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Plötzliche Ohnmacht

Hinter Bewusstlosigkeit können viele Erkrankungen stecken – welche Anzeichen hat ein Herzinfarkt?

Mann liegt Bewusstlos am Boden
Rainer Fuhrmann - stock.adobe.com

Kurze Phasen der Bewusstlosigkeit (Synkopen) führen nicht nur zu gefährliche Stürzen. Sie können auf gefährliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen hindeuten. Eine ärztliche Abklärung ist notwendig. Doch wie sollte man im Notfall reagieren? 

Plötzliche Ohnmacht: Richtig handeln

Die Herzstiftung hat einige Tipps zusammengestellt:

1

Sturz vermeiden

Versuchen Sie, einen Sturz nach Möglichkeit zu vermeiden.

2

Stabile Seitenlage

Legen Sie die Patientin bzw. den Patienten bei vorhandener Atmung auf den Rücken (bei andauernder Bewusstlosigkeit) in die stabile Seitenlage .

3

Notarzt rufen

Verständigen Sie den Rettungsdienst (bundesweit Telefon 112).

4

Herzdruckmassage

Überprüfen Sie die Atmung und führen Sie beim Herzstillstand eine Herzdruckmassage durch.

Wie kommt es zur plötzlichen Ohnmacht? 

Viele Menschen fragen sich, was bei ihnen zur Synkope geführt hat. Die Antwort ist nicht einfach, denn es gibt mehrere Erklärungen: Besonders häufig führen Entgleisungen des Kreislaufs zur plötzlichen Ohnmacht. Angst, Schmerzen oder Stress können zu einer Überreaktion des Nervensystems (einer vasovagalen Synkope) führen. Es kommt zum plötzlichen Blutdruck- und/oder Pulsabfall. Auch beim plötzlichen Aufstehen aus dem Liegen kann das passieren (eine orthostatische Synkope). Hier sind Personen mit sehr niedrigem Blutdruck eher betroffen. Zu wenig Flüssigkeit spielt womöglich auch eine Rolle. Und nach starkem Pressen beim Stuhlgang oder beim Urinieren kann es ebenfalls zur Synkope kommen.

Ohnmachtsanfälle können auch auf Herzerkrankungen hindeuten. Die koronare Herzkrankheit, Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) stecken möglicherweise hinter den Beschwerden. Versorgt unser Herz das Gehirn nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut, kommt es zur Synkope. So kommt es bei einem Herzstillstand von mehr als 15 Sekunden zur Bewusstlosigkeit.In selteneren Fällen lösen Probleme bei der Atmung Ohnmachtsanfälle aus. Beim Hyperventilieren atmen Patientinnen und Patienten zu schnell, und es gelangt viel Kohlendioxid ins Blut. Der Säuregrad (pH-Wert) verschiebt sich, und Menschen verlieren das Bewusstsein. Nicht zuletzt stecken Nebenwirkungen von Medikamenten hinter den Beschwerden. 

Woran erkennt man einen Herzinfarkt? 

Oft werden Ärztinnen und Ärzte gefragt, ob Synkopen auf einen Herzinfarkt hindeuten können. Das kann, muss aber nicht zutreffen. Anhaltspunkte sind Schmerzen im Brustbereich, die in den linken Arm, in den Oberbauch oder in den Kiefer ausstrahlen. Doch Vorsicht: Etwa 15 bis 20 % aller Infarkte verlaufen unbemerkt. Beschwerden im Brustkorb sollten generell abgeklärt werden. 

Herzinfarkt-Anzeichen rechtzeitig erkennen 

Lesen Sie hier, welche Beschwerden bei einem Herzinfarkt auftreten können und wie Sie dann richtig handeln. 

