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Herzschrittmacher-OP: ein Routine-Eingriff

Operation unter Lokalanästhesie dauert ein bis anderthalb Stunden, Komplikationen sind selten.

So verläuft die Herzschrittmacher-OP

Im Jahr 1958 implantierten skandinavische Ärzte erstmals bei einem Patienten einen Herzschrittmacher. Die Operation wurde unter Vollnarkose am offenen Herzen durchgeführt. Seitdem haben viele Weiterentwicklungen bewirkt, dass dies eine komplikationsarme Routine-Operation geworden ist, die meist in örtlicher Betäubung vorgenommen wird, d.h. die Patienten sind während der Operation wach. 

Die Operation wird in einem Operationssaal oder in einem Herzkatheterlabor vorgenommen. Der Implantationsort für den Herzschrittmacher ist meistens rechts- oder linksseitig 5 bis 10 cm unterhalb des Schlüsselbeins. Dieses Hautareal wird gründlich desinfiziert und danach steril abgedeckt. In örtliche Betäubung werden  nach einem 5 bis 10 cm großen Hautschnitt meist zwei oder nur eine Schrittmachersonden durch die große Schlüsselbeinvene eingeführt, unter Röntgensicht in den großen Körpervenen zum Herzen vorgeführt und dort an geeigneter Stelle verankert oder eingeschraubt.  Nach der Fixierung der Sonden an der Eintrittsstelle wird der Herzschrittmacher mit den Sonden verbunden und unter das Unterhautfettgewebe oder seltener unter den großen Brustmuskel implantiert. Der eigentliche Herzschrittmacher von der Größe zweier aufeinanderliegender 2 Euro-Münzen besteht aus einer Lithiumbatterie mit einer Laufzeit mindestens 7 bis 10 Jahren, viel Elektronik zur Abgabe und Steuerung der Schrittmacherimpulse sowie zur Registrierung des Herzrhythmus und den Konnektoren zum Anschluss der Schrittmachersonden. 

Herzschrittmacher-OP: Wie lange im Krankenhaus bleiben?

Nach der etwa einstündigen Operation werden Sie für weitere 24 Stunden überwacht, um frühzeitig Blutungen oder ein Verrutschen der Sonden zu erkennen. Wie lange Sie nach der Operation im Krankenhaus bleiben, richtet sich nach Ihren Beschwerden. Wenn ein Hautfaden zu sehen ist, fragen Sie den Arzt, nach wie vielen Tagen dieser entfernt werden kann und ab wann Sie wieder duschen bzw. baden können. In den folgenden zwei Wochen sollten Sie Kopfüber-Armbewegungen vermeiden. Nach zwei bis vier Wochen können Sie häufig wieder alle gewohnten Tätigkeiten aufnehmen. Vereinbaren Sie die Termine zur Nachsorge ihres Herzschrittmachers.

Herzschrittmacher-OP: Das sagen Patienten

Die meisten Patienten vertragen die Operation gut. Viele spüren einige Tage lang Narben- oder Schulterschmerzen oder ein Gefühl von Muskelkater, einige schildern ein “Fremdkörpergefühl”. Einige Patienten haben Angst vor der Operation und empfinden den Eingriff unter örtlicher Betäubung als Belastung. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt darüber, ob bei ihnen eine Operation unter Vollnarkose in Frage kommt.  Bei einem Großteil der Patienten überwiegt nach der Operation das positive Erfahrung, wieder belastbar und leistungsfähig zu sein. Die meisten gewöhnen sich schnell an das Leben mit dem Schrittmacher. Bundesweit erfolgt bei etwa 100.000 Patienten pro Jahr in Deutschland eine solche Herzschrittmacheroperation. 

Defibrillator-Implantation 

Besteht die Gefahr eines plötzlichen Herztodes durch Kammerflimmern, erhalten die Patienten einen implantierbaren Defibrillator (Implantable Cardioverter Defibrillator, ICD). Er ermöglicht es, gefährliche Herzrhythmusstörungen zu erkennen und im Ernstfall einen elektrischen Schock abzugeben. 

Komplikationen bei der Operation

Komplikationen bei der Herzschrittmacher-OP sind selten geworden. Manchmal kann eine Sonde nach der Operation verrutschen. Dann ist meist in einem weiteren Eingriff die Sonde erneut zu platzieren. Ein Bluterguss im Bereich der Schrittmachertasche ist selten ein Grund zur Sorge, er verschwindet nach einigen Tagen wieder.   In weniger als zwei Prozent kann kurz eine Schrittmacher- oder Sondeninfektion auftreten. Wenige Wochen nach der Implantation oder auch Jahre später erwärmt, errötet und spannt sich die Haut über dem Schrittmacher, es kann - muss aber nicht - mit Fieber einhergehen. Bemerken Sie solche Anzeichen sollten Sie sich sofort an das Krankenhaus wenden, in dem der Schrittmacher implantiert wurde. Meist muss der Schrittmacher dann schnell entfernt werden. 

