Sprechstundenfrage

Atemnotgefühle: Eine Nebenwirkung meiner Herz-Medikamente?

Vor einiger Zeit wurde in der Herzstiftungs-Sprechstunde gefragt, ob Atemnotgefühle eine Nebenwirkung von Herz-Medikamenten sein können. Bei bestimmten Präparaten ist dies tatsächlich möglich, allerdings sollte man bei den Ursachen auch immer an weitere Herzkrankheiten denken, wie die folgende Experten-Antwort betont.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Ich habe zwei Stents bekommen. Als Medikament wurde mir 2-mal täglich Brilique (Wirkstoff Ticagrelor 90 mg) verordnet. Dazu noch ASS 100 1-mal täglich. Nebenwirkung: Luftnot, besonders im Liegen. Zustand eher schlechter als vor dem Kathetereingriff. Frage: Gibt es zu diesem Medikament eine Alternative? (Birgit P., Magdeburg)

Experten-Antwort:

Offensichtlich leiden Sie unter einer koronaren Herzkrankheit, wie sich aus den Stents schließen lässt, die Ihnen implantiert wurden und die bei einer koronaren Herzkrankheit zum Offenhalten verengter Herzkranzgefäße dienen.

Um die Verklumpung von Blutplättchen zu hemmen, wurde Ihnen ASS 100 (1-mal täglich) und Ticagrelor 90 mg (2-mal täglich) verordnet, was eine von mehreren Standard-Medikationen nach einer Stent-Implantation darstellt.

Sie fragen nun, ob eine neu aufgetretene Luftnot eine Nebenwirkung von diesen Medikamenten sein könnte. Und tatsächlich kann die Luftnot möglicherweise von Ticagrelor herrühren. Dies ist eine typische Nebenwirkung dieser Substanz. In solchen Fällen ist es daher oft eine sehr gute Empfehlung, z. B. auf Clopidogrel 75 mg (1-mal täglich) zu wechseln, das ebenfalls die Verklumpung der Blutplättchen hemmt, aber ein etwas anderes Nebenwirkungsprofil aufweist.

Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an. Besprechen Sie auch, wie lange Sie Clopidogrel nehmen sollten: Wenn der Grund für die Stentbehandlung die Beschwerden einer stabilen Angina pectoris waren, ist Clopidogrel typischerweise für sechs Monate angezeigt. Wenn es sich um ein akutes Koronarsyndrom handelte (plötzlicher Verschluss eines Herzkranzgefäßes, wie z. B. bei einem Herzinfarkt), zwölf Monate.

Darüber hinaus sollte man daran denken, dass eine weitere typische Ursache für das Gefühl von Atemnot eine Herzschwäche sein kann, sei es aufgrund einer verminderten Pumpleistung (systolische Herzinsuffizienz) oder aufgrund einer Versteifung der linken Herzkammer (diastolische Herzinsuffizienz), zumal eine Herzschwäche eine häufige Folge einer koronaren Herzkrankheit darstellt und nicht übersehen werden sollte.

Tipp:

Gerne möchte ich Ihnen auch noch auf den Weg mitgeben, dass es in dieser Situation sicherlich besonders wichtig ist, dass der Blutdruck gut eingestellt ist (unter 140/90 mmHg). Auch diesen Punkt sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen und unter Umständen eine verstärkte Behandlung mit Medikamenten anstreben.

Experte

Prof. Dr. med. Johann Bauersachs
Portrait von Prof. Johann Bauersachs

Stellen Sie Ihre Frage

Abbildung eines Herzen in einem Chat
  • Über 200 unabhängige Herzexperten
  • Experten in Telefonsprechstunde fragen
  • Medizinische Fragen online stellen
  • Nicht-Mitglieder können Fragen auch per E-Mail stellen

Nutzen auch Sie die Vorteile einer Mitgliedschaft

Mit nur 36 Euro im Jahr können Sie Mitglied der Deutschen Herzstiftung e.V. werden und die Arbeit der Herzstiftung unterstützen. Wir geben Ihnen Antwort auf Ihre persönliche medizinische Frage.

Unsere Empfehlungen für Sie

  1. Was ist die Herzschwäche? Was kann ich mit Medikamenten erreichen? Diese und viele weitere Fragen beantwortet die Broschüre der Herzstiftung.
  2. Woran erkennt man die koronare Herzkrankheit? Wie wirken Medikamente? Diese und viele weitere Fragen beantwortet die Broschüre der Herzstiftung.
  3. Marcumar, Aspirin & mehr: Welche Blutverdünner und welche Herz-Kreislauf-Medikamente gibt es? Und worauf ist bei der Anwendung zu achten?

4 Kommentare

Sie sind bereits Mitglied? Loggen Sie sich ein, um für alle sichtbar als verifiziertes Mitglied zu kommentieren.

Folgende Angaben werden zusammen mit Ihrem Kommentar veröffentlicht. Alle Felder sind dabei optional und editierbar. Für mehr Details lesen Sie bitte die Datenschutzhinweise

Überprüfen Sie bitte das Recaptcha.
F. Frankfurt

Hilfreich, danke. Ich, 75, bekam am 6.4. einen Stent wegen Stenose (war wegen Hohen Blutdrucks in die Klinik gegangen und nach 2 Infarkten 2011 uns 2017 mit stents schien mir das geraten). Medikation: Brilique 90 und Eliquis 2,5 je 2 mal täglich sowie 1 mal ASS 100. Vor2 Tagen bekam ich blutigen Durchfall und ging als Notfall ins Krankenhaus, Magen- und Darmspiegelung o.B., also muss es von den NebenwirKungen kommen. Die Ärzte (andere als die Kardiologen vor 8 Wochen) rieten mir, Eliquis abzusetzen. Werde natürlich einen Kardiologen aufsuchen, ob es eine andere Medikation gibt. (Aber vielleicht kan mir auch hier Rat zuteil werden).Eliquis wurde mir wahrscheinlich verordnet wg einer Lungenembolie vor 4 Jahren (hatte es danach eine Zeitlang genommnen, und dann abgesetzt, eine andere Geschichte). Im Krankenhasu heute hieß es, 4 jahre nach einr Embolie bräuchte man kein Eliquis mehr.) Im Nachinhein hätte ich mich früher über die Nebenwirkungenn informieren sollen und hinterfrage, warum ich 3 solche "Hämmer" nehmen müsse.) Vielen Dank. Wenn ich die anderen Kommentare druchlese, Atemnot und Schwindel bei mir auch

Wolfgang H.

Ja war sehr hilfreich und werde darüber mit meinem Arzt sprechen. Habe genau die gleichen Symptome. Vielen Dank.

Peter H. Antdorf

Habe einen Stent im August 2019 erhalten, meine Herzleistung ist hervorragend, trotzdem kam ich in große Atemnot durch die Einnahme von Bilique 90 mg und die Antwort ist deshalb sehr hilfreich

Ingeborg D. Mannheim

Ja, ich finde die Antwort von Prof. Bauersachs sehr gut. Er erklärt sehr deutlich die Wirkungsweise von Brillique und Clopidogrel und Einnahmedauer der beiden Medikamente.