Stellungnahme

Deepfake-Ärzte werben für Gesundheitsprodukte

Woran sich Deepfakes erkennen lassen und was dagegen zu tun ist.

Smartphone mit Video eines Arztes auf dem Bildschirm, überlagert von digitalen Störelementen und einem Warnhinweis auf möglichen Deepfake.
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Die Deutsche Herzstiftung warnt vor gefälschter Prominentenwerbung unter anderem für Diabetes- und Cardio-Produkte. Betroffen von solchen Deepfakes sind meist bekannte Mediziner oder Kliniken. Die betrügerischen Anzeigen sind nicht nur kriminell, sondern auch gefährlich.

Es sind prominente Ärzte wie Eckhart von Hirschhausen oder der Virologe Christian Drosten, die in den Videoclips zu sehen sind: Sie sprechen von „einfachen Methoden“, mit denen Gefäße gereinigt und Leben verlängert werden können. Gemeint sind meist pflanzliche Tropfen oder Dragees, die dann im Internet bestellt werden können. Doch genau davor warnen Fachleute: Bei diesen irreführenden Werbeanzeigen handelt es sich um manipulierte Videos, auch „Deepfakes“ genannt. 

Lesen Sie, wie diese betrügerischen Werbepraktiken funktionieren, woran Fake-Werbung erkannt werden kann und was zu tun ist, wenn es schon zu einer Bestellung gekommen ist.

Wie läuft das Geschäftsmodell mit Deepfakes ab?

Deepfakes sind mithilfe von Künstlicher Intelligenz erzeugte, täuschend echte Bilder, Videos oder Audios, in denen Personen Dinge sagen oder tun, die sie in Wirklichkeit nie gesagt oder getan haben. Der Begriff setzt sich aus „Deep Learning“ und „Fake“ zusammen. Die Inhalte wirken oft so real, dass sie auf den ersten Blick kaum von echten Aufnahmen zu unterscheiden sind. Verbraucherinnen und Verbraucher gelangen über Online-Werbeanzeigen zu solch manipulierten Videoclips. Solche Anzeigen tauchen in Spielen wie Sudokus, in Nachrichten-Apps oder über Social-Media-Plattformen wie Instagram oder Facebook auf.

„Die Anzeigen sind teils redaktionell so aufgemacht, dass man glauben kann, man sei auf einen Beitrag eines seriösen Nachrichten-Portals gestoßen“, sagt Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. In den gezeigten Werbevideos preisen dann bekannte Mediziner wie Eckhart von Hirschhausen angeblich „ihr“ neues Wundermittelchen an – häufig begleitet von weiteren bekannten Personen wie dem Moderator der Tagesschau Ingo Zamperoni oder dem ehemaligen Gesundheitsminister Karl Lauterbach. 

Am Ende des Videos wird auf ein besonders günstiges Produktangebot verwiesen, das dann aber oft nicht direkt geordert werden kann. Stattdessen gibt es eine verlinkte Bestellseite, auf der Interessierte ihren Namen und ihre Telefonnummer eintragen. Dann werden die Menschen angerufen, um die Bestellung telefonisch abzuschließen. Die Lieferung erfolgt meist per Nachnahme. Sie muss also direkt bei Empfang bezahlt werden. „Die Kosten belaufen sich auf rund 200 bis 300 Euro für mehrere Packungen, teilweise auch weniger“, sagt Holzäpfel. 

Wie häufig sind solche Deepfakes?

Es gibt eine Untersuchung des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) vom Dezember 2025, nach der allein im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres mehr als 21,5 Millionen Mal Deepfakes im deutschsprachigen Raum ausgespielt worden sind. Nach Meinung von Experten wie Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg, zielen die gefälschten Werbevideos vor allem auf Menschen ab, die ohnehin einen hohen Leidensdruck haben und so empfänglich für derlei Heilsversprechen sind.

Chronisch Kranke besonders empfänglich für Deepfakes

„Viele chronische Kranke müssen mehrere Medikamente am Tag einnehmen“, sagt Meinertz, ehemaliger langjähriger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Wenn diese hören – und das von anerkannten Medizinern –, das brauche es alles nicht mehr, weil man den Effekt auch mit ein paar Tropfen erreiche könne, dann ist für manchen die Versuchung doch sehr groß, zuzugreifen.“

Welche Gesundheitsprodukte werden mit Deepfakes beworben?

Die Verbraucherzentralen haben dazu eine Liste mit Fake-Werbung-Produkten erstellt, die ständig aktualisiert wird. Dort finden sich diverse Herz-Kreislauf-Nahrungsergänzungsmittel, Produkte gegen Diabetes, gegen Prostata-, Erektions- und Inkontinenzbeschwerden sowie Präparate, die das Abnehmen erleichtern, den Alterungsprozess aufhalten oder die Gedächtnisleistung verbessern sollen. 

Viele Produkte dürfen gar nicht verkauft werden

Eine Nachfrage der Verbraucherschützer beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit im März 2026 hat gezeigt, dass die angefragten Nahrungsergänzungsmittel, für die mit Fakes geworben wird, nicht wie vom Gesetz vorgeschrieben dort angezeigt wurden und daher in Deutschland auch nicht verkauft werden dürfen. 

Wie schädlich sind die beworbenen Produkte?

Bei den Präparaten handelt es sich um keine Arzneimittel, sondern um meist pflanzlich basierte Nahrungsergänzungsmittel. Problematisch ist, dass die Inhaltsstoffe oft nicht oder nur unvollständig angegeben werden. „Auf diese Weise kann man auch nicht absehen, ob es bei der Einnahme zu Unverträglichkeiten kommen oder gar Wechselwirkungen mit bereits eingenommenen Medikamenten geben kann“, warnt der Kardiologe und Pharmakologe Thomas Meinertz. 

