Sprechstundenfrage

Aroniasaft und Blutdruck - Das sollte man wissen

Fast immer kommen zur Blutdrucksenkung auch natürliche Maßnahmen in Frage. Welche der vielen Möglichkeiten dabei tatsächlich zu empfehlen sind und inwieweit dazu auch Aroniasaft zählt, erläutert die folgende Experten-Antwort, die Sie neben weiteren interessanten Fragen möglicherweise schon in der Sprechstunden-Rubrik von HERZ heute gelesen haben. (Die Zeitschrift geht Herzstiftungs-Mitgliedern automatisch 4x pro Jahr frei Haus zu.)

Die Sprechstunden-Frage im Wortlaut:

Ich habe erhöhten Blutdruck, nehme auch Medikamente. Ich will aber den Blutdruck natürlich senken und habe gelesen, dass Aroniasaft helfen soll. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? (Anna-Maria M., Hösbach)

Experten-Antwort:

Aroniasaft wird aus der vorwiegend in Osteuropa angebauten Apfelbeere hergestellt und zur Verbesserung seines Geschmacks mit anderen Säften vermischt angeboten.

Die Aroniabeeren enthalten reichlich sogenannte Flavonoide. Das sind Substanzen, die freie Radikale neutralisieren und damit u. a. Zellschäden verhindern. Diese Flavonoide sind auch in anderen Beeren enthalten, so z. B. in Heidelbeeren und auch reichlich in Cranberries, den großen Preiselbeeren aus den USA.

Was die Werbeversprechungen von Firmen angeht, die Aroniasaft vertreiben, kann man teilweise den Eindruck bekommen, dass Aroniasaft gegen so ziemlich alle Krankheiten auf der Welt helfen soll – angefangen bei Darmkrebs über Arteriosklerose bis zu Blasenleiden und auch gegen vorzeitiges Altern soll Aroniaextrakt angeblich hilfreich sein. Bei einer solch langen Liste muss man natürlich erhebliche Zweifel an einer so weitreichenden Wirkung anmelden.

Studien zu Aroniasaft bei Bluthochdruck?

Mir selbst sind zur Einnahme von Aroniasaft bei Bluthochdruck keine positiven Erfahrungen bekannt. Auch gibt es dazu bei Hochdruckkranken keine größeren wissenschaftlichen Studien und die sonstigen Berichte sind zum Teil völlig unzureichend, um eine entsprechende Empfehlung für Aroniasaft auszusprechen. Bei einer älteren Untersuchung aus der ehemaligen Sowjetunion wird z. B. nur ganz allgemein von Blutdrucksenkungen beim Einsatz von Aroniasaft berichtet, ohne dass genauere Angaben über die Zahl der Patienten oder die Dauer der Anwendung gemacht werden.

Fazit: Aroniasaft können Sie wohl einnehmen. Ich würde aber keinesfalls darauf vertrauen, dass dadurch der Blutdruck gesenkt wird. Stattdessen empfehle ich bei einem neu diagnostizierten Bluthochdruck das folgende bewährte Vorgehen (in Absprache mit dem behandelnden Arzt und in Abhängigkeit von der Gesamtsituation): Versuchen Sie die Werte zunächst mit nicht-medikamentösen Maßnahmen zu senken. Zu den anerkannten Maßnahmen gehören dabei Gewichtsabnahme bei Übergewicht, Steigerung der körperlichen Aktivität, kochsalzbeschränkte Ernährung, wenig oder kein Alkohol und Vermeidung von schädlichem Stress.

Die Steigerung der körperlichen Aktivität können Sie z. B. durch täglich 30-45 Minuten straffes Gehen erreichen. Für eine kochsalzbeschränkte Kost ist wichtig: kein Zusalzen bei der Zubereitung der Speisen in der Küche und beim Essen, keine Pökel- und Räucherwaren, Zurückhaltung mit Wurst und Käse.

Wichtig:

Haben Sie mit diesen Maßnahmen nach 6-8 Wochen keinen ausreichenden Erfolg, sollte eine Behandlung mit Medikamenten begonnen werden, um Folgeschäden an den Blutgefäßen zu vermeiden. Andersherum gilt: Alle, die bereits Blutdruck-Mittel einnehmen, können mit den nicht-medikamentösen Maßnahmen oft erreichen, dass sich von ärztlicher Seite die Menge der Medikamente reduzieren lässt und weniger Nebenwirkungen in Kauf genommen werden müssen.

Experte

Prof. Dr. med. Dieter Klaus

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2 Kommentare

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Dieter K. Hannover

Es ist natürlich immer einen Versuch wert, bei erhöhtem Blutdruck zu erproben, was außer Medikamenten die Blutdrucksenkung fördet. Aber natürlich hat das Ziel der Blutdrucksenung den Vorrang. Bei einer seit fast 60 Jahre bekannten Blutdruckerhöhung habe ich stets darauf geachtet, eine ausreichende Medikation zu bekommen. Zugleich habe ich auf regelmäßige Bewegung, Vermeidung des Übergewichtes und eine geeignete Ernährung geachtet. Geeignete Ernährung heißt für mich, abwechslungsreiche Kost mit wenig Salz, Vermeidung von zu viel tierischen Fetten, mit nur geringen Mengen an Zucker und überwiegend pflanzliche Lebensmittel. Auf diese Weise habe heute mit fast 76 Jahren noch immer ein gesundes Herz und nur sehr leichte Veränderungen an den Blutgefäßen. Bestimmt hat auch etwas Glück dazu gehört. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Kombination der genannten Faktoren meine Gesundheit erheblich gefördert hat.

F.B. I. Horb

Aroniasaftist eine Mithilfe den Blutdruck zu senken. Am besten ist jedoch jeden Tag ca. 1000m zulaufen in freier Natur oder auf dem Laufband zu Hause oder in Einem Studio. Oder auf einem Ergometer zu fahren. Eigene Erfahrung nach Prostatakrebs 2014 und Schlaganfall 2016 und nach Anirismar und Op am offenen Herzen 2018. Wahlspruch: Nur nicht aufgeben, sondern jeden Tag die Übungen minimal steigern und eine gesunde Ernährung wahrnehmen sowie einen guten aufmerksamen Kardiologen jedes halbe Jahr zur Kontrolle aufsuchen.