Artikel

Erhöhte Herzinfarkt-Gefahr: Warum Sie bei Beinschmerzen aufpassen sollten

Wenn Sie Schmerzen beim Laufen oder Liegen haben, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt sprechen.

Frau fasst sich an die Beine
missty - stock.adobe.com

Was haben Beinschmerzen mit dem Herzen zu tun? Im ersten Moment denkt man: Gar nichts. Ganz so ist es allerdings nicht. Bestimmte Formen von Beinschmerzen können auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko hindeuten. Sie sollten Sie unbedingt ernst nehmen und ärztlich abklären lassen. 

Schmerzen in Waden und in Zehen können auf Gefäßerkrankung hindeuten 

Beinschmerzen, die mit einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko einhergehen, lassen sich in der Regel daran erkennen, dass sie beim Gehen in den Waden auftreten und beim Stehenbleiben wieder nachlassen. Außerdem kann es im Liegen zu Schmerzen in der Zehengegend kommen, die sich beim Aufstehen wieder abschwächen. Dennoch sollte man sich nicht vollkommen auf diese Schmerzbeschreibung verlassen. Die Symptome können auch in anderen Beinabschnitten auftreten; zum Beispiel in den Oberschenkeln oder im Gesäß. Ursache für die Beinschmerzen kann eine Arteriosklerose sein, die umgangssprachlich auch Gefäßverkalkung genannt wird. Bei dieser Erkrankung bilden sich Ablagerungen in den Blutgefäßen, die zu gefährlichen Durchblutungsstörungen führen können. Die Erkrankung kann überall im Körper auftreten. Wenn sie die Beine betrifft, nennt man das die „periphere arterielle Verschlusskrankheit“ (pAVK). Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen des höheren Lebensalters. Etwa 3% der Bevölkerung sind in Deutschland von Durchblutungsstörungen in den Beinen betroffen. Im Volksmund wird sie gerne auch „Schaufensterkrankheit“ genannt – Betroffene müssen beim Gehen oft Pausen einlegen und tun dies offenbar häufig vor einem Schaufenster, um das Problem zu kaschieren. 

Bei Beinschmerzen immer auch das Herz untersuchen lassen   

Die Arteriosklerose ist eine sogenannte Systemerkrankung. Das bedeutet, sie erfasst den gesamten Organismus und bleibt nicht auf eine Stelle beschränkt. Die Beine sind in der Regel relativ spät betroffen. Meistens besteht dann auch schon eine deutliche Verengung der Herzkranzgefäße. Diese Erkrankung nennt sich „koronare Herzkrankheit" (KHK) und kann extrem gefährlich werden: Die Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen und die dadurch entstehenden Verengungen können dafür sorgen, dass der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird – häufige Folgen sind Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche. Da eine Arteriosklerose in den Beinen also häufig mit der koronaren Herzkrankheit einhergeht, sollte man Beinschmerzen nicht auf die leichte Schulter nehmen und immer auch das Herz untersuchen lassen. Wie bedeutungsvoll das ist, beweist auch die Statistik:  Bei 40-60% der Patienten, die von der Durchblutungsstörung in den Beinen betroffen sind, bestehen auch Hinweise für einen Herzkranzgefäßerkrankung.

Sie leiden unter Beinschmerzen? Das ist jetzt zu tun 

Erste Anlaufstelle bei Beinschmerzen ist der Hausarzt oder die Hausärztin. Denn schon mit ein paar einfachen Untersuchungen lässt sich einschätzen, ob die Beinschmerzen wirklich auf eine Durchblutungsstörung zurückgehen. Außerdem gibt es neben den Beinschmerzen noch weitere Symptome, die auf die Verschlusskrankheit pAVK hindeuten:

  • Blässe des betroffenen Beins besonders nach Gehbelastung oder bei Hochlagerung.
  • Spontane Rötung des Beins, wenn es wieder nach unten gehalten wird.
  • Das betroffene Bein ist kühler als das andere. Die Venen sind nicht gefüllt. 
  • Haarverlust am betroffenen Bein. 
  • Beinhaut wird dünn, schuppig und ist leicht verletzlich. 
  • Gelblich verfärbte Nägel, häufig mit Nagelpilz.
  • Bei fortgeschrittener Durchblutungsstörung: Einrisse in der Haut (Rhagaden), die äußerst schmerzhaft sind.

Welche Therapien gibt es? 

In den letzten Jahren haben sich die Kathetertechniken sehr entwickelt, und viele Verschlüsse und Verengungen in den Beinarterien können behoben werden, ohne dass eine Operation erforderlich wird. Darüber hinaus hat die Bewegungstherapie einen sehr wichtigen Stellenwert. Auch medikamentöse Ansätze sind sehr wichtig; insbesondere die Behandlung der Risikofaktoren steht im Vordergrund.     

Schutz vor Arteriosklerose in den Beinen

Patientinnen und Patienten können aktiv dazu beitragen, dass keine Gefäßverkalkung in den Beinen auftritt. Das sind die Empfehlungen der Herzstiftung:

1

Ausreichend bewegen

Mit regelmäßiger Bewegung, z.B. durch Ausdauersport, lässt sich die Entwicklung von Beinschmerzen aufgrund von Arteriosklerose deutlich bremsen.

2

Aufs Rauchen verzichten

Rauchen zählt zu den größten Risikofaktoren. Wenn Sie es schaffen aufzuhören, verringert sich das Risiko für ein Fortschreiten der Gefäßverkalkung.

3

Auf gesunde Ernährung achten

Ein zu hohes Körpergewicht ist eine häufige Ursache für Arteriosklerose. Mit richtiger Ernährung und einem Trainingsplan können Sie gegensteuern.

4

Blutdruck senken

Erhöhte Blutdruckwerte können die Blutgefäße der Beine massiv beschädigen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über die Behandlung.

5

Medikamente korrekt einnehmen

Nehmen Sie Medikamente nach Vorschrift ein, damit diese nicht an Wirkung verlieren. Dies gilt auch für Medikamente, die das LDL-Cholesterin senken.

6

Medikamente nicht selbstständig absetzen

Bevor Sie sich entscheiden, verschriebene Medikamente nicht mehr einzunehmen, sollten Sie unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen.

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer
Portrait von Prof. Voigtländer

Unsere Empfehlungen für Sie

  1. Jede Minute zählt! Erfahren Sie hier, wie Sie im Notfall schnell und richtig reagieren.
  2. So wichtig ist ein gesunder Lebensstil! Lesen Sie hier, wie Sie Ihr Herzinfarkt-Risiko deutlich senken können.
  3. Erste Hilfe, Herz-OP, Reha – Erfahren Sie hier alles, was Sie über die Behandlung nach einem Herzinfarkt wissen müssen.