Sprechstundenfrage

TGA mit und ohne Ventrikelseptumdefekt: Wo sind die Unterschiede?

Lesen Sie hier, welche Operationsmöglichkeiten für beide Erkrankungen in Frage kommen.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Meine heute drei Jahre alte Tochter wurde mit einer Transposition der großen Arterien (TGA) ohne Ventrikelseptumdefekt (VSD) geboren. Im Alter von fünf Tagen wurde sie operiert, und seitdem geht es ihr richtig gut. Die Kardiologen sind sehr zufrieden, und wir sind überglücklich. Nun haben wir in unserem Umfeld von einer Schwangerschaft gehört, bei der man schon im Mutterleib festgestellt hat, dass das Kind eine TGA mit VSD hat. Was ist der genaue Unterschied zwischen einer TGA mit VSD und einer TGA ohne VSD? Welchen Einfluss hat das auf die Operation, die dem Kind bevorsteht, welche Form ist schwerer? (Anneliese S., Trier)

Expertenantwort:

Zunächst darf ich Sie beglückwünschen zu der erfolgreichen Operation und dem seitherigen guten Verlauf des Herzfehlers bei Ihrer eigenen Tochter. Sie fragen jetzt nach den Möglichkeiten und der Prognose eines noch ungeborenen Kindes einer Bekannten, bei dem eine Transposition und ein Ventrikelseptumdefekt festgestellt wurden. Leider lässt sich Ihre Frage nicht so einfach beantworten, weil sich die Konstellation am Herzen mit ihrer ganzen Bedeutung bei vorgeburtlichen Ultraschalluntersuchungen noch nicht so zuverlässig darstellen lässt wie nach der Geburt des Kindes. Dabei spielt auch der Zeitpunkt in der Schwangerschaft, zu dem diese Diagnose gestellt wurde, eine große Rolle. Auch wenn das Herz bereits etwa ab der 15. Schwangerschaftswoche „fertig“ angelegt ist, entwickelt es sich bei Vorliegen eines Herzfehlers doch ganz individuell und unterschiedlich weiter. Dadurch können sich zusätzlich noch andere Konstellationen entwickeln, zum Beispiel Herzklappenveränderungen, ungleiche Entwicklung der beiden Herzkammern usw. Ganz allgemein ist aber sicher festzustellen, dass sich eine isolierte TGA, wie sie bei Ihrer Tochter vorlag, einfacher operieren lässt als eine komplexe TGA, bei der zusätzlich zu der Transposition noch weitere Anomalien vorliegen. Aber auch hier kann man davon ausgehen, dass es in der großen Mehrzahl der Fälle prinzipiell eine Operationsmöglichkeit gibt. Es wäre meines Erachtens aber ein Fehler, hier­über bereits jetzt etwas zu sagen und damit bei den Eltern Hoffnungen oder auch Ängste hervorzurufen.

Experte

Prof. Dr. med. Herbert E. Ulmer
Prof. Ulmer