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Herzkatheter bei sehr alten Menschen immer nötig?

Wenn bei gebrechlichen Senioren ein Verdacht auf Herzinfarkt (NSTEMI) besteht, reicht es dann unter Umständen abzuwarten und Medikamente zu geben?

Krangenwagen

Bei Herzinfarkt- Verdacht gehört eine Herzkatheter-Untersuchung mit möglicher Aufdehnung verengter Herzkranzgefäße zur Standardbehandlung. Das gilt auch in der Regel für diejenigen Herzinfarkte ohne ST-Hebung im EKG, sogenannte NSTEMI (Non-ST-Segment-Elevation Myocardial Infarction = Nicht-ST-Hebungsinfarkt), weil hier – anders als beim STEMI – zwar nicht immer ein kompletter Gefäßverschluss vorliegt, aber immerhin bei etlichen Betroffenen. 

Im Krankenhausalltag stellt sich allerdings häufig die Frage: Wie sehr nutzt der doch belastende Eingriff hochbetagten und gebrechlichen Patienten? Oder ist hier vielleicht eine konservative Therapie mit (vor allem blutverdünnenden, Betablocker; ACE-Hemmer, Statine) Medikamenten auf der Überwachungsstation der bessere Weg? Eine aktuelle Auswertung der SENIOR-RITA-Studie legt nahe, dass eine routinemäßig invasive Behandlung dieser Patientengruppe nicht zwangsläufig Vorteile bringt.

Daten von gebrechlichen Patienten über 75 Jahre 

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Gebrechlichkeit („Frailty“). Betroffene Menschen haben weniger körperliche Reserven, leiden häufig an mehreren Erkrankungen gleichzeitig und ihre Prognose bei einem akuten Koronarsyndrom gilt generell als schlechter. Für ihre Studie analysierten Forscher aus Großbritanniern nun Daten von 469 Patientinnen und Patienten ab 75 Jahren mit NSTEMI, die alle als gebrechlich eingestuft worden waren. Das Durchschnittsalter lag bei 83 Jahren.

Diese Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Behandlungsstrategien zugeteilt:

  • einer invasiven Strategie mit Herzkatheter-Untersuchung und gegebenenfalls einer Wiedereröffnung verengter Herzkranzgefäße (zum Beispiel durch einen Stent) zusätzlich zur optimalen medikamentösen Behandlung,
  • oder einer konservativen Strategie mit optimaler medikamentöser Behandlung allein. Ein Herzkatheter war hier nur vorgesehen, wenn sich der Gesundheitszustand verschlechterte.

Anschließend wurden die Patientinnen und Patienten über einen Zeitraum von durchschnittlich 4,1 Jahren beobachtet. Untersucht wurde vor allem, wie häufig ein kardiovaskulärer Todesfall oder ein erneuter (nichttödlicher) Herzinfarkt auftraten.

Invasiv bedeutet nicht automatisch besser

Die Auswertung der Daten ergab, dass die invasive Strategie bei den gebrechlichen Patientinnen und Patienten nicht zu besseren Behandlungsergebnissen führte. Der kombinierte Endpunkt aus Herz-Kreislauf-Tod oder erneutem Herzinfarkt trat sogar numerisch häufiger auf als unter der konservativen Therapie. Das war konkret bei 87 von 231 (37,7 %) invasiv behandelten und bei 70 von 238 (29,4 %) konservativ behandelten Patienten der Fall. Der Unterschied war statistisch jedoch nicht bedeutsam (signifikant).

Auch wenn nur das Risiko für einen erneuten nichttödlichen Herzinfarkt betrachtet wurde, zeigte sich kein Vorteil der invasiven Vorgehensweise. Die Forschenden fanden sogar Hinweise, dass besonders stark gebrechliche Menschen unter einer routinemäßigen invasiven Behandlung eher Nachteile haben könnten. Je ausgeprägter die Gebrechlichkeit war, desto ungünstiger fiel die Bilanz der invasiven Strategie aus. 

Schlussfolgerung

Die Studie zeigt, dass bei hochbetagten und gebrechlichen Menschen mit NSTEMI nicht automatisch ein Herzkatheter mit anschließender Intervention die beste Wahl sein muss. Die Autoren betonen deshalb, dass die Gebrechlichkeit eines Patienten künftig stärker in die individuelle Therapieentscheidung einbezogen werden sollte. Alter allein reiche nicht als Kriterium aus. 

  • Invasive vs Conservative Strategy for Frail Older Patients With Myocardial Infarction,JAMA network 

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

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