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Vorhofflattern: Genauso gefährlich wie Vorhofflimmern?

Vorhofflattern: Welche Risiken bestehen? Symptome, Diagnose und Behandlung – verständlich erklärt für Betroffene und Angehörige.

Vorhofflattern gehört zu den häufigen Herzrhythmusstörungen mit einem sehr schnellen Herzschlag. Das ist für Betroffene beunruhigend und wirft oft die Frage auf: Ist es genauso gefährlich wie Vorhofflimmern? Hier erfahren Sie, was hinter Vorhofflattern steckt, welche Beschwerden auftreten können, wie es diagnostiziert wird – und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Außerdem: Warum es wichtig ist, zu unterscheiden, ob der Herzschlag trotz des schnellen Tempos regelmäßig ist – oder ob er unregelmäßig „stolpert“. Das lässt sich oft beim Pulsmessen feststellen.

Was ist Vorhofflattern?

Vorhofflattern ist eine häufige Herzrhythmusstörung – nämlich die zweithäufigste anhaltende Rhythmusstörung nach Vorhofflimmern. Betroffen sind auch hier die Vorhöfe des Herzens (über den Herzkammern). Sie schlagen deutlich zu schnell und meist sehr regelmäßig. Die Vorhoffrequenz liegt in der Regel bei 250-350 Schlägen pro Minute. 

Welche Beschwerden verursacht Vorhofflattern?

Häufig treten folgende Symptome auf:

  • Herzrasen,
  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit,
  • Schwindel,
  • Atemnot sowie
  • unter Umständen Brustschmerzen (Angina pectoris) und
  • selten Ohnmacht.

Die Symptome hängen auch davon ab, ob das Herz bereits vorgeschädigt ist, ob z.B. eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder eine koronare Herzerkrankung (KHK) besteht.

Was sind die Ursachen von Vorhofflattern?

Vorhofflattern kann ganz verschiedene Ursachen haben, etwa strukturelle Veränderungen des Herzens oder eine Infektion des Herzens oder einfach das Alter. Häufig liegen Begleiterkrankungen vor wie

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Bluthochdruck
  • Herzklappenfehler
  • Herzschwäche
  • Übergewicht
  • chronische Lungenerkrankungen
  • nächtliche Atempausen ("Schlafapnoe")

Was ist der Unterschied zwischen Vorhofflattern und Vorhofflimmern?

Vorhofflattern und Vorhofflimmern sind beides Herzrhythmusstörungen, aber ihr Entstehungsort und der Ablauf der Erregungen im Herzen unterscheiden sich deutlich. Hier die drei wesentlichen Unterschiede:

Typisches Vorhofflattern hat seinen Ursprung im rechten Vorhof. Es handelt sich um eine kreisende Erregung, die über eine Gewebebrücke zwischen der unteren Hohlvene, der Vena cava, und der Trikuspidalklappe verläuft. Vorhofflimmern entsteht meist am Eingang der Pumonalvenen im linken Vorhof. 

Bei Vorhofflattern werden die Vorhöfe 250-300-mal pro Minute erregt, beim Vorhofflimmern arbeiten sie noch schneller – oft 350-600 mal pro Minute.
Wichtig: Es gibt keine feste Grenzzahl, die den Übergang markiert. Die Herzfrequenzen gehen eher fließend ineinander über.

  • Vorhofflattern: Der Herzrhythmus der Vorkammern ist zwar schnell, aber gleichmäßig. Das EKG zeigt sehr regelmäßige, sägezahnförmige Wellen. Die Überleitung in die Hauptkammer ist meist regelmäßig, in seltenen Fällen jedoch auch unregelmäßig, sodass die Rhythmusstörung dann zu einem unregelmäßigen Puls führen kann. 
  • Vorhofflimmern: Die elektrische Aktivität in den Vorhöfen verläuft chaotisch und unkoordiniert. Dadurch kommen die Signale unregelmäßig in der Herzkammer an. Das EKG zeigt ein Wellenmuster mit unterschiedlichen Amplituden und Abständen.

Was ist schlimmer – Vorhofflattern oder Vorhofflimmern?

Grundsätzlich sind beide Rhythmusstörungen ähnlich schwerwiegend. Beide Krankheitsbilder bergen ein erhöhtes Risiko für ischämische Schlaganfälle – insbesondere, wenn weitere Begleiterkrankungen bestehen. In jedem Falle muss also konsequent behandelt werden. Vorhofflattern ist jedoch einfacher mittels Katheterablation behandelbar.

