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Impfung gegen Covid-19: Fragen und Antworten

Warum man sich als Herzpatient gegen Covid-19 impfen lassen sollte.

Erstellt: 19.04.2021

Frau bekommt die Corona-Impfung
francescoridolfi.com

Mit den Impfungen gegen Covid-19 – der von dem neuartigen Coronavirus (Sars-CoV-2) hervorgerufenen Infektionskrankheit – wurde Ende Dezember 2020 begonnen. Eine Impfung gegen Covid-19 trägt sowohl zum individuellen Schutz als auch zur Eindämmung der Pandemie bei. Welche Impfstoffe derzeit zur Verfügung stehen, wie sicher sie sind und was Patienten mit Herzerkrankungen beachten müssen, beantwortet Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Die Deutsche Herzstiftung folgt den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut.

Fragen zu Gerinnungshemmern:

Ist eine Covid-19-Impfung unter Einnahme von Gerinnungshemmern wie Phenprocoumon (Marcumar, Falithrom) möglich?

Auch Patienten die aufgrund von Herzerkrankungen Blutverdünner wie den alten Gerinnungshemmer Phenprocoumon (Marcumar, Falithrom) einnehmen müssen, können gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Impfung muss allerdings intramuskulär erfolgen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt in diesen Fällen die Verwendung einer möglichst feinen Kanüle. Im Anschluss an die Impfung sollten Patienten die Einstichstelle etwa 5 Minuten komprimieren. Experten raten für Menschen mit Gerinnungshemmung vorsichtshalber zu einer längeren Nachbeobachtungszeiten von 15 bis 30 Minuten.

Wie hoch sollte der INR-Wert am Tag der Corona-Impfung sein?

Am Tag der Injektion sollten Patienten, die z. B. wegen einer künstlichen Herzklappe dauerhaft Marcumar/Falithrom einnehmen, darauf achten, dass der INR-Wert in die Größenordnung von etwa 2 liegt, d.h. etwas unter dem therapeutischen Bereich. Das minimiert das Risiko einer intramuskulären Blutung. Im Anschluss kann die Wiedereinstellung auf den therapeutischen INR-Bereich erfolgen. Schon am Tag der Impfung kann die normale Dosis von Marcumar wieder eingenommen werden.

Soll ich für die Covid-19-Impfung meinen Gerinnungshemmer absetzen und/oder mir als Ersatz Heparin spritzen?

Auf keinen Fall darf man für die Covid-19-Impfung den Gerinnungshemmer eigenmächtig absetzen. Ein Ersatz durch Heparin ist weder sinnvoll noch notwendig. Halten Sie unbedingt Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt, inwieweit der INR-abgesenkt werden kann. Gute Erfahrungen hat man gemacht, wenn man am Tag der Impfung den INR-Wert auf etwa 2 absinken lässt.

Neue direkte orale Gerinnungshemmer (DOAKs/NOAKs): Ist eine Corona-Impfung unter Eliquis möglich?

Das Risiko für Blutung ist bei den neuen direkten oralen Gerinnungshemmern (kurz DOAKs/NOAKs): Nicht-Vitamin-K-basierte orale Antikoagulanzien), zu denen auch z.B. Eliquis gehört, gering. Somit stellen die Blutverdünner keine Kontraindikation gegen die Corona-Impfung dar. Auch hier sollten man jedoch die Empfehlung des RKI beachten und die Impfung mit einer möglichst dünnen Kanüle durchführen. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Kardiologen, ob eine Dosis von Eliquis am Morgen des Impftages ausgelassen werden soll.

Zur Behandlung meiner Herzkrankheit nehme ich ASPIRIN 100mg ein. Kann ich gegen Covid-19 geimpft werden?

Die Corona-Impfung ist uneingeschränkt bei gleichzeitiger Therapie mit Aspirin 100 mg möglich. Gerade Herzpatienten sollten sich mit einem der zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19 impfen lassen, da Sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, wenn Sie sich mit dem Coronavirus infizieren.

