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Hitze: eine wachsende Belastung für Herz und Kreislauf

US-Studie zeigt: Mit steigenden Temperaturen nehmen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfälle deutlich zu. Lesen Sie, wer besonders gefährdet ist.

Termometer was aug 40 Grad klettert
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Hitze belastet unseren Körper – und besonders das Herz-Kreislauf-System. Hohe Temperaturen können dabei den Kreislauf so stark fordern, dass bestehende Herzerkrankungen sich verschlechtern und das Risiko für Komplikationen zunimmt. Wie stark sich die zunehmende Hitzebelastung künftig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken könnte, war bislang jedoch nur begrenzt durch harte Daten belegt. Eine große Bevölkerungsstudie aus den USA liefert dazu nun wichtige Berechnungen. 

Die Forschenden werteten dabei Messdaten aus den Jahren 2010 bis 2016 aus allen Countys der USA aus. Berücksichtigt wurden unter anderem Temperaturdaten, Bevölkerungsdaten und Daten zur Herz-Kreislauf-Krankheitslast. Auf dieser Grundlage berechneten sie, wie sich die hitzebedingte Belastung bis 2030 und 2050 entwickeln könnte – je nach weiterem Verlauf der Treibhausgasemissionen. Berechnet wurden mögliche Szenarien auf Basis einer konservativen (zurückhaltenden) und einer aggressiven (realistischen) Schätzung der Klimaentwicklung. Die Hitzebelastung wurde dazu nicht nur anhand von Hitzewellen berechnet. Entscheidend war vielmehr die tägliche Durchschnittstemperatur oberhalb eines County-spezifischen theoretischen Minimum-Risiko-Temperaturwerts.

Was bedeutet „hitzebedingte Krankheitslast“?

Die Studie betrachtete nicht nur Todesfälle. Berechnet wurde auch die durch kardiovaskuläre Erkrankungen und Komplikationen beeinträchtigte Lebensqualität – typisch etwa bei Herzschwäche in Form von "verlorenen Lebensjahren". In der Fachsprache wird für die Gesamtheit der verlorenen gesunden Lebensjahre der Begriff „DALY“ verwendet, englisch für „disability-adjusted life years“. Dies ist die sogenannte Krankheitslast und gibt letztlich an, wie viele gesunde Lebensjahre durch Krankheit oder vorzeitigen Tod verloren gehen. 

Hitzebedingte Herz-Kreislauf-Krankheitslast könnte sich verdreifachen

Für den Zeitraum 2010 bis 2016 lag die hitzebedingte Herz-Kreislauf-Krankheitslast in den USA im Mittel bei 138,5 verlorenen gesunden Lebensjahren pro 100.000 Einwohnern. Der größte Teil davon entfiel auf vorzeitig verlorene Lebensjahre durch Todesfälle, weniger auf Jahre mit Krankheit und Einschränkungen. Nach den Berechnungen war etwa jeder vierzigste Verlust gesunder Lebensjahre durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Hitze zurückzuführen.

Bis 2050 könnte diese Belastung allerdings deutlich steigen. Im ersten Szenario erhöhte sich die hitzebedingte Herz-Kreislauf-Krankheitslast rechnerisch auf 277 verlorene gesunde Lebensjahre pro 100.000 Einwohner. Das entspricht ungefähr einer Verdopplung gegenüber dem Ausgangszeitraum. 

Im zweiten – als realistisch eingestuften – Emissionsszenario nahm die Belastung noch dramatischer zu: Die Autoren der Studie errechneten hier eine Krankheitslast von 418 für das Jahr 2050. Sie schätzen, dass dies zugleich mit rund 50.000 bis 70.000 zusätzlichen kardiovaskulären Todesfällen pro Jahr in den USA einhergehen könnte. 

Ältere Menschen sind besonders gefährdet

Ein wichtiger Faktor ist die Alterung der Bevölkerung. Nach Einschätzung der Experten auf Basis der vorhandenen Daten waren 34 % der erhöhten Krankheitslast durch die Zunahme des Lebensalters der Bevölkerung bedingt  – unabhängig vom Temperaturanstieg selbst. Besonders deutlich war die Belastung bei Menschen ab 65 Jahren. 

Damit treffen zwei Entwicklungen zusammen: Die Temperaturen steigen, und zugleich wächst der Anteil älterer Menschen. Aus Sicht der Studienautoren macht gerade diese Kombination die Hitzebelastung zu einer wichtigen künftigen Herausforderung für die Herz-Kreislauf-Prävention. 

Nicht nur heiße Regionen sind betroffen

Ein weiteres auffälliges Ergebnis der Studie: Die höchste allgemeine Herz-Kreislauf-Krankheitslast fand sich in den südöstlichen Bundesstaaten der USA. Hier ist auch die steilste Zunahme zu erwarten, Staaten wie Tennessee und Kansas müssten sich daher am meisten auf eine Krankheitslastzunahme vorbereiten. 

Der historisch kühlere Nordwestpazifik – Montana, Idaho, Oregon, Washington – weist hingegen eine auffällige kardiovaskuläre Belastung bereits aufgrund von Basishitze auf.  Die Forschenden erklären dies unter anderem damit, dass Menschen in kühleren Regionen weniger an Hitze angepasst sein könnten. Außerdem fehlt es dort eher an schützenden Maßnahmen, etwa durch Klimaanlagen. 

Soziale Unterschiede verschärfen das Risiko

Die Studie zeigt außerdem deutliche soziale Unterschiede. In Regionen mit niedrigem und mittlerem Einkommen nahm die hitzebedingte Herz-Kreislauf-Krankheitslast stärker zu als in wohlhabenderen Regionen. Im Szenario mit hohen Emissionen lag der berechnete Anstieg bis 2050 in einkommensschwachen Countys bei 470 Prozent (von 149,7 auf 853), in einkommensstarken Countys bei 254 Prozent (von 141,7 auf 501,5). 

Als mögliche Gründe nennen die Forscher unter anderem Unterschiede beim Zugang zu Klimaanlagen, stärkere Belastung durch Hitzeinseln in Städten, berufliche Hitzebelastung im Freien sowie Unterschiede bei Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. 

Was folgt daraus?

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass der Schutz vor Hitze künftig ein zentraler Bestandteil der Herz-Kreislauf-Prävention werden muss. Dies gilt besonders für ältere Menschen sowie für Bevölkerungsgruppen mit niedrigem und mittlerem sozioökonomischem Status. 

Die Ergebnisse beziehen sich zwar auf die USA und beruhen auf Modellrechnungen. Sie zeigen dennoch deutlich: Hitze ist nicht nur ein Klimathema, sondern auch ein Herz-Kreislauf-Thema. Wenn Temperaturen weiter steigen, könnte die Belastung durch Herzinfarkt, Herzschwäche und andere kardiovaskuläre Erkrankungen ebenso in Europa deutlich zunehmen. 

  • Projected US Cardiovascular Disease Burden From Heat Exposure for Future Greenhouse Gas Scenarios. JAMA Cardiology, Mai 2026; doi:10.1001/jamacardio.2026.1240

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

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