Wie entsteht Vorhofflattern?

Die elektrische Aktivität beim Vorhofflattern entsteht außerhalb des Sinusknotens (dem natürlichen Taktgeber des Herzens). Sie verläuft kreisförmig, statt sich geordnet über das gesamt Herz auszubreiten. Diese kreisförmige Erregung läuft meist um Trikuspidalklappe. Das ist die Herzklappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer. Die Erregung überträgt sich dann auf das gesamte Gewebe des Vorhofs, der sich dadurch in sehr rascher Folge – nämlich 250-300-mal in der Minute – immer wieder zusammenzieht, er „flattert“.

Neben diesem typischen Vorhofflattern (85 %) mit dem Ursprung an der Trikuspidalklappe (sogenannter cavotrikuspidaler Isthmus, CTI) unterscheiden Kardiologen noch atypische Formen des Vorhofflatterns. Diese kommen jedoch deutlich seltener vor.

Kann Vorhofflattern von allein aufhören?

Vorhofflattern tritt meist anhaltend auf. Die Rhythmusstörung kann in der Regel alleine durch eine elektrische Kardioversion oder eine Katheterablation ("Verödungstherapie") behandelt werden. Im Allgemeinen ist im Wiederholungsfall eine Verödung zu empfehlen, um immer wieder auftretendes Vorhofflattern und mögliche Folgeprobleme zu verhindern.

Wie gefährlich ist Vorhofflattern?

Vorhofflattern ist nicht unmittelbar lebensgefährlich, kann aber dennoch Risiken bergen. In der Regel stehen Beschwerden wie eine Leistungsminderung im Vordergrund. Diese resultiert daraus, dass nicht nur der rechte Vorhof und der linke Vorhof zu schnell arbeitet, sondern sich die Vorkammern durch die schnelle kreisende Erregung nicht kontrahieren und die Hauptkammer füllen. Die Füllung der Hauptkammer erfolgt damit nur passiv. 

Zudem werden die Erregungen der Vorkammer über den AV-Knoten in die Hauptkammer übertragen. Dieser sorgt dafür, dass die Vorhöfe und die Hauptkammern des Herzens mit kurzer zeitlicher Versetzung nacheinander schlagen können und hat zugleich eine Filterfunktion, die dafür sorgt, dass zu schnelle elektrische Impulse ausgebremst werden. Durch diese Fähigkeit wird auch beim Vorhofflattern meist nur jeder zweite oder dritte Impuls aus dem Vorhof auf die Hauptkammer weitergeleitet. Die Herzfrequenz reduziert sich dadurch von über 250 Schlägen auf etwa 120-170 Schläge pro Minute. Dies ist aber immer noch mehr als im Ruhezustand. Die Pumpleistung ist dann zwar nicht akut gefährdet, doch sie ist weniger effizient. Die Folge: weniger sauerstoffreiches Blut gelangt von der linken Herzkammer in den Körperkreislauf und das sorgt dann zum Beispiel für eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Mit der Zeit kann bei häufigem Vorhofflattern die Herzfunktion zudem so überlastet werden, dass eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entsteht. 

Der AV-Knoten sorgt dafür, dass die Vorhöfe und die Hauptkammern des Herzens mit kurzer zeitlicher Versetzung nacheinander schlagen können. Er verzögert – nachdem die Vorhöfe geschlagen und so die Ventrikel prall gefüllt haben – den elektrischen Impuls, sodass die Hauptkammern optimal arbeiten können. 

Hauptgefahr: Blutgerinnsel und Schlaganfallrisiko

In sehr seltenen Fällen werden jedoch alle Erregungsimpulse der Vorhöfe im Verhältnis 1:1 auf die Herzkammern übergeleitet. Diese Situation kann akut lebensbedrohlich werden, weil dann durch die sehr hohe Pumpfrequenz der Kammern kein adäquater Transport von Blut im Körper- und Lungenkreislauf mehr stattfindet. 

