Sprechstundenfrage

Fistulae coronaro-ventriculares multiples: Welche Behandlung gibt es?

Erfahren Sie hier, was hinter dem seltenen Herzfehler steckt und wie er sich behandeln lässt.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Bei mir wurde vor zwei Jahren an einer Klinik in Bosnien-Herzegowina ein sehr seltener Herzfehler entdeckt: Fistulae coronaro-ventriculares multiples. Außerdem hatte ich bisher drei Schlaganfälle mit jeweils kurzem Klinikaufenthalt. Von einer OP wurde mir abgeraten, weil das Risiko zu hoch sei. Als Medikament wurde mir der Betablocker Bisoprolol (1,25 mg) verschrieben. Trotzdem habe ich fast täglich kurze Anfälle in Form von Schmerzen in der Brust, die bis in den linken Unterarm ausstrahlen. Meistens treten sie bei körperlicher Betätigung und in stressigen Situationen (meist berufsbedingt, ich arbeite beim Grenzschutz) auf. Gibt es für diese Fehlbildung eine Heilung? (Peter S., Bosnien-Herzegowina)

Expertenantwort:

Die bei Ihnen festgestellten „Fistulae coronaro-ventriculares multiples“ sind ein sehr seltener, meist angeborener Fehler der Herzkranzgefäße (der sog. Koronarien). Dabei gelangt sauerstoffreiches Blut, das zur Versorgung des Herzmuskels bestimmt ist, über mehrere (multiple) kleine Kanälchen (Fisteln) am Herzmuskel vorbei meistens direkt in die rechte Herzkammer. Dies kann eine Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff an verschiedenen Stellen zur Folge haben, die sich bei Belastung u. a. als Herzschmerzen bemerkbar macht. Die Ausdehnung der Fisteln und das Ausmaß der dadurch verursachten Funktionsstörung der betroffenen Gebiete im Herzmuskel können mit einer Untersuchung, der sog. kardialen Magnetresonanztomographie (MRT) mit Adenosin-Stresstest, festgestellt werden. Eine Operation ist meistens nicht sinnvoll bzw. nicht erfolgreich, weil es sich um sehr viele und zudem sehr kleine Fisteln handelt. In manchen Fällen ist es jedoch möglich, einige der Fisteln mithilfe eines Katheters zu verschließen und so die Beschwerden zu lindern. In den anderen Fällen wird eine medikamentöse Behandlung mit einem Betablocker wie Bisoprolol durchgeführt. Einzelne Fälle mit einem langen Spontanverlauf über 60 bis 70 Jahre sind beschrieben. Schwere oder stressige Arbeit ist für Sie sicher nicht von Vorteil. Schlaganfälle sind allerdings im Zusammenhang mit dieser Erkrankung nicht beschrieben bzw. mir nicht bekannt. Vielleicht liegen aber bei Ihnen außer den Fisteln noch andere Störungen vor, z. B. Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern. Auf jeden Fall sollten Sie in engem Kontakt zu Ihrem Kardiologen an der Uni-Klinik in Mostar bleiben.

Experte

Prof. Dr. med. Herbert E. Ulmer
Prof. Ulmer