Sprechstundenfrage

Welchen Gerinnungshemmer nach Herzklappen-Op nehmen?

Patienten brauchen nach einer Herzklappen-Operation einen Schutz vor Thrombosen. Welches Medikament ist hier am besten?

Aktualisiert: 21.09.2022

Mann schaut mit seiner Brille auf die Medikamentenpackung
dusanpetkovic1 - adobe.stock.com

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Vor 15 Jahren erhielt ich (76) eine neue Herzklappe. Das Medikament Marcumar nehme ich sogar noch länger ein. Vor etwa einem Jahr war ich dann erneut in der Klinik, die Herzklappe wurde dabei repariert. Die Ärzte dort haben Marcumar abgesetzt und stattdessen das Medikament Eliquis mit dem Wirkstoff Apixaban zur Gerinnungshemmung verordnet. Es hieß, das sei der moderne Ersatz für das Marcumar.

Mein Hausarzt hat mich nun allerdings darauf hingewiesen, dass das Eliquis nicht unbedingt das optimale Medikament für mich sei. Nun bin ich sehr verunsichert: Soll ich Eliquis nicht mehr einnehmen? Was ist die bessere/richtige Alternative? (Marion S., Ingolstadt)

Experten-Antwort:

Die Aussage Ihres Hausarztes ist teilweise richtig. Denn es gibt tatsächlich speziell bei der Thromboseprophylaxe nach Klappen-Ersatz Unterschiede in der Medikation, je nachdem, ob eine mechanische oder eine biologische Klappe eingesetzt wurde.

Fall 1: Antikoagulation aufgrund einer mechanischen (Kunst)-Klappe. Hierfür sind ausschließlich Vitamin-K-Antagonisten (VKA) wie Phenprocoumon - also Marcumar – zugelassen. Die Medikation sollte nach den Leitlinien lebenslang eingenommen werden. NOAK (neue orale Antikoagulanzien) haben in Studien diesbezüglich sogar schlechter abgeschnitten. 

Fall 2: Antikoagulation aufgrund einer Bioklappe. Wenn hier eine Antikoagulation zur Thromboseprophylaxe wegen einer weiteren Erkrankung angezeigt erscheint – meist wegen eines (nicht-Klappen-bedingten) Vorhofflimmerns – dann sind NOAK die richtige Wahl.

Sollten Sie also eine biologische Herzklappe haben und bei Ihnen ein weiterer medizinischer Grund für eine Antikoagulation vorliegen, sind Sie mit Eliquis richtig versorgt. 

Mittlerweile haben wir auch zehn Jahre Erfahrung mit dem darin enthaltenen blutgerinnungshemmenden Wirkstoff Apixaban. Es hat sich herausgestellt, dass das Medikament in nahezu allen Situationen Marcumar (Wirkstoff: Phenprocoumon) überlegen ist, wenn eine Gerinnungshemmung therapeutisch angezeigt ist. Vor allem dann, wenn es sich um Patientinnen und Patienten in höherem Alter handelt.

Der Blutgerinnungshemmer Apixaban aus der Gruppe der sogenannten NOAK bietet einen besseren Schutz vor Schlaganfällen und hat ein geringeres Blutungs-, insbesondere Hirnblutungsrisiko. Zu dieser Gruppe an Wirkstoffen, die in Tablettenform eingenommen werden können, gehören auch Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban mit den jeweiligen Handelsnamen Pradaxa, Lixiana und Xarelto.

Insgesamt betrachtet ist eine Dauertherapie mit Eliquis mit einem sehr guten Risiko-Nutzen-Verhältnis verbunden. Bei Marcumar hingegen wäre das Blutungsrisiko größer, die Schlaganfall- und Thromboseverhütung aber nicht besser. Außerdem müssen bei Einnahme von Eliquis nicht so oft Laborkontrollen gemacht werden. Sie dürfen zudem problemlos grünes Gemüse essen, was bei Marcumar durchaus den INR-Wert beeinflussen kann.

Experte

Prof. Dr. med. Johann Bauersachs
Portrait von Prof. Johann Bauersachs

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1 Kommentar

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Frau Renate Mitterhofer München

Bei einer Magen und Darm Spiegelung wurde im Befund erwähnt auf NSAR zu verzichten.Habe mich da ich auf alle bisher genommenen neuen Blutverdünner(wegenVorhofflimmern und einer Kardiomyopathie )Blutungen bekommen und mich für einen Herzohr Verschluss entschieden.Ich weis das danach Aspirin genommen werden muss .Was tun?Gibt es da auch ein anderes Medikament das ich anschließend nehmen kann?