Sprechstundenfrage

„Kann Vorhofflimmern auf Stress beruhen?”

Ein Patient meldete sich in der Sprechstunde der Deutschen Herzstiftung mit der Frage, ob er sich wegen seines Vorhofflimmerns evtl. vorzeitig pensionieren lassen sollte, um den beruflichen Stress zu verringern, der bei ihm immer wieder zu Vorhofflimmern führt. Ein drittes Mal abladieren lassen wollte er sich jedenfalls nicht. Die Antwort, die wir Anfang des Jahres bereits in HERZ HEUTE abgedruckt hatten, kommt von dem Vorsitzenden des Vorstands der Herzstiftung Prof. Dr. med. Thomas Meinertz.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Ich litt seit Jahren an anfallsweisem Vorhofflimmern, das mich sehr belastete, weil damit Leistungseinbußen und teilweise starke Schwindelattacken einhergingen. Nach zweimaliger Kryoablation der Pulmonalvenen scheint das Problem deutlich verbessert zu sein. Leider muss ich immer noch Bisoprolol und Flecainid einnehmen. Eigentlich wollte ich durch die Eingriffe von den Tabletten loskommen. Ich habe zwar nur noch seltener spürbare Rhythmusstörungen, die ich dann aber immer sehr deutlich und unangenehm wahrnehme. Daneben merke ich, dass die Attacken in der Regel bei beruflichem Stress bzw. in ausweglos erscheinenden Situationen auftreten. Die berufliche Leistung geht dann gegen Null, da ich in dieser Phase schlecht denken kann und zudem immer in mich hineinhorche. Ist ein solch stark wirkender Zusammenhang bekannt? Ich überlege, ob eine endgültige Lösung eventuell eine Pensionierung wegen Dienstunfähigkeit wäre. Ein drittes Mal abladieren lassen möchte ich mich ehrlich gesagt nicht mehr. Der Erfolg ist ja auch nicht gesichert. (Werner Z., Lemgo)

Experten-Antwort:

Ihre Situation ist nicht ungewöhnlich. Mehrere Patienten haben mir Ähnliches berichtet. Dazu ist Folgendes zu sagen:

  1. Dass Stress Vorhofflimmern auslösen kann, ist bekannt. Allerdings nutzt es meist nichts, den Stress durch Pensionierung abzubauen. Es werden sich dann andere Auslöser von Vorhofflimmern bemerkbar machen.
  2. Hier müssen Sie eine Entscheidung treffen. Entweder Sie nehmen konsequent Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen weiter ein oder Sie lassen eine dritte Ablation durchführen. Es kann sein, dass noch Herde, die Vorhofflimmern auslösen, bestehen, die nur durch Hochfrequenzstrom (HF)-Ablation zu beseitigen sind. Ich selbst bin nach der dritten Ablationsprozedur vollkommen frei von Vorhofflimmern (ohne Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen).

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

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3 Kommentare

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Ortloff S. Viechtach

Liege gerade im Krankenhaus...hstte gestern vorhofflimmern u. Wurde eingewiesen.....bekomme später eine spezielle Ultraschall Behandlung....finde die Berichte hier sehr interessant habe gleich die Zeit genutzt um mich zu informieren...

Ursula B. Schweinfurt

Habe eine Mittelklappenrekonstruktion 2011 hinter mich gebracht. 2013 Schlaganfall bin nun Marcumar Patient 2018 den 2. Schlaganfall aber alles wieder gut. War 4mal wegen Vorhofflimmern im Krankenhaus. Ich lasse mich immer sofort ins Krankenhaus einweisen. Es dauert ca 4 bis 5 Std bis mein Herz wieder rhythmisch ist.

Hartmut R. Bad Wörishofen

Seit einigen Jahren habe ich eine KHK und vermutlich durch privaten Stress zusätzlich Vorhofflimmern. Seit sechs Monaten hat sich meine Situation geändert, ich lebe in einer neuen Beziehung, alleine, glücklich und zufrieden. Das Vorhofflimmern ist geblieben und macht keine Beschwerden. Nehme aber Bisoprolol 5mg.