Sprechstundenfrage

Blutdruck-Schwankungen: Manchmal sind ganz einfache Dinge schuld

Nicht immer ist es einfach, gute Blutdruck-Werte zu erreichen oder unerwünschte Schwankungen im Tagesverlauf zu verhindern. Manchmal liegt es allerdings an ganz einfachen Dingen, warum sich keine befriedigenden Werte einstellen und Probleme auftreten, wie die folgende Sprechstunden-Antwort verdeutlicht.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Immer öfter stelle ich fest, dass ich nachts hohe Blutdruckwerte bekomme und deswegen nicht schlafen kann. So hatte ich neulich um 3 Uhr morgens z. B. einen Blutdruck von 169/95 mmHg. Da ich nur bei Bedarf Valsartan nehme, nahm ich erst 80 mg und um 4 Uhr nochmals 80 mg. Ich dachte, nach den 160 mg Valsartan könnte ich tagsüber vor Schwindel gar nicht mehr gehen. Aber es ging. Der Blutdruck lag um 9 Uhr bei 136/62 mmHg. Von meinem Kardiologen wurde mir eine Langzeitblutdruckmessung empfohlen. Aber die wurde schon vor einem Jahr gemacht und hat mein Problem nicht gelöst. Gibt es keine anderen Überlegungen? (Victor Z., Überlingen)

Experten-Antwort:

Nach Ihrer Schilderung der Probleme, die Sie mit der Blutdruckeinstellung haben, scheint uns ein typisches Missverständnis über die richtige medikamentöse Behandlung des Blutdrucks vorzuliegen.

Bei einem Bluthochdruck ist es sicher falsch, ausschließlich auf eine Behandlung je nach täglich gemessenen Blutdruckwerten zu setzen.

Eine gute Einstellung des Blutdrucks baut zunächst auf einer fest angesetzten Medikation auf, bei der sowohl feste Einnahmezeiten als auch die jeweilige Dosis festgelegt werden. Insbesondere wenn bei einer Blutdruck-Behandlung eine Phase der Dosisfindung vorausgeht, entsteht häufig das Missverständnis, dass die Medikation im Anschluss an eine solche Dosisfindungsphase auch weiterhin über aktuell gemessene Blutdruckwerte gesteuert werden müsse.

Eine stabile Blutdruckeinstellung ist aber nur möglich, wenn Blutdruck-Medikamente nicht „bei Bedarf“ eingenommen werden, sondern kontinuierlich, wie es wahrscheinlich von Ihrem Arzt auch vorgesehen war. Lediglich in Fällen, in denen die Basismedikation zwar überwiegend wirksam ist, aber es dennoch zwischenzeitlich zu Blutdruckspitzen kommt, sind zusätzlich spezielle Medikamente zur Behandlung solcher Bluthochdruckkrisen angezeigt, wobei das von Ihnen genannte Präparat dafür allerdings ungeeignet ist.

Diesen Tipp gebe ich meinen Patienten

Um solche Missverständnisse wie in Ihrem Fall zu vermeiden, kann es hilfreich sein, sich schon vor dem Arztbesuch die eine oder andere Frage zu notieren und sich außerdem im abschließenden Gespräch mit dem Arzt, Notizen zu den Empfehlungen des Arztes zu machen. Auch ist der behandelnde Arzt häufig sehr gerne dazu bereit, seine abschließende Gesprächsführung mit der gleichzeitigen Abfassung eines schriftlichen Medikamentenplans zu begleiten. Zusätzlich ist die umfangreiche Ratgeber-Reihe der Herzstiftung sehr zu empfehlen, in der sich nach einem Arztbesuch zu Hause und in Ruhe wichtige Informationen zu den verschiedenen Herzkrankheiten nachlesen lassen.

In Ihrem Fall wäre das aus der Ratgeber-Reihe z. B. der Sonderband „Bluthochdruck, der von ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet speziell für Patienten geschrieben wurde und genau erläutert, worauf es bei erhöhten Blutdruckwerten ankommt. Enthalten ist auch ein Medikamenten-Teil mit wichtigen Empfehlungen, wie sich z. B. Nebenwirkungen von Blutdrucksenkern vermeiden lassen und welche Präparate man wegen langfristiger Nebenwirkungen nur einnehmen sollte, wenn diese tatsächlich erforderlich sind und die Blutdruckmedikamente der ersten Wahl nicht zum Einsatz kommen können.

Meine Empfehlung:

Sprechen Sie noch einmal mit Ihrem Arzt, wie Sie Ihre Medikamente ganz genau einnehmen sollen. Die von Ihnen angesprochene Langzeitblutdruckmessung ist dabei ein sehr wichtiges Instrument und eine wertvolle Hilfe zur Überprüfung, ob die Blutdruck-Medikamente richtig dosiert sind oder z. B. auch ob Sie von einer Medikamenten-Umstellung profitieren können..

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Unsere Empfehlungen für Sie

  1. Bluthochdruck erkennen, behandeln und senken. Lesen Sie alles Wichtige zur Volkskrankheit.
  2. Lesen Sie hier die komplette Broschüre.
  3. Es ist nicht immer einfach, gute Blutdruckwerte zu erreichen. Häufige Ursachen für einen schwankenden Blutdruck, die Sie kennen sollten.

4 Kommentare

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H. R.

Hallo,
ich habe das gleiche Problem. In fast regelmäßigen Abständen spielt mein Blutdruck auch verrückt. Normalerweise nehme ich täglich morgens und abends eine Tabl. Metoprolol 95 mg und morgens zusätzlich Candesartan 8 mg. Das verhilft mir zu einem durchschnittlichen Blutdruckwert von ca. 117/78. Doch im Abstand von ca. 4 - 6 Wochen steigt der Wert aus unerklärlichen Gründen auf ca. 165/100 an. Dann nehme ich je nach Bedarf bis zur 3-fachen Dosis Cantesartan. Nach einem Tag hat sich der Blutdruck dann wieder normalisiert. Mein Arzt meint, dass diese Lösung besser sei, als Cantesartan dauerhaft zu erhöhen.

O. Essen

Mein Blutdruck schwankt zwischen 170 zu 120 und 130 zu 85 die medikation bleibt immer gleich. Es gibt situationen dann gehts rauf und kann auch auf 100 zu 80 fallen.

Kerstin W. Minden

Ich hatte immer normalen Blutdruck doch seit ein paar Tagen ist er total am schwanken. Von Werte 160/ 100 und dann 117/ 69 ich nehme seit 4 Jahren Bisoprolol 2,5 mg wegen zu hohen Puls

Udo Z. Bergkamen

Hallo, habe ebenfalls Blutdruckschwankungen und zwar beim abendlichen Messen. Es kommt vor, dass mein Blutdruck dann bis auf 165 zu 100 ansteigt,dann spritze ich Nitrolingual und alles geht wieder in den Normalbereich.