Sprechstundenfrage

Fallot’sche Tetralogie: Lassen sich Wechseljahrbeschwerden behandeln?

Erfahren Sie hier, was Frauen mit angeborenen Herzfehlern in den Wechseljahren beachten sollten und wie sich Beschwerden lindern lassen.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Ich wurde 1968 mit Fallot’scher Tetralogie geboren. Was weiß man über den Verlauf der Wechseljahre bei diesem angeborenen Herzfehler? Vor Jahren sagte ein Gynäkologe zu mir, ich dürfe eigentlich gar nicht in die Wechseljahre kommen. Ein Kardiologe bezeichnete das aber als veraltet. Da ich mich dem Klimakterium nähere, möchte ich gerne wissen, ob ich diesbezüglich etwas beachten sollte. (Beate M., Fürstenfeldbruck)

Expertenantwort:

Das Thema „Wechseljahre bei angeborenem Herzfehler“ wird künftig immer mehr Frauen betreffen, weil der Anteil der Patientinnen über 40 Jahre zunimmt. Die Östrogenproduktion lässt ab einem Alter von etwa 47 Jahren allmählich nach, die letzte Regelblutung tritt Anfang 50 auf. In diesem Alter können dann auch die typischen Wechseljahrbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Kreislaufprobleme auftreten. Sie kommen in unterschiedlicher Ausprägung vor. Die Frage ist, ob eine Frau mit angeborenem Herzfehler zur Linderung dieser Beschwerden eine Hormonersatztherapie erhalten darf. Für die meisten Frauen kann das mit Ja beantwortet werden; allerdings sollte dies mit der niedrigsten Östrogendosis und transdermal, das heißt über ein Pflaster auf der Haut, erfolgen. Bei Frauen, die ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse haben, das heißt zur Bildung von Blutgerinnseln neigen, wird eine Hormonersatztherapie nicht empfohlen, weil diese Neigung durch die zusätzlichen Hormone verstärkt werden kann und dadurch das Risiko für Schlaganfälle und Beinvenenthrombosen steigt. Bestimmte angeborene Herzfehler (zum Beispiel univentrikuläre Herzen mit Fontan-Kreislauf) gehen ebenfalls mit einem erhöhten thromboembolischen Risiko einher, sodass diesen Frauen im Allgemeinen ganz klar von einer solchen Hormonersatztherapie abgeraten wird. Am besten ist es allerdings für jede Frau, wenn auf eine Hormongabe zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden komplett verzichtet werden kann. Wenn Sie wissen wollen, ob Sie bereits in den Wechseljahren sind, kann Ihr Gynäkologe Hormone im Blut, zum Beispiel den Östrogenspiegel, bestimmen. Wenn sich Wechseljahrbeschwerden einstellen, käme für Sie vom zugrunde liegenden Herzfehler her auch eine Hormonersatztherapie infrage, die allerdings nur dann eingeleitet werden sollte, wenn die Beschwerden nicht anderweitig zu beherrschen sind.

Expertin

Prof. Dr. med. Tanja Rädle-Hurst