Sprechstundenfrage

Muss die Herzklappen-OP bei mir tatsächlich am offenen Herz erfolgen?

Vor einiger Zeit erreichte die Herzstiftung folgende Sprech­stun­den-Frage zu einer be­vor­ste­hen­den Herzklappen-OP, wobei auch die Angst vor der Größe des Ein­griffs geschildert wurde. Wichtig zu wissen ist dabei, dass sich viele Herzklappen-OPs heute vergleichsweise schonend durchführen lassen und das Brustbein je nach betroffener Klappe nicht mehr durchtrennt werden muss. Wer vor einer solchen OP steht, dem empfiehlt die Herzstiftung daher beim Vorbereitungsgespräch in der Klinik auch unbedingt die möglichen OP-Verfahren zu thematisieren, was für eine große Entlastung sorgen kann und oft viele Ängste nimmt.

Die Sprechstunden-Frage im Wortlaut:

Wie Sie aus den Arztbriefen sehen, habe ich einen Sehnenfadenabriss an der Mitralklappe. Bis jetzt habe ich noch keine Beschwerden, aber der Professor für Kardiologie an der Uniklinik meinte, ich solle das so bald wie möglich operieren lassen, da es sonst zu Vorhofflimmern kommen kann. Ich lasse mich vierteljährlich dort kontrollieren. Meine Frage: Muss bei diesem Sehnenfadenabriss unbedingt eine Operation am offenen Herzen gemacht werden? Oder kann man das auch mit einem kleinen Schnitt unter der Brust reparieren? Braucht man eine neue Herzklappe? Ich habe Angst vor einer großen Herz-OP, weil ich allein lebe, mein Mann ist vor einigen Jahren gestorben. Bei einer großen Herz-OP dauert der Gesundungsprozess sicher länger? Ich habe keine Ahnung, was heutzutage besser ist. (Johanna H., Kitzingen)

Experten-Antwort:

Bei Ihnen ist ein Sehnenfadenabriss an der Mitralklappe nachgewiesen worden. Darüber hinaus ist dem Arztbrief der Universitätsklinik zu entnehmen, dass die Schlussunfähigkeit der Mitralklappe bereits sehr hochgradig ist (Grad 3) und dass bereits Mitralklappenringverkalkungen bestehen.

Aufgrund der umfangreichen Untersuchungen ist es richtig, dass man Ihnen zu einem operativen Eingriff geraten hat. Ein solcher Eingriff ist aus vielen Gründen notwendig, u. a. um zu verhindern, dass in der Folge Vorhofflimmern eintritt. Auch wird die Blutüberflutung der Lungen immer weiter zunehmen, und irgendwann kommt der Zeitpunkt, dass einzelne dieser Folgen der undichten Mitralklappe (wie z. B. Vorhofflimmern) nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Schlüsselloch-Technik mit guten Ergebnissen

Heute kann man Mitralklappenoperationen sehr gut in minimalinvasiver Technik durchführen lassen. Bei dieser Schlüsselloch-Technik ist nur ein 5–7 cm langer Schnitt zwischen den Rippen nötig. Die Rippen werden gespreizt. Die Ergebnisse dieser Schlüsselloch-Technik sind ebenso gut wie bei der Durchtrennung des Brustbeins. Bei Frauen ist die Narbe so klein, dass sie unter der Brust kaum sichtbar ist.

Dabei wird man immer versuchen, die Klappe zu reparieren, statt sie zu ersetzen. Und sollte Ihre Klappe (z. B. aufgrund der Verkalkungen) doch nicht mehr reparabel sein, ist mit dem Einsetzen einer biologischen Klappe ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis zu erreichen.

Nach Herz-OP: Heute schnelle Erholung

Der Gesundungsprozess ist heutzutage bei herzchirurgischen Eingriffen relativ kurz, d. h. bei Ihnen schätze ich, dass Sie vielleicht einen Tag, maximal zwei Tage auf der Intensivstation verbringen werden und bereits 8–10 Tage nach der Operation wieder so fit sind, dass Sie entweder in die Reha gehen können oder sogar gleich nach Hause. Das alles hängt natürlich von Ihrem Allgemeinzustand ab, den ich auf schriftlichem Weg schlecht beurteilen kann.

Experte

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Friedhelm Beyersdorf
Portrait von Prof. Friedhelm Beyersdorf

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3 Kommentare

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Ursula B. Schweinfurt

Hatte 2011 einen Sehnenfadenabriss in der Mitralklappe würde minimalinvasiv operiert ich wurde als Notfall wegen Wasser in der Lunge in die Klinik eingewiesen. Heute geht es mir besser denn je. Diese OP wurde in der Torax Universitätsklinik durchgeführt.

Heinz-Wilhelm V. Tönisvorst

Sehr gut erklärt, habe jetzt etwas weniger Angst.

Fred M. Pontal do parama

Ich erhielt in Brasilien eine neue Herzklappe vom Schwein. Die OP erfolgte am offenen Herzen. Nach einem Jahr verschlechterte sich mein Zustand und bei der Untersuchung wurde festgestellt dass die neue Klappe nicht richtig schliesst. Es wird zu einer erneuten op geraten. Meine Frage nach der Möglichkeit einer schonenderen Methode wurde verneint. Nun bin ich noch am zögern.