Sport ist eine wichtige Maßnahme, um Vorhofflimmern vorzubeugen. Doch schon lange beschäftigen sich Kardiologen zugleich mit der Frage, wann genau es für das Herz zu viel wird. Denn Marathonläufer haben häufiger Probleme mit der Rhythmusstörung als Breitensportler. Unklar war nicht nur, ab welcher Intensität des Ausdauersports Vorhofflimmern gehäuft auftritt, sondern auch, ob dies für alle Sportarten gleichermaßen zutrifft. In einer umfangreichen Studie mit nahezu 4000 Ausdauersportlern sind Wissenschaftler aus Belgien nun dieser Frage nachgegangen.
Sportart und Leistungsdauer wurden berücksichtigt
Für die Analyse werteten die Forscher die Daten von männlichen Ausdauersportlern mittleren Alters (die meisten zwischen 50 und 60 Jahren) aus, die an der „Master Heart Studie“ teilgenommen hatten. Die Teilnehmer beantworteten einen umfangreichen Online-Fragebogen zu ihrer Sportgeschichte, zu bekannten Herz-Kreislauf-Risikofaktoren sowie zu bereits diagnostiziertem Vorhofflimmern oder Vorhofflattern.
Die Wissenschaftler berechneten für jeden Teilnehmer die über das bisherige Leben angesammelten Ausdauertrainingsstunden. Dazu wurden die durchschnittlichen Trainingsstunden pro Woche mit den angegebenen Trainingsjahren verrechnet. Anschließend teilten sie die Männer in vier Gruppen ein – von den Teilnehmern mit den wenigsten bis zu denen mit den meisten Lebenszeit-Trainingsstunden. Die Gruppen umfassten:
- weniger als 1.778 Stunden Ausdauersport
- 1.779 -5.977 Stunden Ausdauersport
- 5.978 – 12.231 Stunden Ausdauersport
- mehr als 12.231 Stunden Ausdauersport
Berücksichtigt wurden vor allem die Ausdauersportarten Radfahren, Laufen, Schwimmen und Rudern. Zusätzlich wurden andere Einflussgrößen wie Alter, Körpergröße, Körpergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum, koronare Herzkrankheit sowie die Einnahme von Medikamenten gegen Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfette statistisch berücksichtigt.
Ergebnis: Mehr Sport sorgt für mehr Vorhofflimmern
Insgesamt berichteten 7,5 Prozent der Teilnehmer, dass bei ihnen bereits Vorhofflimmern oder Vorhofflattern festgestellt worden war. Damit war Vorhofflimmern bei diesen Ausdauersportlern häufiger als in einer altersentsprechenden Vergleichsgruppe (erwarte Häufigkeit 2-3 %).
Die Häufigkeit von Vorhofflimmern nahm zudem in Abhängigkeit von der Stundenzahl, mit der Ausdauersport betrieben wurde, zu: Bereits Männer mit mehr als 1.778 Lebenszeitstunden Ausdauertraining hatten ein höheres statistisches Risiko für Vorhofflimmern oder Vorhofflattern als die Teilnehmer mit dem geringsten Trainingsumfang (7,6 % verus 4,8 %). Das Risiko stieg mit noch mehr Training auf 8 Prozent. Das höchste Risiko (9,6 %) zeigte sich bei den Männern mit mehr als 12.231 Lebenszeitstunden Ausdauertraining. Auch nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren blieb dieser Zusammenhang bestehen.
Ein weiteres Ergebnis: Von den untersuchten Sportarten war nur Radfahren unabhängig mit einem erhöhten Auftreten von Vorhofflimmern oder Vorhofflattern verbunden. Für Laufen und Schwimmen fand sich nach statistischer Anpassung kein entsprechender Zusammenhang.
Schlussfolgerung: Vorteil von Sport wird nicht infrage gestellt
Das Risiko eines Ausdauersportlers Vorhofflimmern zu entwickeln, hängt auf der einen Seite von der Gesamtzahl der Trainingsstunden ab. Ab 1.778 Gesamtstunden verdoppelte es sich nahezu (1,8-fach erhöht). Schon andere Studie hatten Grenzbereiche zwischen 1.500 und 2.000 Stunden ergeben. Noch mehr Training erhöht das Risiko weiter.
Auf der anderen Seite hat offenbar auch die Sportart einen Einfluss. Nach Interpretation der Autoren wirkt sich Fahrradfahren aufgrund der Körperhaltung beim Radfahren stärker auf die Druckverhältnisse im Herzen aus und führt dadurch eher zu einer Vergrößerung beider Herzvorhöfe als Laufen und Schwimmen. Die Vergrößerung der Herzvorhöfe ist ein ursächlicher Faktor für die Entstehung von Vorhofflimmern.
Da nur Männer untersucht wurden, bleibt unklar, ob die Ergebnisse auch auf Frauen übertragbar sind. Die gesundheitlichen Vorteile regelmäßiger Bewegung werden zudem durch die Studie nicht infrage gestellt. Vielmehr unterstreichen die Ergebnisse, dass sich die Auswirkungen von langjährigem Hochleistungs- und Vieltraining von denen moderater körperlicher Aktivität unterscheiden können.
- Association of Self-reported Sports Volume and Discipline with Atrial 1 Arrhythmia Prevalence in Middle-Aged Males; Euopean Heart Journal, Vorabpublikation Juni 2026; doi/10.1093/ehjopen/oeag089/8691039
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.