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Extrasystolen sind häufig harmlos

Zusätzliche Herzschläge machen sich meist als Herzstolpern bemerkbar.

Frau fasst sich an die Brust
fizkes - stock.adobe.com

So entstehen Extrasystolen

Der normale Herzschlag wird vom sogenannten Sinusknoten im Herzvorhof gesteuert. Er erzeugt einen elektrischen Impuls, sodass sich die Vorhöfe sowie die Herzkammern zusammenziehen. Bei einer Extrasystole wird zusätzlich ein Impuls in den Vorhöfen (supraventikuläre Extrasystole) oder in der Herzkammer (ventrikuläre Extrasystole) gebildet. Dadurch kommt es zu den Extraschlägen, die Betroffene meist als Herzstolpern oder Herzaussetzer wahrnehmen. Während Extrasystolen aus den Vorhöfen meist harmlos sind, sollte bei gehäuften ventrikulären Extrasystolen immer die Ursache abgeklärt werden.

Symptome von Extrasystolen

Viele Extrasystolen spüren wir gar nicht. Wer beschäftigt ist oder Sport treibt, bemerkt die zusätzlichen Herzschläge oft nicht. In Ruhe hingegen werden Extrasystolen von manchen Menschen bevorzugt wahrgenommen. Manchmal braucht das Herz nach einer Extrasystole eine kurze Pause. Betroffene spüren dies gelegentlich als Herzaussetzer, dem ein besonders heftiger Herzschlag, eine Extrasystole, vorausgeht. Nur selten werden dabei andere Beschwerden wie Übelkeit oder Schwindel berichtet. Selten werden auch ein Herzstechen oder einen “kloßartiger” Herzschlag verspürt. Extrasystolen können durch Verunsicherung zu Angst oder Unruhe führen. Wenn keine strukturellen Herzerkrankungen vorliegen, ist diese Verunsicherung meist unbegründet.

Diagnose von Extrasystolen

Extrasystolen können als Einzelschläge, als Doppelschläge oder als Salven auftreten. Um die Diagnose zu stellen, benötigt die Ärztin oder der Arzt eine EKG-Dokumentation. Treten die Extraschläge während der Ruhe-EKG-Messung nicht auf, wird ein Langzeit-EKG durchgeführt, das für 24 Stunden an bis zu sieben Tagen den Herzschlag aufzeichnet. So gelingt es, auch gelegentliche Extrasystolen zu erfassen und zu quantifizieren. Anschließend wird die Ärztin oder der Arzt nach der Ursache suchen. 

Ursachen von Extrasystolen

Es gibt viele Faktoren, die den Herzrhythmus beeinflussen und Extrasystolen verursachen können. Bei gesunden Menschen können Schlafmangel, Stress, Genussgifte wie Alkohol und Nikotin sowie Koffein ebenso zusätzliche Herzschläge auslösen wie ein Kalium- oder Magnesiummangel. Allerdings können auch Schilddrüsenerkrankungen, Bluthochdruck und verschiedene Herzerkrankungen hinter den Extrasystolen stecken. Wer Extraschläge häufig, über einen längeren Zeitraum oder sogar bei Belastung spürt, sollte diese daher bei einem fachärztlich abklären lassen.

Herzerkrankungen als Ursache von Extrasystolen

Verschiedene Herzerkrankungen können den normalen Herzrhythmus stören und Extrasystolen auslösen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Teil des Herzmuskelgewebes nach einem Herzinfarkt oder einer Herzmuskelentzündung vernarbt. An der Narbe werden die elektrischen Impulse fehlgeleitet und es kann zu Extrasystolen kommen. Auch Herzklappenerkrankungen können Extraschläge auslösen. Besonders spürbar werden Extrasystolen bei einem langsamen Herzschlag, der sogenannten Bradykardie. In vielen Fällen kann die Fachärztin oder der Facharzt jedoch keine Ursache am Herzen finden. Dann handelt es sich meist um gutartige sogenannte idiopathische Extrasystolen.

