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Katheterablation: Erfolgsversprechende Behandlung bei Vorhofflimmern

Vorhofflimmern lässt sich in vielen Fällen mit einer Katheterablation beseitigen. Was genau steckt hinter diesem Eingriff?

Erstellt: 08.06.2021

Bild von einem Katheterlabor
picture alliance / imageBROKER

Vorhofflimmern: So früh wie möglich erkennen und behandeln

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung – etwa 1,8 Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Auch wenn die Krankheit nicht immer Beschwerden verursacht, sollte man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn Vorhofflimmern kann den Herzmuskel stark belasten und zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen. Zudem ist das Risiko für einen Schlaganfall deutlich erhöht.

Die beste Chance auf dauerhaften Erfolg hat die sogenannte Katheterablation. „Für den Erhalt des normalen Herzrhythmus ist dieser Eingriff einer medikamentösen Therapie überlegen“, sagt Professor Dr. Stephan Willems, Chefarzt der Kardiologie und Internistischen Intensivmedizin an der Asklepios Klinik St. Georg sowie Wissenschaftlicher Beirat der Herzstiftung. Bei etwa jedem zweiten Patienten, der mit einer Katheterablation behandelt wurde, kehre das Vorhofflimmern nicht zurück. Beim anfallsartigen Vorhofflimmern liege die Erfolgsquote nach einem Jahr bei 70 bis 80 Prozent – nach wiederholten Eingriffen bei bis zu 90 Prozent. Voraussetzung sei jedoch, dass die Therapie möglichst früh begänne. „Patienten, die bereits eine längere Zeit an anhaltendem Vorhofflimmern leiden, haben geringere Aussicht auf langfristigen Erfolg durch eine Katheterablation“, betont Kardiologe Stephan Willems.

Mögliche Anzeichen für Vorhofflimmern

Vorhofflimmern kann mit Symptomen einhergehen oder gänzlich unentdeckt bleiben. Viele Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern bemerken einen schnelleren Herzschlag oder auch Herzrasen. Es kann auch ein Enge- oder Druckgefühl in der Brust entstehen. Weitere Symptome können Müdigkeit und Atemnot sein. Wie stark die Beschwerden sind, hängt in der Regel vom Ausmaß der Herzrhythmusstörung ab. Die Beschwerden können anfallsartig auftreten und nach kurzer Zeit wieder verschwinden – man spricht dann vom paroxysmalen Vorhofflimmern. Jede zweite betroffene Person spürt jedoch keine Anzeichen. Das Vorhofflimmern wird dann meist zufällig und erst spät entdeckt. Die Herzrhythmusstörung stellt in der Regel keine akute Gefahr dar, kann aber unbehandelt schwere Folgen haben – zum Beispiel eine Herzschwäche oder einen Schlaganfall.

Was passiert bei einer Katheterablation?

Bei einer Katheterablation wird das für die Herzrhythmusstörung verantwortliche Gewebe im Herz verödet. Herzmuskelzellen bringen das Vorhofflimmern hervor. Um zu verstehen, wie eine solche Verödung funktioniert, muss man wissen, wie Vorhofflimmern überhaupt entsteht: Der Ursprung der Fehlreize liegt meist in den Lungenvenen, die in den linken Vorhof münden. Ziel der Katheterablation ist es, die unerwünschten elektrischen Fehlimpulse aus den Lungenvenen zu unterbinden. Dazu müssen die Lungenvenen vom Vorhof isoliert werden, denn so ist keine elektrische Leitung zwischen den Lungenvenen und dem Vorhof mehr möglich. Das geschieht, indem die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt einen flexiblen Katheter – ein millimeterdünner Kunststoffschlauch – über die Leistenvene in den Körper einführt und ihn über die große Hohlvene bis in den rechten Vorhof vorschiebt. Die Ärztin oder der Arzt eröffnet dann mit einer feinen Nadel die Trennwand zwischen den beiden Vorhöfen und stellt die Beschaffenheit des linken Vorhofs mithilfe eines Kontrastmittels dar. „Das Herz nimmt dabei keinen Schaden“, betont Dr. Jens Hartmann, Arzt an der Asklepios Klinik St. Georg. Die minimalinvasive Behandlung werde im Krankenhaus unter Analgosedierung durchgeführt. „Die Patientin oder der Patient befindet sich in einem Dämmerschlaf und erhält Schmerzmittel. Eine Vollnarkose ist in der Regel nicht nötig.“

Katheterablation mittels Hitze oder Kälte

Die konventionellen Techniken der Ablation am Herz sind die sogenannten thermischen Verfahren. Dabei werden die krankhaften Bereiche im Muskelgewebe entweder mit Hitze oder mit Kälte verödet.

