Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Ich habe eine Frage zu NT-proBNP. Unsere zehnjährige Tochter hat eine primäre pulmo­nale Hypertonie (Lungenhochdruck). Letztes Jahr lag der Wert von NT-pro­BNP bei 94 ng/l, jetzt beträgt er 226 ng/l. Vor ein paar Wochen hatte unsere Tochter eine Lungenentzündung, von der sie sich inzwischen sehr gut erholt hat. Sie ist gut belastbar, macht Sport und hat guten Appetit. Sie bekommt nur Amlodipin und Marcumar. Vor einigen Jahren hatte sie schon mal einen NT-proBNP-Wert von 350 ng/l. Sie hat eine leichte Rechtsherzvergrößerung und einen Druck von 35 bis 50 mmHg. Kann die Erhöhung des NT-proBNP-Werts mit der Lungenentzündung zusammenhängen oder bedeutet er eine Verschlechterung? Ich habe gehört, eine Lungenentzündung bedeutet für Kinder mit pulmonaler Hypertonie eine extreme Herzbelastung. Sie hatte mehrere Tage 39 Grad Fieber. (Tanja K., Dessau-Roßlau)

Expertenantwort:

Der Wert von BNP beziehungsweise NT-proBNP zeigt den Verlauf bei Kindern mit Lungenhochdruck recht zuverlässig an, wenn er wiederholt gemessen wird. Ein einzelner Wert sagt aber meistens nur wenig über den Krankheitszustand aus, und es gibt bisher auch keine Referenzwerte bei Kindern mit Lungenhochdruck. Wenn der Wert aber im Verlauf deutlich zunimmt, kann das ein Zeichen für eine vermehrte Belastung des Herzens beziehungsweise ein Vorbote für eine klinische Verschlechterung sein. Die von Ihnen beschriebenen NT-proBNP-Werte sind im Verlauf etwas angestiegen. Das kann, wie Sie selbst schon vermutet haben, tatsächlich mit der durchgemachten Lungenentzündung zusammenhängen. Eine Lungenentzündung ist oft bedrohlich für Kinder mit Lungenhochdruck und kann eine deutlich zunehmende Rechtsherzbelastung verursachen. Glücklicherweise hat Ihre Tochter die Lungenentzündung gut überstanden und ist wieder gut belastbar. Das spricht dafür, dass sie wieder aus der Gefahrenzone heraus ist. Der NT-proBNP-Wert kann hierbei etwas „hinterherhinken“. Dennoch empfehle ich, dass sich Ihre Tochter in nächster Zeit wieder einmal in der Sprechstunde für Kinder mit Lungenhochdruck unter­suchen lässt, um weitere Verlaufswerte wie den Sechs-Minuten-Gehtest und zusätzliche echokardio­graphische Funktionsdaten zu erheben.

Experte

Prof. Dr. med. Christian Apitz
Portrait von Prof. Christian Apitz