In unseren Impfzentren werden Nadeln mit dem Durchmesser 0,6 mm verwendet. Kann ich als Marcumar-Patient diese Größe akzeptieren oder soll ich auf eine sog. “feinere Nadel” bestehen? Wie lange sollte eine Kompression erfolgen?

Eine Nadelgröße von 0,6 mm können Sie für die Corona-Impfung akzeptieren. Bislang sind mit dieser Technik, soweit bekannt, keine größeren Blutungen im Muskel erzeugt worden. Zwar gibt es auch feinere Nadeln, diese sind aber meist kürzer, so dass ggf. die Muskulatur nicht erreicht wird. Ob Sie zwei oder fünf Minuten komprimieren, ist Ermessenssache.

Auf Grund Ihrer letzten Information zur Impfung gegen Covid-19 habe ich gestern in dem Impfzentrum, auf die Injektion mit einer "sehr feiner Injektionskanüle" hingewiesen. Hier wurde jedoch nicht weiter drauf eingegangen. Was soll ich tun?

In aller Regel werden für die intramuskuläre Injektion des Impfstoffs schon sehr feine Injektionskanülen verwandt. Insofern braucht man dann bei einer Impfung von Patienten, die mit Antikoagulanzien behandelt werden, nicht auf noch feinere Kanülen zurückgreifen. Auch bei den Impfungen, bei denen ich anwesend war, wurden für die Patienten, die mit Antikoagulanzien behandelt wurden, die gleichen Kanülen verwandt, wie bei den übrigen Patienten. Der Grund hierfür: Schon für die nicht antikoagulierten Patienten wurden die dünnst möglichen Kanülen verwandt. Insofern liegt da kein Informationsdefizit seitens des Impfzentrums vor. Bislang habe ich auch noch nicht von irgendwelchen Blutungskomplikationen oder größeren Blutergüssen bei der Covid-19-Impfung gehört. Auch nicht bei Patienten, die unter einer Antikoagulation standen.

Die von der Herzstiftung genannten Vorsichtsmaßnahmen bei der Corona-Impfung für Patienten, die regelmäßig Blutverdünner einnehmen (dünne Kanüle, längerer Pressdruck auf der Impfstelle) müsste doch auch für andere intramuskuläre Impfungen gelten, oder?

Welche Kanülen für eine intramuskuläre Impfung verwandt werden, richtet sich u.a. auch nach der Konsistenz und Zusammensetzung des Mittels, das injiziert werden soll. Bei wässrigen Lösungen ist das kein Problem, vielfach müssen jedoch auch dickflüssige Lösungen injiziert werden. Dies gelingt besser mit größerlumigen Kanülen. Die Impfung gegen Influenza erfolgt nicht intramuskulär, sondern subkutan mit dünnen Kanülen.

Fragen zum AstraZeneca-Impfstoff

Bild von Astrazeneca-Impfstoff
Wolfgang Filser
Die Deutsche Herzstiftung gibt einen Überblick zur derzeitigen Faktenlage und informiert, worauf Herzpatienten besonders achten sollten.

Fragen zu Herzerkrankungen:

Hat die Impfung Nebenwirkungen für Patienten mit Herzinfarkt und Stent?

Für Patienten mit Herzinfarkt und Stent sind durch die Corona-Impfung keine Nachteile oder Nebenwirkungen zu erwarten. Natürlich sollte man die Impfung nicht während der akuten Phase eines Herzinfarktes (d.h. innerhalb der ersten 8 Tage) vornehmen.

Kann ich mich trotz koronarer Herzerkrankung gegen Covid-19 impfen lassen und wenn ja, mit welchem Immunserum?

Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen sollten sich mit einem der zugelassenen Impfstoffe gegen Corona impfen lassen. Diese Patientengruppen haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, wenn sie sich mit dem Coronavirus infizieren.

Ist eine Corona-Impfung trotz Herzrhythmusstörung möglich?

Herzrhythmusstörungen stellen keinen Gegengrund gegen eine Corona-Impfung dar. Für Patienten mit einer Herzkrankheit ist die Impfung angesichts der Gefährlichkeit von Covid-19 besonders sinnvoll.

