Sprechstundenfrage

Traumatherapie nach Herzoperation

Angstzustände und Verhaltensstörungen nach frühkindlichem psychischem Trauma sind leider keine Seltenheit. Was können Sie als Eltern tun?

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Bei unserem Sohn Michael wurden direkt nach der Geburt eine Aortenisthmusstenose und im Alter von 9 Monaten ein atrioventrikulärer Septumdefekt (AVSD) glücklicherweise erfolgreich korrigiert. Die Operationen hatten aber nächt­liche Trennung, Stillprobleme usw. zur Folge. Michael war ein Schreikind und hat bis heute Schlafprobleme und Ängste. Wir suchen eine kompetente Stelle für eine Traumatherapie im Kleinkindalter. Können Sie uns einen geeigneten Kontakt empfehlen? (Sonja H., Heilbronn)

Expertenantwort:

Angstzustände und Verhaltensstörungen nach frühkindlichem psychischem Trauma sind leider keine Seltenheit, gerade weil dieses Trauma von den Kindern noch nicht mit dem Verstand aufgearbeitet werden kann. Zu einer von Ihnen angesprochenen Traumatherapie im klassischen Sinn gehört nahezu immer eine solche rationale Aufarbeitung, meist im Rahmen einer Gesprächstherapie. Dazu ist Ihr Sohn aber vermutlich aufgrund seines Alters noch nicht in der Lage.

Sehr gute Erfahrungen hat man gerade bei Störungen im Zusammenhang mit Herzerkrankungen von Kindern, die ja in nahezu allen Fällen die ganze Familie des Kindes betreffen, mit der sog. familienorientierten Rehabilitation (FOR) gemacht. Es handelt sich dabei um gezielt ausgearbeitete Programme in speziellen Einrichtungen für Kinder bzw. Familien. Über das Konzept und die evtl. erforderlichen Formalitäten können Sie sich im Internet unter dem Suchbegriff „familienorientierte ­Rehabilitation“ ausführlich informieren. In meiner Region ist die Nachsorgeeinrichtung in Tannheim im Südschwarzwald eine geeignete Anlaufstelle. Es gibt aber auch noch andere Einrichtungen, die Sie im Internet unter den genannten Stichworten finden können. Der Aufwand, der mit einer derartigen Maßnahme verbunden ist, erscheint auf den ersten Blick zwar etwas groß, dafür sind die Wirkungen nach meiner Erfahrung mit betroffenen Familien nachhaltig gut. herzblatt hat sich inzwischen mit der FOR beschäftigt, in Ausgabe 3.2016.

Experte

Prof. Dr. med. Herbert E. Ulmer
Prof. Ulmer