Sprechstundenfrage

Geschwächtes Herz nach Infarkt und nun Schmerzen in der Brustgegend

Vor einiger Zeit meldete sich in der Herzstiftungs-Sprechstunde ein Patient, der nach zwei früheren Herzinfarkten und einer nun bestehenden Herzschwäche von unerträglichen Schmerzen in der Brustgegend berichtete. Woher die Beschwerden kommen könnten und welche Untersuchungen in diesem Fall zu empfehlen sind, können Sie der folgenden Experten-Antwort entnehmen.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Meinen ersten Herzinfarkt hatte ich mit 34 Jahren, sieben Jahre darauf folgte der zweite. Danach wurde ich als schwer herzkrank in den Ruhestand versetzt. Im Jahr 2008 musste eine Bypassoperation erfolgen. Vor zwei Jahren wurden Stents gesetzt. Danach ging es mir einige Wochen lang gut, dann fingen die Schmerzen in der Brustbeingegend an, die für mich mittlerweile unerträglich geworden sind. Meine Ärzte haben keine plausible Erklärung für meine Beschwerden. Haben Sie einen Rat für mich? Ich bin 69 Jahre alt; die Pumpleistung der linken Herzkammer beträgt circa 30 Prozent, zwischenzeitlich ist eine Herzszintigraphie erfolgt, die meines Wissens nichts erbrachte. Alexander G., Braunschweig.

Experten-Antwort:

Leider geht aus Ihren Angaben nicht ganz klar hervor, ob Sie vor allem durch ein Engegefühl hinter dem Brustbein oder durch eine Leistungseinschränkung mit Atemnot beeinträchtigt sind.

Zu überlegen wäre, ob erneut eine Herzszintigraphie erfolgen sollte. Mit diesem nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren lässt sich abklären, ob eine relevante Durchblutungsstörung an der linken Herzkammer besteht. Dies würde eine erneute Herzkatheter-Untersuchung nach sich ziehen. Andererseits ist Ihre Herzschwäche – bei einer deutlich eingeschränkten Pumpleistung der linken Herzkammer von rund 30 Prozent (normal sind 60 bis 70 Prozent) – sicher auch ein Grund für Ihre Beschwerden.

Bei einer Auswurfleistung von 30 Prozent sollten Sie zusätzlich zu Ihrer bisherigen Medikation einen sogenannten Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten erhalten. Es handelt sich dabei um die Wirkstoffe Spironolacton oder Eplerenon. Die Gabe von Spironolacton empfiehlt sich, wenn der Blutdruck eher hoch ist, Eplerenon ist vorzuziehen, wenn der Blutdruck eher niedrig ist.

Falls die Auswurfleistung der linken Herzkammer dauerhaft unter 35 Prozent bleibt, sollten Sie einen sogenannten Defibrillator (ICD) implantiert bekommen. Er wird unter lokaler Betäubung eingesetzt und kann Sie vor lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen schützen, wie sie bei Patienten nach Herzinfarkt und eingeschränkter Pumpfunktion auftreten können.

All dies sollten Sie mit Ihrem Kardiologen noch einmal bezogen auf Ihren individuellen Fall besprechen.

Experte

Prof. Dr. med. Johann Bauersachs
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3 Kommentare

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Brigitte Sagner Köln

Ich wurde 2008

HEIKU SCHIESL BRUCHSAL

Habe vor 17 Jahren 3 Stents und vor zwei Jahren noch mal 3 Stent in Stent und 5 Stent ,insgesamt 8 Stents. Habe oft und häufig Herz.-und Brustbeinschmerzen. Bei 1 Std. gehen starkes Schwitzen aber keine Schmerzen. Bei mir kommen die Schmerzen eher in Ruhe ,öfters schon morgens nach dem aufstehen und ich bin oft und schnell müde. Kann am Tag oft nochmal zweimal schlafen ( ca. 1 Std, ) .Auch Kaffee kann den Herzschmerz auslösen ! Frage , Herznerven oder nervöse Herzbeschwerden oder doch die Folgen der Durchblutung (Stents ) ?

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