Plötzliche Ohnmacht: Fragen für das Arztgespräch 

Angesichts dieser Vielzahl möglicher Ursachen stehen Ärztinnen und Ärzte vor Herausforderungen. Bereiten Sie sich gut auf das Gespräch vor, machen Sie sich eventuell Stichpunkte. Einige Aspekte dazu:

  • Hatten Sie schon öfter einen Ohnmachtsanfall oder ist Ihnen öfter schwindlig?
  • Kam es vor dem Ohnmachtsanfall zu Beschwerden? Herzstolpern, Herzklopfen, Herzrasen oder ein deutlich langsamerer Puls?
  • Haben Sie Übelkeit, Schwitzen, Schwindel, Benommenheit, Schwächegefühl, Unwohlsein oder verschwommenes Sehen wahrgenommen?
  • Kam es nach körperlicher Belastung zur Ohnmacht, etwa nach dem Treppensteigen oder nach dem Sport?
  • Gab es emotionale Auslöser, etwa einen Streit oder Ärger?
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Hier zählen alle Arzneimittel, auch von der Hausärztin/vom Hausarzt, von anderen Fachärzt/innen sowie Pharmaka, die Sie ohne Rezept in der Apotheke erhalten.
  • Hatten Sie schon Erkrankungen in der Vergangenheit, etwa einen Herzinfarkt, Blutgerinnsel (Thrombosen) oder Operationen?
  • Hat jemand die Ohnmachtsanfälle beobachtet?

Plötzliche Ohnmacht: Diagnose und Behandlung 

Nach dem Erstgespräch (der Anamnese) folgen weitere Untersuchungen, je nachdem, welchen Verdacht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hat. Mehr zur Diagnostik und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hier

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

Unsere Empfehlungen

  1. Lesen Sie hier, welche Beschwerden bei einem Herzinfarkt auftreten können und wie Sie dann richtig handeln.
  2. Jede Minute zählt! Erfahren Sie hier, wie Sie im Notfall schnell und richtig reagieren.
  3. Welche Herzerkrankungen führen zum Sekundentod? Welche Risikofaktoren sind bekannt? Und was sollte man im Notfall unternehmen? Das lesen Sie hier.

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4 Kommentare

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Cornelia G. Rinteln

Meine Freundin glitt vor ein paar Wochen plötzlich mitten im Satz ohnmächtig vom Stuhl. Herzerkrankung war mir nicht bekannt, habe aber ihren geschockten Mann sofort energisch aufgefordert sofort als Erstes 112 angerufen, während ich nach ihr sah. Die kamen sehr schnell, sie war auch wieder zu sich gekommen. Während sie mit dem Notarzt sprach, trat jedoch Herzstillstand ein und sie musste reanimiert werden, im RTW später nochmal. Sie hat einen Herzschrittmacher bekommen und keinen Schaden davon getragen. Hätten wir erst an ihr herumuntersucht oder lange überlegt, statt unverzüglich die 112 anzurufen, hätten wir vom zeitlichen Ablauf her mit dem Herzstillstand ohne sofortige ärztliche Hilfe dagestanden und sie hätte das bestimmt nicht überlebt oder Schaden erlitten. Diesen Artikel hatte ich vorher einmal gelesen und bin sehr froh darüber, denn er hat dazu beigetragen, sofort schnell zu handeln.

Ingelore M. Marl

Bei mir steht über kurz oder lang eine Herzklappenerneuerung an Meine Ärztin riet mir ausdrücklich, sie bei einer Ohnmacht aufzusuchen. Deshalb waren Ihre Infos sehr hilfreich.

Bianca K. Heusenstamm

Meine Tochter starb vor 2 Jahren im Alter von 20 während einer Ohnmacht. Diese Ohnmachtsanfälle hatte sie öfter. Wir waren auch mit ihr im Krankenhaus und bei anderen Ärzten. Leider wurde an der falschen Stelle, nämlich im Kopf, nach der Ursache gesucht. Dass es auch am Herzen liegen kann, wurde uns nicht gesagt. Dieser Newsletter hilft uns, das Geschehene besser zu verstehen.

Dietmar H. Hohenwart

Die Infos sind sehr hilfreich, vor allem die für das Gespräch mit dem Arzt.