Behandlung von Extrasystolen

Nicht immer müssen Extrasystolen behandelt werden. Bei harmlosen Extraschlägen aus den Vorhöfen beispielsweise ist eine Therapie nur dann nötig, wenn Betroffene unter Beschwerden leiden. Häufig genügt es, Auslöser wie Stress oder Alkohol zu meiden. Steckt ein Kalium- oder Magnesiummangel hinter den Extrasystolen, lassen sich die Beschwerden durch eine kalium- und magnesiumreiche Ernährung oder gegebenenfalls die Einnahme von Kalium- oder Magnesiumpräparaten lindern. Üblicherweise sprechen Extrasystolen besser auf Kalium- als auf Magnesiumpräparate an. Die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie muss im Einzelfall betrachtet werden. Laboruntersuchungen (z.B. Nierenfunktion, Elektrolyte) werden dann in regelmäßigen Abständen empfohlen.

Bei gehäuften ventrikulären Extrasystolen ist es wichtig, die Ursache zu finden und zu behandeln. Werden die Extraschläge immer am gleichen Ort im Herzen erzeugt, lässt sich dieser durch eine kathetergeführte elektrophysiologische Untersuchung des Herzens aufspüren. Mittels Hitze, die durch Radiofrequenzstrom erzeugt wird, kann der entsprechende Bereich verödet werden. Dieses Verfahren, die sogenannte Katheterablation, hat gute Erfolgschancen. Es sollte aber nur bei Patientinnen und Patienten angewendet werden, die für eine medikamentöse Therapie nicht geeignet sind oder trotz Medikamenten ausgeprägte Beschwerden und eine hohe Anzahl an Extrasystolen pro Tag (z.B. >15%) haben.  

Expertin

Prof. Dr. med. Ellen Hoffmann
Portrait von Prof. Ellen Hoffmann

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Unsere Empfehlungen

  1. Auch wenn Extrasystolen meist ungefährlich sind, können Beschwerden so stark werden, dass eine Behandlung ratsam ist.

    Ellen Hoffmann

    Prof. Dr. med.

  2. Nicht jede Herzrhythmusstörung muss behandelt werden. Eine Abklärung der Ursachen ist dennoch sinnvoll.
  3. Nur jeder zweite Betroffene spürt Symptome. Eine Behandlung ist wichtig, um das Schlaganfallrisiko zu senken.

9 Kommentare

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Heike Dinkelsbühl

Ganz toll erklärt: Fachlich fundiert und doch für Laien verständlich. Danke!

B. Augsburg

Es wurde mir klar welche Behandlungsoptionen bestehen und auch die Info, dass Extrasystolen an unterschiedlichen Orten im Herz entstehen können.

Werner M. Mülheim

Es ist für den Laien verständlich dargestellt und wirkt beruhigend auf mich. Ich werde den Kardiologen aufsuchen. Danke

Josef H. Bergweiler

Meine Kaliumwerte (25.03.20) liegen bei 3,8 400 SVES. Ihre Info war sehr gut.

Hilde F. Weyhe

Diese Information hat mir schon einmal sehr geholfen, damit ich die Diagnose besser verstehen kann. Jetzt kann ich besser in das Gespräch mit meinem Kardiologen gehen, weil ich besser vorbereitet bin und auch etwas beruhigt.

Wolfgang S. München

Dem neu mit Extrasystolen konfrontierten hat dieser Aufsatz in seiner Gelassenheit sehr geholfen. Schaun mer mal, was draus wird.

Wolfgang Z. Adelsheim

Sehr hilfreich!

Monika R. Kreuzau/Winden

Ich finde die Seite sehr gut aufgebaut. Auch fühle ich mich sehr gut verstanden und ernst genommen. Ich finde mich hier bei den Symptomen auch wiede

Josef K. Aldenhoven

Der Beitrag ist auch für mich als Laie gut verständlich und geradlinig strukturiert. Gut ist auch, dass die Informationen werbefrei gestaltet sind und ohne Querverweise auf andere Veröffentlichungen auskommen.