Sprechstundenfrage

Welche Nebenwirkungen hat das Schmerzmittel Naproxen auf das Herz?

Bei vielen Schmerzmitteln ist bekannt, dass die Einnahme zu Nebenwirkungen am Herzmuskel führen kann. Vor einiger Zeit wurde dazu in der Herzstiftungs-Sprechstunde gefragt, ob das auch auf Naproxen zutrifft, das dem Fragesteller von seinem Arzt gegen Gelenkschmerzen verschrieben wurde. Hier die Antwort, die Sie evtl. auch schon in HERZ heute gesehen haben, falls Sie Mitglied der Herzstiftung sind und die Zeitschrift zu Herzerkrankungen damit automatisch erhalten.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

„2011 wurde bei mir eine ausgeprägte Herzschwäche aufgrund einer DCM (Dilatative Kardiomyopathie) diagnostiziert. Herzseitig ist mein Zustand stabil, hat sich sogar eher verbessert. Allerdings bereitet mir eine Arthrose im Schultergelenk empfindliche Beschwerden. Sie soll nuklearmedizinisch (durch Radiosynoviorthese) behandelt werden. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, hat mein Arzt mir Naproxen (250 mg) verschrieben, das ich einnehmen soll, wenn die Schmerzen zu heftig werden. Als Alternative wurde mir Paracetamol angeboten, das wegen der Schmerzintensität der Arthrose ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

„Naproxen erschien mir zu gefährlich“

Auf meine Frage, ob Naproxen, ein NSAR (nichtsteroidales Antirheumatikum), herzverträglich sei, sagte er, es sei das am wenigsten bedenkliche in dieser Gruppe von Medikamenten. Auf Grund dieser Antwort erschien mir Naproxen zu gefährlich.

Eigene Recherche brachte mich auf Studien, die Naproxen eine herzschädigende Wirkung zuschreiben. Auch der Beipackzettel von Naproxen nennt eine Herzschwäche mittlerweile als Gegenanzeige. Wozu ist mir zu raten?“ (Erhard M., Burgbernheim)

Experten-Antwort:

Sie baten um Informationen zum Risikoprofil von Naproxen bei chronischer Herzschwäche, da Sie auf Grund einer Schultergelenkarthrose eine Schmerzmedikation benötigen und Paracetamol nicht ausreichend wirksam sei.

Die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), zu denen auch Naproxen gehört, haben aufgrund ihres Wirkmechanismus gemeinsam, dass sie eine bestehende Herzschwäche verschlechtern können, sodass in den aktuellen Leitlinien empfohlen wird, NSAR mit Vorsicht einzusetzen. Entsprechend ist auch der Hinweis in der Packungsbeilage von Naproxen zu verstehen.

Risiko war unter Naproxen lediglich gering erhöht

In Beobachtungsstudien haben sich jedoch zum Teil Unterschiede im Risikoprofil der NSAR gezeigt. Insbesondere eine große Studie aus Dänemark, bei der die Daten von über 100.000 Patienten mit Herzschwäche untersucht wurden, konnte dies verdeutlichen (Gislason et al. 2009). Bei bereits bestehender Herzschwäche war die zusätzliche Einnahme von Rofecoxib, Celecoxib und Diclofenac stärker mit einer Verschlechterung der Herzschwäche, mit dem Auftreten eines Herzinfarkts oder Tod assoziiert als die Einnahme von Ibuprofen und Naproxen, bei denen lediglich eine geringe Erhöhung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestand, das zudem dosisabhängig war. Für Naproxen war hierbei die Einnahme von weniger als 500 mg/Tag sogar ohne bedeutsame Erhöhung des Risikos für die Verschlechterung der Herzschwäche oder Tod, lediglich eine grenzwertige Erhöhung des Herzinfarktrisikos war zu verzeichnen.

Fazit:

In Ihrer Situation ist insofern Naproxen am ehesten zu vertreten. Die Einnahme sollte jedoch in der niedrigsten wirksamen Dosis und über einen möglichst kurzen Zeitraum erfolgen.

Expertin

Dr. med. Maike Anderssohn
Portrait von Dr. Maike Anderssohn

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    Vinzenz Graf von Kageneck

    Dr. med.

4 Kommentare

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E. Landshut

Ich habe ähnliche Beschwerden an Knie und Schulter. Ich fand es sehr gut erklärt. Sehr hilfreich für mich, da ich ebenfalls eine CMP habe.

Gyda H. Hürth

Mein Orthopäde hat mir Naproxen verschrieben nach 3 Rücken-0Ps und Knieprothese. Meine Hausärztin riet mir ab, da ich Bluthochdruck habe und Vorhofflimmern. Dies würde mit einer Aviation behoben. Bin jetzt auf Novaminsulfon umgestiegen, wirkt aber nicht so gut wie Naproxen.

Barbara M. Hildesheim

Ich versuche, so wenig wie möglich zu nehmen und nie länger als drei Tage.

Hans W. Oberndorf

Eine zweite Meinung ist immer sehr hilfreich.