Die thermischen Verfahren kurz zusammengefasst

Bei dieser Form der Katheterablation wird Muskelgewebe des linken Vorhofs mit der Spitze eines Ablationskatheters rund um die Pulmonalvenen punktgenau erhitzt. Durch den Hochfrequenzstrom und die dadurch entstehende Hitze verlieren die Zellen ihre elektrische Leitfähigkeit. Die krankhaften Impulse können nicht mehr in den Vorhof weitergeleitet werden – und das Herz schlägt wieder regelmäßig. Die millimetergenaue Positionierung des Katheters ist dank Röntgendurchleuchtung und seit einigen Jahren auch dank 3D-Darstellung des behandelten Bereichs möglich. Diese sogenannten dreidimensionalen Mappingsysteme basieren auf elektromagnetischen Prinzipien und können die Anatomie des Herzens dreidimensional und detailgetreu wiedergeben. So lässt sich die Lage der Herde, die das Vorhofflimmern auslösen, identifizieren. Für die Darstellung werden den Patientinnen und Patienten lediglich einige Magnetpflaster auf Brust und Rücken geklebt. Der Vorteil der 3D-Technik: Sie reduziert die Strahlenbelastung und erhöht die Sicherheit und Effektivität des Eingriffs.

Bei der Kälteablation wird ein nicht entfalteter Kryoballon mittels Katheter vor die zu isolierende Lungenvene geführt. Dort wird er entfaltet und für eine bestimmte Dauer auf eine Temperatur von minus 40 bis minus 60 Grad Celsius gekühlt. So entstehen Läsionen im Muskelgewebe rund um die Lungenvenen, wodurch eine elektrische Isolation erreicht wird. Die Kälteablation erfolgt unter Röntgenkontrolle.

Ist die thermische Katheterablation gefährlich?

Sowohl die Hitze- als auch die Kältetechnik bergen das Risiko, die Speiseröhre zu verletzen, denn sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum linken Vorhof. Diese Komplikation ist zwar sehr selten, jedoch potenziell lebensgefährlich. Um sie zu verhindern, werden zum Beispiel Temperatursonden in der Speiseröhre platziert. Sie sollen eventuelle Temperaturanstiege oder -abfälle frühzeitig erkennen.

Möglicherweise mehr Sicherheit versprechen neuere Techniken, die sich bereits etabliert haben und klinisch eingesetzt werden:

Diese neue Technik wird auch Elektroporation genannt und bildet eine vielversprechende Alternative zur Katheterablation mittels Hitze oder Kälte. Die Elektroporation ist eine nichtthermische Verödungsmethode, bei der ultraschnelle elektrische Stromstöße (Pulse) erzeugt werden. Sie steuern nur jene Herzzellen gezielt an, die für die Störimpulse verantwortlich sind – das umliegende Gewebe wird geschont. Diese neue Technik ist damit nicht nur sicherer – auch die Behandlungsdauer ist deutlich kürzer. Erste Studienergebnisse zur Elektroporation weisen auf eine hohe primäre Erfolgsrate sowie auf eine hohe Sicherheit hin.

Dieser Begriff steht für „Hohe Energie und kurze Dauer“ und ist eine Variante der Ablation mittels Hitze. Hierbei wird ein Katheter verwendet, der für kurze Zeit Energien bis zu 90 Watt abgibt. In ersten klinischen Studien konnten damit gute Ergebnisse erzielt werden. Auch diese Methode verspricht ein optimiertes Sicherheitsprofil, eine reduzierte Behandlungsdauer und eine geringere Strahlenbelastung.

 

Risiken und Nebenwirkungen der Katheterablation

Komplikationen einer Ablation am Herz sind selten, können aber schwerwiegend sein. Neben dem oben genannten Risiko der Speiseröhren-Verletzung bei den thermischen Behandlungsvarianten gibt es weitere Komplikationen, die bei einer Katheterablation auftreten können. Dazu zählen Blutungen in den Herzbeutel, Schlaganfälle und Blutungen bzw. Blutergüsse an der Einstichstelle in der Leiste.

 

Experte

Prof. Dr. med. Stephan Willems
Bild von Prof. Dr. med. Stephan Willems

Experte

Dr. Jens Hartmann
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  2. Wenn Medikamente nicht helfen, kann eine Katheterablation sinnvoll sein. Lesen Sie hier mehr zu Therapiemöglichkeiten bei Vorhofflimmern.
  3. Welche Behandlungen sind bei Vorhofflimmern tatsächlich zu empfehlen? Wer ist gefährdet? Das und vieles mehr beantwortet der Herzstiftungs-Ratgeber.