Ich nehme zur Blutdrucksenkung Medikamente ein, kann ich mich gegen Covid-19-impfen lassen?

Bei chronisch kranken Menschen ist die Gefahr, an einer Covid-19-Erkrankung zu versterben, deutlich höher als bei jüngeren Menschen bzw. nicht chronisch kranken Personen. Patienten mit Bluthochdruck sollten sich daher gegen die Covid-19-Infektion impfen lassen. Wichtig ist, dass der Bluthochdruck gut eingestellt ist. Setzen Sie die Blutdruckmedikamente daher auf keinen Fall eigenmächtig ab.

Ist eine Impfung gegen Covid-19-Impfung auch bei Herztransplantierten mit Immunsuppression möglich und auch empfehlenswert? Gibt es schon Studien, welcher Impfstoff an Transplantierte „verimpft“ werden sollte?

Die Corona-Impfung ist bei Patienten mit transplantiertem Herz nicht nur möglich, sondern unbedingt auch empfehlenswert. Es scheint auch unter immunsuppressiver Therapie zu einer entsprechenden Antikörperbildung zu kommen. In welchem Ausmaß und wie lange diese anhält, wird noch wissenschaftlich untersucht. In Deutschland wird zurzeit mit Unterstützung der Deutschen Herzstiftung eine große wissenschaftliche Untersuchung zu diesem Thema durchgeführt. Beteiligt sind nahezu alle transplantierenden Herzzentren. Führendes Zentrum ist das Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen. Nach jetzigem Kenntnisstand ist keiner der zur Verfügung stehenden Impfstoffe zu bevorzugen.

Ist eine Corona-Impfung trotz implantiertem Defibrillator möglich?

Ja, die Corona-Impfung ist auch für Träger eines implantierbaren Defibrillators möglich. Sie können sich ohne weiteres gegen Covid-19 impfen lassen.

Mein Herz wurde wegen Vorhofflimmern mit einer Katheter-Ablation behandelt. Kann ich mich gegen Corona impfen lassen?

Sie können sich ohne weiteres gegen Corona impfen lassen. Wenn Sie geimpft sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an Covid-19 erkranken, sehr viel geringer.  

Meine Mutter ist 90 Jahre alt und hat eine bestehende Herzinsuffizienz. Würden Sie trotz des hohen Alters und potenziellen Nebenwirkungen die Corona-Impfung empfehlen?

Die Covid-19 Impfung hat keine negativen Auswirkungen bei einer Herzinsuffizienz. Im Gegenteil, Patienten im hohen Alter können von einer Covid-19-Impfung nur profitieren. So weiß man, dass Patienten mit 90 Jahren und einer Herzinsuffizienz, die sich mit Covid-19 infizieren, ein sehr hohes Risiko haben, eine lebensbedrohliche Infektion mit möglicher Todesfolge durchzumachen.

 

Fragen zu Herzklappenersatz:

Ist eine Corona-Impfung trotz biologischer oder mechanischer Herzklappe möglich?

Patienten mit einer biologischen Herzklappe können sich ohne Probleme und ohne ärztliche Voruntersuchung gegen Corona impfen lassen. Bei der Impfung ist zu beachten, was auch bei der Impfung von Herzgesunden wichtig ist.

Patienten mit einer mechanischen Herzklappe (Metall), die lebenslang die Einnahme eines Blutverdünners (Marcumar) zur Thromboseprophylaxe erfordern, können sich ohne Probleme impfen lassen. Da die Impfung allerdings intramuskulär erfolgt, empfiehlt das RKI in diesen Fällen die Verwendung einer möglichst feinen Kanüle. Im Anschluss an die Impfung sollten Patienten die Einstichstelle etwa 5 Minuten komprimieren. Experten raten für Menschen mit Gerinnungshemmung vorsichtshalber zu einer längeren Nachbeobachtungszeit von 15 bis 30 Minuten.

Mit über 80 Jahren eine Herzklappe, die eigentlich ersetzt werden müsste, und ein Herzschrittmacher: Ist unter diesen Umständen eine Impfung gegen Covid-19 möglich?

