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Therapie mit einem Herzschrittmacher

So funktioniert ein Herzschrittmacher bei langsamen Herzrhythmusstörungen.

Langsame Herzrhythmusstörungen können mit Schwindelgefühl, Ohnmachtsanfällen und Leistungsschwäche einhergehen und sogar eine Ursache für den plötzlichen Herztod sein. Die effektivste Behandlung ist die Implantation eines Herzschrittmachers unter die Haut, der durch Abgabe elektrischer Impulse einen normalen Erregungsablauf im Herzen wiederherstellt und damit wieder ein normales Leben führen lässt.

Wie langsame Herzrhythmusstörungen entstehen

Der Herzmuskel besteht aus dem rechten und dem linken Vorhof sowie der rechten und der linken Herzkammer. Am besten pumpt das Herz, wenn sich zunächst die Vorhöfe und anschließend die Herzkammern synchronisiert zusammenziehen. Damit dieser Ablauf funktioniert, gibt der Sinusknoten im rechten Vorhof regelmäßige elektrische Impulse ab, die zunächst die Vorhöfe stimulieren und danach zum AV-Knoten gelangen, der die Impulse synchronisiert zu den Herzkammern weiterleitet. Wenn der Sinusknoten erkrankt ist oder der AV-Knoten unzureichend weiterleitet, entstehen kurzfristig oder andauernd langsame Herzrhythmusstörungen. 

Wer braucht einen Herzschrittmacher?

Nicht jeder Mensch mit langsamen Herzschlägen benötigt einen Herzschrittmacher. Niedrige Herzschläge ohne Beschwerden, die keiner Behandlung bedürfen, haben beispielsweise oft Leistungssportler und -sportlerinnen. Auch langsame Herzschläge infolge behandelbarer Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Borrelieninfektion oder als Nebenwirkung einer Betablocker-Therapie bedürfen zunächst der konsequenten Behandlung der Grunderkrankung. Ein Schrittmacher benötigen vor allem Patientinnen und Patienten mit einer Erkrankung des Sinusknotens oder AV-Knotens, wenn Schwindelgefühl, Leistungseinbrüche oder sogar Ohnmacht, insbesondere bei körperlicher Belastung, auftreten oder ein Herzstillstand zu befürchten ist.

Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?

Ein Herzschrittmachersystem ist das Schrittmacheraggregat mit meist zwei Sonden. Der eigentliche Herzschrittmacher von der Größe zweier aufeinander liegender 2 Euro-Münzen besteht aus einer Lithiumbatterie mit einer Laufzeit mindestens 7 bis 10 Jahren, viel Elektronik zur Abgabe und Steuerung der Schrittmacherimpulse sowie zur Registrierung des Herzrhythmus und den Konnektoren zum Anschluss der Schrittmachersonden. Die Sonden sind kunststoffummantelte Kabel, an deren Spitzen die Elektroden sitzen, die den Impuls vom Aggregat an das Herz weiterleiten. Einkammerschrittmacher mit einer Sonde werden meist in der rechten Herzkammer eingesetzt (VVI-Schrittmacher). Häufiger sind heute Zweikammerschrittmacher mit zwei Sonden, von denen eine im rechten Vorhof, die andere in der rechten Herzkammer fixiert ist (DDD-Schrittmacher).

Die Herzschrittmacher lassen dem eigenen Herzschlag den Vortritt und stimulieren den Herzmuskel nur, wenn es nötig ist. Ferner können sie bei einem unzureichenden Anstieg der eigenen Herzfrequenz bei Belastung selber die Herzfrequenz wie ein regelrechter Sinusknoten erhöhen. Die elektronische Entwicklung der letzten Jahre erlaubt heute, dass moderne Herzschrittmacher permanent den Herzrhythmus überwachen und auffällige Herzrhythmusstörungen selbstständig abspeichern können. 

Leben mit dem Herzschrittmacher

Die meisten Patientinnen und Patienten gewöhnen sich schnell an das Leben mit einem Herzschrittmacher - zumal, wenn sich die Beschwerden rasch bessern und sie schnell wieder belastbar sind. Viele Sportarten lassen sich auch mit einem Herzschrittmacher durchführen. Einige Patientinnen und Patienten haben Angst, weil sie das Gefühl haben, ihr Leben hinge nun von einem Gerät ab. Diese Angst ist unbegründet: Die heutigen Geräte bieten große Sicherheit. Auch die Störanfälligkeit durch elektrische Geräte ist dank der elektronischen Verbesserungen im Schrittmacher viel geringer als manch einer glaubt.

Wichtig ist die regelmäßige Nachsorge

Die regelmäßigen kardiologischen Kontrollen sind unbedingt wahrzunehmen. Die Ärztinnen und Ärzte prüfen den Ladestand der Batterie und überprüfen sowohl die Funktionen als auch die Einstellungen des Schrittmachers. Auch die Speicheraufzeichnungen werden ausgelesen. Bei neueren Schrittmachern ist ein Teil der Kontrollen per Telemedizin möglich, sodass Schrittmacherpatient/innen seltener in die Praxis kommen müssen. 

Einsatz eines Herzschrittmachers

Die Herzschrittmacher-OP

Das Einsetzen eines Herzschrittmachers ist heute eine Routine-Operation, die meist unter örtlicher Betäubung stattfindet. Die Herzstiftung informiert über die Herzschrittmacher-OP sowie Risiken und Folgen der Operation.

Experte

Prof. Dr. med. Andreas Schuchert
Portrait von Prof. Andreas Schuchert

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  1. Die Operation dauert etwa ein bis anderthalb Stunden. Komplikationen treten selten auf, doch einige Patienten empfinden den Eingriff als Belastung.
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    Bernd Nowak

    Prof. Dr. med.

  3. Erfahren Sie in der Herzstiftung-Sprechstunde, was am Le­bens­en­de mit dem Herz­schritt­ma­cher passiert.

    Gerian Grönefeld

    Privatdozent Dr. med.

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1 Kommentar

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Kurt B. Reutlingen

Am 14.08.2018 wurde mir eine neue Herzklappe eingesetzt, die OP ( TÜ ) verlief gut ,keine Probleme. Am 23.08.2018 wurde mir dann ein Herzschrittmacher auf Grund von zu langsamen Herzschlag ( Medtronic Ensura DR MRI implantiert, verlief normal,obwohl für mich war es schmerzhaft und war froh das es vorbei war. Am nächsten Tag war alles wieder Normal ,sehr guter Heilungsverlauf und bis heute keine Probleme. Bei der OP war ich 72 Jahre alt.