 

Experte

Prof. Dr. med. Andreas Schuchert
Portrait von Prof. Andreas Schuchert

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7 Kommentare

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Erika Schleinich

Habe am 13.03.20 einen Herzschrittmachet bekommen, der Eingriff unter örtlicher Betäubung dauerte 50 min. Wärend des Eingriffs hatte ich keinerlei Schmerzen. Wurde auch gut aufgeklärt,ein tolles OP Team im Herzzentrum Bad Krozingen.

Udo H. Witten

Einen schönen guten Tag. Mir wurde vor genau vor einer Woche am 10.06.20 ein CRT-D implantiert und mir damit mein aktives Leben zurück gegeben. Bei mir wurde im Rahmen einer Voruntersuchung einer Hüft-Tep ein "Herz-Problem" festgestellt. "WAS? Ein Herzproblem? Ich? Hallo, ich bin gerade mal 50! Was soll ich damit? Für sowas hab ich keine Zeit und keine Lust!". Etwas wiederwillig habe ich mich dann doch in kardiologische Behandlung begeben. Zu guter Letzt wurde ein Termin zur Implantation eines CRT-D vereinbart. Der Eingriff verlief absolut Problemlos (mit örtlicher Betäubung) und dauerte ca. 1,5 Stunden und das ohne weitere Schmerzen während oder nach dem Eingriff. Bereits kurz nach dem Eingriff stellte ich eine deutliche Verbesserung meiner Zustandes fest. Ein Tag später waren bereits alle Bäume rund um die Klinik ausgerissen. Ich weiß nicht wann ich mich das letzte mal so gut gefühlt habe. Okay, die Narbe drückt noch ein bisschen und es ziept hier oder da, aber das ist kein Vergleich zu dem was ich zurück bekommen habe. Danke an das Team der Kariologie des St. Josef Hospital in Bochum !

Dieter B. Köln

Das einsetzen des Schrittmachers war absolut schmerzfrei bei örtlicher Betäubung. Was mich aber extrem störte war das "grüne Zelt" über meinem Kopf, das mir plötzlich ohne Vorwarnung aufgesetzt wurde und während der OP immer tiefer sank. Ausserdem lief über meinem Hals noch ein Kabel oder eine Schnur. Sehen konnte ich das ja nicht, nur spüren. Ich war kurz davor Panik zu bekommen, was bei mir sonst nie vorkommt. Als ich dieses "beanstandete" wurde das grüne Zelt etwas angehoben, sank aber danach wieder bis kurz vor meiner Nase. In ca. 5 Jahren soll dieses Gerät wieder ausgetauscht werden. Ich werde dann vorher auf mehr Luft und freie Sicht nach oben bestehen. Sonst anderes Krankenhaus! Ansonsten bin ich mit der OP (vor 6 Tagen) sehr zufrieden!

Birgit K. Türkheim

Es war eine beruhigende Situation bei der Op. Nach sehr guter Information. Dafür bin ich den Ärzten des Kaufbeurer Klinikums sehr dankbar. Natürlich muss ich mich erst an den Herzschrittmacher gewöhnen, das wird einige Zeit dauern. Schliesslich ist es eine Änderung meiner Lebenssituation . Aber ich bin dankbar für den Fortschritt der Medizin

Karin H. Bad Camberg

Ich war froh, das ich den Schrittmacher bekam. Am schlimmsten empfand ich das Tuch, das direkt vor meinem Gesicht war und oft auf dem Gesicht lag. Durch meine Platzangst war das doch sehr belastend.

Uwe D. Farsleben

Die OP war keine große Belastung für mich. Aber danach 24h mit dem Sandsack auf der Schulter nur auf dem Rücken liegen, das war hart. Die Schmerzen im Schulterbereich lassen jetzt nach einer Woche nach. Nach dieser OP fühle ich mich viel besser. Die Funktion dea HSM kann ich gut mit meiner Pulsuhr kontrollieren. Gruß Uwe

Roland B. Ilmenau

Ich trage seit 14 Monaten einen Schrittmacher. Seit dem 1. Tag keine Probleme. So wie Sie es hier schildern, sollte es manchem Patienten Mut machen.