Eine nicht intakte Herzklappe, die eigentlich ersetzt werden müsste, stellt keinesfalls einen Gegengrund gegen die Corona-Impfung dar. Ebenfalls nicht der implantierte Herzschrittmacher.

Muss ich für die Corona-Impfung eine Endokarditisprophylaxe vornehmen?

Bei Patienten mit einer künstlichen Herzklappe ist in der Regel keine Endokarditisprophylaxe notwendig. Auch hier gilt jedoch, sprechen Sie vorab mit Ihrem behandelnden Arzt.

Fragen zu FFP2-Masken

Beim Einkaufen oder im Nahverkehr müssen ab sofort FFP2-Masken oder leichtere medizinische (chirurgische/“OP“-) Masken getragen werden. Was raten Sie Herzpatienten, auch für Bus- und Bahnfahrten?

Auch wenn das Ein- und Ausatmen mit den FFP2-Masken gerade für bestimmte Personengruppen anstrengender ist, spricht auch für Patienten mit einer Herzerkrankung grundsätzlich nichts gegen das Tragen einer FFP2-Maske – auch weil es in der Regel im Alltag nicht zum stundenlangen Tragen einer FFP2-Maske kommt. Gerade bei kurzen Einsätzen der Maske wie beim Einkaufen oder einer 30-minütigen Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wo es leicht zur Unterschreitung von Abständen kommen kann, ist das Tragen einer FFP2-Maske auch für Herzpatienten tolerabel. Wer sich als Herzpatient aus subjektivem Empfinden außer Stande fühlt, solch eine FFP2-Atemschutzmaske zu tragen, kann auf eine leichtere chirurgische (OP-) Maske ausweichen. Für die Bus- oder Bahnfahrt kann man, wenn nötig zwischen beiden Masken wechseln. Bei längeren Fahrten könnten Sie im Zug die OP-Maske tragen und beim Ein- und Aussteigen und an Bahnhöfen, wo es zu einer schnelleren Unterschreitung von Abständen kommen kann, die FFP2-Schutzmaske.

In den Medien und vom RKI gibt es unterschiedliche Aussagen zum Tragen von FFP2-Masken für bestimmte Risikogruppen. Können Sie mich aufklären?

Sicherlich hat zu Irritationen im Zusammenhang mit dem Tragen von FFP2-Masken eine Formulierung auf der Seite des RKI geführt. Dort steht unter den Maßnahmen zum Infektionsschutz: Beim Einsatz von FFP2-Masken bei Personen mit z.B. eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen sind negative gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen. (Stand 25.1.2021). Dies führt auch in den Medien zur Fehlinterpretation, FFP2-Atemschutzmasken seien möglicherweise eine Gefahr für die Gesundheit. Hier möchte die Herzstiftung nochmals drauf hinweisen, dass das RKI keine explizite Warnung vor dem Tragen der Masken ausgesprochen hat. Zu dieser Aussage kommt es nur, weil es bislang keine systematischen Untersuchungen außerhalb des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz gibt. Dies betont der RKI auch in den Hinweisen.

Weitere Fragen:

Ist eine Covid-19-Impfung trotz starker Allergien möglich?

Patienten mit "normalen Allergien" können ohne weiteres geimpft werden. Hierzu zählen zum Beispiel Allergien gegen Hausstaub, Medikamente oder Kontaktallergien. Polyallergiker dagegen, sollten vorher unbedingt mit dem behandelnden Facharzt sprechen. Nicht geimpft werden sollten die Patienten, die schon einmal im Rahmen einer allergischen Reaktion einen anaphylaktischen Schock gehabt haben. Diese Situation ist lebensbedrohlich. Besteht bei Ihnen der Verdacht auf einen durchgemachten anaphylaktischen Schock, sollten Sie unbedingt vor einer möglichen Impfung einen Hausarzt bzw. Facharzt konsultieren.

Kann ich mich trotz Kontrastmittel-Allergie und überstandenem Allergieschock gegen das Coronavirus impfen lassen?

