Ausdauertraining wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen gilt seit Langem als wichtiger Baustein der Herzgesundheit. Krafttraining wird dagegen häufig eher mit Muskelaufbau, Fitnessstudio oder jüngeren Menschen verbunden. Dabei kann gerade der Erhalt von Muskelkraft auch für Herz und Stoffwechsel wichtig sein. Eine große aktuelle Auswertung aus den USA hat nun untersucht, ob regelmäßiges Krafttraining bei Frauen zusätzlich zu aerober Bewegung und weniger Sitzen, beziehungsweise weniger Fernsehen, vor schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen schützen kann.
Daten von mehr als 117.000 Frauen ausgewertet
Für die Studie wurden Daten von rund 117.000 Frauen aus zwei großen Untersuchungen (Nurses' Health Study) ausgewertet. Die Teilnehmerinnen mit einem mittleren Alter von knapp 50 bzw. 67 Jahren (je nach Datenbasis) wurden im Durchschnitt 14,5 Jahre lang begleitet. In regelmäßigen Abständen machten sie Angaben zu ihrer körperlichen Aktivität, darunter auch zum Krafttraining, zur Ausdauerbewegung und die Zeit, die sie sitzend vor dem Fernseher verbrachten.
Erfasst wurde, wie häufig im Verlauf der Studie schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse auftraten. Dazu zählten tödliche und nichttödliche Herzinfarkte, Schlaganfälle sowie Eingriffe zur Wiedereröffnung oder Überbrückung verengter Herzkranzgefäße.
Bei zwei Stunden Krafttraining deutlich weniger Herzinfarkte
Im Beobachtungszeitraum traten 5.459 schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse auf. Frauen, die mindestens zwei Stunden pro Woche Krafttraining machten, hatten im Vergleich zu Frauen ohne Krafttraining ein um 20 Prozent niedrigeres Risiko für solche Ereignisse. Jede weitere Stunde pro Woche senkte das Risiko um weitere fünf Prozent.
Besonders deutlich war der Zusammenhang beim Herzinfarkt: Hier lag das Risiko bei mindestens zwei Stunden Krafttraining pro Woche um 44 Prozent niedriger. Dieser Effekt blieb auch bestehen, wenn Körpergewicht und Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen berücksichtigt wurden.
Für Schlaganfälle zeigte sich dagegen kein vergleichbarer Zusammenhang. Das bedeutet nicht, dass Krafttraining für die Vorbeugung von Schlaganfällen unwichtig ist. Die Daten dieser Studie sprechen aber vor allem für einen Nutzen mit Blick auf koronare Ereignisse wie den Herzinfarkt.
Am besten wirkt ein insgesamt bewegungsfreundlicher Alltag
Die Auswertung zeigt zudem einen eigenständigen Nutzen von Krafttraining: Bei Frauen, die bereits die Richtlinien für aerobe Aktivität erfüllten, war ein Krafttraining von über zwei Stunden pro Woche im Vergleich zu keinem Krafttraining weiterhin mit einem um 45 Prozent niedrigeren Risiko für einen Herzinfarkt assoziiert.
Besonders günstig war jedoch die Kombination aus allen drei Verhaltensweisen: ausreichend Ausdauerbewegung entsprechend der internationalen Empfehlungen (mindestens 150 Minuten pro Woche bei mittlerer bis höherer Intensität), mindestens eine Stunde Krafttraining pro Woche und weniger als zwei Stunden Fernsehen pro Tag. Frauen, die alle drei Empfehlungen erfüllten, hatten das niedrigste Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse.
Auch die Regelmäßigkeit spielte eine Rolle. Der Zusammenhang war stärker, wenn Frauen das Krafttraining über längere Zeit beibehielten und sowohl Arme als auch Beine trainierten.
Was lässt sich daraus ableiten?
Die Studie kann zwar nicht beweisen, dass Krafttraining allein die Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert, denn es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Dennoch passen die Ergebnisse gut zu dem, was für die Herzgesundheit bereits empfohlen wird: Bewegung sollte möglichst aus regelmäßigem Ausdauertraining, muskelkräftigenden Übungen und weniger langem Sitzen bestehen.
Eine mögliche Erklärung für den geringeren Effekt auf das Schlaganfallrisiko ist, dass Krafttraining vorzugsweise jene Mechanismen beeinflusst, die bei der koronaren Herzkrankheit eine zentrale Rolle spielen – etwa das Ausmaß der koronaren Atherosklerose, die Plaque-Stabilität, die Endothelfunktion und den Lipidstoffwechsel –, während Schlaganfälle auf einer heterogeneren Gruppe von Ursachen beruhen. Einige dieser Schlaganfall-Subtypen sprechen möglicherweise weniger stark auf die durch Krafttraining induzierten physiologischen Veränderungen an.
- Resistance Training, Aerobic Activity, Television Viewing, and Risk of Major Cardiovascular Events in U.S. Women. JACC, online 2026; doi: 10.1016/j.jacc.2026.04.036.
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.