Sprechstundenfrage

Plötzlich schneller Puls: „Muss ich mir Sorgen machen?“

Wenn aus dem Nichts heraus die Herzfrequenz in die Höhe geht, kann sich das sehr beängstigend anfühlen. Und manchmal steckt auch tatsächlich eine Herzkrankheit dahinter, was man zeitnah abklären lassen sollte. In bestimmten Fällen muss bei Herzrasen zudem direkt die Notrufnummer 112 gewählt werden, wie die folgende Experten-Antwort aus der Herzstiftungs-Sprechstunde unterstreicht.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Mehrmals hatte ich nachts eine hohe Pulsfrequenz verbunden mit häufigem Wasserlassen (in Minutenabständen). Folgende Blutdruckwerte habe ich dabei gemessen:

0:30 Uhr: 157/75 mmHg, Puls 123

1:00 Uhr: 175/86 mmHg, Puls 128

Was könnte die Ursache sein? Muss ich mir deshalb Sorgen machen? (Gesine C., Jena)

Experten-Antwort:

Ein schneller Puls ist eine völlig normale Körperreaktion, wenn dies z. B. unter körperlicher Belastung auftritt oder bei Aufregung bzw. in Angst-Situationen. Kommt es dagegen ohne ersichtlichen Grund zu Herzrasen, sollte unbedingt eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Geklärt werden muss insbesondere, ob hinter dem schnellen Puls eine ernstzunehmende Herzrhythmusstörung wie etwa Vorhofflimmern steckt, was auf keinen Fall übersehen werden darf. Denn Vorhofflimmern kann den Blutfluss im Herz massiv stören und dadurch Blutgerinnsel entstehen lassen, die im Laufe der Zeit mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen. Kommt es dort zur Verstopfung von Blutgefäßen, droht in einzelnen Gehirnarealen ein Mangel an sauerstoffreichem Blut, der zum Absterben von Hirngewebe und damit zu einem Schlaganfall führen kann.

Deshalb gilt: Herzrasen, das nicht auf körperliche Belastung, Angst oder Aufregung zurückzuführen ist, sollte man möglichst schnell abklären lassen. Wie Sie im Einzelfall genau vorgehen müssen, hängt von den Begleitumständen ab. Treten z. B. gleichzeitig im Brustbereich Warnsignale auf wie etwa Schmerzen, ein starker Druck oder ein brennendes Gefühl, ist umgehend die Notrufnummer 112 zu wählen. Denn solche Beschwerden können auf eine gefährliche Unterversorgung des Herzmuskels mit sauerstoffreichem Blut hinweisen und in einen Herzinfarkt münden (s. auch Herzinfarkt-Alarmzeichen). Ähnliches gilt für Herzrasen, das zusammen mit plötzlicher Atemnot oder deutlichen Schwindel-Beschwerden bzw. Bewusstseinsstörungen auftritt, was auf ein gefährliches Nachlassen der Pumpfunktion des Herzmuskels hindeuten kann und daher ebenfalls das Wählen der 112 erfordert.

Tritt ungeklärtes Herzrasen dagegen alleine auf, also ohne begleitende Alarmzeichen, steht vor allem die sofortige Anfertigung eines EKGs im Vordergrund und zwar unbedingt solange das Herzrasen noch anhält. Denn nur dann lässt sich im EKG sehen, ob Vorhofflimmern dahintersteckt. Ist das Herzrasen wieder vorbei, kann dazu mit dem EKG rückwirkend keine Aussage mehr gemacht werden. Die dringende Empfehlung lautet daher, die nächste erreichbare Möglichkeit zur Aufzeichnung eines EKGs zu nutzen, wofür Sie sich ohne Zeitverlust am besten in die Praxis Ihrer betreuenden Ärztin oder Ihres betreuenden Arztes begeben. Ist dies nicht möglich, lässt sich auch eine fremde in der Nähe befindliche Praxis für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin aufsuchen, wo man um ein umgehendes EKG bittet. Am Wochenende oder nachts sind zudem Notfallambulanzen oder Aufnahmestationen von Krankenhäusern eine gute Empfehlung. An all diesen Stellen ist es völlig normal, dass kurzfristig ein EKG bei Patienten gemacht wird, die dort vorher nicht in Behandlung waren und wozu ich Betroffene nur ermutigen kann, um die Chance für die Ursachen-Klärung nicht verstreichen zu lassen, was leider viel zu oft der Fall ist.

Gute Schutzmöglichkeiten bei Vorhofflimmern

Sollte sich Vorhofflimmern als Ursache des Herzrasens herausstellen, kann man sich mit gerinnungshemmenden Medikamenten erfreulicherweise meist sehr gut vor der Gerinnselbildung im Herz und der nachfolgenden Schlaganfall-Gefahr schützen. In Frage kommen dafür z. B. Marcumar, Falithrom oder einer der neueren Gerinnungshemmer wie etwa Eliquis, Lixiana, Pradaxa oder Xarelto.

Zusatz-Information: Der in der Sprechstunden-Frage geschilderte Harndrang ist bei Vorhofflimmern keine Seltenheit. Denn Vorhofflimmern kann im Herz zu einer verstärkten Dehnung der Vorhöfe führen, was für den Körper normalerweise ein Zeichen ist, dass sich zu viel Flüssigkeit im Blutkreislauf befindet. Der Körper versucht dann verstärkt Flüssigkeit auszuscheiden, u. a. indem die Herzwände vermehrt das Hormon ANP in den Blutstrom abgeben, das die Harnbildung in den Nieren anregt.

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8 Kommentare

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M. W.

Vielen Dank für das bereitstellen der Informationen. Hatte bisher nur einmal ohne Sport einen hohen Puls von 159 gemäß Pulsuhr für 1 Std. Normal Ruhepuls 53 während der letzten 12 Monate. Habe das nur bemerkt weil die Uhr bei abnormalem Puls Alarm gibt.

Anonymer Gast

Ich habe genau die im Beitrag erwähnte Erfahrung mit Herzrasen gemacht. Mir wurden auch genau die gleichen Medikamente verordnet. Das hat auf jeden Fall dazu geführt, dass ich jetzt nicht mehr bei jedem schnelleren Herzschlag in Panik gerate, sondern mich Dank Bisoprolol, Candesartan und Eliquis als abgesichert empfinde.

Hans Georg R.

Bin Mitglied der Herzstiftung und sehr zufrieden.

B. Salzgitter Lebenstedt

Danke jetzt weiß ich was ich zutun habe. Danke für die verschiedenen Informationen.

Silvia K. Koblenz

Vielen Dank für diese guten Informationen! Meine Mutter 93 jährig hat ab heute morgen steigende Pulswert

S. Berlin

Ich hatte auch schon schnellen Puls, allerdings unter Einnahme von Blutdruck Tablette, was aber selten ist. Daher fand ich den Beitrag interessant.

Jürgen B.

Diese Information hat mich um einiges schlauer gemacht.

Waltraud W. Leipzig

Die Hinweise waren sehr gut. Ich habe einen Puls von 140? Wobei der Blutdruck 112/80 ist. Ich bin 70 Jahre/weiblich und fühle mich normal wohl. Ich nehme sei kurzem täglich Luciana Blutverdünner ein.