Wenn Sie bereits einen Allergieschock hatten, müssen Sie vor einer möglichen Covid-19 Impfung mit Ihrem Hausarzt Rücksprache halten. Auf keinen Fall darf man ohne weiteres eine Covid-19 Impfung bei Ihnen vornehmen. Hier sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt bzw. Impfarzt besprechen, ob eine entsprechende Vorbehandlung durchgeführt werden muss.

Ich leide an familiärer Hypercholesterinämie. Kann ich mich trotz meiner Medikamente gegen Covid-19 impfen lassen?

Die von Ihnen wegen Ihrer Hypercholesterinämie eingenommenen Medikamente (Statine, Aspirin-Cardio und Ezetrol) sind kein Hindernis für die Corona-Impfung. Wechselwirkungen mit dem Impfstoff sind nicht zu erwarten. Die Hypercholesterinämie selbst ist auch kein Risikofaktor für die Covid-19-Infektion. Da jedoch mögliche Folgekrankheiten, die durch die Hypercholesterinämie entstehen können, durchaus ein Risikofaktor für einen schwereren Verlauf einer Covid-19-Infektion sind, spricht alles für eine Impfung.

Allgemeine Fragen zur Covid-19-Impfung

Derzeit in Europa zugelassen ist der Impfstoff BNT162b2 (Handelsname: Comirnaty), eine Entwicklung der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer, und die Covid-19-Vakzine (mRNA-1273) des amerikanischen Unternehmens Moderna. Bei beiden handelt es sich um sogenannte mRNA-Impfstoffe. Ende Januar folgte die Zulassung des Covid-19-Impfstoffs (AZD1222) des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astra Zeneca und der Universität Oxford. Dabei handelt es sich um einen Vektorimpfstoff.

Laut Weltgesundheitsorganisation sind derzeit über 200 Impfstoffprojekte mit verschiedenen Wirkweisen in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung. In den kommenden Monaten werden voraussichtlich mehrere Impfstoff-Typen verfügbar sein.

Das Prinzip aller Impfstoffkandidaten ist es, der körpereigenen Abwehr Bauteile des Coronavirus zu präsentieren, damit der Körper eine Immunität gegen den Erreger aufbauen kann. Die Wissenschaftler folgen dabei derzeit im wesentlichen zwei Entwicklungslinien: mRNA-Impfstoffe nutzen eine bestimmte Nukleinsäure (Boten-Ribonukleinsäure, englisch messenger RNA, kurz mRNA) als Informationsübermittlerin; für Vektorimpfstoffe werden Proteine oder das Erbmaterial des Coronavirus in Viren (Vektoren) verpackt, die für Menschen harmlos sind.

Grundlage der mRNA-Impfstoffe ist die sogenannte Boten-Ribonukleinsäure (mRNA), die Abschrift des Gens, das im Erbgut der Coronaviren die Bauanleitung für die sogenannten Spike-Proteine trägt. Die Spikes („Stacheln“) befinden sich auf der Oberfläche der Viren, mit ihnen docken sie an menschliche Zellen an und dringen in sie ein. Im Innern der Zellen missbrauchen die Viren die zelleigenen Protein-Produktionsstätten, um sich zu vermehren.

Zur Herstellung des Impfstoffs wird die mRNA mit der Bauanleitung für die Stachelproteine im Labor vervielfältigt und in kleine Fettkügelchen (Lipidnanopartikel) verpackt, die das empfindliche Botenmolekül vor einem vorzeitigen Abbau im menschlichen Körper schützen. Diese Partikel werden, in Flüssigkeit aufgelöst, für die Impfung verwendet.

Im menschlichen Körper stellen Zellen nach den Instruktionen des Botenmoleküls virale Spike-Proteine her. Sie werden vom Immunsystems als fremd erkannt. Die körpereigene Abwehr reagiert darauf unter anderem mit der Produktion von Antikörpern, die gezielt gegen das Virus vorgehen und langfristig ein Immungedächtnis aufbauen. Die zur Impfung verwendete mRNA wird in den Körperzellen nach kurzer Zeit abgebaut.

Hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit werden die beiden mRNA-Impfstoffe als gleichwertig beurteilt: Die Studien belegen eine Impfeffektivität von 95 Prozent. Da bislang noch kein mRNA-Impfstoff zugelassen worden ist, ist über die langfristige Sicherheit nichts bekannt; die zuständigen Behörden begleiten die Impfungen laufend weiter. Negative Langzeitwirkungen sind nach Expertenmeinung nicht zu erwarten.

 

Bei dieser Art von Impfstoffen handelt es sich um eine weitere Methode, mit der Informationen, die das Immunsystem braucht, um einen wirksamen Immunschutz aufzubauen, in menschliche Zellen transportiert werden können. Als Fähren dienen Viren („Vektoren“), die für den Menschen ungefährlich sind. Vektorimpfstoffe gibt es bereits, sie werden etwa gegen das Ebola- und Gelbfiebervirus eingesetzt.

Zumeist werden Adenoviren als Transporteure benutzt, Erkältungsviren , die gentechnisch verändert sind und beim Menschen keine Erkrankung auslösen. Die Transportviren schleusen die genetische Information für das Spike-Oberflächenprotein des Coronavirus in einige menschliche Körperzellen ein. Darauf reagiert das Immunsystem mit der Produktion von Abwehrstoffen und -zellen.

Der Ende Januar zugelassene Vektorimpfstoff der Firma Astra Zeneca (ChAdOx1-S) besteht aus Adenoviren, in die das Gen für das virale Spike-Protein eingeschlossen ist. Das zugrundeliegende Adenovirus – ein aus Schimpansen isoliertes Erkältungsvirus – wurde gentechnisch so verändert, dass es beim Menschen keine Erkrankung auslösen kann. Im menschlichen Körper soll der Vektorimpfstoff die Bildung von Antikörpern und von T-Zellen fördern – beides ist für die Immunabwehr wichtig. Nach den derzeitigen Daten ist der Impfstoff etwas weniger wirksam als die neuartigen mRNA-Impfstoffe. Das Robert Koch-Institut spricht von einer Impfeffektivität von circa 70 Prozent.

Ein weiterer Vektorimpfstoff ist Gam-Covid-Vac, besser bekannt als „Sputnik V“, eine Entwicklung des Gamaleja-Instituts für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau. Nach der jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Zwischenanalyse der Phase-3-Studie mit rund 20 000 Freiwilligen hat der Impfstoff eine Schutzwirkung von 91,6 Prozent, schwere Erkrankungen wurden verhindert, Sicherheitsprobleme sind der Studie nach nicht aufgetreten. Im Unterschied zum Vektorimpfstoff von Astra Zeneca, der für beide Impfdosen dasselbe Adenovirus als Gentransporteur nutzt, wird für Sputnik V bei der ersten Dosis das Adenovirus 26 und für die zweite Dosis das Adenovirus 5 als Genfähre verwendet. Darauf führen Experten die breitere Abwehrreaktion des Immunsystem zurück.

Die Impfstoffe werden in die Muskulatur des Oberarms injiziert. Eine zweite Dosis ist für den Impfschutz erforderlich. Eine begonnenen Impfserie soll nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (Stiko) mit dem gleichen Impfstoff abgeschlossen werden.

