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Wie hängen die Verkalkung von Herzgefäßen und Lp(a) zusammen?

Mit erhöhten Lipoprotein (a)-Werten steigt das Herzrisiko. Um das Infarktrisiko einzugrenzen, haben Forscher geprüft, ob der Kalkscore weiterhilft.

Bild von einer Blutbahn, die durch Plaques verengt ist
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Menschen mit erhöhten Lipoprotein(a)-Werten, kurz Lp(a), haben ein größeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als bei niedrigen Werten. Erhöhte Werte sind bei etwa jedem Fünften zu finden und eine der Ursachen einer vorzeitigen Atherosklerose (Gefäßablagerung). Die Höhe des Lp(a)-Wertes im Blut ist genetisch festgelegt. Allerdings zeigen Betroffene sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe: Manche erleiden früh Herz-Kreislauf-Erkrankungen, andere bleiben trotz hoher Werte lange beschwerdefrei.

Das Ausmaß einer schon frühen Verkalkung der Herzkranzgefäße kann heute auf der anderen Seite einfach und reproduzierbar mittels einer Computertomographischen (CT) Untersuchung ohne Kontrastmittel erfasst werden als sogenannter Kalkscore (CAC-Score). Es hat sich dabei gezeigt, dass man mit dem quantitativen Erfassen der Verkalkung der Koronargefäße das Risiko zukünftiger schwerer kardiovaskulärer Komplikationen (nicht tödlicher und tödlicher Herzinfarkt, Notwendigkeit von Herzeingriffen wie Stentimplantation oder Bypass-Operation) abschätzen kann – gerade bei Patienten, die noch keine Beschwerden haben.

Vier große Studien zu Herzereignissen ausgewertet

Forschende aus den USA haben nun untersucht, ob sich die beiden Verfahren vielleicht bei der individuellen Risikokalkulation hilfreich ergänzen (Bestimmung des Koronarkalks mittels CT und Lp(a)-Messung). Eine Frage war dabei zum Beispiel, ob ein hoher Lp(a)-Wert weniger dramatisch ist, wenn sich kein oder wenig Koronarkalk nachweisen lässt. Hierzu wurden die Daten aus vier Langzeitstudien ausgewertet. Bei sämtlichen Studien wurde zu Beginn das Lipoprotein (a) gemessen und das Ausmaß der Verkalkung der Herzkranzgefäße bei jedem Patienten mittels CT bestimmt. 

Beobachtet wurde dann über die nächsten Jahre, wie oft es zu kardiovaskulären Komplikationen (tödliche und nicht tödliche Herzinfarkte, Schlaganfall, koronare Revaskularisation) kam. Innerhalb des Beobachtungszeitraumes von rund 15 Jahren traten bei den insgesamt 11.319 Studienteilnehmer (Durchschnittsalter 56 Jahr, die Hälfte waren Frauen) 1569 kardiovaskuläre Komplikationen auf.

Ergebnis: Beide Risikofaktoren wirken unabhängig

Die Forscher analysierten anschließend, wie häufig solche Ereignisse in Abhängigkeit von Lp(a)-Wert und Koronarkalk auftraten und fanden dabei interessante Zusammenhänge. So hatten:

  • Personen mit erhöhten Lp(a)-Werten von über 50 mg/dl, bei denen keine Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen per CT nachweisbar war, wiesen nur ein gering erhöhtes kardiovaskuläres Risiko auf. 
  • Personen mit erhöhten Lp(a)-Werten und CT-Nachweis von Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen hatten – nicht unerwartet – ein ausgeprägteres Risiko. Dieses nahm mit ansteigender Verkalkung schrittweise deutlich zu – bei deutlicher Verkalkung (hoher CAC-Score im CT über 300) und erhöhtem Lp(a) auf mehr als das 6-fache.
  • Personen mit einer ausgeprägten Verkalkung wiesen allerdings selbst bei Lp(a)-Werten im Normbereich ein um das 4,4-fach erhöhtes Risiko auf.

Was ist die Konsequenz?

Sowohl ein erhöhtes Lp(a) als vor allem nachweisbarer Koronarkalk in den Herzkranzgefäßen sind offenbar unabhängig voneinander mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Doch es gilt zu differenzieren. 

So ist erhöhtes Lipoprotein (a) zwar insgesamt betrachtet mit einem erhöhten relativen Risiko verbunden. Doch bei Menschen ohne nachweisbaren Koronarkalk ist das dann offenbar etwas weniger kritisch. Denn die absolute Zahl der Herz-Kreislauf-Ereignisse blieb bei dieser Kombination in der Studie niedrig. Über den Beobachtungszeitraum traten bei erhöhtem Lp(a) und einem CAC-Score von null etwa 4,9 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre auf, verglichen mit 3,8 Ereignissen pro 1.000 Personenjahre bei Lp(a)-Werten im Normbereich. Deutlich wurde auch:  Bei allen Verkalkungsgraden steigert erhöhtes Lp-(a) wohl das Risiko zusätzlich.

Für die Praxis lässt sich daraus schließen, dass es sinnvoll sein kann, bei Patienten mit einem erhöhten Lp(a) auch das Ausmaß der Verkalkung der Herzkranzgefäße mittels CT zu bestimmen, um so das individuelle Risiko besser abschätzen zu können. Insbesondere bei einem hohen CAC-Score sind dann zum Beispiel eine intensive Kontrolle weiterer Risikofaktoren und ärztliche Begleitung ratsam.

  • Use of Coronary Artery Calcium Scoring in Individuals With Elevated Lipoprotein(a), JACC; 20/20226; https://doi.org/10.1016/j.jacc.2026.02.5067

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

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