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Herz- und Kreislaufbeschwerden bei Wetterumschwüngen

Bei extremer Wetteränderung kommt der Körper oft nicht mit. Lesen Sie, warum das so ist.

Frau liegt mit Strohhut im Gras
adobe Stock / Ivan Krukuk

Einfluss des Wetters auf den Körper: Jeden trifft es anders

Heute 30 Grad, morgen Starkregen und Gewitter – extreme Wetterwechsel werden immer häufiger. Manche Menschen nehmen diese Wetterwechsel stärker wahr: Sie lösen Unwohlsein und im schlimmsten Fall sogar gesundheitliche Probleme bei ihnen aus. Dabei kann das Wetter im eigentlichen Sinn nicht krank machen. Es kann jedoch bestehende Krankheiten und Beschwerden verschlimmern.

Die Reaktion auf das Wetter hängt von den individuellen Voraussetzungen, beispielsweise dem allgemeinen Gesundheitszustand, aber auch sonstigen Belastungen wie Schlafmangel oder Stress ab. Zudem wird sie von landschaftsklimatischen, jahres- und tageszeitlichen Faktoren beeinflusst. Ein gesunder Organismus vollzieht notwendige Anpassungen bei Wetteränderung meist unbemerkt. Bei wetterempfindlichen Menschen kann der Organismus dies jedoch nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr. Davon betroffen sind meist Menschen, deren Körper vom Alter oder durch chronische Erkrankungen wie Rheuma, Asthma sowie Herz-Kreislauf-Probleme bereits geschwächt ist. Wetterumschwünge können auch Patienten mit zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck zu schaffen machen.  

„wetterfühlig“ ist nicht gleich „wetterempfindlich“

Die Wirkung des Wetters auf den menschlichen Organismus nennt man „Biotropie“. Hier wird zwischen wetterragierend, wetterfühlig und wetterempfindlich unterschieden. Wetterreagierend sind grundsätzlich alle Menschen. So ist man bei sonnigem Wetter mit angenehmen Temperaturen meistens besser gelaunt als bei Regen und Kälte. Bei Wetterfühligen wirkt sich der Wetterumschwung nicht nur auf die Stimmung aus, sondern führt auch zu körperlichen Symptomen wie Kopfdruck, Schwindel, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Rund 15 - 20 % der Menschen sind richtig wetterempfindlich. Bei ihnen verstärken bestimmte Wetterlagen bestehende Erkrankungen etwa der Gelenke oder des Herz-Kreislauf-Systems. Die Hälfte von ihnen weist eine sogenannte "Vorfühligkeit" auf, das bedeutet, dass sie schon vor Umschwüngen Veränderungen spüren.

Das passiert bei Wetterlagen im Körper

Um eine optimale Organfunktion zu gewährleisten, muss die Körpertemperatur bei jedem Wetter konstant bei 37 °C gehalten werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei das vegetative Nervensystem. Es regelt lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Blutdruck und den Stoffwechsel. Je stärker die Wetteränderung, desto mehr reagiert der Körper mit Anpassungsvorgängen. Ob man diese spürt, hängt von Art und Intensität des Wettereinflusses ab. Hier ist nicht nur die Temperatur bedeutsam, sondern auch die Luftfeuchtigkeit, die Windstärke, der Luftdruck und das Sonnenlicht haben Einfluss. Besonders ausgeprägt ist die Wirkung im Übergangsbereich zwischen einem abziehenden oder sich abschwächenden Hochdruckgebiet und einem herannahenden Tief, beim Durchzug von Warm- und Kaltfronten sowie auf der Rückseite eines abziehenden Tiefdruckgebiets. Bei diesen markanten Wetterumschwüngen ändern sich nämlich auch alle meteorologischen Elemente wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Luftbewegung, die Bewölkung und damit der Sonnenschein sowie die Strahlungsverhältnisse.

Mögliche Wettereinflüsse auf Herz- und Kreislauf

Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit (Verengungen der Herzkranzgefäße), Rhythmusstörungen oder Herzschwäche kann die Hitze ernsthaft zusetzen und zur großen Belastung für den bereits geschwächten Organismus werden. „Im höheren Lebensalter versteifen Blutgefäße, so dass ein ohnehin beeinträchtigter Organismus überfordert werden kann, wenn wegen Wetterveränderungen zusätzliche Regulationsleistungen erforderlich sind“, erklärt Medizin-Meteorologe Professor Dr. Andreas Matzarakis. Damit der Körper abkühlt, erweitern sich die Blutgefäße (Vasodilatation), der Blutdruck sinkt daraufhin. Mögliche Folgen können ein plötzlicher Blutdruckabfall oder Kreislaufkollaps sein. „Manchmal fällt der Blutdruck so stark ab, dass die Dosis der Blutdruckmedikamente nach Rücksprache mit dem Arzt angepasst werden muss. Vorbeugen kann man, indem man die Hitze möglichst meidet und Aktivitäten wie Sport in kühlere Phasen wie den Morgen oder den Abend verlagert“, erklärt der Hochdruckexperte Professor Dr. med. Heribert Schunkert vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Kardiologe am Deutschen Herzzentrum München. Aber auch das Gegenteil kann laut Schunkert der Fall sein. „Wer einen zu hohen Blutdruck hat, leidet in Hitzeperioden besonders, weil extreme Hitze den Körper so unter Stress setzt, dass der Blutdruck zusätzlich steigen kann“. Auch die Gerinnungsfähigkeit und Zähflüssigkeit (Viskosität) des Blutes können sich durch Flüssigkeitsverlust (Schwitzen), bedingt durch hohe Temperaturen verändern – das Blut wird dicker und klebriger. Das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkt, Venenthrombosen und Lungenembolien nimmt zu. 