Grundsätzlich gilt: Bei Impfstoffen und Medikamenten gibt es keine absolute Sicherheit. Die bisherigen Studien konnten auch noch nicht alle Fragen zu den neuen Impfstoffen gegen Covid-19 klären. Laut Risikoabschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde sind bei der Verabreichung der mRNA-Impfstoffe moderate Nebenwirkungen aufgetreten, wie sie auch von anderen Impfstoffen bekannt sind, etwa Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber. In vereinzelten Fällen kam es zu allergischen Reaktionen. Der nunmehr auch in Europa zugelassene Vektor-Impfstoff von AstraZeneca ist laut Robert Koch-Institut in Bezug auf die Sicherheit mit den mRNA-Impfstoffen vergleichbar. Stärkere, aber harmlose Impfreaktionen, wie sie von dem AstraZeneca-Impfstoff berichtet wurden und auch bei den mRNA-Impfstoffen vorkommen können, scheinen bei jüngeren Menschen eher aufzutreten als bei Älteren. Diese Impfreaktionen sind lästig, ähneln denen anderer Virusimpfungen und können „insgesamt als Grippe-ähnliche Beschwerden zusammengefasst“ (Paul-Ehrlich-Institut) werden. Die Ablehnung einer angebotenen Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff ist in Anbetracht der gut dokumentierten Wirksamkeit unbegründet und unvernünftig. Auch bei diesem Impfstoff überwiegt der Nutzen bei weitem das Risiko. Für Herzpatienten sind alle drei derzeit zugelassenen Impfstoff-Präparate gleich gut. Dies gilt sowohl für Patienten nach Herzinfarkt, mit implantierten Herzklappen als auch Schrittmachern und ICD/CRT Geräten.

Die bisherigen Studien erlauben keine abschließenden Aussagen dazu, wie lange der Impfschutz bestehen bleibt. Offen ist auch, ob der Impfstoff nicht nur die Erkrankung (Covid-19), sondern auch die Ausbreitung des Virus unterdrücken kann. Da bislang noch kein mRNA-Impfstoff zugelassen worden ist, ist über die langfristige Sicherheit nichts bekannt; die zuständigen Behörden begleiten die Impfungen laufend weiter. Negative Langzeitwirkungen sind nach Expertenmeinung nicht zu erwarten.

Zunächst sind die Impfstoffe nur für Erwachsene vorgesehen, da sie bei Kindern und Jugendlichen noch nicht ausreichend auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht sind. Aus dem gleichen Grund wird die Anwendung der mRNA-Vakzine in der Schwangerschaft und während des Stillens derzeit nicht empfohlen.

Solange nicht ein großer Anteil der Bevölkerung geimpft ist (60 bis 70 Prozent), besteht keine Herdenimmunität. Bis es so weit ist, müssen weiterhin die allgemeinen Maßnahmen eingehalten werden, um das Ansteckungsrisiko zu senken (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, regelmäßiges Lüften). Die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen gelten auch für geimpften Personen.

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Weitere Informationen

  1. Wer sollte den Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca bekommen und wer nicht? Erfahren Sie mehr zum Impfstoff.
  2. Gerinnungshemmer kein Hindernis für Covid-19-Impfung: Schutzwirkung vor Covid-19 überwiegt Blutungsrisiko durch Injektion. Herzstiftung gibt Rat
  3. Stellungnahme zur „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 (Coronavirus-Impfverordnung - CoronaImpfV)“

Unsere Quellen:

  • European Medicines Agency (21. 12. 2020; Pressemitteilung): EMA recommends first COVID-19 vaccine for authorisation in the EU. www.ema.europa.eu/en/news/ema-recommends-first-covid-19-vaccine-authorisation-eu
  • Polack F. et al. (2020): Safety and Efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine. N Engl J Med. doi: 10.1056/NEJMoa2034577
  • Oxford COVID Vaccine Trial Group (2020): Safety and immunogenicity of ChAdOx1 nCoV-19 vaccine administered in a prime-boost regimen in young and old adults (COV002). Lancet. doi: 10.1016/S0140-6736(20)32466-1
  • Lin C. et al. (2020): RNA Vaccines for COVID-19: Five Things Every Cardiologist Should Know. JACC. doi: 10.1016/j.jacbts.2020.11.006.
  • Robert-Koch-Institut: Covid-19 und Impfen – Antworten auf häufig gestellte Fragen, www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html
  • Mitteilung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut: Beschluss der STIKO zur zweiten Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung und die dazugehörige wissenschaftliche Begründung (29. Januar 2021),www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/05_21.pdf?__blob=publicationFile
  • Logunov, D. et al. (2021): Safety and efficacy of an rAd26 and rAd5 vector-based heterologous prime-boost COVID-19 vaccine: an interim analysis of a randomised controlled phase 3 trial in Russia. Doi: 10.1016/S0140-6736(21)00234-8