Sprechstundenfrage

Nach Fallot-OP: Was tun bei Vorhofflimmern?

Experten erklären, warum es nach der nach der Fallot-OP zu Vorhofflimmern kommen kann und wie man es behandelt.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Ich wurde 1963 wegen einer Fallot’schen Trilogie operiert. Vor wenigen Monaten wurde nach 6 Tage anhaltendem Vorhofflimmern/-flattern erfolgreich eine Kardioversion vorgenommen. Seit dem Eingriff nehme ich das Blutverdünnungsmittel „Xarelto“ 20 mg ein (Anm. d. Red.: Wirkstoff ­Rivaroxaban). Der behandelnde Chefarzt plädiert nach ­siebenwöchiger Einnahme für das Absetzen des Medikaments, sein Oberarzt spricht sich dafür aus, dass ich das Mittel weiter einnehme. Was soll ich tun? (Konstanze R., Lüneburg)

Expertenantwort:

Zunächst möchte ich Ihnen zu der schon 1963 offenbar erfolgreich durchgeführten Operation Ihrer Fallot’schen Trilogie gratulieren. Sie dürften damit zu den ersten Patienten gehören, bei denen diese Operation in Deutschland durchgeführt wurde. Die Langzeiterfahrungen mit den Eingriffen aus dieser Zeit haben gezeigt, dass Vorhofflattern bzw. Vorhofflimmern bei Fallot gar nicht so selten auftritt wie ursprünglich erwartet. Allerdings ist Vorhofflimmern die häufigste Herzrhythmusstörung. Es könnte daher bei Ihnen als eigenständige Erscheinung aufgetreten sein und nichts mit Ihrem ehemaligen Herzfehler zu tun haben. Wie Ihnen Ihre behandelnden Ärzte sicher erklärt haben, ist Rivaroxaban kein Medikament gegen das Vorhofflattern selbst, sondern ein Blutverdünnungsmittel. Es soll vor der Bildung von Blutgerinnseln im Herzen und dadurch bedingten Embolien schützen. Dieses Risiko hängt natürlich von einem eventuellen Wiederauftreten des Vorhofflatterns ab. Ich nehme an, dass Sie dagegen ein Rhythmusmedikament einnehmen. Insofern wäre ein probeweises Absetzen des Blutverdünners bis zum eventuellen erneuten Auftreten einer Episode von Vorhofflattern zu rechtfertigen. Allerdings tritt nach bisherigen Erfahrungen bei den früher operierten Fallot-Patienten das Flattern meistens doch wieder auf. Die Rhythmusstörung wird von den Patienten teilweise kaum oder gar nicht bemerkt. Daher erscheint der Rat, Xarelto erst einmal längere Zeit einzunehmen, zum Beispiel für die Dauer eines Jahres, nicht unangebracht. Das hängt auch davon ab, wie weit Sie bereit sind, ein gewisses Risiko hinzunehmen oder vorbeugend ein Medikament einzunehmen. Wichtig ist aus meiner Sicht aber auf jeden Fall, dass Sie dauer­haft und konsequent ein Medikament zur Prophylaxe eines erneuten Vorhofflatterns/Vorhofflimmerns einnehmen. Anders als zunächst angenommen ist es heute möglich, die Katheter­ablation nach erneutem Auftreten der Rhythmusstörung ein weiteres Mal und mit guten Erfolgsaussichten vorzunehmen.

Experte

Prof. Dr. med. Herbert E. Ulmer
Prof. Ulmer