut in den linken Vorhof und in den Lungenkreislauf, während sich das Herz zusammenzieht. Betroffene leiden dann oftmals unter Luftnot bei körperlicher Anstrengung. Häufig treten auch Herzrhythmusstörungen als erstes Symptom der Krankheit auf. Liegt eine hochgradige Undichtigkeit vor, ist in der Regel ein herzchirurgischer Eingriff nötig. Die Klappe kann dann in den meisten Fällen repariert oder, wenn dies nicht möglich ist, durch eine Prothese ersetzt werden. Früher war eine Reparatur oder ein Ersatz der Mitralklappe nur durch eine Herzoperation möglich, bei der der Brustkorb geöffnet und das Herz stillgelegt werden musste. Heute sind diese Eingriffe auch minimal-invasiv über einen kleinen Schnitt im rechten Brustkorb möglich. Der Eingriff erfolgt dann endoskopisch und ist mit sehr niedrigem Risiko durchführbar.

Das MitraClip-Verfahren – Behandlung ohne OP

Das am weitesten verbreitete minimal-invasive Verfahren ist der sogenannte MitraClip. Dabei wird ein Katheter durch eine Vene in der Leiste über die Vorhofscheidewand bis in das linke Herz geführt. Unter Röntgendurchleuchtung und Ultraschallkontrolle wird ein Clip zwischen beiden Segeln der Mitralklappe platziert, um die Undichtigkeit zu beheben. Das Verfahren wird vor allem bei Patientinnen und Patienten mit einer Mitralklappeninsuffizienz und einer schweren Störung der Pumpfunktion sowie einer Vergrößerung der linken Herzkammer eingesetzt, da bei diesen Betroffenen das Risiko für einen herzchirurgischen Eingriff meist deutlich erhöht ist. Das MitraClip-Verfahren wurde mittlerweile bei über 50.000 Patienten eingesetzt. In einer Vielzahl von Fällen konnte gezeigt werden, dass das Verfahren sicher ist und zu einer effektiven Besserung der Mitralklappeninsuffizienz mit einer guten Erfolgsrate führt.

Operative Behandlungsmöglichkeiten bei der Trikuspidalklappeninsuffizienz

Vor allem ältere Menschen leiden häufiger unter einer Undichtigkeit der Trikuspidalklappe. Lange Zeit gab es lediglich die Möglichkeit, diese Undichtigkeit mit Medikamenten in Schach zu halten – korrigiert werden konnte sie nicht. Heutzutage kann die Herzklappe durch einen operativen Eingriff repariert werden – ein Eingriff, der auch sehr gut minimal-invasiv über einen kleinen seitlichen Schnitt am schlagenden Herzen erfolgen kann. Nur selten wird der Einsatz einer biologischen Herzklappenprothese notwendig. Seit einigen Jahren sind auch hier katheterbasierte Behandlungsverfahren in Einzelfällen möglich.

Herzklappen-OP – Erfahrungsberichte von Patienten

Lesen Sie hier viele persönlichen Geschichten und erfahren Sie, wie es Betroffenen vor und nach der Herzklappenoperation ging.

Experte

Prof. Dr. Hendrik Treede

Ihre Fragen

  1. Bei schweren Herzklappenfehlern wird meist eine Herzklappenoperation nötig. Viele Operationen lassen sich heute vergleichsweise schonend durchführen.

    Friedhelm Beyersdorf

    Prof. Dr. med. Dr. h. c.

  2. Viele Herzklappen-Erkrankungen lassen sich heute schonend per Katheter behandeln. Allerdings ist solch ein Eingriff nicht immer ratsam.

    Thomas Meinertz

    Prof. Dr. med.

  3. Spricht etwas dagegen, sich als Träger/in einer künstlichen Herzklappe einen Hund zuzulegen, z.B. weil vom Tier Erreger übertragen werden könnten?

    Vinzenz Graf von Kageneck

    Dr. med.

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