Auch schwülwarmes Wetter sowie Schwankungen des Luftdrucks und der Luftfeuchtigkeit erfordern Gegenregulationen des Herzens und der Blutgefäße. Die Wärme wird vom Kreislauf nur unter erheblicher Anstrengung, häufig auch nur unzureichend, aus dem Körper transportiert. Dies belastet besonders einen geschwächten Herzmuskel, aber auch das Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten wird erhöht.

Ein plötzlicher Temperaturrückgang nach einer vorherigen längeren Periode mit überwiegend konstanten Temperaturen verursacht eine Verengung der Blutgefäße. Aufgrund des vermehrten Widerstands der nun eng gestellten Arterien steigt der Blutdruck, was eine Gegenregulation über die normalen Regulationen hinaus notwendig macht. Hier zeigen zum Beispiel epidemiologische Studien, dass bei Patienten mit Bluthochdruck die Beschwerden zunehmen, wenn eine Kaltfront durchzieht. Möglich Auswirkung: Folgeerkrankungen von hohem Blutdruck wie Herzinfarkt oder Schlaganfall werden wahrscheinlicher

Starke Kälte und Minustemperaturen können eine starke Verengung (Vasokonstriktion) der Blutgefäße bewirken. Das Herz muss das Blut gegen einen größeren Widerstand durch die Adern pumpen – ist es vorgeschädigt, kann das zur Überforderung und letztlich zum Herzinfarkt führen. Außerdem kann es bei geringen Temperaturen und Vasokonstriktion in den betroffenen Geweben zu einer Minderdurchblutung sowie zu einem Flüssigkeitsverlust über die Niere kommen, was ebenfalls die Zähflüssigkeit des Blutes erhöht. „Dies wiederum führt zu einer verringerten Blutströmungsgeschwindigkeit bis hin zum Blutstau in den Venen, das Risiko für Verklumpungen und die Bildung venöser Thrombosen kann ansteigen“, erklärt Prof. Matzarakis. Durch die erhöhte Viskosität ist das Fließvermögen des Blutes herabgesetzt. Das Risiko für Verklumpung und die Bildung venöser Thrombosen steigt. Für Patienten mit koronarer Herzkrankheit,Verengungen der peripheren Arterien (pAVK) oder der Venen bedeuten Wetterextreme somit ein zusätzliches Risiko für Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gerinnselbildung.

Positive Wettereffekte

Ein positiver Einfluss des Wetters auf die menschliche Gesundheit ist im Bereich des Hochdruckszentrums zu finden, sofern gleichzeitig keine thermische oder lufthygienische Belastung vorliegt.

Biowetter zeigt, wie sich Wetter auf Herz und Kreislauf auswirkt

Durch genauere Vorhersagen haben Betroffene die Möglichkeit, sich besser auf Wetterumschwünge einzustellen. Das Biowetter gibt einen Gefahrenindex für Wetterempfindliche und Personen mit Vorerkrankungen an und informiert, ob die Wettereinflüsse eine geringe, hohe oder keine Gefährdung auf die jeweilige Vorerkrankung darstellen. Diese Vorhersagen helfen vor allem älteren und kranken Menschen, zusätzliche Belastungen zu vermeiden und sich auf das jeweilige Wetter einzustellen.

Vorsorgende Maßnahmen treffen

Jeder, der Wetterschwankungen spürt, kann einiges dafür tun, seinen Gesundheitszustand zu stärken und einem ungünstigen Wettereinfluss entgegenzuwirken. Dazu gehören alle Methoden, die das vegetative Nervensystem, das die Regulation der Blutgefäße steuert, zu trainieren, wie:

  • Kneippsche Anwendungen (Kneipbäder)
  • Wechselduschen
  • Sauna
  • Bewegung an der frischen Luft (bei Wind und Wetter)

Zusätzlich hilft eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung, regelmäßigem Schlafrhythmus und einer ausgewogenen Ernährung, sich auch bei Wetterumschwüngen wohler zu fühlen.

Wetterempfindliche sollten Arztgespräch suchen

Für wetterempfindliche Menschen eignen sich die vorbeugenden Maßnahmen teilweise auch. Da bei ihnen allerdings bereits Grunderkrankungen vorliegen, sollten sie jedoch mit ihrem behandelnden Arzt unbedingt zuvor abklären, was sie sich bei ihrer jeweiligen Erkrankung zumuten können und welche Methoden für sie am besten sind.

Experte

Professor Dr. Andreas Matzarakis
Bild von Prof. Matzarakis

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