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10 Fakten, die für die Covid-19-Impfung sprechen

Schützt die Covid-Impfung wirklich? Warum dann ein drittes Mal impfen? Zu den wichtigsten Punkten haben wir für Sie eine Übersicht zusammengestellt.

Erstellt: 24.11.2021

Covid-19: Was für den Impfschutz spricht
Astrid Gast – stock.adobe.com

Abwägung von Nutzen und Risiken

Die Verunsicherung bezüglich der Corona-Impfung ist in der Bevölkerung nach wie vor teilweise hoch – oft auch unter Herzpatienten. Wir haben daher 10 Fakten zusammengestellt, die für die Covid-Impfung sprechen. Sie verdeutlichen klar den Nutzen der (Booster-)Impfung bei vergleichsweise geringen Risiken im Vergleich zu einer Infektion mit dem Coronavirus. Das gilt vor allem für die mRNA-Impfungen, da hier die Datenlage inzwischen am besten ist. 

Gerade Patienten und Patientinnen mit Herzkreislauferkrankungen haben bei einer Covid-Erkrankung ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und Tod ; bei Betroffenen mit Herzkreislauf-Erkrankungen, die ins Krankenhaus müssen ist die Sterblichkeit sogar bis zu elffach erhöht im Vergleich zu Herzgesunden.(1)

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Es wurden seit Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus weltweit über 7, 7 Milliarden (=7.711.815.600, Stand 22. November) Impfungen durchgeführt. Es liegen damit mittlerweile nicht nur Zulassungsdaten, sondern zig Millionen sogenannter Real-Word-Daten weltweit vor, die kontinuierlich und konsequent weiter ausgewertet werden – so viele Daten innerhalb kurzer Zeit kann kein anderes Arzneimittel vorweisen. Erkenntnisse zu möglichen Risiken bei bestimmten Patientengruppen konnten daher immer wieder zügig in entsprechend adaptierte Impfempfehlungen einfließen. (vgl. Thromboserisiko bei Vektorimpfstoffen; Myokarditis-Risiken bei unter 30-Jährigen bei mRNA-Impfstoffen).(2)

Die Melderate für Verdachtsfälle! (nicht für bestätigte Fälle) beträgt mit Stand Ende September laut Paul-Ehrlich-Institut für alle Impfstoffe zusammen 1,6 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Reaktionen 0,2 Meldungen pro 1.000 Impfdosen. (3)

Ergebnisse einer aktuellen Studie (ComFluCOV) zeigen, dass sogar die kombinierte Impfung von Influenza- und Grippe-Impfstoffen sicher ist, mit einem tolerierbaren Maß an Impfreaktionen. (4) 

Von über 92 Millionen Impfdosen Comirnaty (Biontech) und Spikevax (Moderna), die nach Angaben des Paul Ehrlich Instituts (PEI) bis einschließlich 30.09.2021 in Deutschland verimpft wurden, sind im Rahmen einer Spontanberichterfassung bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt 1.243 Verdachtsmeldungen einer Myo-/Perikarditis – unabhängig vom ursächlichen Zusammenhang mit der jeweiligen Impfung – berichtet worden. Die Melderate bei Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren sowie jungen Männern unter 30 Jahren war dabei nach PEI-Angaben am höchsten. Die Melderate einer Myo-/Perikarditis bei Covid-19-Impfungen beträgt danach bei Unter-30-Jährigen für den Biontech-Impfstoff etwa fünf Fälle pro 100.000 Impfungen und für den Moderna-Impfstoff etwa elf Fälle pro 100.000. Die meisten Fälle werden als mild und vorrübergehend beschrieben. (3)

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Der Schutzeffekt durch eine Impfung gegen die neue aggressivere Delta-Variante des Coronavirus ist zwar etwas geringer als gegen das Ursprungsvirus, aber immer noch hoch bezogen auf das Risiko schwer zu erkranken oder an Covid-19 sterben, wenn keine Impfung erfolgt. So ist mit einer um 10-20 Prozentpunkte geringere Wirksamkeit gegen symptomatische Infektion durch Delta im Vergleich zu Alpha zu rechnen. Generell verweist das Robert Koch-Institut darauf, dass Menschen, die eine Impfung gegen COVID-19 erhalten, vollständig geimpft werden sollten, damit eine starke Immunantwort induziert werden kann. (5)

Ein nachlassender Impfschutz spricht nicht gegen die Impfung. Das ist ein normaler Prozess, der auch von anderen Impfungen bekannt ist. Wichtig zu wissen zum Thema Impfdurchbrüche: Eine Impfung schützt nie zu 100 %. Wenn der Anteil der Geimpften in der Population steigt, steigt somit auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter allen Personen, die sich infizieren bzw. erkranken, mitunter Geimpfte sein können. Das Risiko steigt auch je mehr aktive Infektionen vorhanden sind – so wie derzeit der Fall. Außerdem: Eine Auswertung von fast 3,5 Millionen elektronischen US-Krankenakten ergab z.B., dass der Schutz der Comirnaty-Impfung gegen Covid-19-Infektion innerhalb von fünf Monaten zwar von 93 auf 53 Prozent zurückgeht. Der Schutz gegen eine Krankenhausaufnahme bedingt durch Covid-19-Erkrankung blieb dagegen hoch bei 97 Prozent. (Lancet. DOI: 10.1016/S0140-6736(21)02183-8).  Allerdings: gerade bei Älteren, Immungeschwächten und auch Patienten mit Herzerkrankungen lässt der Impfschutz stärker nach, wie eine andere Untersuchung nahelegt. (6) 