Hauptgefahr ist allerdings die Gerinnselbildung im Herzen und das damit verbundene Schlaganfallrisiko – ähnlich wieder wie beim Vorhofflimmern. Werden nämlich Blutgerinnsel (Thromben) aus der linken Herzkammer in den Körperkreislauf gespült und gelangen die ins Gehirn, können sie dort kleine Gefäße blockieren: ein Schlaganfall entsteht. Daher orientiert sich die Therapie zum Schutz vor Schlaganfällen an den gleichen Vorgaben wie beim Vorhofflimmern.

Wie wird Vorhofflattern diagnostiziert?

Das wichtigste Diagnoseinstrument ist das Elektrokardiogramm (EKG). Im 12-Kanal-EKG erkennen Kardiologen typische sägezahnförmige Muster mit einer Frequenz von 250-350 Schlägen/Minute in mindestens einer der Ableitungen. Tritt das Vorhofflattern anfallsartig auf, ist ein Langzeit-EKG erforderlich, das den Herzrhythmus über mindestens 24 Stunden aufzeichnet. Ergänzend kann ein Herz-Ultraschall (Echokardiografie) erforderlich sein.

Wie wird bei Vorhofflattern behandelt?

Die Behandlung hat drei Ziele:

  1. Blutgerinnsel (Thromben) und Embolien verhindern – und damit das Schlaganfallrisiko senken.
  2. Einen möglichst normalen, ruhigen Vorhofrhythmus erreichen (Rhythmus- und Frequenzkontrolle).
  3. Beschwerden lindern (z. B. Herzrasen, Atemnot, Leistungsabfall).

So werden diese Ziele erreicht:

  1. Blutverdünnung (Antikoagulation): Um das Risiko für Blutgerinnsel (Thromben) und einen Schlaganfall zu verringern, werden oft Medikamente verordnet, die die Gerinnungsaktivität des Blutes mindern – sogenannte Antikoagulanzien. Ob sie nötig sind, hängt von der Höhe des Schlaganfall-Risikos ab. Dieses wird mit Hilfe eines etablierten Scores vom Arzt bestimmt. Außerdem werden sie nach einer Kardioversion verordnet (s. Punkt 2)
  2. Herzrhythmus wiederherstellen (elektrische Kardioversion): In vielen Fällen wird zunächst versucht, mit Hilfe einer sogenannten elektrischen Kardioversion, den normalen Sinusrhythmus des Herzens wiederherzustellen und damit das Herzrasen zu beenden. Dabei wird unter Kurznarkose ein elektrischer Stromimpuls von außen zum Herzen geleitet. Die Elektrokardioversion gilt als sehr wirksame, verträgliche und deshalb bevorzugte akute Therapie bei Vorhofflattern.
  3. Katheterablation: Dies ist die Standardtherapie bei typischem Vorhofflattern, das bereits mehrfach aufgetreten ist, da mit der Ablation sehr erfolgreich und anhaltend die krankhafte kreisförmige Erregung im Vorhof verhindert werden kann. Dazu wird auf die betreffende Stelle – eine schmale Muskelbrücke, die zwischen der unteren Hohlvene und dem unteren Anteil des Trikuspidalklappenrings liegt – Hochfrequenzstrom geleitet. Durch die entstehende Hitze verlieren die Herzmuskelzellen, die die Störung auslösen, ihre elektrische Leitfähigkeit und eine normale Erregungsausbreitung kann stattfinden. Das Herz schlägt wieder normal.

Kann Vorhofflattern geheilt werden?

Ja, bei einem typischen Vorhofflattern lässt sich bei über 95 Prozent der Betroffenen mit einer Katheterablation ein erneutes Auftreten wirksam verhindern.

Lässt sich Vorhofflattern vorbeugen?

Herzflattern beruht in manchen Fällen auf Vorerkrankungen wie zum Beispiel einem hohen Blutdruck, Lungenerkrankungen oder einer koronaren Herzerkrankung. Diesen gilt es in erster Linie durch einen herzgesunden Lebensstil vorzubeugen. Dazu gehören vor allem:

  • eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Vollkornprodukten, 
  • ein gesundes Körpergewicht, bzw. der Abbau von Übergewicht
  • regelmäßige körperliche Aktivität
  • Verzicht auf Zigaretten und weitgehend auch auf Alkohol
  • das Vermeiden, bzw. Abbau und Ausgleich von Stress
  • ausreichender, regelmäßiger Schlaf 

Experte

Prof. Dr. med. Roland R. Tilz
Bild von Prof Tilz

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