Sprechstundenfrage

Herzfehler ASD Typ II und VSD bei Kindern: Was sagt das EKG?

EKG-Ergebnisse können für Eltern häufig verwirrend und unverständlich sein. Experten erklären hier beispielhaft einen Befund.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Unser zweieinhalbjähriger Sohn Lars kam mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt. Laut Befundbericht handelte es sich um einen „Vorhofscheidewanddefekt (ASD Typ II) und einen großen perimembranösen bis nach subaortal ragenden Kammerscheidewanddefekt (VSD)“. Beide Löcher wurden im fünften Lebensmonat ohne Restdefekt operativ verschlossen. Die seit der OP stattfindenden Kontrolluntersuchungen zeigen im Echo eine Trikuspidalklappeninsuffizienz Grad I und eine Mikro-Mitralklappeninsuffizienz ohne Mitralklappenprolaps. Im EKG zeigt sich ein „überdrehter Linkstyp bei linksanteriorem Hemiblock, keine Erregungsrückbildungsstörung, keine sicher pathologischen Hypertrophiezeichen“. Unsere Fragen: Können Sie uns den EKG-Befund für Laien bitte übersetzen bzw. eine Einschätzung abgeben, wie häufig der Befund vorkommt und ob er Anlass zur Sorge für die Zukunft gibt? Zu den Klappeninsuffizienzen hat man uns gesagt, dass wir uns deswegen keine Sorgen machen müssten. Können die Insuffizienzen auf die Belastungen des Herzens vor der OP zurückgeführt werden? (Stefan und Svenja T., Berlin)

Expertenantwort:

Ich freue mich mit Ihnen, dass die Operation am Herzen Ihres Sohnes so erfolgreich war und es ihm nun offensichtlich gut geht. Anzumerken ist allerdings, dass die beiden ehemaligen Defekte an einer ganz zentralen Stelle des Herzens lagen. Dort treffen die beiden Einlassklappen in die Herzkammern (die Trikuspidalklappe in die rechte und die Mitralklappe in die linke Herzkammer) zusammen, und auch die elektrischen Leitungsbahnen des Herzens haben dort ihren „Knotenpunkt“. Der Gewebedefekt hat bereits vor der Operation dazu geführt, dass diese beiden Herzklappen etwas anders angelegt sind als üblich und die Leitungsbahnen einen abweichenden Verlauf um die Defekte herum nehmen. Bei der Operation hat sich durch das Einnähen von Verschlussmaterial („Patch“) die Lage dieser Abschnitte des Herzens noch einmal ein wenig „verzogen“. Dies hat zwar auf die Funktion des Herzens, der Klappen und der Leitungsbahnen meistens so gut wie keinen Einfluss bzw. nur einen so geringen Einfluss, dass daraus auch langfristig keine merkbaren Störungen entstehen. Allerdings kann sich das äußere Bild des Herzens in der Darstellung mit den einzelnen Untersuchungsverfahren (zum Beispiel EKG, Echokardiographie) etwas verändern. Das schlägt sich in der für den Laien verwirrenden Beschreibung des EKGs Ihres Sohnes nieder. Vergleichen können Sie das etwa mit der Narbe am Bauch nach einer Blinddarmoperation: Auch diese Narbe wird immer mehr oder weniger gut sichtbar sein, obwohl der Blinddarm längst erfolgreich entfernt worden ist.

Experte

Prof. Dr. med. Herbert E. Ulmer
Prof. Ulmer