Mehre Impfungen sind generell nicht ungewöhnlich, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen. Israelische Forscher haben inzwischen den Schutzeffekt nach dritter Impfung mit der Biontech-Vakzine ermittelt : Er beträgt 92 Prozent vor einem schweren Verlauf mit Krankenhauseinweisung und 81 Prozent vor einem Tod in Zusammenhang mit der Covid-Infektion. (7)

Die Auswertung der in Deutschland gemeldeten Nebenwirkung-Verdachtsfälle hat laut Paul Ehrlich-Instituts zudem kein zusätzliches Risiko durch eine Boosterimpfung ergeben. Bei Comirnaty (Biontech/Pfizer) betrug die Melderate nach Booster-Shots 0,1 pro 1.000 Impfungen und für schwerwiegende Reaktionen 0,03 pro 1.000 Meldungen. Bei Moderna betrug die Booster-Melderate 0,5 pro 1.000 Auffrischungsimpfungen und 0,1 schwerwiegende Reaktionen auf 1.000 Auffrischungsimpfungen. (3)

Impfungen dienen in Anbetracht der starken Infektionswelle und einer Todesrate von 0,8 % bei einer Covid-Infektion nicht mehr allein dem eigenen Schutz, sondern zunehmend dem Schutz all derjenigen, die sich nicht impfen lassen können, wie kleinere Kinder, oder die ein extrem schwaches Immunsystem haben. Bei derzeit täglich über 45.000 Neuinfizierten bedeutet das, dass von diesen über 300 Menschen sterben werden. Weitere Zahlen: Etwa 5 Prozent der Infizierten benötigen eine Behandlung im Krankenhaus.

Eine große Studie wertete die Daten von 10.021 deutschen AOK-versicherten Patienten aus, die mit der Diagnose Covid-19 in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Die Sterblichkeit im Krankenhaus betrug 22 %, wobei es große Unterschiede zwischen Patienten ohne Beatmung (16 %) und mit Beatmung gab (53 %). Derzeit (Stand 22.11.) müssen bereits über 3600 Patienten intensivmedizinisch betreut werden. Nicht dabei berücksichtigt sind die Spätfolgen (Long-Covid), unter denen viele Infizierte noch lange leiden. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin geht z.B. davon aus, dass 15 Prozent aller Covid-Kranken von Long-Covid-Symptomen betroffen sind. (8)

Auch die erwarteten neuen Impfstoffe (Totimpfstoff mit abgetöteten ganzen Viren bzw. Proteinimpfstoff mit Viruspartikel) sind keine Allheilmittel – auch wenn Totimpfstoffe an sich schon lange bei anderen Erkrankungen genutzt werden (etwa Diphtherie oder Tetanus). So bergen proteinbasierte Impfstoffe, wie NVX-CoV2373 von Novavax generell das Risiko allergischer Reaktion durch den Gehalt an Fremdeiweiß bei wiederholter Injektion. Für diesen Impfstoff ist die Marktzulassung in der EU bereits beantragt. 

Auch beim Totimpfstoff Valneva kann es zu einer Kreuzreaktion kommen, da das enthaltene Virus viele Proteine enthält. Valneva besteht aus ganzen Coronaviren, die in Zellkulturen vermehrt, anschließend abgetötet und dann zum Impfstoff verarbeitet werden. Zudem muss ebenfalls ein Wirkstoffverstärker – eine Aluminiumverbindung – zugesetzt werden. Es sind bei beiden neuen Impfstoffen nach bisherigen Daten zwei Impfdosen nötig, um einen Schutz aufzubauen. (9)

Die neuen Medikamente, die bei Patienten mit Covid-19 derzeit bereits zugelassen sind, können in zwar einigen Fällen einen schlimmen Verlauf mildern, einige Todesfälle verhindern. Die Zahl der verhinderten schweren Verläufe und Todesfälle ist bei einer Impfung jedoch deutlich größer. Zu berücksichtigen sind zudem die Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie, denn die meisten Covid-19-Patienten benötigen im Krankenhaus einen großen „Medikamentencocktail“ – mit jedem Medikament darin erhöht sich das Risiko von Wechselwirkungen. (10)

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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
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  1. Impfen bietet den besten Schutz vor Covid-19. Inzwischen können auch einige Medikamente erkrankten Patienten helfen. Eine Übersicht.
  2. Fragen und Antworten zu Risiken durch Covid-19-Erkrankung und Impfung
  3. Experten der Deutschen Herzstiftung beantworten Ihre Fragen zur Covid-19-Impfung.

  1. Aggrawal, et al.: 10.1016/j.cpcardiol.2020.10061 und Dorjee et al.: doi.org/10.1371/journal.pone.0243191
  2. https://www.laenderdaten.de
  3. https://www.pei.de (Sicherheitsbericht)
  4. Lancet; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)02329-1
  5. https://www.rki.de
  6. BMJ; https://doi.org/10.1101/2021.07.08.21259776 
  7. Lancet; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)02249-2
  8. www.aok-bv.de (Pressemitteilungen) und JAMA Netw Open. 2021;4(10):e2128568. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.28568
  9. www.gesundheitsinformation.de
  10. S3 Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19; https://www.awmf.org