Die Ursachen für das Absetzen von Medikamenten sind meist mangelnde Einsicht des Patienten in die Notwendigkeit der Behandlung, die Furcht vor einer Überdosierung der Medikamente und am häufigsten: vermutete oder tatsächliche Nebenwirkungen. Wissenschaftler haben daher in einer aktuell publizierten Studie untersucht, wie gut verschiedene einzelne Blutdrucksenker und die Kombinationen aus fünf großen Wirkstoffklassen kurzfristig vertragen werden. Im Mittelpunkt stand nicht die Qualität der Blutdrucksenkung selbst, sondern die Frage, wie häufig Patientinnen und Patienten die Therapie wegen unerwünschter Wirkungen abbrachen.
Ausgewertet wurden 716 kontrollierte Kurzzeitstudien zu ACE-Hemmern, Angiotensin-II-Rezeptorblockern (ARB/Sartane), Betablockern, Calciumantagonisten, Thiazid- beziehungsweise thiazidähnlichen Diuretika (Entwässerungstabletten) sowie deren Kombinationen. Die Studiendauer musste zwischen 4 und 26 Wochen liegen. Im Mittel betrug sie 8,6 Wochen.
Bei etwa der Hälfte der Studien wurde die blutdrucksenkende Medikation mit einer Scheinmedikation (Placebo) verglichen. Die Teilnehmenden waren im Mittel 54,6 Jahre alt, 44 Prozent waren Frauen, der mittlere Ausgangsblutdruck betrug 158/100 mmHg.
Deutliche Unterschiede je nach Wirkstoff
Bei der Auswertung der Daten fanden die Forscher deutliche Unterschiede ja nach Wirkstoff und Kombination. Im Vergleich zu Placebo war zum Beispiel das Risiko für einen Therapieabbruch wegen unerwünschter Ereignisse bei Calciumantagonisten (Kalziumkanalblockern) merklich erhöht. Ebenfalls signifikant häufiger zu Abbrüchen führten ACE-Hemmer plus Calciumantagonisten. Und Betablocker in Kombination mit Thiazid-Diuretika führten vergleichsweise besonders häufig zum Abbruch der Therapie.
Demgegenüber waren alle Therapieschemata mit einem Angiotensin-II-Rezeptorblocker (Sartan) mit weniger Therapieabbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse verbunden als Placebo. Das galt sowohl in der Monotherapie als auch in Kombination - insbesondere mit einem Calciumantagonisten.
Kombi-Therapie insgesamt besser verträglich
Aus den Unterschieden beim Abbruch der Therapie infolge von Nebenwirkungen folgerten die Wissenschaftler, dass insgesamt Kombinationstherapien besser vertragen werden als höher dosierte Therapien mit einzelnen Medikamenten. Das spiegelt die schon länger geltende Empfehlung wider, in der Blutdrucktherapie bevorzugt mit einer Zweierkombination aus eher niedrig dosierten Wirkstoffen zu starten. Unter den Kombinationen werden vor allem jene, die einen Angiotensin-Rezeptorblocker enthalten, besser vertragen als Placebo.
Für die Praxis ist der Befund relevant, weil Nebenwirkungen und Therapieabbrüche zu den wichtigsten Gründen gehören, warum Bluthochdruck oft unzureichend behandelt wird. Einschränkend weisen die Autoren darauf hin, dass die Aussage auf eher kurze Studien begrenzt ist; Aussagen zur langfristigen Verträglichkeit, zu individuellen Nebenwirkungsrisiken oder zur klinischen Entscheidung im Einzelfall lassen sich nur eingeschränkt ableiten.
- Adverse Effects and Treatment Discontinuation of Blood Pressure–Lowering Drugs and Combinations; JAMA Networkt, publiziert online Mai 2026; doi: 10.1001/jama.2026.6214
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.
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