Sprechstundenfrage

Herzschrittmacher außer Takt: Was tun bei Problemen mit der Elektrode?

Wenn der Herzschrittmacher bei Kindern Probleme macht, sind Eltern verunsichert. Lesen Sie hier, welche Lösungsmöglichkeiten es geben kann.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Unsere Tochter ist sieben Jahre alt. Sie hat ein Holt-Oram-Syndrom mit Sinusknotendysfunktion und AV-Block, leichter Mitral- und Trikuspidalinsuffizienz; vor zweieinhalb Jahren wurde ein Herzschrittmacher eingepflanzt. Das System wurde vor knapp einem Jahr wegen Dysfunktionen der Elektroden (Isolationsdefekt beziehungsweise Ablösung) ersetzt. Nun löst sich die Kammerelektrode bereits wieder vom Myokard, was zu immer höherem Stromeinsatz und entsprechend zu Muskelzucken geführt hat. Diese Elektrode soll demnächst abgestellt werden. Bei Belastung (Wandern, Schulturnen) zeigt sich manchmal ein sehr auffälliges, ganz starkes Bewegen des linken Brustkorbs im Pulstakt; laut unserem Kardiologen sollte sich unser Kind aber normal belasten dürfen. Diese starken Bewegungen verunsichern uns, auch der Kardiologe weiß nicht, was das bedeutet. Sollen wir unser Kind nach den Schulferien noch am Schulturnen teilnehmen lassen? Wir danken Ihnen herzlich für die Beantwortung dieser für uns im Moment dringenden Frage. (Carola K., Wiesbaden)

Expertenantwort:

Bei Ihrem Kind wurde nach den vorliegenden Informationen der Herzschrittmacher von außen mit den Elektroden im Herzen verbunden. Problematisch ist bei dieser Art von Operation oftmals, dass die Reizschwellen – ein Wert, der den Stromverbrauch des Schrittmachers wesentlich bestimmt – höher sind als bei Elektroden, die von innen in das Herz vorgeschoben werden. Der Vorteil dieser Elektroden ist jedoch, dass die Gefäße bei den kleinen Kindern geschont werden. Weil der Kontakt des Herzschrittmachers zum Herzen über die Elektrode nicht mehr so gut war, mussten die Stärke und/oder die Dauer der Schrittmacherimpulse erhöht werden. Möglicherweise wurde auch von einer bipolaren Stimulationsart (bei der der Impuls nur zwischen den Elektrodenpolen direkt am Herzen gegeben wird) auf einen unipolaren Modus (Stimulation des gesamten elektrischen Feldes zwischen Herzschrittmacher und Elektrodenspitze) umgestellt. Dieses kann notwendig sein, weil der Herzschrittmacher sonst nicht mehr effektiv arbeiten kann. Leider kommt es dadurch öfter zu Erregungen der Muskulatur oder auch des Zwerchfells, was sich durch unangenehmes Zucken im Herztakt zeigt.  Wenn es nicht möglich ist, die Programmierung so zu ändern, dass der Schrittmacher zuverlässig funktioniert, aber keine Muskelstimulation mehr auftritt, kann bei ausreichend guter Überleitung zwischen Vorhof und Kammer die Ventrikelelektrode abgestellt werden. Das ist aber bei Ihrem Kind möglicherweise nicht machbar, weil es ja, wie Sie schreiben, auch einen AV-Block hat. In so einem Fall wird wohl eine erneute Schrittmacheroperation notwendig. Es sollte dann überlegt werden, bei Ihrem siebenjährigen Kind eine transvenöse Elektrode einzusetzen. In der Regel sind hier sehr gute Werte zu erreichen. Wird die Elektrode mit einer Schlaufe gelegt, bestehen Reserven für das Wachstum, sodass Ihr Kind zumindest in den kommenden vier bis sechs Jahren ohne erneute Herzschrittmacheroperation auskommen sollte.

Experte

Dr. med. Joachim Will