Sprechstundenfrage

Nach Herzkatheter: „Wann darf ich wieder Auto fahren?“

Wann man nach einem Herzkatheter-Eingriff mit einer Sten tImplantation wieder ans Steuer darf, hängt nicht zuletzt davon ab, ob man mit einem Pkw privat unterwegs ist oder z. B. beruflich einen Lkw fährt.

Die Sprechstunden-Frage im Wortlaut:

Mein Mann hat dieses Jahr überraschend zwei Katheter-Eingriffe über sich ergehen lassen müssen, bei denen ihm jedes Mal zwei Stents eingesetzt wurden. In den nächsten drei Monaten soll er noch einmal zwei Stents erhalten. Er hatte keinen Herzinfarkt, „nur“ Verengungen in den Herzkranzgefäßen. Da mein Mann als Lkw-Fahrer und Monteur unterwegs ist, frage ich, ab wann er nach dem Stent-Eingriff wieder Lkw fahren darf? (Graziella L., Landshut)

 

Experten-Antwort:

Bei der Frage, wann man nach einer Stent-Implantation wieder ans Steuer darf, ist es wichtig zu wissen, dass für Berufsfahrer von Lkws strengere medizinische Maßstäbe angelegt werden als für private Pkw-Fahrer.

Hintergrund ist, dass neben der meist viel umfangreicheren Gesamtzeit von Berufsfahrern am Steuer auch die höhere Fahrzeugmasse eines Lkws ein größeres Gefährdungspotenzial für andere Verkehrsteilnehmer darstellt.

Während bei Privatfahrern die Fahreignung nach einer komplikationslosen Stent-Implantation am Herz meist schon nach 24 Stunden wieder vorliegt, wird für Lkw-Berufsfahrer aus Sicherheitsgründen eine fehlende Fahreignung von in der Regel vier Wochen festgelegt, was auf Grundlage der »Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung« der Bundesanstalt für Straßenwesen erfolgt. Vor einer Wiederaufnahme der Fahrtätigkeit sehen die Leitlinien zudem eine entsprechende fachärztliche Nachuntersuchung vor und zwar sowohl für Berufs- als auch für Privatfahrer.

Wichtig: Pumpkraft abklären lassen!

Eine grundsätzliche Voraussetzung für die Fahreignung ist, dass der Herzmuskel weiterhin eine ausreichende Pumpkraft aufweist. Dies ist ein wichtiger Punkt, den man bei verengten Herzkranzgefäßen auf keinen Fall vergessen darf. Denn die Herzkranzgefäße, die das Herz überziehen, sind für die Versorgung des Herzmuskels mit sauerstoffreichem Blut verantwortlich, das er für seine Pumparbeit benötigt. Verengungen in diesen Gefäßen (= koronare Herzkrankheit) können daher zu einer Unterversorgung des Herzmuskels führen, was eine der Hauptursachen für eine nachlassende Pumpkraft darstellt (= Herzschwäche).

Die Beurteilung der Pumpkraft kann dabei anhand von Symptomen erfolgen, also z. B. ob bereits geringe körperliche Belastungen zur Atemnot führen, was dem Herzschwäche-Stadium ➞ NYHA III entspricht und bei Lkw-Berufsfahrern gemäß den erwähnten Leitlinien eine fehlende Fahreignung nach sich zieht, während für Privatfahrten mit dem Pkw in diesem Stadium noch eine Fahreignung bestehen kann.

Darüber hinaus lässt sich die Pumpkraft mit einer Echokardiographie (= Herzecho) beurteilen. Dabei wird von außen durch die Brustwand mit Ultraschall, also schmerzfrei, die sogenannte linksventrikuläre Ejektionsfraktion bestimmt, die den Anteil des Blutes angibt, der bei einem Herzschlag aus der linken Kammer in die Hauptschlagader weitergepumpt wird. Wichtig: Wenn Sie diesen Wert z. B. in Ihrem Arztbrief nachschlagen (häufig abgekürzt als LVEF oder LV-EF), beachten Sie, dass der Normalwert nicht 100 % beträgt, wie man vielleicht im ersten Moment denken könnte, sondern Gesunde typischerweise einen Wert zwischen 60 und 70 % aufweisen. D. h. die Herzkammer entleert sich auch bei einem völlig intakten Herz nie vollständig und es verbleiben immer 30 bis 40 % des Blutes in der Herzkammer.  

Abschließender Hinweis:

Bitte denken Sie daran, dass bei Ihrem Mann als Lkw-Fahrer nach einem solchen Eingriff entsprechend den oben genannten Leitlinien jährlich eine fachärztliche Kontrolluntersuchung durchzuführen ist. Da Termine bei Kardiologen vielerorts schwer zu bekommen sind, ist oft eine frühzeitige Terminvereinbarung zu empfehlen.

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer
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Horst F. Bonn

Ich habe am 20.06. Und 23.06.2020 insgesamt 5 Stents nach einem Herzinfarkt eingesetzt bekommen und bin gerade mal einen Tag danach entlassen worden. Ich muss sagen, das es mir sehr gut geht. Ich bin 76 Jahre alt.