Sprechstundenfrage

Kann das Elektroauto meinen Eventrekorder/Herzschritt-Macher beeinflussen?

E-Autos sind im Trend. Die Frage, ob die von ihnen erzeugten elektromagnetischen Felder einen Einfluss auf Schrittmacher haben können, ist berechtigt.

E-Auto in Ladesäule
Mihajlo Maricic

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Wir haben uns im Sommer einen Wagen mit E-Antrieb zugelegt, mit dem wir die meisten Kurzstrecken jetzt elektrisch zurücklegen können. Wenig später wurde es bei mir notwendig, einen Eventrekorder zu implantieren. Im Bedienungshandbuch unseres Wagens fand ich den Hinweis, dass Einflüsse auf den Herzschrittmacher nicht auszuschließen seien. Ein Eventrekorder ist kein Schrittmacher, ich weiß, – dennoch: Wie sieht es mit der elektromagnetischen Verträglichkeit aus? Und wie verhält es sich mit Induktionskochfeldern? (Marianne B., Köln)

Experten-Antwort:

Vielen Dank für Ihre aktuelle Sprechstundenfrage. Ich kann Sie beruhigen. Elektrofahrzeuge sind für Patienten mit Herzschrittmacher unproblematisch. Dies trifft umso mehr auf Eventrekorder zu, die eine rein diagnostische Funktion haben. Eine Interferenz würde allenfalls gespeichert werden und ist beim Auslesen als solche zu erkennen. Bei Induktionsherden sollten sich Patienten mit Herzschrittmacher nicht über die eingeschalteten Platten beugen. Ansonsten sind sie kein Problem, auch im Falle des Eventrekorders nicht.

Forschungsförderung: Elektrofahrzeuge – eine Gefahr für Herzschrittmacher- und Defiträger?

Weil die Verbreitung von Elektroautos und damit deren Nutzung auch durch Herzpatienten zunehmen dürfte, hat der Kardiologe Dr. med. Carsten Lennerz, Oberarzt am Deutschen Herzzentrum München (DHM), eine Untersuchung durchgeführt, die klären soll, ob für Schrittmacher- und Defiträger bedenkliche Störeinflüsse von Elektroautos ausgehen, sowohl beim Fahren des Autos als beim Aufladen. Die Arbeit wurde mit dem renommierten August Wilhelm und Lieselotte Becht-Forschungspreis der von der Herzstiftung gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF) in Höhe von 15.000 Euro ausgezeichnet. „Für Ärzte und für Tausende Herzpatienten, die zukünftig immer mehr privat und beruflich Elektroautos nutzen werden, sind die Erkenntnisse dieser Arbeit wichtig. Erst belastbare Daten ermöglichen es Ärzten, Empfehlungen an ihre Patienten in diesem Bereich zu geben und ihnen unnötige Ängste zu nehmen“, betont der Herzchirurg und ehemalige Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der DSHF, Prof. Dr. med. Hellmut Oelert. Die Studie wurde 2018 publiziert.  „Unsere Untersuchungen ergaben keinen Hinweis darauf, dass von den Elektroautos für Herzpatienten bedenkliche elektromagnetische Interferenzen ausgehen, die die implantierten elektrischen Herzgeräte in ihrer Funktion stören könnten. Fehlfunktionen der Herzimplantate aufgrund der Nutzung von Elektroautos sind somit unwahrscheinlich“, fasste Dr. Lennerz zusammen. Eine dauerhafte Entwarnung sei allerdings nicht möglich: „Elektroautos entwickeln sich in Bauweise und Ladetechnik rapide weiter, was zukünftig neue Untersuchungen erforderlich macht.“ Mehr erfahren.

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Prof. Dr. med. Bernd Nowak
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  3. Lesen Sie hier, worauf Sie bei Reisen in wärmere Länder achten sollten.

    Bernd Nowak

    Prof. Dr. med.

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