Lebensgefährlich kann es werden, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher aufgrund der falschen Werbeversprechen von ihrer bisherigen Therapie abweichen. „Es gibt Videos, in denen geraten worden ist, für das beworbene Produkt ärztlich verordnete Blutdruckmittel wegzulassen“, so Meinertz. 

Woran lassen sich Deepfakes erkennen?

Die Videos sind gut gemacht, bestätigt der Kardiologe Thomas Meinertz. Auch er wurde vor wenigen Monaten Opfer eines Deepfakes: In dem Video warb er angeblich für ein Präparat gegen Alzheimer, das er als „wahren Jungbrunnen für den Geist“ anpries. Für Laien werde es daher immer schwerer, anhand technischer Mängel eine Fälschung zu erkennen. „Allerdings muss jedem klar sein: Ärzte dürfen in Deutschland keine Werbung für Gesundheitsprodukte machen“, sagt Prof. Meinertz. 

Warnzeichen für Deepfakes

  • Wenn Ärztinnen und Ärzte Werbung für Gesundheitsprodukte machen, ist das Fake. Das ist nach deutschem Recht verboten.
  • Es wird Kaufdruck aufgebaut, weil die Angebotspreise angeblich nur kurze Zeit gültig sind.
  • Die aufgerufene Webseite hat eine lange Internetadresse, die aus unsinnigen Buchstaben-Zahlen-Kombinationen besteht.
  • Es ist kein Impressum vorhanden. Achtung: Nur Firmen mit Sitz in Deutschland unterliegen der Kontrolle durch die deutschen Behörden.
  • Quellencheck ergibt Unstimmigkeiten: Die Infos aus den Videos tauchen in keiner weiteren Quelle auf.
  • Online-Shop ist im Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen aufgelistet.

Internetadressen und Kontaktdaten überprüfen

„Wenn die Wirkung des Produkts zu schön klingt, um wahr zu sein – ist sie meist auch nicht wahr“, sagt die Verbraucherschützerin Sabine Holzäpfel. Weitere Warnzeichen sind Angebotspreise, die angeblich nur kurze Zeit gültig sind, oder wenn die Internetadresse der aufgerufenen Seite überaus lang ist und vor allem aus unsinnigen Buchstaben-Zahlen-Kombinationen besteht. 

Auch ein Quellencheck ist sinnvoll: „Informationen zu Personen, Forschungsergebnissen oder angeblichen Wirkungen im Internet überprüfen und mit verlässlichen Quellen abgleichen“, so Holzäpfel.  Es lohnt sich zudem, Kontaktdaten zu überprüfen: Nur Firmen mit Sitz in Deutschland unterliegen der Kontrolle durch die deutschen Behörden. 

„Allerdings bedeutet eine angegebene Adresse nicht, dass diese auch stimmen muss“, sagt Holzäpfel. Sie berichtet von Geschädigten, die versucht haben, die Bestellung über eine Rufnummer zu stornieren, die auf der Bestell-Webseite hinterlegt war. Aber niemand sei erreichbar gewesen. Wer sich unsicher ist, kann sich an die Verbraucherzentralen wenden: Dort gibt es eine mittlerweile lange Liste bereits aufgefallener Produkte und passende Beratungsangebote. Außerdem ist eine Suchfunktion für Fakeshops verfügbar, um verdächtige Online-Shops zu prüfen. 

Wie setzt man sich gegen Deepfakes zur Wehr?

Rechtlich gegen diese Werbepraktiken vorzugehen, ist schwer: Die Macher der Deepfakes sitzen im außereuropäischen Raum, beschäftigen Callcenter für ihre Praktiken. „Meist ist gar nicht erkennbar, wer genau dahintersteckt“, sagt Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Außerdem sind im Internet Websites und Produkte schnell austauschbar.“

Was tun, wenn man in eine Deepfake-Falle getappt ist?

Für Verbraucher, die auf solche Werbepraktiken hereingefallen sind und ein solches Produkt bestellt haben, ist es ebenfalls problematisch: „Sie haben keinerlei Informationen zur Firma, oft keine Kontaktdaten für einen möglichen Widerruf, keine Bestellbestätigung oder Ähnliches“, sagt die Verbraucherschützerin Sabine Holzäpfel. 

Grundsätzlich sind auch am Telefon geschlossene Verträge gültig. Doch bei solchen unseriösen Anbietern, die Menschen mit Deepfakes in eine Vertragsfalle locken, ist eine nachträgliche Anfechtung oder die Ausübung des Widerrufsrechts aussichtslos, erklärt Holzäpfel. Sie rät daher: „Name und Telefonnummer bei solchen Werbeanzeigen nicht eintragen, nicht bestellen, und wenn es dafür zu spät ist, die Ware nicht annehmen.“ 

Wichtig ist, die Fakeshop-Seite zu melden – bei der Polizei und bei der Beschwerdestelle des Bundesverbands der Verbraucherzentralen.

Was tun, um nicht in die Deepfake-Falle zu tappen?

  • Name und Telefonnummer bei solchen Werbeanzeigen nicht eintragen.
  • Nichts bestellen.
  • Ist die Bestellung erfolgt, dann Ware nicht annehmen.
  • Fakeshop-Seite melden – bei der Polizei und bei der Beschwerdestelle des Bundesverbands der Verbraucherzentralen.

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

Expertin

Dipl. Ing. (FH) Sabine Holzäpfel
Bild von Sabine Holzäpfel